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Die Wahrheit · 1924-09-05 · Heft 36 (5.9.1924) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 36 (5.9.1924)
Date
1924-09-05
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 10 DIE WAHRHEIT Nr . 36 neueren Geschichte nicht nur Italiens vorstellen, gleichzeitig zu einem wertvollen Handbuch für Politiker und Diplomaten. Geschichte Rußlands von den Anfängen bis zur Gegenwart: Erster Band: Bis zur Geburt Peters des Großen. Von Karl S t ä h 1 i n. In Halbleinen gebunden. (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt.) Die immer wachsende zeitgenössische Literatur, die sich mit dem' heutigen Rußland, dem Reiche des Sowjets, beschäftigt, erhält eanei willkommene und 'notwendige Ergänzung durch das vorliegende Werk, das das geschichtliche Werden Rußlands auf Grand] des heutigen Standes der historischen Forschung darstellt Wie sich die Seele des einzelnen Russen, die Eigenart der russischen Literatur zum großen Teil aus der Natur des .in gewissem Sinne grenzenlosen Landes erklärt, so ist das ungeheure und ungeheuerliche Geschehen, das sich seit Ausbruch der Revolution in Rußland vollzieht, ganz nur aus seiner Vergangenheit, aus all den physischen und geistigen Faktoren, die im Lauf langer Jahrhunderte auf dies große und u-raglücklidhe VoÜk eingewirkt haben, zu begreifen. Und es ist in jeder Hinsicht zu wünschen, daß solche wahrhaft wissenschaftliche, nicht lebensfremde Aufklärung über Rußlands Vergangenheit und Gegenwart sich in möglichst weite Kreise verbreite. Diesem Zwecke aber verspricht Karl S t ä h 1 i n s „Geschichte Rußlands" dm hervorragender Weise zu dienen. Sie wird zwei stattliche Bände umfassen, von denen zunächst der erste, bis zur Geburt Peters d. Gr. reichende, erschienen ist. Daß diese breite Anlage doch nicht zu breit ist, daß sie dem Riesenstoff gegenüber sogar eine beinahe knappe Zusammendräntgtuis bedeutet, wird jedem klar werden, der den ersten Band zur Hand nimmtu Das russische Land und Volk, dem vielleicht noch eine furchtbar 'verhängnisvolle Einwirkung auf das rwestJii'cfoe Europa beschieden sein wird, ist von diesem Europa durch die Kluft einer kaum stark genug zu betonenden VerscMederahei't getrennt Es gi'lt also für den Historiker, diiese Verschiedenheit sowohl nach den Tatsachen, wie nach ihren Gründen klar zu machen, indem er sie bis auf die in vielem noch immer dunkeln und umstrittenen Anfänge zurück verfolgt den russischen Volkscharakter und die staatliche Einheitt Rußlands sich vor den Augen des Lesers aus vielerlei Elementen und vitelverschlungenen Einzelschicksalen herauskristalliisiieiren läßt. Zwei große Hauptmomente: den kulturellen — zugleich aber kultfUT'hernjnenden — Anschluß Rußlands an Byzainz und die verhängnisvolle jahrhundertelange Tatarenherrsohaft hat Stählin mit ebenso großer Klarheit herausgearbeitet, wie andere, daneben wirkende Faktoren, und seine Aufmerksamkeit ebenso auf die soziale und volkswiirtschaftlichie Entwicklung igerichitet, wie auf die rein politische,. Der allgemeine K'ulturzustand der einzelnen Epochen wird uns in seiner fremdartigen Farbigkeit ebenso lebenidiig, wiie diie oft so problematischen, zugleich abstoßenden und fesselnden Gestalten einzelner Herrscher und Volksführer, aus deren langer Reihe teer nur Iwan der Schreckliche und Boris Godumow als besonders eindrucksvolle, in ihrer Gegensätzlichkeilt gleich lebendige Charakterbilder hervorgehoben seiien. Der erste Band führt uns bis zur Geburt Peters des Großen, 'die ja in gewissem Sinn auch die Geburtsstunde des modernen Rußland bedeutet und die schon _unter dem Zeichen des ersten stärkeren Eindringens neuzeitlich-westeuropäischer Elemente in das russische Mittelalter steht. Zwei Parodien zu „La garconne" von Margueritte. Zweifellos ist „La garconne" ein Buch, das dem Zeitgeist sehr zusagt, denn es hat eine ungewöhnlich hohe Auflage erreicht und wurde in mehrere Sprachen übersetzt, ja — es ward sogar einigen Parodien-Schreibern zum Vorwurf ihrer „Dichtungen". So schrieb der bekannte Hans R e i m a n n eine „Garconne" (Internationaler Verlag „Renaissance", Wien) in seiner Art, flott und gut, ab und zu ein bißchen beißend (Liebstöckl, der Uebersetzer der Original-Garc.onne, wird ein wenig zerzaust), die andere stammt aus der Feder eines Unbekanntseinwollenden (***) und erschien bei K. S c h u s d e k1, Wien. G o d eil, ein tüchtiger Karikaturist, illustrierte das Bändchen reichlich. Leute, die „moderne"' Literatur lieben und deren Geistigkeit in Problemen des Lebens (in erotischen natürlich) aufgeht, werden die beiden Uebersetzungen der Pariser Garconne ins Gemütlich-Wienerische lesenswert finden. Wir schweigen... r-n. Ed. König. Geschichte der alttestamentlichen Religion. 