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Die Wahrheit · 1924-09-19 · Heft 38 (19.9.1924) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 38 (19.9.1924)
Date
1924-09-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 4 DIE WAHRHEIT Nr. 38 Unseren Lesern ist Herr Rabb. Dr. Abeles durch seine tief durchdachten, glänzend geschriebenen Aufsätze in der „Wahrheit" bestens bekannt. Zu seinem Jubeltage wird er uns und unseren Lesern keine größere Freude bereiten können — es ist seine Art, auch bei solchen Anlässen andere zu erfreuen —. als durch den Festtagsbeitrag, welchen wir in der nächsten Nummer an leitender Stelle veröffentlichen werden, und deren noch recht zahlreiche aus seiner gewandten Feder zu erhalten wir und unsere Leser den innigen Wunsch und die berechtigte Hoffnung haben. Es ist daher eine selbstverständliche Pflicht des Dankes und der Verehrung, wenn auch wir uns zum Jubiläumstage Sr. Ehrw. Herrn Rabb. Dr. Armin Abeles der großen Schar seiner Freunde und Verehrer mit den aufrichtigsten Glückwünschen anschließen. Epilog zur siebenten Wiener Messe. Daß sie über alle Erwartungglänzend und erfolgreich verlaufen ist darüber herrscht einstimmig anerkennendes Urteil. Die Wiener Messetage bedeuten! seit ihrem Beginn einen fortschreitenden Triumph für diese Stadt einen unschätzbaren materiellen mid idealen Gewinn für die Bevölkerung und in weiterer Folge für alle österreichischen Bundesländer. Diese Feststellung ist nicht als Eigenlob zu werten, denn wir begegnen ihr in der gesamten ausländischen Presse. Sie geht von Mund zu- Mund der Fremden und Einheimischen. Die siebente Wiener Messe hat mehr! als alle bisherigen die gute Meinung, das ehrende Vertrauen der gesamten Kulturwelt in unsere Arbeitsfähigkeit und Tätigkeit gerechtfertigt. Diese erfreuliche Tatsache erscheint als Resultierende aller zusammengerafften Kräfte und gesammelten Energien, die für Anlage und Ausführung dies schönen Werkes aufgeboten wurden. Die Richtigkeit des hier Gesagten vorausgesetzt und angenommen, darf, ein nicht geringes Verdienst um den außerordentlichen Erfolg dem Wiener Judentum zugesprochen werden. Schon in alten Zeiten war das Kaufmännische die starke Seite der Juden, mußte es sein, weil ihre scharfe Intelligenz auf dieses ihnen einzig freigegebene) Feld hindrängte. Selbst nach der gefährlichen und verderblichen Konkurrenz der großen christföchen Handelsherren wirkten die Juden ersprießlich im Kommerz. Das findet fast auf jedem Blatt der Geschichte desi deutschen! Handiels seine Bestätigung. Juden bildeten ein hervorragendes führendes Element der berühmten Leipziger und Frankfurter Messen. Diese Traditionen wurden im Laufe der Vererbung nicht nur bewahrt, sondern auch gesteigert. Als d;aher seinerzeit zuerst der Gedanke einer Wiener Messe angeregt wurde, fand er in hiesigen jüdischen Kreisen begeisterte verständnisvolle Aufnahme und Durchführung. Der etwaige gegnerische Vorwurf, daß auch hier die Juden sich in den Vordergrund drängen, läßt uns ganz ungekränkt. Der Erfolg ist die beste Entschuldigung und Rechtfertigung. Es war in erster Linie die jüdische Begabung der Organisation und Propaganda, die zum Gelingen des Unternehmens führte. Bezeichnenderweise stand und steht noch heute an der Spitze der Messe-A. G. Kommerzialrat Ernst Hochmut, ein Jude, an der Spitze des Pressedienstes der Jude M. Z a p p 1 e r. Beide gaben aus dem Vollen ihr Bestes für das bedeutsame Werk. Ebenso betrachtete es die österreichische Judenschaft als patriotische Pflicht und Ehrensache, mit glänzendien Leistungen unter bedeutenden Opfern auf den Wiener Messen vertreten zu sein. Man durfte welche Ubikation immer besuchen, Palast, Hofburg, Rotunde, überall begegnete man jüdischen Firmen, jüdiiscnen Namen, die Aufmerksamkeit, Interesse und Beifall fanden. Sie trugen wesentlich dia^u bei, daß Oesterreichs alter Ruf in neuem glänzenden Licht über die Länder und Meere erstrahlte. Es ging aber nicht bloß um diesen platonischen Erfolg. Die wirtschaftlichen Ergebnisse halten ihm die Wage. Ströme Goldes ließ dÜe VTI. Wiener Messe fließen. Neue Beziehungen wurden geknüpft, umfassende Aufträge erteilt, die sich noch lange segenbringend auswirken werden, wenn Glanz und Pracht dieser Messe nur der angenehmen Erinnerung angehören werden. Sollte, was innigst zu wünschen und zu hoffen, durch die Wiener Messe ein neuer volkswirtschaftlicher Aufschwung auf gesünderer Basis als jener vor fünfzig Jahren in die Wege geleitet werden, dann haben die vielgeschmähten Juden die Genugtuung eines bescheidenen Verdienstes an diesem Aufschwung, der auch beitragen dürfte, eine Linderung der Magenfrage, als die sich letzten Emdes die Hetze gegen die „schmarotzenden Juden" darstellt, zu veranlassen. d. Elul. Die Gärten sind des Sommerschmucks beraubt. : Der Wind singt jauchzend Herbstesmelodien Und von den Bäumen., dicht und reich beraubt, Die Blätter wirbelnd hin zur Erde ziehen. Auch Du, mein Herz, von Sommerduft durchtränkt, Du fühlst erschauernd jene ernste Wende, Wo sich Dein tiefstes Sein in1 Gott versenkt. Die Dich bereit zu strenger Prüfung fände. Ein Hauch der Wehmut, Elul, dich umfließt, Wir schau'n den Weg zurück, den wir gegangen, Und1 wenn Dein letzter Tag das Jahr beschließt Dann mög' uns Gottes Vaterhuld umfangen. Beate Baumgarten. Der gekränkte Literatnrprofessor. Von Ernst Wilhelm Neumann. In Nr. 10 der „Wahrheit" fanden die Leser dieser Zeitschrift den Aufsatz „Literaturprofessor Adolf Bartels4! Dieser Artikel, der zuerst im Hamburger „Pionier" veröffentlicht wurde, uindi ein anderer gleichen Inhalts, der im Plauener „Lichtwart" stand, haben Bartels in helle Empörung versetzt. Er nimmt es mir schwer übel, daß ich seine unsauberen Praktiken einmal festgenagelt habe und in einem Aufsatz in dem von ihm herausgegebenen „Deutschen Schrifttum" fällt er wutschnaubend über mich her. Da die beiden Blätter, die meine Aufsätze brachten, vorläufig am Weitererscheiinen verhindert sind, so wähle ich die „Wahrheit", um Bartels nicht ohne Antwort zu lassen. Vorweg sei gleich gesagt: der Literaturwotan Bartelsmöge sich beruhigen, er soll nicht so laut nach Beweisen schreien, sonst tischen, wir gelegentlich einmal , eine Arbeit auf, die dem Literatursultan höchst unan-

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