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Die Wahrheit · 1924-09-12 · Heft 37 (12.9.1924) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 37 (12.9.1924)
Date
1924-09-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 37 DIE WAHRHEIT Seite 3 „Herrn", aber wenn er oder sein Sohn nach sechs Jahren sie nicht geheiratet hat, ist sie* frei in ihrer Person., und niemand, auch der eigene Vater nicht, kann sie hindern, zu gehen, denn sie hat das Recht aufifhrer Seite. „Man beachte den ungeheuren Unterschied' zwischen dieser in wenig Jahren gewonnenen Selbständigkeit und dem sklavischen Zustand, in welchem Mädchen und Frauen anderer Nationen zeitlebens Mündel irgend eines Mannes bleiben."23) Ja selbst das Verhältnis der Sklavin zum Herrn war von dem Gesetz streng und im Sinne der Humanität geregelt, nicht nur bei der geborenen hebräischen Sklavin, sondern ebenso bei der kriegsgefartgenen Fremden, welcher gegenüber keinerlei Rücksicht hätte geboten erscheinen können. Auch eine solche sollte nicht als ein bloßes Objekt für die Lüste des Herrn angesehen und dementsprechend behandelt werden. Namentlich aber die Unzucht wird als ein Greuel bezeichnet.29) Denn alle diese Greuel haben die Völker des Landes verübt und das Land war unrein.30) Es sollte keine Buhlerin sein unter den Töchtern Israels und kein Buhler unter den Söhnen Israelis.31) Der Lohn für Unzucht durfte nicht in den Tempel Gottes kommen.32) Und im Buche der Jubiläen heißt es: Du aber, Mosiche, geriete den Kindern Israels, daß sie dieses Wort beachten: Denn eine Todsünde ist düe Unzucht und Unreinheit ist es, und es gibt keine Verzeihung, den Man zu sühnen, der dies getan hat, in Ewigkeit, sondern eilst zum Tode zu bringen und zu töten und zu steinigen und hinwegzutilgen aus der Mitte desi Volkes unseres Gottes. Denn jedem Menschen, der das in Israel tut. wird es nicht vergönnt sein, einen Tag auf der Erde zu leben, da er verworfen und unrein ist. Denn Unreinheit, Abscheulichkeit, Befleckung und. Entweihung Sind alle, die d!as auf Erden tun, sie mit dem ganzen Pathos ihrer Sehnsucht nach eiiner neuen Kultur, die nur MenschheAtskultur sein kann, igegen die völkische und rassische Phraseologie aufgetreten und ihr radikalen Krieg angesagt hätte. Eine Betonung der Selbstverständlichkeit dies Internationalismus als des einzigen Kulturrahmens, innerhalb dessen allein sich völkische Gesinnungen bewegen dürften, wäre nötiiger und hoffniiiragsvoller gewesen als diieses Bekenntnis mm deutschen Blute, womit für den Geist überhaiupt und auch für den deutschen Geist noch gar nichts gewonnen ist. Es soiH doch nicht bloß die deutsche Jugend neu werden, sondern die Jugend überhaupt. Und während das Deutschtum nur dem Deutschen im Blute liegen kann, verlangen wir nach einer Jugend, der das Soziale, der Wille zur neuen Gesellschaft im Blute liegt, ob diese nun deutsch oder französisch, arisch oder jüdisch ist. Die mangelnde Kampfstellung Wynekens gegenüber dem Antisemiiti'srrius, der ihm mir ein Problem wie [ödes andere ist, nicht aber ein Widerspruch zu seinem Kuilturgedanken, beleuchtet abermals seinen innigen Zusammenmiit bürgerlichen Grundeinsteilumgen. Denn nur für die Intellektuellen- und daher für die studentische Jugendbewegung ist dler Antisemitismus ein Problem. Für das Proletariat, sobald es sich auf den Standpunkt des revolutionären Klassenkampfes erhoben hat, ist der jüdische Proletarier kein Konkurrent mehr, sondern ein Leidens- und Kampfgenosse und der jüdische Geldmensch ein Klassenfeind (!) nicht anders als der arische Kapitalist." Wie einst der Kampf zwischen der weißen und der roten Rose, entbrennt hier ein Kampf zwischen grüner und roter Fahne. Wer möchte voraussagen, auf welcher Seite der Sieg sein wird? Immerhin guter Wille, reine Gesinnung und felsenfeste Ueberzeugung eignen beiden wackeren Kämpen und darum