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Die Wahrheit · 1924-09-26 · Heft 39-40 (26.9.1924) · page 28

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 39-40 (26.9.1924)
Date
1924-09-26
Page
– (sequence 28)
Language
German
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Seite 26 DIE WAHRHEIT Nr. 39/40 teilige, das von den Hakenkreuzlern behauptet wird, ist, wie der angeführte Fall wieder einmal zeigte, erlogen. Masaryk über die Judenfrage. Im Warschauer jüdischen Tagblatt „Haint" veröffentlicht A. S. Link eine umfangreiche Darstellung seiner Reise durch die Tschechoslowakei. Von Interesse ist ein Gespräch mit dem Präsidenten Masaryk. Im Verlauf dieses Gespräches frage ich den Präsidenten, wie er über die Judenfrage denkt und er antwortete mir: Bei uns gibt es keine Judenfrage. Die Juden leb'en da vollständig gleichberechtigt und ich glaube, daß sie zufrieden sind. Auch wir unserseits siwc! mit den Juden zufrieden.' Ich meine, daß Antisemitismus als politisches Programm bei uns fast eine Unmöglichkeit ist. Einige haben den Versuch gemacht und sind gleich durchgefallen.. Das tschechische Volk ist vom Rassenhaß weit entfernt. Uebrigens müssen einander Völker gar nicht Heben, esgenügt, wenn eines das andere versteht und achtet. Und halten Sie die Juden für eine Nation? Das ist eine etwas komplizierte Frage. Vor dem" Kriege ist der Begriff „Nation" mit dem des Staates ständig verbun'den gewesen, aber jetzt hat man gelernt, daß jede Vereinigung, die sich subjektiv als Nation betrachtet, schon dadurch allein eine mit den anderen gleichberechtigte Nation ist.(?) Was die Juden anbelangt, sind wir von unserer Seite bereit, sie als Nation anzuerkennen und alle, nationalen Rechte der Minderheiten ihnen zu geben. Doch sie sind allein untereinander nicht einig, sie haben verschiedene Richtungen, die einander bekämpfen und nur die Z i o n i s t e n proklamieren sich ausdrücklich a 1-s Volk. Die deutsche Deflation — verjudet. Im wirtschaftlichen Teil der großen Berliner Zeitungen sind in der letzten Zeit oft Artikel über die Rolle des Michael-Konzerns in. der deutschen Deflation erschienen. Die Zeitungen weisen darauf hin, daß im Gegensatz zu Hugo Stinnes und anderen großen deutschen Industrie- und Handels-Häusern, die sich während der Inflation ungeheuer bereichert haben und jetzt in der Zeit der Deflation sehr viel von ihrer Aktivität eingebüßt haben, der Michael-Konzern gerade in der Epoche der Gesundung des deutschen Finanzwesens eine große Rolle spielt. Der Leiter des Michael-Konzerns, Herr Jakob Michael, ist in Finanzünd Industrie-Kreisen der meistgenannte Mann. Wo es etwas zu sanieren gibt, wo große Summen notwendig sind, um eine Sache in Schwung zu bringen, da vermutet man eine Beteiligung Michaels. Jakob Michael ist am 2fi. Februar 1894 in Frankfurt a. M. als der Sohn eines gesetzestreuen, begüterten jüdischen Kaufmannes geboren und ist selbst streng religiös. Als 20 jähriger junger Mann wurde er zu Beginn des Krieges als Soldat eingezogen. Damals erschloß der deutsche Kriegs¬ und Zivilwirtschaft das bisher unbekannte Wolfram-Lager im sächsischen Erzgebirge. Einige Jahre später errichtete er zunächst in Frankfurt, dann in Berlin ein Handelsgeschäft, die Firma .T. Michael & Co., die sich schnell ausdehnte. Noch während des Krieges wurden im neutralen Ausland Filialen eröffnet. Die Firma besaß schon im Jphrr 1923 30 Fabriken, dann ein internationales Filialnetz. Als die Inflationskrise vorüber war und die Zeit der Deflation eintrat, beschäftigte sich die Firma mit umfangreichen Finanzierungen von in die Geldklemme geratenen Unternehmungen und hat auf diese Weise das deutsche Wirtschaftsleben ungeheuer gestützt. Michael war auch der Finanzier der deutschen: Reiehsnost während der Stabilisierun-gskrisis. Im Februar 1924 gründete Michael die Industrie- und Privatbank. Die Zeitungen stellen fest, daß der 30jährige Michael schon heute in der ersten Reihe der deutschen Finanziers steht und daß alles dafür spricht, daß sein Weg noch nicht den Höhepunkt erreicht hat. Religion und — Eisenbahn. Die Vereinbarlichkeit dieser beiden grundverschiedene Dinge hat die königlich-rumänische Regierung, bezw. das königlich-rumänische Eiscnbahnministerium bewiesen. Sein Amtsblatt, das bestimmungsgemäß Fahrplanänderungen, Fracht- und Zolltarife und sonstige verketrrstechnische Mitteilungen veröffentlichen sollte, brachte kürzlich einen Artikel, der als Extrakt aus dem berüchtigten „Talmudjuden", „Kampf mit Jahwe", oder ähnlichem hakenkreuzlerischen Machwerk betrachtet werden könnte. Der Redakteur des rumänischen amtlichen. Verkehrsblattes zeigte, daß er nicht ohne Nutzen seinen Fritzsch und Dinter gelesen, daß er die Juden im allgemeinen, folglich auch die rumänischen als Menschenpest ansehe, die als Strafgericht des Himmels