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Die Wahrheit · 1924-09-12 · Heft 37 (12.9.1924) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 37 (12.9.1924)
Date
1924-09-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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\ Seite 4 DIE WAHRHEIT Nr. 37 b. Sanhedrin 85 b und ein Exod., daß er sich seiner als Sklaven bedient. Vgl. auch Sota 3, 8 und Sanhedrin 11, 1. Ueberhaupt muß hier betont werden, daß die Selbständigkeit, das Selbstverfügungsrecht, die Freiheit als eines der höchsten Güter galt. So z. B. galt nur die höchste Not, der Hunger als genügender Grund zum Eingehen eines Abhängigkeitsverhältnisses, vgl. Thorat Kohanim zu Lev. 25, 39 u. Maimuni, A1T. Hilchoth Abhadhn 1, 1 und 2. Der Schuldner brauchte nicht mit seiner Freiheit zu zahlen. Nur wer auf unredlichem Wege Schuldner geworden ist, ging seiner Freiheit verloren. Vgl. Winter, Die Stellung der Sklaven bei den Juden usw., Breslau 1886. S. 11. Ja, noch mehr als die Freiheit des Mannes wird die der Frau geachtet und geschätzt, sogar die der Amah. Ja sogar gegen die Frau selbst. Auch wenn sie in höchste Not geriet, durfte sie sich nicht verkaufen, vgl. Winter a. a. 0., S. 12. Nur dem Vater stand es frei, seine Tochter zu verkaufen, aber das war mehr Versorgung, weil der Besitzer sie heiraten mußte. Ja selbst beim Sklaven hat der Herr nur' das Recht auf seine Arbeit, nicht auf seinen Körper, vgl. Winter a. a. O., S. 15 ff. 15) Deut. 22, 28 und Exod. 22, 15, nur daß unsere Stelle vom Ones, die in Exod. vom Mephateh spricht. Vgl. auch das altassyr. Gesetz Cod. Hammurapi, § 54 b und das su merische Gesetz bei Meißner, Assyrien und Babylonien, I., S. .151. Und selbst wenn der Vater seine Tochter verkuppeln oder sie zu Ehren eines'Götzen zur Unzucht freigeben wollte, so war diese Preisgabe strengstens verboten. Nach Thorath Kohamin und Sanhedr. 76a heißt es ausdrücklich: Assur limson eth bito schalo leschen ischut. Vgl. Lev. 19, 29. 16) Vgl. Eschelbacher, Die Frau im Judentum in „Soziale Ethik im Judentum, Frankfurt a. M. 1913, S. 71 ff und Lazarus Remy, das jüdische Weib, Berlin 1922", S. 22 ff. 17) Gen. 21, 12. 1R) Spr. 18, 22. 39) Spr. 31, 10—31. *°) Spr. 19, 14. S1) Spr. 12, 4. ") Spr. 14, 1. 2s) Die Schönheit der Bibel, Lpz. 1906, I, S. 323. 24) b. Sotah, IIb und Schern, rab. Par. 1. 25) Bam. rab. Par. 1 und 8. 26) Vgl. dagegen I Korinth. cap. 7. 27) Selbst die Amah war einer Verletzung ihrer zartesten Gefühle in keiner Weise ausgesetzt. Vgl. Winter, a. a. 0., S. 20. Von Samuel wird uns im Trakt. Nidda 47 a, Tosaphoth s. v. badah erzählt, daß, als er zu wissenschaftlichen Zwecken die Brust seine eigenen Sklavin untersucht hatte, dieselbe für die erlittene Verletzung ihrer Schamhaftigkeit durch ein Geldgeschenk zu besänftigen gesucht, obgleich er hierzu keineswegs rechtlich verpflichtet war. Die Frau des R. Jose schalt ihre Sklavin, R. Jose kam dazu und verwies es seiner Frau, Gen. rab. Par. 48. Die Sklavin des R. Jehuda hanassi wurde wie eine würdige Matrone voll Güte und Milde behandelt, b. B. Mezia 85 a. vgl. auch b. Roseh hasehana 26 b. 2S) Lazarus Remy a_ a. O. S. 23. 20) Als in der Hadrianischen Zeit die Gelehrten im Söller zu Lydda über die religiösen Maßnahmen abstimmten, beschlossen sie, daß man im Falle von Götzendienst, Unzucht und Blutvergießen, die der Feind verlangen sollte, sich töten lassen müsse. Vgl. b. Sanhedrin 74 a, b. Kidduschin 40 b und SifreAbsch. Ekebh. Im Sefer Chasidim, Absch. 1172 wird sogar das Hineinschauen in die Wohnung einer Frau untersagt. Vgl. auch die schöne Stelle dortselbst, Absch. 1148 im Anschluß an Exod. 24, 67. 3") Lev. 18. 27. 31) Deut. 23, 18. 