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Die Wahrheit · 1924-09-19 · Heft 38 (19.9.1924) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 38 (19.9.1924)
Date
1924-09-19
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 10 Dm WAHRHEIT Nr. 38 hervorragendsten Fachmänner, speziell für die jüdischen Tempelbauwerke Ost- und Mitteleuropas, er ist preußischer Studienrat und Pfleger der Kunstdenkmäler Schlesiens. Seine Ausführungen waren von lebhaftem Beifall der Zuhörerschaft gefolgt, unter welchem man einige prominente Wiener Baumeister und Architekten bemerkte! Med.-Rat Dr. Hasse. Baden bei Wien. Am Sonntag, den 7. d. M., gelangte im hiesigen Kurparke vor einem zahlreich anwesenden Publikum, von der Kurkapelle das von Herrn Julius Glaser komponierte Stück „Badener Gemütlichkeit" zur Erstaufführung. Herr Julius Glaser ist von Beruf Schneidermeister und erfreut sich hier wegen seines streng religiösen Lebenswandels und seines biederen Charakters sowohl bei Juden als auch bei Nichtjuden des besten Rufes und der größten Beliebtheit. Wir haben auch oft Gelegenheit, ihn als Vorbeter zu hören, wo er in uneigennütziger Weise mit seiner prächtigen Stimme und seinem andachterweckenden Vortrage alle Gemüter erhebt und erwärmt. Möge es ihm gegönnt sein, noch sehr oft Kidusch-Haschem zu machen. Moritz Oppenheim. Erinnerungen. Herausgegeben von Adolf Oppenheim, Frankfurter Verlags- Anstalt, Frankfurt a. M., Mark 6. Diese Erinnerungen, die der Schöpfer der bekannten „Büder aus dem jüdischen Familienleben" als Greis niedergeschrieben hat und die nunmehr von einem seiner Enkel herausgegeben und ergänzt worden sind, fesseln nicht allein durch den Eindruck einer überaus liebenswürdigen Persönlichkeit, den man aus ihnen gewinnt. Sie sind von besonderem Wert für die jüdische Geschichte des 19. Jahrhunderts. Im Verkehr mit dem Meister treten hier Heine, Börne, Riesser und andere Erscheinungen seines Kulturkreises in neuer Beleuchtung vor unser geistiges Auge. Köstlich ist der Bericht über seine Erfahrungen mit den Rothschilds und mit Königswarter. Besondere Beachtung verdient das Wohlwollen, das Goethe dem jüdischen Künstler bewiesen hat. Es bekundet eine Vorurteilslosigkeit und einen Gerechtigkeitssinn, die die Bewunderung des Menschen Goethe nur steigern können. In die Leidensgeschichte der russischen Juden gewähren diese Blätter einen ergreifenden Einblick. Aus jeder Zeile spricht taber vor allem eine jüdische Ueberzeugungstreue, die das 'Buch, das übrigens durch wertvolle Bildbeigaben geziert ist, äu einer wirksamen Lektüre für unsere Jugend machen. R. Fritz Namenhauer: Untergang. Historischer Roman aus den letzten Tagen des alten Jerusalem. Richard Mühlmann Verlagsbuchhandlung (Max Grosse), Halle (Saale) 1921. Der Verfasser führt uns in diesem Roman in das letzte Jahrzehnt des selbständigen jüdischen Reiches, und wenn es ihm auch gelingt, in stark plastischer Darstellung dem Leser die vielfach verschlungenen Fäden der damaligen Politik aufzuzeigen, so ist ihm doch der Vorwurf nicht zu ersparen, daß er die Dinge einseitig vom christlichen Standpunkt aus sieht. Wie er schon mit dem Titel andeutet, ist ihm der jüdische Staat etwas innerlich Totgeweihtes, das zugrunde gehen muß, weil an seine Stelle das neue lebenskräftige Christentum tritt, eine Auffassung, die der unseren diametral entgegengesetzt läuft. Müssen wir also auch die tendenziöse Einstellung des Buches ablehnen, so wird man es doch im ganzen mit Spannung^ lesen und mancherlei aus ihm lernen können. Dr. W. C. Scripta Universitatis atque Bibliothecae Hierosolymitanarum. (Adresse: D. J. Velikovsky, Jüd. Universitätsbibliothek. Jerusalem.) Die jüdische Universität in Jerusalem arbeitet bereits. In würdiger Ausstattung liegt eine Reihe von Veröffentlichungen vor, die zum Teil in hebräischer Sprache verfaßt, im übrigen ins Hebräische übersetzt worden sind. Von den „Mathematica et Physica" sowohl als auch den „Orientalia et Judaica" ist je ein Band erschienen. Der letztere umfaßt wertvolle Aufsätze zur Bibel- und Talmuderforschung, Geographie Palästinas, Archäologie u. a. m. Erfreulicherweise beteiligen sich an diesen Arbeiten auch Wiener Gelehrte. Die große Anzahl von wissenschaftlichen Instituten, mit denen dieses Unternehmen in Schriftenaustausch steht, spricht für seine internationale Anerkennung. Wir wünschen ihm reges Fortschreiten. R. Felix A. Theilhaber: „Dein Reich komme!" Verlag C. A. Schwetschke & Sohn, Berlin, 1924. Preis Mk. 4.