Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 37 (12.9.1924)
- Date
- 1924-09-12
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3062972-3064071-3064107--13095-3080582- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 12 DIE WAHRHEIT Nnj[ Ausgrabungen in der Davidstadt. Capit Raymond Weil hat seine 1913 im Auftrage und auf Kosten des Barons Edm. Rothschild unternommenen Ausgrabungen in Jerusalem im vergangenen Winter mit Erfolg fortgesetzt Nach einem von ihm der Pariser Akademie der Inschriften vorgelegten Berichte sind von der alten Davidstadt Gräber, unterirdische Kanäle (die Wasserleitung, Tunnels, durch die das Wasser geleitet wurde, usw.) sowie die Zitadelle in der Mitte der Akropolis bloßgelegt worden. Herriot bei Lord Swaythling. Unseren Bericht in der vorletzten Nummer der „Wahrheit" können wir dahin ergänzen, daß auch der französische Premier bei einer letzten Anwesenheit in London Gast des genannten jüdischen Edelmannes war. Deutsche Frauen gegen die Judenhetze. Die Würzburger Konferenz demokratischer Frauenvereine sprach sich in einer Resolution entschieden gegen die antisemitische Hetze in der Schule aus, die das Leben der Nation Vergifte und die Wurzeln der Zivilisation gefährde. Ein Rabbiner als Gesandter. Die Ermordung eines amerikanischen Beamten in Persien erinnert daran, daß der gegenwärtige diplomatische Vertreter der Union in Persien Dr. J. S. Kornfeld früher Rabbiner in der Gemeinde Bene Irael in Columbus, Ohio, war. Auch für seine bedrohten Stammesbrüder im Lande der Schahs hatte er 1922 einzuschreiten Gelegenheit. Von einigen Judenfeinden Teherans war ein regulärer Pogrom inszeniert worden. Die Verfolgten wandten sich an Dr. Kornfeld und dieser begab sich, da ein Wagen nicht zur Stelle war, zu Fuß auf den weiten Weg von seiner Wohnung zum Ministerium des Innern. Er setzte augenblicklich militärischen Schutz der gefährdeten Juden durch. In allen 17 Synagogen Teherans wurden zum Danke hierfür am Rosch Haschono und Jomkippur Dr. K., der zweite Modechai, und seine Regierung durch Mischeberachs gefeiert. Dr. K. gedenkt seinen Posten aufzugeben und wieder ein Rabbinat, und zwar das der Gemeinde Schomer Emunim in Toledo Ohio anzunehmen. Jüdische Spenden für die „Barmherzigen Brüder". Die Verwaltung des Spitales der Barmherzigen BrüdeF hat festgestellt, daß die Spenden der letzten Sammlungen bis zu 70 P r ozent von Juden einflössen. Der Leiter des Spitals, Prof. Dr. Sostartzyc hat angekündigt, das Krankenhaus werde zum Dank für die jüdische Opferwilligkeit ein großes Volkskonzert zugunsten der jüdischen Kranken Wiens veranstalten. Großer Leopoldstädter Tempel. Oberkantor Heinrich Fischer tritt heute Freitag, den 12. d. M.. beim Abendgottesdienst um Uhr in feierlicher Weise sein Amt an. Der Verein „Kurfürsorge" veranstaltet anläßlich des siebzigsten Geburtstages seines Gründers, langjährigen Vorstandsmitgüedes und Delegierten für den Kurverband, des Herrn Professor M. R. S a 1 z m a n n, am Samstag, den 13. September 1924, im Festsaale des Cafe Bürger, II., Praterstraße 11, einen Festabend. Verein zur Ausspeisung anner israelitischer Schulkinder für den 16. und 17. Bezirk. In der kürzlich stattgefundenen konstituierenden Sitzung dies Vorstandes wanden, per Akklamation gewählt: Zum Präsidenten Herr Direktor Benno Kala a n e, zu dessen Stellvertretern die Herren Benedikt S c h m idek und Samuel Fischer, zum Kassier Herr Leopold Löwinger, zu Schriftführern die Herren Samuel Trost und Arnold H o c h f e 1 d, zum Hausverwalter Herr Ottomar K a t z, und zu Revisoren die Herren Rechtsanwalt Dr. Max Paschkes und Bernhard Mandelbaum. Ein Gebetbuch für jüdische Blinde. Eitra im Braille gedrucktes Gebetbuch für jüdische Blinde wird in diesen Tagen eriseheinen. Das Material wurde nach Weisungen der Frau Joshua Piza aus New-York zusammengestellt; der Natiionailrat der jüdischen Frauen hat sich um die Herausgabe bemüht Triesch (Mähren). In wenigen Wochen, am Eingang unseres