Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1924-09-26 · Heft 39-40 (26.9.1924) · page 31

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 39-40 (26.9.1924)
Date
1924-09-26
Page
– (sequence 31)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3062972-3064071-3064109--13146-3080635
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 39/40 DIE WAHRHEIT Seite 29 Preisausschreiben! Ein hochherziger Freund der Bestrebungen der Jugendschritrtenkommission der Großlage für Deutschland VIII des Unabhängigen Ordens Brie Briss (U. 0. B. B.) hat (die Summe von E i n t a u s e n d f ü n fhundert Mark zur Prämiierung geeigneter Schriften für die reifere jüdische Jugend zur Verfügung gestellt. Es sollen drei Preise zur Verteilung kommen: Ein erster von siebenhundertfünfzig Mark, ein zweiter von fünfhundert Mark, ein dritter von z w eih und« r t f ü nf z i g Mark. Erwünscht ist eine, Erzälüung oder Novelle, die jüdisches Leben oder jüdische Gestalten derart schildert, daß die jüdische Sittenlehre für luden und Christen anschaulich hervortritt, ohne daß eine Tenidienz aufdringlich sich_bemerkbar macht. Die Einreichung der Arbeiten hat bis zum 31. März 1925 an die Großloge für Deutschland. VIII U. 0. B. B., Berlin W. 62, K1 e i s t s t r a ß e 12, zu erfolgen. Die Arbeiten sind mi't einem Kennwort zu versehen. Dieses muß auf einem verschlossenen Briefumschlag wiederkehren, der eine Karte mit dem Namen des Verfassers enthält. Die Prüfung der eingegangenen Arbeiten und die Zuerkenmung der Preise wird durch eine Kommission erfolgen, welche die Jugendschriftenkommiiission der Großloge für Deutschland ernennt. Die Verteilung der Preise erfolgt bis spätestens August 1925. Die preisgekrönten Arbeiten blefiben Eigentum der Großloge, die für ihre Verbreitung in geeigneter Weise Sorge tragen wind. Die Verfasser übernehmen die Verpflichtung, die Arbeit bis zum 1. November 1925 druckfertig herzustellen. J. Löchler: Vom Hakenkreuz. Kurt Kabitsch, Leipzig 1921. — Diese verdienstliche, reich illustrierte Zusammenstellung hält mit Recht an der Deutung des Hakenkreuzes als Sonnensynibol fest. Bei einigen Indianerstämmen Neufmexikos ist es geradezu das Zeichen der Anhänger der Sonnenreligion geworden. Nach Amerika dürfte es über China gekommen sein, dessen uralte Verbindung mit dem Aztekenreich durch dort aufgefundene Skulpturen des chinesischen Elefantengottes u. a. erwiesen ist. Löchler entscheidet sich für eine indogermanische Herkunft des Symbols, das fast über die ganze bewohnte Erde verbreitet ist. Die Erklärung als männliches und weibliches ' Prinzip, aus dessen Vereinigung der Gott Agni (= Feuer) geboren wird (S. 8), erinnert an die Deutung des Magen David, der auch hier (Tafel IV, Nr. 56) auf einem altindischen Symbol für die Sonne erscheint. R. Fr. W. Förster: Christentum und Pädagogik. Eine Auseinandersetzung mit Herrn Domdekan Dr. Kiefl. Ernst R e i nh a r d, München. — Dem Verfasser ist es nach seinen eigenen Worten ergangen, wie einem Manne, der seinen Begleitern die Schönheit und Erhabenheit eines Domes erläutert und dem aus einem plötzlich sich öffnenden Kirchenfenster heraus eine Maulschelle verabreicht wird. Förster hat für die Würdigung des Katholizismus in nicht katholischen Kreisen mehr getan als irgend ein Zweiter. Zum Danke dafür werden von seinem Gegner die Katholiken vor seinen Schriften gewarnt. Es werden ihm literarische Jugendsünden, seine Tätigkeit für die ethische Kultur und dergleichen mehr vorgehalten. Mit Recht und Erfolg verteidigt sich Förster gegen solche unwürdige Polemik. An der Aufrichtigkeit seines Ueberzeugungswandels zu zweifehl, liegt ebenso wenig Grund vor, wie der starren Orthodoxie vor seiner Art der religiösen Propaganda den Vorzug zu geben. R. Ch. A, EHwood. Zw Erneuerung der Religion, W. K o h Ihammer, Stuttgart. Uebersetzung von B. L. Frank. Das Buch ist eine Verherrlichung des Judentums. Das Judentum firmiert zwar darin als soziales Christentum. In Wirklichkeit ist aber dieses Christentum hier, wie in so vielen anderen ähnlichen Büchern, so destilliert und auf die Lehren unserer großen jüdischen Propheten nicht „reduziert", dürfen \vk sagen, sondern