ergangen sei. Nach bekanntem Beispiel zitiert der journalistische Eisenbahner aus dem Schulchan Aruch Stellen, die für die abgrundtiefe Verderbtheit des Judentums Zeugnis bringen. Kein Unrecht, ' kein Verbrechen bis zum Raub und Meuchelmord, das deh Kindern Israels nicht religionsgesetzlich geboten wäre, sofern daraus den Christen Nachteil, den Juden Nutzen erwüchse. Uiüd alle diese aufreizenden Lügen ausgerechnet im Amtsblatt des rumänischen Eisenbahnministeriums! Welche Absicht, welcher Zweck kann dieser Ungeheuerlichkeit zugrunde liegen? Das Interesse des Verkehrsdienstes kommt dabei gewiß nicht in Betracht. Aber vergesse man nicht, daß Rumänien eine —' nicht lachen, ihr Freunde —• liberale Re-. gierung hat, deren Liberalismus unter anderem die Aufnahme jüdischer Studenten an Mittelschulen und Universitäten durch Geheimerlaß zu verhindern strebt. Der Eisenbahnminister wollte da nicht hinter dem Unterrichtsminister an Liberalismus zurückstehen und lancierte den antisemitischen Artikel ins Amtsblatt zur Därnachachtung, wie das Zugspersonal sich geT genüber jüdischen Reisenden verhalten solle, oder wie es in dienstfreier Zesit die Landbevölkerung über die Judani aufklären müsse. Mit ausgesprochen nackter Gewalt gegen die Juden seines Landes vorzugehen, verbietet Rumänien das Minderhieätenschutzgesetz im Vcrsailler Friedensvertrag, aber auf Schleichwegen dem alten rumänischen Judenhasse die Wege zu bahnen, kann nicht verhindert werden. Es wäre dies eine Schmälerung der Staatshoheit und schließlich ist Rumänien doch ein Stückchen Entente. Vielleicht wird zu dieser Angelegenheit der Völkerbund sich nicht achtlos verhalten. Sie können auch anders. Der stellvertretende Generalkonsul Ungarns in New York, D. Louis Alony, hat Herr Felix M. War bürg, den Präsidenten des amerikanisch-jüdischen Joint Distribution-Committee, davon in Kenntnis gesetzt, daß Admiral Horthy, der Staatsverweser Ungarns, ihm den Orden des ungarischen Roten Kreuzes verliehen hat. Der Brief, der Herrn Warburg von der ihm zuteilgewordenen Auszeichnung in Kenntnis setzt, lautet: „Ich habe das Vergnügen, Sie davon zu benachrichtigen, daß Seine Durchlaucht, der Regent von Ungarn, Nikolaus Horthy v. Nagybanya, Ihnen in Anerkennung Ihrer in Ungarn zur Linderung der Not geleisteten Dienste den Orden des ungarischen Roten Kreuzes verliehen hat. Ich werde die Ehre haben, Ihnen die Insignien und Statuten des Ordens persönlich zu überreichen." Wie die JTA. erfährt, hängt die Herrn Felix AI Warburg verliehene Auszeichnung mit seiner Tätigkeit als Vorsitzender des Sibirischen Repatriierungs-Kriegsfonds zusammen. Dieser Fonds wurde am 6. April 1920 von einer Anzahl Hilfsorganisationen in New-York zwecks Heimführung der zahlreichen Kriegsgefangenen der Mittelmächte aus Sibirien, die infolge der dortigen Wirren' in einem unsagbaren Elend dahinlebten, gebildet. Das Joint- Distribution-Committee spendete für diesen Zweck eine Summe von 250.000 Dollars. Im Zusammenhang mit dieser Tätigkeitfand zwischen der ungarischen Regie.runig und dem Joint- Distribution-Committee eine ausgedehnte Korrespondenz statt. Ein antisemitisches „Drama" verboten. Auf einer Privatbühne in München-Schwabing wird seit einiger Zeit ein antisemitisches Tendenzstiick in bayerischer Mundart unter dem Titel „B 1 u t s ü n d e" aufgeführt, das einen jugendlichen Nationalsozialisten -namens Beck zum Verfasser hat. Die völkischen Kreise machen viel Aufhebens von dieser Aufführung; sie kündigten an. daß von der Dramatik dieses Beck eine „kulturelle Erneuerung des/ Theaters" zu erwarten ist. Im übrigen handelt es.sich um eine unerhörte Bluthetze gegen die Juden. Die Münchener Polizei hat sich nunmehr entschließen müssen, weitere Aufführungen dieses Stückes trotz des privaten Charakters der Veranstaltung zu verbieten. In der Begründung wird gesagt: Die Tendenz dieses Stückes und seine Blutrünstigkeit stellen ein unzulässiges?4aß von" Volksverhetzung dar." Das Khaki-Hemd. Die Hakenkreuzler machen es den italienischen Faszisten noch: sie wollen sich künftighin durch ein Hemxf kenntlich machen, dessen dunkle Färbung chronischer Ungewaschenheit Vorschub leistet. Der „Völkische Kurier" bringt bereits folgenden Aufruf: „Kameraden! Das äuJßere Zeichen, durch dia,s sich der deutsche Mann zur nationalsozialistischen Freiheitsbewegung bekennt, ist das braune Hitler-Hemd! Wie "bisher ist das Hernid durch die Dienststellen des Vaterländischen Schutzbundes oder direkt bei der Ausgabestelle im Salzburg (Vaterländischer Schutzbund) zu beziehen. Adolf Hitler trägt bereits das braune Hemd in Landsberg! " Jeder Angehörige des Vaterländischen Schutzbundes usw. und der Jugenitruppen erhält das Hemd mit Krawatte, jeder Anhänger unserer- Bewegung als Nichtmitglred des

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