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Die Wahrheit · 1924-09-19 · Heft 38 (19.9.1924) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 38 (19.9.1924)
Date
1924-09-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 38 DIE WAHRHEIT Seite 5 genehm bekommen dürfte. Ich bin kein Jude, aber was die Juden am deutschen Volke Gutes und Wertvolles getan haben, das anzuerkennen halte ich mit der Sprache nicht zurück. Man soll den Menschen nach dem bewerten, was er leistet und nicht nach dem, wes Glaubens er ist. Ich habe in meinen Aufsätzen gesagt, daß Adolf Bartels die Dichtungen nach der politischen Einstellung des Dichters bewertet. Das künstlerisch Wertvolle ist ihm völlig nebensächlich, die Hauptsache ist für ihn, ob der Dichter ein Jude oder ein Christ ist und ob er es mit der Republik oder mit den Deutschvölkischen hält. Er kann den größten Unsinn schreiben, ist er deutschvölkisch, dann sind die Gedichte gut, ist er aber Republikaner oder gar Jude, dann sind' sie Phrasen'. Diese Feststellungen tut Adolf Bartels kurz und bündig mit der Erklärung ab, ich wäre ein verhetzter Sozialdemokrat. Er sagt rund heraus, ich hätte geschwindelt. Anstatt nun aber zu zeigen, wo ich denn geschwindelt habe, erzählt er lang und breit von Dingen, die gar nichts beweisen und auch meine Behauptung nicht widerlegen. Bartels weiß gar nichts gegen mich vorzubringen. Wenn ich schrieb, daß er deshalb einen Dichter zu einem Juden stempelt, weil dieser sich für das bolschewistische Rußland ausgesprochen hat, so hat Bartels das doch tatsächlich mit Karl 011 e n gemacht. Siehe: „Die Jüngsten". Und lehnt Bartels nicht deshalb Walter Hasenclever ab, weil dieser sich im „Der politische Dichter" für die Republik ausgesprochen hat? Hält er nicht deslhalb Heinrich Mann für einen „nationalen Schädling", weil dieser den Roman „Der Untertan" schrieb? Sagt er nicht von Wilhelm Schmidtbonn — ach Gott, der harmlose Erzähler! — er ist nicht mehr „national zuverlässig", weil er bei Kurt W o 1 f f (ist Jude) in München seine Bücher verlegen läßt? Spricht er nicht deshalb von Gustav Meyrink wie von einem Vaterlandsverräter, weil en beim „S i m p 1 i z i s s i m u s" angestellt war und „Das zweite Gesicht" schrieb? Sagt er nicht von Gerhart Hauptman n, er komme als Deutscher „kaum mehr in Betracht", weil er „jüdisch verheiratet" ist? Und schreibt Adolf Bartels nicht von Max P u lver: „... da ihn Oskar W a 1 z e 1 als Lyriker einen neuen durchgeistigteren Heinrich Leuthold nennt und hei seinen Dramen an Calderon erinnert, wird er doch gewiß ein Jude sein"? Steht das nicht in „Die Jüngsten", verfaßt von Adolf Bartels? Hat er nicht wie besessen gegen Ernst Hardt (Generalintendant in Weimar) aus dem Grunde gehetzt, weil dieser „die Sozialdemokratie für die Rettung Deutschlands erklärt" hat? Adolf Bartels, muß tatsächlich nicht wissen, was er in seinen Büchern schreibt, denn sonst hätte er sehen müssen, daß ich in meinen Aufsätzen überhaupt keime Behauptungen aufstelle, sondern nur eine Blütenlese aus seinem Werke veranstalte. Bartels braucht nur seine „Jüngsten" zur Hand nehmen und er hat, was er bei mir sucht, nämlich die Beweise. Aber ich habe in meinem „Lichtwart"-Aufsatz gesagt, daß das kaiserliche Deutschland für das Volk nur Schnaps und Kartoffeln übrig gehabt habe. Darüber regt sich Bartels auf. Er wirft mir zwar nicht Geschichtsunkenntniis vor, hält mir aber vor, daß früher kleine und mittelmäßige Talente eher gefördert wurden als heute, und zwar liege das daran, weil heute die Presse und Zeitschriften alle jüdisch verseucht sind, während früher das