Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 39-40 (26.9.1924)
- Date
- 1924-09-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3062972-3064071-3064109--13121-3080610- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 39/40 und Verfall. Perser und Meder, Assyrer und Babyergehen ihrer Mitglieder, sondern zu allererst für lonier, Römer und Athener und teilweise auch die die geistige und sittliche' Erlösung des g a n z e h Germanen sind, 'nachdem sie den Zenith ihrer Menschengesch 1 echts betet: „Und lasse nationalen Entwicklung überschritten, immer tiefer doch walten die Ehrfurcht vor dir über allen deinen herabgesunken, bis sie spurlos verschwanden. Nicht Werken, auf daß sie dich ehrfürchten und sich vor also aber Israel. Deshalb nicht, weil es selbst in den dir bücken alle deine Geschöpfe und sie alle zu einem düstersten Epochen seiner Geschichte, in hohen Bunde werden ... deinen Willen zu tun mit ganzem Gliettomauern dahinschmaehtend, 'dem blutigen Haß Herzen"... In zahllosen Variationen kehren diese der Völker ausgesetzt, die Kraft gefunden, sich über Worte in der Liturgie des Neujahrstagesi wieder, sie das eigene Schicksal zu erheben in jene lichtvollen enthalten eine der erhabensten Ideen der Mensch- Regionen, wo es ihm ein leichtes ward, sich selbst heit und zugleich einen Grundgedanken des Judenvergessend und seines Leides nicht achtend, an der ' tums, der den Daseinszweck Israels als Heils- Veredlung der Menschheit und .der Durchsetzung boten und Vermittler des erlösten Menschengedes Menschheitsbegriffes mitzuwirken. Und: ebensoschlechts begreift. Diese Ideenwelt, diel sich wie ein wenig begnügte es sich auf der Höhe seines Hochgipfel ausnimmt in unserer kleinen und kleinnationalen Glückes damit, Herr im eigenen Hause, liehen, im Menschen und' Völkerhaß immer tiefer vielmehr und weitmehr wollte es zugleich Diener versinkenden Zeit, gelangt auch in den „Schofroth" am Werke der Humanität und Menschenliebe sein, zum sinnfälligen Ausdruck, jenen Tönen,, diie auf den Nirgends gelangt dies in so erhebender Weise zum Ausgangs- und Endpunkt unseres geschichtlichen Ausdruck, als in den Gebeten unseres Neujahrs- Seins hinweisen. War Israel einst unter den Klängen festes. Es ist die Stimme Jakobs, dies Gottesknieehtes, des Schofars als Volk Gottes ins Dasefin getreten, die hier in wundervoller Reinheit erklingt, des so wird, nach Ansicht unserer alten Weisen, dieses Gottesknechtes, der sich als'Träger dler ewigen Idee uralte, geheiligte nationale Instrument' auch Ider, Vervon der "Einheit des Menschengeschlechtes fühlt künder und Begleiter des gewaltigsten Vorgangs, und sein Glück und Heil an das der gesamten des Höhepunktes in seiner geschichtlichen Ent- Menschenwelt geknüpft sein'läßt. Ist es nicht eine im Wicklung sein, jenes Tages, an welchem die auf höchsten Maße bezeichnende Erscheinung, dlaß — Ehrfurcht gegründete Erkenntnis Gottes die ganze um nur eines hervorzuheben — an diesem Tage, an Welt erfüllt und die von reinster Sittlichkeit gewelchem nach der religiösen Ueberlieferunig dastragene Liebe unld Gerechtigkeit ein einigendes Band „Lebensbuch" jedes Einzelnen geöffnet erscheint, um die Menschen schlingen wirdC Denn die Stimme, um darin eingeschrieben zu werden „zum Leben und welche einst die Geburtsstundle Israels am Fuße zum Tode", daß an einem solchen Tage die Gedes Sinai verkündete, sagen unsere! alten Lehrer, meindie Israels nicht so sehr für das materielle Wohlist nicht gänzlich verklungen, sondern „Kau! godaul Kabarett aber erreichen einen die ohrzerreißenden und gefühlverletzenden Schlager einer vom Zahn der Zeit zerfressenen Kabarett-Diva. Vergessen sind die himmelstürmenden Gebete des jüdischen „Slachlonoh", während in einer Chambreloge ein jüdischer Don Juan zu den Füßen seiner nicht jüdischen und noch weniger tugendhaften Freundin niederkniet, um sie um Verzeihung zu bitten dafür, daß er ihr den Betrag für einen neuen Pelzmantel heute noch nicht einhändigen kann. Kein Wort mehr vom reuevollen „Oschamnoh" ztf hören. Man lebt in den Tag, vielmehr in die Nacht hinein und will absolut nichts vom herannahenden Jaum-Hadin, vom bevorstehendien Gerichtstage wissen. Das sünd- und lasterhafte Leben schlägt seine Wellen hoch, ganz hoch, bis zur Himmelshöhe1 und vergißt* gänzlich, daß der Tag von „mi jichjeh unii jomus", der Entscheidungstermin von Tod! und! Leben hinter dem Rücken steht. Zu unserer großen Schande sind es oft Juden, die dieses lasterhafte Leben führen. Judlen, " von denen eine große Zahl vor nicht sehr langer Zeit, vielleicht wenige Jahre zuvor, ebenso wie ach, Gelegenheit hatten, das alte jüdische Präludium zu hören, das mit den Worten „Steht auf zu Slichoth" beginnt. Ich sehe mir sie an, meine verführten Brüder, und es tut mir im Herzen well, es flimmert mir vor den Augen und ein tiefer Schmerz durchwühlt mein jüdisches Gefühl und eine große Erschütterung umbraust meine jüdische Seele; vergessen alles, was jüdisch, ethisch und' gefühlvoll ist, vergessen! Während 'des ganzen Jahres vom Judentum nichts wissen wollend, gehen sie gänzlich im täglichen Geschäftsberufe auf. An allen Tagen des Jahres vom Leben in Anspruch genommen, während die Nächte zu allen möglichen und unmöglichen Vergnügungen herangezogen werden, und nahen die heiligen Tage des jüdischen Monates Elul. so denkt man! auch dann nicht daran, für den großen fund furchtbaren Strafprozeß sich vorzubereiten, klopft nicht an der Türe des mächtigen Protektors „Zdokoh". Ganz vergessen das Herannahen des fürchterlichsten aller Tage, des strengsten aller Gerichte: Des Jaum-Haddn. * * * Und wiedier erinnere ich mich an die zerbrochene, jämmerliche Stimme unseres alten Schulklopfers, des Schamos im kleinen Provinzstädtchen, wie er ruft und mahnt und weckt mit bittenden Tönen: „Rabojsai, steht auf zu Slichoth"! Und für mein Leben gernie möchte ich diesen Schamos für kurze Zeit hierher bekommen, aber verjüngt müßte er sein, stark wie Simson-Hagibor, umd eine Stimme müßte er haben wie ein Löwe und eine Lunge fest wie ein Felsenstein, und nicht bittend, nicht flehentlich, sondern wie tausend Donner müßten seine Ruftöne rollen, so daß all die, Vergeßlichen erzittern, ein Todesschrecken sie befallen sollte... Und herumwandera sollte dieser Simson-Hagibor-Schamos in allen, im Laster sich badenden Straßen und Gassen und in einem Tone, der die ganze Welt erzittern machen könnte, ausrufen: Jüdische Sünder — steht auf zu Slichoth!