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Die Wahrheit · 1924-09-12 · Heft 37 (12.9.1924) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 37 (12.9.1924)
Date
1924-09-12
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 37 DIE WAHRHEIT Seite 9 zu W. L. Verse statt Geld. In der „Reichs-Sturmfahne" entschuldigt sich ein Abonnent, daß er zwar nicht den fälligen Betrag entrichten könne, dafür aber ein Gedicht zur Benützung sende. Die Redaktion des Blattes, offenbar auf d^m Standpunkt, besser etwas als gar nichts, veröffentlicht die gutgemeinten Verse des zahlungsunfähigen Beziehers: O, Herr schick uns den Moses wieder, Damit er seine Glaubensbrüder Heim führe ins gelobte Land! Noch einmal lass' das Meer sich teilen, Damit die hohen Wassersäulen Fest steh'n wie eine Felsenwand. Wenn dann in dieser Meeresrinne Die ganze Judenschaft ist drinne, 0, Herr, dann mach' die Klappe Darin haben alle Völker Ruh! Ein Gemütsmensch dieser W. L. Bayreuth 1924. Die „Münchener Post'* berichtet aus Bayreuth, wo vor kurzem die bekannten Festspiele abgehalten wurden: „Es werden hier politische und künstlerische Bestrebungen stark gemischt. Es fühlen sich Parteivertreter, die ihre Berufung nach Bayreuth mehr ihrer politischen Einstellung als ihrem provinzialen Können zu verdanken haben, berufen, Konzerte „unter dem Protektorate des Völkischen Bundes" zu veranstalten, wobei sie ihrem Programm das inhaltlich wie musikalisch so ergreifende Hakenkreuzlied zugeben. Doch nicht genug damit! Den wahren Geist Bayreuths kann man am besten daran ermessen, daß an öffentlichen Stellen ein von wüstem Schmutz starrendes Schmählied verkauft wird, von dem nur die letzte Strophe angeführt sei: Was Meister Sachs uns künden tut. Das schert dem Jud 'nen Dreck! Und wo sich zeigt Germanenblut. Da bleib der Moritz weg! Es baute Wagner dieses Haus Fürs deutsche Volk allein! Drum Kohn und Levi bleibet draus. Dann wird uns wohler sein! Denn wer da naht mit platten Füßen, Die Nase krumm, die Haare kraus. Der soll das Festspiel nicht genießen; Der muß hinaus, der muß hinaus!" Der schon durch die intimen Beziehungen zu Ludendorfi längst gekennzeichnete Geist der Villa Wahnfried trieb da in der Festspielzeit herrliche Blüten." Eine verdiente Zurechtweisung. Am 6. März d. J. hat der Amtsgerichtsrat Dr. B e i n e r t in Wernigerode bei der Verhandlung gegen einen völkischen Hetzer — unsere Leser kennen die Vorgänge aus Nr. 32 vom 8. August — seiner „Objektivität" dadurch Ausdruck verliehen, daß er bei der Urteilsbegründung erklärte, das deutsche Volk erkenne mehr und mehr, daß das Judentum die schwerste Schuld au unserem Unglück trage, und das erfaßten immer weitere Kreise. An einen Aufstieg des deutschen Volkes sei nicht zu denken, wenn nicht d i e M a c h t des Judentums gebrochen Besten des deutschen Volkes Auf eine daraufhin an den Präsidenten in Halberstadt gerichete Beschwerde hat dieser wie folgt geantwortet: .,Nach den Ermittlungen ist als festgestellt angesehen, daß Herr Amtsgerichtsrat Doktor Beinert bei seiner Urteilsbegründung in den Sätzen über den Einfluß des Judentums die Gedanken anderer wiedergegeben hat. Diesen Ausführungen hat er dann in den Worten: „sogar die Besten unseres Volkes teilen den völkischen Gedanken" ein eigenes Vorurteil über die Ziele der Deutsch-völkischen Partei angeschlossen und damit die erforderliche Zurückhaltung in der Kundgebung eigener politischer Anschauungen bei der Erfüllung der dienstlicli2n Obliegenheiten beiseite gelassen. Im Dienstaufsichtswege ist das Erforderliche veranlaßt." Von der amerikanischen Präsidentenwahl. Der Kandidat der demokratischen Partei, John W. Davis, äußerte sich über