Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 37 (12.9.1924)
- Date
- 1924-09-12
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 37 DIE WAHRHEIT Seite 11 Theater, Kunst u. Literatur „Kabbalistische Sagen." Der bekannte kabbalistischchassidische Schriftsteller Chajim Bloch hat sein neues Werk „Kabbalistische Sagen" vollendet. Es wurde von einem bekannten Leipziger Verlag erworben und wird in zwei Ausgaben, deutsch und englisch, erscheinen. Derselbe Verlag beabsichtigt auch das in Vorbereitung befindliche Werk „Die Welt der Chassidim" zu erwerben und eine deutsche und englische Ausgabe desselben herauszugeben. Gottfried Keller über jüdische Rechtlichkeit. Keller, dessen treffliche Zurückweisung einer antisemitischen Aeußerung Stroms und durchaus judenfeindlicher Entwurf eines Züricher Kantongesetzes jüngst in unserer Wochenschrift besprochen wurde, spricht auch in einer humorvollen brieflichen Aeußejrung an die Schwester des Wiener Rechtslehrers Exner aus dem Jahre 1882 über die Rechtlichkeit und Gewissenhaftigkeit der Juden entgegen den verallgemeinernden Vorwürfen der Herren Antisemiten. Ein Handbuch zur Judenfrage. Vor einiger Zeit lasen wir in einer jüdischen Zeitschrift Deutschlands folgendes: „In kurzem wird in Wien ein Handbuch unter dem Titel „Juden und Judentum von heute" erscheinen. Das Handbuch soll laut <dem Prospekt ein Bild des zeitgenössischen Judentums geben und ein fachüch objektiver, informativ erklärender Führer sein. . Es soll in 24 Kapiteln Aufschluß über die verschiedenen jüdischen Fragenkomplexe geboten werden. Das Handbuch wird vom Regierungsrat J. Kreppel unter Mitwirkung von Fachmännern herausgegeben." Es ist verwunderlich, daß -darüber in der Wiener jüdischen Presse nichts zu lesen war und ist und daß die Nachricht erst aus deutschen Blättern be- -kannt werden soll, wo doch Wien der Erscheinungsort des Handbuches wird. Charles Richet: Der Mensch ist dumm! In deutscher Bearbeitung und mit Anmerkungen von Dr. R. B e r g e r, Berlin. Verlag, Neues Vaterland. E. Berger & Cie 1922. Das Büchlein enthält satirische Bilder aus der Geschichte der menschlichen Dummheiten. Es soll der Nachweis geführt werden, daß der Mensch sogar den meisten Tiergattungen, in "Verstand und Weisheit nachsteht, daß er statt homo sapiens richtiger homo stultus oder stultissimus (erzdummer Mensch) :heißen müßte. Wir Juden können ein Lied über menschliche Dummheiten, Verirrungen und Blödsinnigkeiten singen. Doch •davon schwegt das Buch, es hätte auch darüber reden können. Vielleicht geschieht es in der 2. Auflage. Sp. M. N. M. Gelber. Die Juden und der polnische Aufstand 1863. R. Löwit, Wien. Ueber eine sehr bemerkenswerte Episode in der Geschichte des polnischen Juden verbreitet diese Schrift erwünschtes Licht. Das schwierige Problem, auf wessen Seite sich die Juden in diesem Aufstand stellen sollten, ob auf die ihres Heimatlandes Polen oder die der Regierung, das heißt der Russen, zeigte so recht die Problematik des Golusjudentums. Ueber den Rabbiner Ber Meiseis und als seinen Protektor den Wiener Rothschüd werden interessante Aufschlüsse erteUt. Das Buch ist ein brauchbarer Baustein für die Geschichte des jüdischen Ostens. W. Kinkel: Hermann Cohen. Strecker und Schröder, Stuttgart 1924. Ein mit Liebe und gründlicher Erfassung gezeichnetes Bild der Persönlichkeit und wissenschaftlichen Bedeutung Cohens, der von vielen als der größte Philosoph Deutschlands seit Kant gefeiert wird, bietet uns dieses Zeichen der Pietät eines seiner berufensten Schüler. Die Kinderstube Cohens charakterisiert eine eigene Schilderung: „An jedem Freitag fügte meine fromme Mutter dem Morgensegen das Gebet an, daß zum Sabattische ein polnischer Wanderer (Orach) als Gast erscheinen möge." Sein Weg als Jude und als Deutscher führte ihn zu denselben bitteren Erfahrungen und Konflikten wie Berthold Auerbach, Wassermann und so viele andere. Ohne den Liberalismus Fr. A. Lange's wäre Cohen als Jude nie zu einer Professur gelangt. So sehr er sich auch mühte, die Harmonie zwischen Deutschtum und Judentum in der Theorie zu erweisen und so anschaulich sie in seiner persönlichen und literarischen Erscheinung zum Ausdruck kommt, — wie energisch sie von der Unzahl deutscher Judenfeinde abgelehnt wird, mußte er an sich selbst erfahren. Trotzdem bleibt sein Geisteswerk für seine These ein Dokument, das Jahrhunderte überdauern wird; ancK fite das tiefere, philosophische Verständnis des Judentums sind seine Schriften von unschätzbarem Werte. R. Sonöersflngebot Ides | Warenhauses I Brüder Schiff mann isl«™* ||M Taborstraße 48 ™- IUnerreicht billige Kauttelegenltelf! 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