ist es reicher Gewinn und geistiger Genuß, sich mit den Gedankengängen der „Neuen Menschen" vertraut zu machen. G. D. vor unserem Gotte.33) In Sparta hingegen verlieh man die kinderlose Frau!34) Nach all dem Dargelegten kann es nicht zweifelhaft sein, wie wir uns Juden dem Mädchen- und Kinderhandel gegenüber zu verhalten haben. Ich glaube ruhig sagen z>u dürfen, daß die gesamte Judenheit einmütig sich denen anschließt, welche die strengste Ahndung dieses Handels wünschen und ich rufe heute schon dem Kongresse zu: Er wolle versichert sein, daß wir Juden in der ersten Reihe derer stehen werden, die sich die Bekämpfung des Mädchenhandels zur Aufgabe gestellt haben. Denn wie ich eingangs erwähnt habe, sind wir nicht allein als Menschen, sondern in erster Reihe als Juden hierzu verpflichtet. Und in diesem Sinne rufe ich dem Kongresse ein herzliches „Glückauf' zum Gelingen seiner Arbeiten zu. * * Anmerkungen. 1) Vgl, Schulchan Aruch Joreh Deah, Abschn. 25?; Maimuni, Mischne, Thora, Hilchot Pidjon Schebhuim und b. B. bathra, p. 8 b. 2) B. bathra a. a. O. und Maimuni. M. T., Hilehoth Matnoth Anijim, Abs. 9, Hai. 5. Der Sklavenhandel lag damals hauptsächlich in den Händen der Phönizier, vgl. Arnos 1, 9 und Baentsch in Nowacks Hik z A T zu Exod. 21, 16, S. 192. Im Cod. Hammurapi 2, 14 lautet das Gesetz: Wenn jemand einen Freien jugendlichen Alters gestohlen hat, so wird er getötet. Im AT. wird kein Unterschied zwischen Jugendlichen und Alten gemacht. Im übrigen war die Zahl der Sklave» bei Juden sehr gering. Bei Athenaeos waren Sklaven: in Attika 400.000, zu Korinth 460.000, auf der kleinen Insel Aegina 470.000 und in Rom hatte mancher reiche Bürger in der Kaiserzeit 10.000 bis 20.000 Sklaven, hingegen gab es bei den Juden nach der Zerstörung des Tempels überhaupt keine Sklaven mehr. Sehr charakteristisch für die Stellung des Sklaven bei Juden ist auch, daß der Jude für Sklave überhaupt keinen Ausdruck hat. für ihn ist der Sklave nur ein ebhad, ein Dienender, während er bei den Griechen der dulos, der Unterjochte, der Gebundene, bei den Römern der maneipium, der Gekaufte, das „Fanggut" ist. 3) Schulchan Aruch, Joreh Deah, a. a. O., Abs. 1. *) Deut. 15, 7. 5) Ebendort. ") Lev. 19, 16. 7) Lev. 25, 53. s) Lev. 25, 35. °) Lev. 25, 36. 10) Lev. 19, 18 und 34. ") Spr. 24, 11. Denn der Mensch sollte nur Gottes Knecht sein, vgl. Lev. 25, 42 und 25, 55. 1J) b. B. Kama, Misna 8, 3: Makkoth 9 a: Maimuni, MT. H. Chobel u. masik III, 4. 10. Vgl. dagegen die Aussprüche des Aristoteles: Der Sklave kann ungestraft beleidigt werden (Etl. Nie. 5, 8); Gerechtigkeit besteht nicht in Bezug auf Sklaven (ebendort 5, 10); es kann gegen ihn von einem Verhältnis der Liebe und Freundschaft nicht die Rede sein, ebensowenig wie gegen einen Affen oder ein Pferd (dort 8, 13). Und Juvenal sagt (6, 221): O demens, ita Severus homo est? 13) Die Frommen der Völker der Welt haben teil am Jenseits, lautet ein Ausspruch in der Tosephta Sanhedrin 13, 2. Vgl. auch Mischna Thora, H. Teschubha 3, 5. Himmel und Erde rufe ich zu Zeugen an, es sei Jude oder Nichtjude. Mann oder Weib, Knecht oder Magd, nach dem Wirken jedes Menschen ruht der heilige Geist auf ihm (Jalkut Ab. 42). Die Thora ist in der Wüste offenbart worden zwischen Feuer und Wasser — wie . diese allen Bewohnern der Erde gleich gehören, es ist auch jene allen Bewohnern der Erde gegeben (Mechilta zu Exod. 20, 2). Ob Israelit oder Heide — wer eine fromme Tat vollbracht hat, Gott wird sie ihm lohnen (Tanna debe Elijahu Kap. 13). den Priestern gleich sind die frommen Heiden (ottijoth di R. Akiba, 7. In allererster Reihe aber vgl. Exod. 12, 49: Eine Lehre soll für den Einheimischen sein und für den Fremdling. ") Exod. 21, 10 und Deut. 24, 7. nur daß hier der Gestohlene in das Besitztum des Diebes gebracht wird. vgl.

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