zurückgeführt, und von allem dogmatischen Ballast so geläutert, daß man es gerechter und historisch getreuerweise nicht anders, denn als Judentum ansprechen kann. Ellwood selbst sagt (S. 82): „Die Religion der späteren jüdischen Propheten war es. die die Grundlage ist, auf der alles aufgebaut wurde, was im Christentum, im Islam und im späteren Judentum von Wert ist". Wenn aber der Verfasser hofft, daß die Jaulen, wenn der Haß der Christen gegen sie geschwunden, sich zu Christus bekehren werden, so widerspricht er sich selbst, indem doch nach seinen! eigenen Worten dile Juden dadurch nichts an Wert gewinnen könnten, was sie nicht schon; besitzen. Im übrigen scheint die Sache noch nicht diskuissionsreif, solange die Prämisse fehlt. Warten wir, bis sich das Verhalten der Christen gegen uns ändert, wie es unser Buch fordert, dessen Lektüre Jaiden wie Christen, diesen ganz besonders, zu empfehlen ist. ' R. Im Burgverlag (Ferd. Zöllner) Wien, sind erschienen: Urgeschichtliche Volksbücher, im Auftrage der Wiener prähistorischen Gesellschaft herausgegeben von Univ.-Professor Dr. 0. Menghin, Band I: G. Kraitschek, Rassenkunde. Wer den Glauben an die Allheilweisheit der Schädelmessungen und des sonstigen Brimboriums der sogenannten Rassenkunde noch nicht abgelegt hat, findet hier eine fleißige und übersichtliche Zusammenstellung des einschlägigen Inventars. „Mit besonderer Berücksichtigung des deutschen Volkes' heißt es auf dem Titelblatt. Es bedeutet eine Verhimmelung der arisch-germanischen „Rasse" ä Ia Chamberlain. Auch die Juden werden „besonders berücksichtigt"! „Einzelne Juden zeigen allerdings" — trotz der sonst „auf Handel und Geldgeschäft" gerichteten jüdischen Geistesart — „auf dem Gebiete der Musik" usw. bedeutende Begabung, man darf aber dabei „den nordischen Einschlag nicht außer acht lassen". Gegen sie richtet sich das Schlagwort: „Jeder mehr oder weniger nordisch veranlagte Arier muß sich von dem jetzt alles beherrschenden Einfluß der ihm wesensfremden Rassenseele freimachen." Heil Hitler! Band 2: O. Menghin und V. Wanschura, Urgeschichte Wiens. Eine gute Uebersicht über den gegenwärtigen Bestand an Denkmälern aus der Urgeschichte unserer Stadt, zugleich eine Anregung zum Besuche der vorhandenen öffentlichen und privaten Sammlungen. R. Reinhard Strecker, Amerika als Erzieher. Das kleine lesenswerte Schriftchen erschien als 9. Heft der vom Fackelreiter-Verlag besorgten Publikationsreihe „J u n g e Republik" und wurde angeregt durch die Anwesenheit des Verfassers gelegentlich des Weltkongresses gegen den Alkohol in Torrento, Kanada. Strecker hofft, gleich vielen Politikern, auch Nitti, das Heil Mitteleuropas von Amerika kommend. Nicht nur kraft dessen großem Einfluß und reicher Mittel, sondern auch durch die Erkenntnis von der Schädlichkeit jeglichen geistigen Getränkes. An Hand reichen statistischen Materials wird festgestellt, was die Vereinigten Staaten seit ihrer „Trockenlegung" materiell und moralisch gewonnen. Dem wird entgegengehalten, daß Deutschland in Wein, Bier und Schnaps trotz Not und Schulden jährlich drei Milliarden Goldmark versäuft, während es jetzt sein Gold und seine Kraft für ernste Zwecke braucht. „Tu den Alkohol von dir ab", mahnt Strecker in schwerer Schicksalsstunde. Amerika wird dies verstehen, Amerika weiß, was die Befreiung vom Alkohol bedeutet. Das Geschäftsleben blüht auf, die Säuglingssterblichkeit geht zurück, die Gefängnisse werden leerer, die Trinkerheilstätten können geschlossen werden. Die Kneipen werden nicht mehr wiederkommen. Noch ist ganz Europa wahnsinnig vom Kriege und -seinen Folgen. „Hebe du, deutsches Volk, in all deinem Jammer stolz dein Haupt." Ob solche eindringliche Worte das Volk der Dichter, Denker und Trinker abhalten werden, trotz Hungerelends allmonatlich eine Million Kilogramm Gerste in die Braubottiche, drei »Millionen Kilogramm Kartoffel in die Braukessel zu tun? Immerhin sdllte ..Amerika als Erzieher" auch in unserer feucht-fröhlichen Republik gelesen und beherzigt werden. gfca»«äSä3 Gedenket in Leid und Freud des israelitischen Taubstummeninstituts in Wien III., Juchgasse 22.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.