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Die Wahrheit · 1924-09-05 · Heft 36 (5.9.1924) · page 13

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 36 (5.9.1924)
Date
1924-09-05
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr, 36 Die zweite jüdische WeHhilfskonferenz. Donnerstag, den 21. August wurde die zweite jüdische Welthilfskonferenz im Karlsbader Kurhaus eröffnet, von dessen Eingangspforte sie in großen jüdischen Lettern in deutscher und hebräischer, selbstverständlich auch in tschechischer Sprache angekündigt wurde. Wie der Präsident der Konferenz Leo Motzkin in der Eröffnungssitzung mitteilen konnte, nahmen 125 Delegierte teil, die 89 Organisationen in 22 Ländern repräsentieren. Ihr Tätigkeitsgebiet war hauptsächlich die Ukraine, sie befaßte sich vornehmlich mit der Flüchtlingsaktion, mit der Hilfe für das jüdische Kind, aber auch mit den anderen in der Ukraine zurückgebliebenen Juden, errichtete in der Ukraine medizinische Stationen, befaßte sich mit prophylaktischen Maßnahmen und erfreimte sich der werktätigen MitMfe' Nansens, Mar» konnte nach Beendigung der Konferenz am 28. v. M. feststellen, daß die meisten Delegierten die Tagung diesmal befriedigter verließen als nadh der ersten Wefthilfskonierenz. die 1920 stattfand. Vor allem trug dazu bei, daß die Exekutive der WeHhilfskonferenz den jüdisch-traditionellen Geist bei der Errichtung! der einzelnen Anstalten vollauf zu berücksichtigen suchte und daß ebenso politische Tendenzen ausgeschaltet wurden. Dadurch war es z. B. auch dem Hilfswerk der A g u d a s J i s r o e 1 möglich geworden, sowohl in der Exekutive wie im Zentralrat die ihm angebotenen Plätze anzunehmen. Besonders beachtenswert war der humane Geist der Tagung der sich in der feierlichen Unterzeichnung der Genfer Deklaration dokumentierte, die auf Pergament in künstlerischer Ausführung in hebräischer und jüdischer Sprache niedergeschrieben ist, durch die Delegierten. Die Deklaration, die im Jahre 1923 feierlich vom Eifelturm in die Welt hinausgesprochen worden ist, und dann im Genfer Archiv der Internationalen Union für Kinderhilfe niedergelegt wurde, hat folgenden Wortlaut: 1. Jedes Kind hat Anspruch auf normale körperliche und geistige Entwicklung. 2. Das hungrige Kind muß gespeist, das kranke gepflegt, das geistig zurückgebliebene gefördert, das verwahrloste auf den richtigen Weg gebracht werden. Waisen und verlassene Kinder sollen aufgenommen und versorgt werden. 3. In Zeiten der Not hat zuerst das Kind Anspruch auf Hilfe. 4. Das Kind muß befähigt werden, seiner. Lebensunterhalt selbst zu verdienen, zugleich aber gegen jede Ausbeutung geschützt werden. 5. Das Kind muß zur tätigen Menschenliebe erzogen werden. Präsident Motzkin übergab die unterzeichnete Deklaration dem Vertreter des Internationalen Roten Kreuzes Herrn G e h r i, der auch die Union Internationale de Gecours aux Enfants in Genf vertrat, und dessen Anwesenheit und Interesse, das sich unvermindert erhalten hat, in welcher Sprache auch immer die Verhandlung geführt wurde, überall berechtigtes Aufsehen erregte. Herr Gehri erklärte: Mit wahrer Rührung nehme ich die Deklaration entgegen, die mir vom Herrn Präsidenten inso ieSerlicher Weise namens der Exekutive überreicht ward. Die erste offizielle Unterzeichnung der Deklaration ist von der Regierung von Kanada durch ihre Wohlfahrtsorgane erfolgt Zum zweitenmal erfolgt sie nun von der Jüdischen Welthilfskonferenz. Namens der großen. offiziellen Organisationen, die ich vertrete, drücke ich meinen Dank hierfür und gleichzeitig für den herzlichen Empfang und die freundlichen Worte aus. die meinen Organisationen hier gewidmet wurden. Ich hoffe, daß sich die Beziehungen zwischen Welthilfskonferenz und den beiden internationalen Organisationen immer besser entwickeln und immer fester gestalten werden. Die zweite Großtat der Tagung war die Gründung des Jüdischen W el t v e r b and e s für soziale Hilfe, über dessen Aurgaben wir an anderer Stelle auf Grund des den Delegierten: vorgelegten Entwurfes ausführlich