—. In der jüdischen. Leserwelt hat der Verfasser durch sein berühmt gewordenes Buch vom „Untergang der deutschen Juden" (siehe Besprechung im Artikelteil) sich einen Namen gemacht. Wenn er sich nunmehr auf das Gebiet des Romans vorwagt, scheint das zunächst ein Schritt in ein unbekanntes Land zu sein. Es sind die Zeiten Sabbatai Zwis, die er uns wieder heraufführt. In der ganzen Welt lebten die Juden in dem Gedanken, daß die Tage des Erlösers nicht mehr fern seien. In Amsterdam ist der Mittelpunkt des jüdischen Lebens. Gestalten von Rembratidt, Spinoza, Manasse „ben Israel werden plastisch gezeichnet. Hier laufen die Beziehungen aller Weltteile zusammen; Führt uns der Verfasser an die Börse von Amsterdam, wo das Fallen der Aktien der Ostindischen Kompagnie eine Panik hervorruft, so zeigt er uns auf der anderen Seite das Ringen Spinozas um die Erkenntnis. Die Schwierigkeiten, die sich gerade dem historischen Roman entgegentürmen, sind außerordentliche. Soll ja in gleicher Weise die Wahrheit nicht verletzt, aber auch die Spannung im Leser bis zuletzt wachgehalten werden. Man kann nur sagen, daß dies dem Verfasser gelungen ist, der mit den Fähigkeiten der Darstellung auch eine außerordentliche Sprachkenntnis verbindet. Das Buch kündet von einer der wesentlichsten Epoche jüdischer Geschichte, an die die Gegenwart in vielfacher Beziehung anklingt. So wird das Buch sicherlich viele Freunde finden. Dr. Willy Cohn, Breslau. Die Mission des Juden von Paul Cohen-Postheim, Berlin 1922, Erich Reiß' Verlag, 118 Seiten. — Ein in seiner Grundtendenz hochwillkommenes, sympathisches Buch mit einer in der Hauptsache richtigen Einstellung. Dieses Urteil muß allerdings dahin eingeschränkt werden, daß neben dem Richtigen auch — und sogar an entscheidendem Ort — Unrichtiges mitschwingt. Aber immerhin, man findet selten eine so glückliche Grundformulierung vom Sinn der Mission des Juden. Folgendermaßen wird sie umschrieben: „Die allmähliche Errichtung eines Reiches, das auf dem Gesetz der Gerechtigkeit beruht, an Stelle eines Reiches, das auf Kraft beruht." So stark empfindet der Verfasser das als den Sinn der Mission des Juden, daß er in Umkehr der üblichen Darstellung nicht dort Judenfeindschaft und Verfolgung entstehen läßt, wo große Massen von Juden zusammengeballt sind, sondern daß er die Massen der Juden, einem inneren Gesetz ihrer Bestimmung gleichsam instinktiv folgend, dorthin sich ziehen läßt; wo Gewalt und Tyrannei herrscht, damit sie dort ihre Aufgabe erfüllen können, das Evangelium der Gewalt zu zerstören. In ihrer Fortdauer offenbart sich an allen Orten, wo Gewalt herrscht, daß im letzteren Gewalt gänzlich machtlos ist gegen den Gedanken. Es mag fraglich sein, ob man das als willkommene Aufgabe empfindet, immer dort zu sein, wo Unterdrückung ist, um durch die Macht des passiven Widerstandes die Sieghaftigkeit der Idee zu erweisen, ob nicht — und im Falle des Juden mit Recht — mehr Aktivität in der Sendung liegen muß, aber es ist nicht zu leugnen, daß das Ganze interessant gedacht und im Ausgangspunkt des Denkens richtig ist. Es wäre dabei allerdings ein Ausdruck besser vermieden worden, wenn nämlich in diesem Zusammenhang gesagt wird, es sei die Mission des Juden gewesen, die Revolution gegen alle Tyrannei vorzubereiten und zu unterstützen, wenn sie notwendig geworden war. G e m e i n t ist es in dem obgedachten Sinne des Zermürbens der Tyrannei durch die Energie des leitenden Widerstandes. Aber das Wort ist mißverständlich, und man muß sich hüten, in einer so von Verhetzung erfüllten Zeit es anzuwenden. Antisemitische Methoden können aus solchem Wort, aus seinem Zusammenhang gerissen, Urteile formen, die, obgleich falsch, doch eine zersetzende Wirkung ausüben. Aber zu der in dem Ausgangspunkt des Denkens richtigen Einstellung kommt nun die Trübung. Die wahre Er- I- ROTGASSE -1 ]AC. MAVER Kleider-, Pelzeu. Gummimäntel-Fabrik Zentrale: Detailverkauf: Wien II., Glockengasse 24 Wien IL, Taborstraße 44

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