die in der Präsidenten-Kampagne aufgeworfenen Fragen der Rasse und Religion folgendermaßen: „Zu dem von uns angenommenen Programm habe ich noch etwas hinzuzufügen: Wir haben uns die Gelegenheit entgehen lassen, unseren Glauben an die konstitutionellen Garantien der religiösen Freiheit nochmals zu betonen und jede rassische oder religiöse Unduldsamkeit zu verw ü r d e. Sogar die teilten diese Anschauung. Herrn Landgerichtsurteilen. Sollte ich zum Präsidenten gewählt werden, so \\ erde ich mich nicht darauf beschränken. Intoleranz und Rassenvorurteile zu bekämpfen. Da ich als Präsident die Macht haben werde, Tausende von Personen in Aemter zu berufen, so wird meine Hauptsorge darauf gerichtet sein, daß der zu Wählende ehrenhaft und der Konstitution treu ist. Kein Rassen- oder Glaubensunterschied wird mich in der Wahl beeinflusse n." Starker Tabak! Im Berliner deutschvölkischen „Deutschen Tageblatt" erscheint regelmäßig das Inserat einer Zigarettenfirma mit der Abbildung einer Zigarette, bestehend aus einem schwarz-weiß-roten Mundstück, einem Hakenkreuz-Signum und den Worten: „In Treue fest". Der Text dazu lautet: „Nur wer diese Zigarette kauft, hat die Gewähr, eine2 aus echt orientalischem Tabak hergestellte Zigarette zu rauchen." Jüdischer Patriotismus. Wie Max N o r d a u, der große Geist, der als Revolutionär und Anarchist verschrien wurde und im seiner Jugend die ungarische Heimat verlassen mußte, über Patriotismus und Pflichterfüllung der Juden dachte und schrieb, beweisen folgende Stellen aus einem Aufsätze Luei<an Frank Erdtrachts, des bekannten Wiener Verlegers, im „N. Wr. Journal": „Max Nordau sah die Gewitterwolken, die das Firmament Europas bedeckten. Er sah den herannahenden Krieg, den zu verhüten die Geister Europas berufen sind, wird ,„\v ird das furchtbarste Menschengemetzel seit Menschengedenken sein. Für uns Juden kann diieser Krieg entweder diie Zerstörung unseres Besitzes sein oder deie beschleunigte Verwirklichunig unseres Strebens. Dieser Krieg, den zu verhüten, die Geister Europas berufen sind, wird aber insbesondere1 uns Juden diie. größte Pflichterfüllung auferlegen. Verhindern werden wir ihn allein nicht können, obwohl wir alles zur Verhinderung aufbieten müssen, wenn uns die zukünftige Generation nicht Barbaren nennen sollte. Wir müßten ihn um so mehr verhindern, da wir hier die größte Tragödie, des Judentn m s erleben werden: Juden gegen Juden. Aber auch dann dürfen wir unsere Pflichten dem Staate gegenüber, in welchem wir leben, nicht vergessen. Wir werden auch hier beweisen, daß die Stätten, welche Zeugen unserer Geburt und unserer Entwicklung waren, ein Teil unserer selbst sind. Neujahrsgratulationen der „Wahrheit Mit Rücksicht darauf, daß die in der „Wahrheit" erscheinenden Neujahrsgratulationen bei unseren Lesern derart Anklang gefunden, daß diese Tabellen in ständiger Zunahme begriffen waren, ist ein gleiches auch heuer um so mehr zu erwarten, als bei den teueren Herstellungskosten spezieller Gratulationen und den damit verbundenen Versandspesen sich gegenüber den Publikationen in unserer Zeitung ein Ersparnis erübrigt, abgesehen von der weif größeren Verbreitung, die eine solche Gratulation in unserem Blatte zur Folge hat. Da nun im vorigen Jahre infolge verspäteten Einlangens viele Aufträge leider keinen Raum mehr finden konnten, erlauben wir uns die höfl. Bitte, uns die geschätzten Aufträge schon jetzt zu erteilen. Anläßlich des Roschhaschono-Festes entbieten hiermit ihren Verwandten tr.d Freunden die herzlichsten Glückwünsche Muster : (Einfaches Feld) Zahntechniker ludiwi^ Fisdier und Frau II., Novaragasse 21

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