berichten. Sämtliche diesbezüglichen Resolutionen wunden in der Schlußsitzung auf Antrag Dr. Margulies mit großer Mehrheit angenommen. Hierauf schritt man zur Wahl. Im die Exekutive wurden gewählt: Leo Motzkin als Piäs dent, J e f r o j k i n (Generalsekretär), S1 i o s b e r g, Latz'ki, Temkin, Dr. J o ch elmjajnn, Professor Dr. C h a j e s, Professor E i s 1 e r, Dr. K1 e e, Anitti Müller, Friedland, Abgeordnetier Dr.vOskar Cohn (Berlin), Alfred Borger, Dr. Julius Brutzkus, Oberrabbiuer Weil (Kolmar). Weiters wurde ein großer Zentralrat gewählt, dem u. a. angehören: für Palästina Ussischkin und Yellin; aus Wien. Professor Ehr mann, Dr. N. M. Gelber und Heinrich »Pappenheim. Drei Delegiertenplätze wurden offengelassen : für die Wiener Kultusgemeinde, den jüdischen Frauenbund in Deutschland und der» Voiksverband der Juden für die Slowakei. Mit einer längeren Ansprache schloß hierauf der Vorsätze redte Motzkin, die Konferenz, die ein großes Stück nützliche Arbeit bewältigt hat. Daß ihr dies so restlos gelungen ist, ist vor allem dem Umstände zu danken, daß weniger langet Redien gehalten wurden: als in der ersten Sitzung dieser Uebelstand einzureißen drohte, wurde bald darauf eine Teilung in Kommissionen mit bestimmt abgegrenzten Verhandlungsgebieten beschlossen. Dadurch gelang das schöne und befriedigende Resultat. Nun heißt es auf dem beschrittenen Wege fortzufahren. Oberkantor Heinrich Fischer. Der neugewählte Oberkantor des Großen Leopoldstädter Tempeis dürfte, wie wir vernehmen, bereits Freitag, den 12. d. M., beim Abendgottesdienst um Vil Uhr sein Amt antreten. Trauung. Sonntag, den 31. v. M. fand unter ungewöhnlich großer Beteiligung im herrlich geschmückten Tempel in der Müllnergasse die Trauung des Fräulein Frieda Walzer, Tochter des durch seine Wohltätigkeit bekannten Herrn Ignaz Walzer, mit Herrn Rudolf S z 11 a g y i statt. Der Vorstand des Tempelvereines „Chewra Beth Haitiiah" erschien unter Führung seines Präsidenten Herrn Börserat Ignaz Glück vollzählig. Der Verein ..Wohlfahrt", dessen Vorstandsmitglied Herr Ignaz Walzer ist, war durch Vizepräsident Dr. G o l dmann, Schriftführer Redakteur L. Hirschield, Kassier E. Juskovics und die Vorstandsmitglieder M. Oeste rreicher und R u d i n g e r vertreten. Oberkantor S. Posto- 1 o w mit großer Assistenz versah die kantorale Funktion in erhebender Weise. Den Trauungsakt vollzog Herr Rabb. Dr. Schwarz. In überaus herzlicher Weise verdolmetschte er die Gefühle der zahlreich Versammelten für das Glück und Wohlergehen des Brautpaares und ermahnte dasselbe, stets eingedenk zu bleiben der grenzenlosen Liebe und Treue, welche die Eltern der Erziehung der Kinder haben angedeihen lassen, um auf dem festen Grunde dieser echt jüdischen Tugenden das rteuet Haus aufzurichten. Besonders legte er dem jungen Paare ans Herz die Pflege jenes Gott und Menschen gefälligen Sinnes, der seine Verkörperung im Brautvater gefunden, in Herrn Ignaz Walzer, der durch sein hingebungsvolles, selbstloses Wirken als Vorsteher des I'empelvereines so vielfache An- Neujahrsgratulationen der „Wtthrlieii" Mit Rücksicht darauf, daß die in der „Wahrheit" erscheinenden Neujahrsgratulationen bei unseren Lesern derart Anklang gefunden, daß diese Tabellen in ständiger Zunahme begriffen waren, ist ein gleiches auch heuer um so mehr zu erwarten, als bei den teueren Herstellungskosten spezieller Gratulationen und den damit verbundenen Versandspesen sich gegenüber den Publikationen in unserer Zeitung ein Ersparnis erübrigt, abgesehen von der weit größeren Verbreitung, die eine solche Gratulation in unserem Blatte zur Folge hat. Da nun im vorigen jähre infolge verspäteten Einlangens viele Aufträge leider keinen Raum mehr finden konnten, erlauben wir uns die höfl. Bitte, uns die geschätzten Aufträge schon jetzt zu erteilen. Anläßlich des Roschbaschono-Festes entbieten hiermit ihren Verwandten und Freunden die herzlichsten Glückwünsche Muster: (Einfaches Feld) Zahntechniker und Frau II., Novaragaase 21

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