immerhin noch nicht so schlimm war. Daß es heute für junge Talente schwer ist, aufzukommen, geben wir zu, aber so erklären sich die Gründe nicht, wie Bartels es will. Sie erklären 'sich aus den ganzen gesellschaftlichen Zuständen. Da liegt der Hund begraben. Heute sind alle von einer unersättlichen Raffgier beherrscht und das junge Talent kann Türen und Türen abklopfen, niemand findet sich, der es fördert. Feltgehalteri zu werden verdient, daß Bartels von sich als ein „Sohn des Volkes" spricht, für Wilhelm II. hat er nie was übrig gehabt. Da stehen wir beide auf einem Boden, aber seine Literaturgeschichtsschreibung?! Kontakt erwünscht. Her Herbst, mit einem Fremdwort die Saison, steht vor der Tür. Das gesellschaftliche und politische Leben zeigen bereits lebhaftere Pulsschläge und wird alsbald sich juich bei uns kräftiger regen. Wien ist wieder in Wien. Erfahrungen aus der Sommerurlaubszeit werden ausgetauscht, Erlebnisse einander mitgeteilt. Das sind die Tage, die auch der Presse stärkere Impulse geben und zu lebhafteren Leistungen anregen. Allerdings muß auch das Substrat hierfür gegeben sein und hier möchten wir zu einem Anruf bei unseren geehrten Lesern ansetzen. Obwohl wir im allgemeinen über Interesse und Teilnahme seitens des jüdischen Publikums nicht klagen dürfen, möchten wir doch mit Hinsicht auf die nächste bedeutsame Zukunft eine fleißige mittelbare wie unmittelbare Tätigkeit aus Leserkreisen wünschen. Jeder positive Bericht, jede Anregung wird willige, dankbare Aufnahme finden, jeder Kontakt freudig begrüßt werden. Die Redaktion der ..Wahrheit". Bayreuth 1924. In Nr. 37 bringen Sie unter diesem Titel ein Gedicht, in dem man sich in Bayreuth die Anwesenheit von Juden verbietet. Eine Zeile lautet: „drum Kohn und Levi bleibt daraus . . ." (nämlich aus dem Festspielhaus). Nun ist es doch allgemein bekannt, daß Wagner sich zur Leitung der Erstaufführung des „Parzifal" den Münchner Kapellmeister Levi auserwählt hatte und trotz des Sträubens des letzteren, der religiöses Taktgefühl genug hatte, um eine Verletzung der christlichen Gefühle zu befürchten, darauf bestand, daß gerade Levi ihm das Orchester leite. Ich glaube, daß es der künstlerischen Höhe Bayreuths wohl sehr aufhelfen könnte, wenn sich ein solcher vertretener Levi (und solcher Kohn) unter dem Publikum o.der Helfern der Festspiele befände. Die extremen Auswüchse des Wagnerschen Geistes wurden ja von den jetzigen Leitern gut gepflegt, doch ist man in musikalischen Kreisen einig, daß die Pflege des echten Geistes Wagners viel zu wünschen übrig läßt. Fritz G r ü n h u t. Hofgasteiner Eindrücke. Zu diesem in Nr. 34 unseres Blattes erschienenen Aufsatze erhielt der Autor desselben. Herr Josef Grob, vom Herrn Kurdirektor Bräu er ein Schreiben, dem wir folgendes entnehmen: „Es ging mir ein Exemplar der Wochenschrift „Die Wahrheit", in welchem ich die Notiz über Hofgastein vorfand, zu. Wenn wir von der Nennung meines Namens absehen, ist dieser Bericht recht glücklich verfaßt und stimmungsvoll und danken wir Ihnen auf das herzlichste für diese Arbeit, die gewiß nicht verfehlen wird, einen Großteil der Leser dieser Zeitschrift auf unser Heilbad aufmerksam zu machen.'" Herr Bürgermeister Alois Lauer schrieb Herrn Grob unter anderem folgendes: „Ich freue mich über die lieben Zeilen, die Sie dem Kurorte gewidmet haben und geeignet sind, neue Freunde dem Orte zuzuführen und mir den Ansporn geben, weiterhin fleißig im Kurorte zu arbeiten, um der erholungsbedürftigen Menschheit ein angenehmes Erholungsheim zu schaffen.'*

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