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Die Wahrheit · 1924-09-12 · Heft 37 (12.9.1924) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 37 (12.9.1924)
Date
1924-09-12
Page
– (sequence 9)
Language
German
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■HIMrtllUHUHIIiail *■■■—■■■■■>■■■■■***»■ Veröffentlichungen | £ der S Pnstsnarkassen - Kor „Union deutschösterreichischer Juden" Postsparkassen - Konto Nr. 9434 : Telephon Nr. 19-2-77 j Das jüdische Tannenberg. Von ErnstSeifert. Ueber dem Soldaten Ludendorff herrscht in Deutschland durchaus kein einheitliches Urteil. Leute, die Protz und Schein iür Wahrheit halten, sagen zwar, Liidendorff sei ein großer Feldherr gewesen. Andere wieder sprechen ihm auf dem Gebiete der Kriegsführung jedes Talent ab. Die aber, die es sonst gut mit ihm meinen, sagen: er sei ein tüchtiger Feldwebel. Und ich glaube, das ist richtig! Einig aber ist sich das deutsche Volk über den Politiker Ludendorff. Ludtendorff ist einer der widerlichsten von den Menschen, die im Laufe der letzten Jahre so zahlreich das öffentliche Leben Deutschlands verpesteten. Seine; Anhängerschaft war immer ein Gradmesser für den Fortschritt der im deutschen Volke vorhandenen geistigen Verseuchung. Zu einem Zeitpunkt, an dem diese Verseuchung — am 4. Mai d. J. — ihren Höhepunkt erliebte, wurde ein Reichstag gewählt, der im seinen extremen rechten und linken Flügeln eine solche persönliche Zusammensetzung erfuhr, daß alle Parlamentarier in aller Oeffemtlichkeit sagen, sie schämen sich, in den deutschen Reichstag hineinzugehen. Zu dem rechtsextremen deiutschvölkischen Flügel gehört auch Erich Ludendorff. Wenn dieser schmeichelhafte J u d e n f r e u n d von 'gestern und fanatische} J u d e n h a s s e r von heute überhaupt noch etwas an besonderer Achtung im deutschen Volke zu verlieren gehabt hätte, seit seinem Eintreten in den Reichstag hat er diese Achtung vollends eingebüßt. Selbst Deutschvölkische sind über ihn stark enttäuscht. Sie glaubten, daß der Held Ludendorff endlich Ordnung schaffen würde in der! Berliner „Quasselbude". Was hat Ludendorff aber getan — nichts, gar nichts. Er bringt es nicht einmal fertig, seine Meinung im Reichstag zu sagen. Er hetzt und wühlt nach der Art ganz „kleiner Größen". So kommt es, daß Ludendorff in einem sehr starken Gegensatz geraten ist zu allen ernsten Männern. Besonders deshalb, weil er seine mangelnde Befähigung durch ein auffallend protzenhaftes Verhalten übertünchen will. Ludendorff beschränkt sich heute mit seiner Betätigung ganz öffentlich nur auf die Art von „Politikern", die von ernsthaften Leuten gerade aus politischen Gründen gern gemieden werden. Eines der widerwertigsten Schauspiele bot der deutsche Reichstag in' den letzten Tagen, als es sich um das Londoner Abkommen handelte. Es gehört nicht hierher, die Rolle, die die Deartsehnationalen dabei spielten, wiederzugeben. Aber ein Wort muß gesagt werden zu Ludendorff und seiner Clique. Daß diese Herren Katastrophenpolitiker unter allen Umständen „Nein" sagen, ist nicht erwähnenswert. Aber welche Kübeln von Schmutz sie bei dieser Gelegenheit über andere deutsche Volksteile ausgössen — das ist eine Schande. Der deutsch-völkische Wulie erklärte, daß er nur noch Hochachtung vor den Kommunisten empfinde... Der deutschvölkische Oberleutnant Ahlemann rief tollwütig in die Verhandlungen hinein: „Schlagt die Juden tot..." Der deutschvölkische Erich Ludendorff, der schmeichelhafte Judenfreumd und General a. D., aber sagte zu dem volksparteilichen Abgeordneten Brüningshaus protzenhaft wie immer: „Ich habe vor 10 Jahren Tannenberg gewonnen und Sie haben hier ein jüdisches Tannenberg zustande gebracht." Es ist Ludendörffischer Größenwahn, wenn er sagt: „Ich habe Tannenberg gewönne n." Ludendorff hat Tannenberg nicht gewonnen. In den letzten Wochen macht sich eine auffällige Geistesklärung im deutschen Volk bemerkbar. Der alberne kindische Judenhaß findet nicht mehr den rechten Nährboden. Und wann irgend etwas geeignet wäre, der völkischen Volksverhetzung Abbruch zu tun, dann ist es das Auftreten der Ludendorff und Genossen in den letzten Tagen im Reichstag. So ist denn auch eine erfreuliche Erscheinung, daß sich immer weitere Kreise des deutschen Volkes von Ludendorff, der persönlich ein gerüttelt Maß von Schuld am deutschen Elend trägt, abwenden. Und es ist auffällig, wie in einer fast wörtlichen Uebereinstimmung im diesen Tagen neben * der Presse der Mittelparteien auch die deutschvolksparteilichen und deutschnationalen Zeitungen scharf und rücksichtslos von Ludendorff abrücken. So heißt es beispielsweise im „Hannoverschen Kurier" von 31. August 1924: „Nicht ohne tiefe Bitterkeit wird das deutsche Volk diese neuerliche Entgleisung dieses Mannes zur Kenntnis nehmen. Nein, Herr General, die Schlacht von Tannenberg wurde durch den Vernichtungswilien von Heer und Führer gewonnen und die Verantwortung trug neben und über ihnen ein Größerer, der zu schweigen versteht, während Ihre Worte die Leidenschaften immer aufs neue aufwühlen." (Gemein ist Hindenburg.) So verschwindet mit der fortschreitenden politischen Geistesklärung in Deutschland auch der Nährboden! für d|ie fanatische Judenhietza der Völkischen und Ludendorff ist wohl noch nie zuvor vom gesamten deutschen Volke so einmütig zurückgestoßen worden, als er in entscheidiungsvoller Stunde im deutschen Reichstag das alberne, hetzerische Wort vom „jüdischen Tannenberg" prägte. Bebt uns Adressen von Bekannten! Die-Administration, Wien IL, Heinestraße 13 versendet kostenlos Probenummern

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