3S) Deut 23, 19. 35) Buch der Jubiläe» 33, 13—14 und 19. 34) Lazarus Remy. a. a. O. S. 29. Vater und Sohn. (Eine nachträgliche Betrachtung.) Man mußte eine geraume Weile verstreichen lassen, um die nötige zeitliche Distanz zu einem Ereignis zu gewinnen, daß an sich von so lächerlicher Geringfügigkeit und Bedeutungslosigkeit, durch einen Namen, der damit verknüpft war, heftige Erregung in der ganzen Judenheit auf der ganzen Welt verursacht hat. Hans Herzl darf sich 1 rühmen, daß er wochenlang im Munde der sämtlichen 15 Millionen Juden war, wie wenn er den von seinem Vater geplanten Judenstaat wirklich gegründet hätte. Die Erregung der öffentlichen Meinung war begreiflich. Man bedenke: Es war just am Tage der .,Jahrzeit" des Vaters. In Wien fand, wie alljährlich, der Gang zu Herzls Grabe statt. Wer diesen Gang zum Grabe einmal mit angesehen hat, vermeinte, unter dem Stein ruhe ein islamitischer Marabut oder ein chassidischer Wunderrabbi:. Vom frühen Morgen ab waren . tausende jüdischer Menschen beideiüei Geschlechts, jeglichen Standes und Alters, vom zwölfjährigen Schuljungen bis zum achtzigjährigen Greis'- am Stabe, unterwegs, um den prunklosen Grabstein Herzls an der Wand des jüdischen Friedhofs von Sievering zu grüßen, den Grabstein, der ganz bedeckt ist von eingekritzelten Namen verehruingsvoHer Besuche aus fernen Ländern. Und in derselben Stunde unternahm der einzige Sohn seinen letzten Gang als Jude, den Gang nach jenem Ort, von dem man als Jude nicht mehr zurückkehrt. Aber daß zionistische Krei&e jetzt versuchen, ihn als eine^n psychisch abnormal veranlagten Mann und einen Sonderling hinzustellen, ist nicht recht von ihnen. Manche, sehr hervorragende Führer des Zionismus und Nationalismus haben das an ihren leiblichen und noch mehr an ihren) geistigen Kindern erlebt, was Herzls Sohn zwanzig Jahre nach dem Tode des Vaters verübt hat. Hans Herzl könnte sich darauf berufen. Er könnte auch darauf hinweisen, daß er kurz zuvor im Auftrage der zionistischen Organisation die Tagebücher seines Vaters ins Englische übertragen hat, dieselben Tagebücher, in denen er verewigt ist, da ihn der Vater darin zu seinem Nachfolger und Vollender seines Werkes geweiht hat. Hans Herzl könnte seinen Schritt rechtfertigen und nachweisen, daß er nicht nur den Lehren seines Vaters nicht widerspricht, sondern folgerichtig aus ihnen fließt! Wenn Theodor Herzl gesagt hat, bevor wir nach Palästina zurückkehren, müsse'n wir zum Judentum zurückkehren, so hat er offenbar ein ganz anderes Judentum gemeint, als das landläufige, welches die Geschichte seit zwei Jahrtausenden kennt. Er meinte natürlich nicht das Judentum als Reftigion, sondern als Nation. Sind wir nicht eine Nation, wie Herzl mit Nachdruck betont hat, eine Nation, wie alle anderen in der Welt, und wollen wir nicht es diesen gleich tun, utnd einen eigenen Staat besitzen? In welcher Nation auf der Welt spielt das Glaubensbekenntnis eine Rolle? Besonders die Angehörigen kleiner Natiönchen, wie die Albanier, zerfallen in Bekenner zweier oder dreier Religionen. Auch bei den Litauern, Slowaken und Slowenen ist das der Fall. Hört etwa ein Albanier auf, Albanier zu siein, wenn er vom Katholizismus zum Islam übertritt? Es ist noch keinem Engländer, Deutschen oder Franzosen eingefallen, einem Landsmann seine Nationalität abzusprechen, wenn er etwa vom Protestantismus zum Katholizismus übertritt, oder umgekehrt. Insofern die Angehörigen dieser Nation, nicht Antisemiten sind, betrachten sie jeden im.Lande geborenen, ihre Sprache redenden Juden, trotz des Religionsunterschiedes, als vollkommen gleichberechtigten Volksgenossen. Warum

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