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Die Wahrheit · 1924-09-26 · Heft 39-40 (26.9.1924) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 39-40 (26.9.1924)
Date
1924-09-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 39/40 DIE WAHRHEIT Seite I velau jossof", sie lebt und tönt fort seit Jahrtausenden, wenn auch nur leise, fast ungehört und unbemerkt, bis daß herankommt jener Tag am Ende der Tage, an welchem sie mit elementarer Gewalt von neuem hervorbricht als „Tekioh Geldauloh", als der allumfassende, weltumspannende Posaunenschall, der uns Bekenner des Judentums von altersher ein Symbol ist der Welterneuerung unld zugleich der Erlösung des jüdischen) Volkes. Jener Tag, von. welchen* der Prophet sagt: „Und Gott selber wird in die Posaunen stoßen und den Frieden unter den Völkern verkünden". Und* an jenem Tage wird der Ewige einzig und sein Narrte einzig sein. Channa. Und auf des Tempels Schwelle kniet ein Weib, Mit der Erregung Abglanz auf den Wangen. Ein Beben geht durch ihren schlanken Leib, Von Wunsches Inbrunst scheint sie tief umfangen. Wohl betet sie mit hetißer Andacht Glut, Doch ihrer Stimme Schall ward nicht vernommen, Denn der Gedanken leiddurchwogte Flut Läßt ihren Lippen keinen Laut entkommen. Und Eli, treuer1 Diener seinies Herrn, Er spricht: „O Weib, wenn Du vom Weine trunken, Von Gottes Heiligtume halt dich fern, Tief bist Du, Tochter Israels, gesunken". Doch sie: „Nicht solchen Frevels, Herr, mich zeih, Nicht schwer vom Wein, vom Kummer schwer getroffen Fleht ich zu Gott und meinen Blick darf frei Erheben ich zum Priester, frei und offen." „Und schloß so bittrer Gram dir deinen Mund, War er's, der deine Lippen dir versiegelt, Erhörung tue deinem Wunsch ich kund; Die Freude einst, siel wieder dir entriegelt, Und deiner Worte drängend Heer, dannf bricht Hervor, der iangen Haft entionnen. Entgegenjauchzt und jubelt es dem Licht, Dich aber grüßen hohe Lebenswonnen." Beate Baumgarten. Versöhnung. Nach der Zeit ernster Rüste uind Vorbereitung naht endlich der hehre Tag, wie ihn nur Israels Religion kennt und wir ihn nur einmal im Jahre begehen, der Himmelsbote des Friedens, 'der „Tag der Versöhnung". Es feiert an diesem Tage das Göttliche im Menschen sein Siegesfest. Bezwungen sind alle niederen Triebe und Regungen: das Ewige und Unvergängliche herrscht, besiegt ist aller Zwist und Hader; die Bilder des inneren Friedens und der Versöhnung ruhen im menschlichen Herzen, gebannt sind alles Weh unid Leid des Erdendaseins. Auf Fittichen der Andacht erhebt sich die Seele zu ihrem Ursprung, schüttelt den Staub der Erdenniederungen von ihren Schwingen; der Versöhnungstag ist die schönste Perle in der Krone religiöser Feste des Judentums, die wir um keinen Preis in der Welt missen wollten. > Aber nicht bloß dieser Schimmer verbreitet Licht und Glanz über das Wesen unserer Religion, sondern schon in dem, was diesem Feste vorausgeht, so schlicht, einfach und geräuschlos, kaum daß man viel Aufhebens davon macht, liegt eine ganze Fülle von Beachtenswertem. Es ist Rüsttag des Jomhakipurim. Des Tages Schatten werden immer länger. Die Sonne neigt sich gegen Westen. Ernste, weihevolle Stimmung erfüllt bereits die Gemüter und! 'ein jeder hält nochmals über sich selbst Gericht, läßt die Geschehnisse der Vergangenheit an) seinem Geiste vorüberziehen; da erinnert er sich plötzlich, daß er den Bruder beleidigt, daß er gekränkt oder gedrückt den, der wie er, den Stempel Gottes an sich trägt. Mit solchem Schuldbewußtsein will er an dem heiligen Tage des Jahres nSch't vor seinem Gotte hintreten. Wie dürfte er auch so gnädige Aufnahme erwarten? Denn, „wer darf besteigen den Berg des Herrn und wer hintreten an seine heilige Stätte? Nur wer reine Hände hat und lauteren Herzens ist." Und er nimmt sich ein Herz und geht hin zu dem, den er beleidigt und gekränkt oder bedrückt und niedergebeugt, und reicht ihm die Hand zur Versöhnung, i Siehe da, er täuscht sich nicht in seinen Hoffnungen; der Bruder hat sich selbst nach diesem Augenblick gesehnt. So schmilzt die harte Rinde, die sich während des langen Jahres um die "Herzen gelagert und von neutem schlingen sich die Bande der Freundschaft und gefestigt werden aneinander, deren Seelen und Herzen geknüpft sind durch die Natur. Alles dies erwirkt die erwartete Ankunft des großen und heiligen Tages; er ist ein wahrer und echter Herold desjenigen, der Frieden stiftet in den Himmelshöhen und auf Erden. Es ist dies nur ein schlichter Brauch, von dem hier die Rede war. Kann er nicht aber jedem den Beweis erbringen, wie Israels Religion die Betätigung einer Nächstenliebe zu ihrer Grundlage hat? Wie wir einen Menschen niemals nur nach den Handlungen verurteilen werden, die sich unter den Augen der Oeffentlichkeit abspielen, wie wir vielmehr, um über ihn ein untrügliches Urteil zu gewinnen, ihn auch da beobachten, wo er sich unbelauscht wähnt und sich ungeziert gibt, so ist <es auch gut, bei der Beurteilung einer Religion ähnlich zu verfahren. Auch hier sprechen geraide kleine Züge, deren Beachtung von ihr gefordert wird, am meisten wahr und zuverlässig. Welcher Art muß doch die Religion sein, welche ihren Bekennern die Lehre vermittelt, daß der Versöhnung mit Gott die Aussöhnung mit den Menschen vorausgehen muß! Der schlichte Brauch, den der rechte Israelit am Vorabend seines heiligsten Festes übt, erklärt uns d&e ganze Hoheit jüdischer Lehre deutlicher und auch besser, als die noch so laut und noch so feierlich aufgestellten Gegensätze. Auch einer anderen schönen Seite sei hier in diesem Zusammenhange gedacht. Der Abendgottesdiienist hat bekanntlich seinen Namen von dein altehrwürdigen Gebete, mit dem er eröffnet wurde. Die andächtige Schar der Beter harrt in bebender Demut des Beginnes des heiligen Tages; da erklingen die alten weihevollen Weisen des KolnMre. Welchen Sinn hat dieses Gebet? Es will diese Formel Schwüre und Gelöbnisse, die man in Uebereilung getan, ohne daß deren Ausführbarkeit erst sicher erwogen wurde, soweit sie dem, der sie geleistet, irgendeine Entsagung oder eine sonstige, ausschließlich ihn selbst betreffende Leistung auf- 'Ä^sto-jw'^psflNi

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