Versöhnungstages, werden es gerade hundert Jahre, daß m der großen Synagoge zu T r i e s c h > während der Kolnidre- Andacht .Feuerrufe, vernommen wurden. Bei einem weit draußen wohnenden, nichtjüdischen Häusler war ein Brand ausgebrochen und durch einen starken Sturm verbreitete sich das Feuer über die ganze Judenstadt und den Tempel, der in ihrer Mitte stand. Mit großer Mühe konnten die Thorarollen gerettet werden, und am nächsten Morgen zog der größte Teil der jüdischen Gemeinde nach dem benachbarten Battelau, um dort den heiligen Tag im massiven alten Gotteshause fromm zu begehen. Nach Ausgang des Jomkippur wurden alle mit Speisen gekräftigt und gleich nach den. Feiertagen begann der Wiederaufbau der niedergebrannten Stadt und des Gotteshauses. Hauptsächlich trugen die mährischen und böhmischen Gemeinden, aber auch viele auswärtige, vor allem Wi en, bei und die Triescher Gemeinde mit dem Gotteshause stand bald wieder in neuem Glänze da. Eine Blütezeit war es, als Rabbiner Eleasar Münz, genannt „Schemen Rokeach", in Triesch wirkte, dessen „Jeschiwa" viele junge Talmudbeflissene aus den fernsten Gegenden aufgenommen hatte. Bedeutende Familien besaß damals und später die hiesige Judengemeinde, aus der auch große Männer hervorgingen. Einen der letzten hat man vor wenigen Tagen, am 28. August 1. J. in Wien zu Grabe getragen. Schulrat Dr. Adolf Weiß, der noch in diesem Frühjahre seinen Geburtsort aufsuchte und am längsten im altehrwürdigen Geburtshäuse und am alten „Guten Ort" 4aselbst verweilte. Dr. Weiß hatte sein epochales Maimonides-Werk kutz vorher der Oeffentlichkeit übergeben, fühlte sich so wohl in seinem Geburtsorte, in dem sein gelehrter Vater und später Rabbiner Dr. Unger in der benachbarten Kreisstadt Iglau den Grund zu seinem großen hebräischen Wissen gelegt hatte, und nun zog er im Säkularjahre des einstigen großen Brandes in die Ewigkeit ein. Sein Andenken wird fortleben und ein gesegnetes bleiben und seine Geburtsstadt wird sich in Ehren seiner stets erinnern. Moritz Antschert Todesfall. Am 28. August Starb Sn Berlin nach schwerem Leiden iim 40. Lebensjahr Ministerialrat Dr.> Otto J öh länger.. Dr. Jöhliniger ist den Lesern der „Wahrheit" als Verfasser des Werkes »Bismarck und Ä Juden" bekannt Dr. Jöhlinger wandte stich, aus diem Kaufmiannsstanidie her vorgegangen, der Journalistik .zu und nahm bald eine führende Stellung, als* Handelsredakteur bei angesehenen Tageszeitungen ein. Dfuirch eine gründlichie akademische Ausbildung neben seiner journatöstösohen Tätigkeit ebnete er sich den Wegzu einer ausgedehnten akademischen Lehrtätigkeit 'am orientalischen Seminar der Universität, an 'der Handelshochschule, an der Hochschule für Politik und als wissenschaftlicher Direktor an der Verwdtimigsakadeiriiie für Beamte, während 'er zu gleicher Zeit durch besonderes Vertrauen ins deutsche Finanzministerium berufen, als Ministerialrat eine verantwortungsvolle Stelle mit hohem Geschick und in strenger Pflichterfüllung, ausfüllte, Daneben entfaltete er eine reicheschriftstellerische Tätigkeit über Kolonial- und Handelsfragen und schrieb wertvolle fachwissenschaftliche und geschichtliche Werke. Durch idiie Begründiunig des Seminars für Zeitungswissenschaft und die Mitbegrünidung der Verwaltuingsakademie für Beamte erwarb er sich igroße Verdienste. Kultusfunktionär-Chewramann-Stelie. Bei der israelitischen Kultusgemeinde gelangt eine Stelle für die Funktionen eines Chewramannes zur Besetzung. Bewerber im Höchstalter von 40 Jahren, mit nachweisbar streng religiösem Lebenswandel 'den entsprechenden Fachkenntnissen wuä der Fähigkeit zur Versehung einfacher kantoraler Funktionen wollen ihre Bewerbungsgesuche an das Sekretariat der israelitischen Kultusgemeinde, Wien I., Seitenstettengasse 4, einsenden. Werbet Abonnenten für „Die Wahrheit" Seidenhaus KUHSTADT ^^S^Jg; Wien «U Fleisdimarkl Mv. 24» liehe Brokate, Crepe de Chine, Crepe Maroqulne etc., zu staunend billigen Preisen Telephon Nr. 79.201 und 79.202 -