3. und 4. Auflage, C. Bertelsmann, Gütersloh 1924. Der Nestor der alttestamentlichen Wissenschaft hat in diesem Werke das Endergebnis viele Jahrzehnte langer hingebungsvoller Arbeit niedergelegt. Die Solidität seiner Forschung, die Bedachtsamkeit seiner Urteile, die mit strenger Kritik gepaarte, aus seiner Kenntnis der Quellen geschöpfte Ueberzeugung von der Einzigkeit des Berufes Israels spricht aus jeder Seite zu uns. Mit diesen Vorzügen verbündet König, den Mut, leichtfertigen oder gar böswilligen Beurteilern des Alten Testamentes gründlich heimzuleuchten. Sieht man von der Quellenscheidung im Pentateuch ab, so ist das Buch eine Apologie des überlieferten Textes sowie des Charakters des alten Israel, wie sie nicht ihresgleichen hat. Was unsere Religionslehrer daraus entnehmen können, ist unermeßlich. Darum ist das Buch auch der jüdischen Familie wärmstens zu empfehlen. Wie wahr und schön sind Stellen, wie S. 287: „Wie erhaben ist das alte Ideal der israelitischen Religion, daß die Gottheit der wahre und einzige König sein solle, über die weithin orientalische Vorstellung, daß die Gottesherrschaft im menschlichen König verkörpert sei. Welche freie Bahn der Entwicklung würde durch jenes Ideal des nationalen Gemeinwesens, außerdem auch für den Staatsbürger eröffnet. Jeder stand direkt dem himmlischen Herrscher gegenüber und jeder konnte das tatkräftige Organ jenes Herrschers werden, so daß das Volk in seinen Vertretern von vornherein die entscheidende Stimme bei größeren öffentlichen Unternehmungen besaß!" Diese Worte zum Beweis, daß sich das Buch auch durch Schönheit der Form auszeichnet. R. N. M. Gelber. Aus zwei Jahrtausenden. R. Löwit, Wien. Hauptsächlich durch Benützung des Wiener Archivs des Ministeriums des Innern gelangte der Verfasser zu Dokumenten, die er hier verwertet. In einigen Aufsätzen erkennt man Abdrücke aus den „Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde", der .Jüdischen Wochenschrift für die Schweiz" u, a. m. Schon die Kapitelüberschriften lassen den in verschiedener Hinsicht wissenswerten Inhalt erraten, so Derek .Toselwisz, zur Geschichte der Frankistenpropaganda 1800. Die Dynastie von Sadagora, Adolf Fischhof, Ignatz Deutsch der erste Sozialist in der hebräischen Literatur u. s. f. Auch dieses Buch bereichert unsere Kenntnis der jüdischen Geschichte des letzten Jahrhunderts. W. Scheidt, Familienkunde. München. 1923, Verlag J. F. Lehmann, geh. 80.000, geb. 112.000. Aus dieser gediegenen Arbeit ersieht man erst, welch hohe praktische Bedeutung der Familienkunde beizumessen ist, und welch wichtige Ergebnisse sie bereits zu Tage gefördert hat. In eine Unzahl aktuellster Fragen, wie die der Verwandtenehen, wird mit exakt wissenschaftlicher Zuverlässigkeit hineingeleuchtet. „In der Judenfrage herrscht eine folgenschwere, in ihren Aeußerungen nur noch viel unerfreulichere Verwirrung, welche durch die Verquickung naturwissenschaftlicher Gesichtspunkte mit solchen politischer, religiöser, sittlicher, gesellschaftlicher Art verursacht wird, und alle diese Dinge, so weit sie auch von einander verschieden sind, aufs bedauerlichste durcheinander bringt." (60). Den völkischen Rasseschnüfflern wird gehörig auf die Fiinger geklopft und mit Recht betont, daß von einer höheren und niedrigeren Rasse zu sprechen, Ausfluß ganz subjektiver Willkür ist. Auch die jüdische Hygiene wird herangezogen, nur der Autor des gleichnamigen Buches mit Grunewald statt Grumvald angegeben. Das Büch verdient weiteste Verbreitung schon darum, weil das ungeheure Material, dessen diese Forschungen bedürfen, nur durch die Mitarbeit der weitesten Kreise gesammelt werden kann. R. Werbet Abonnenten für „Die Mlieit"! ■^ammememmmm^Bmmmams^mmmammaasmmm^mmmmmmammmaamBKmmmmamammmmmm tzmKT^ji~ Vj*^MOQ0^^sifiMflm^M9^g^^ I ROTGA55E-1 ~7 /V/"* II /% 1 fff^O Kleider-,Pelze-u.Gummimänfel-Fa 1 UJk 1 I yl iJk 1^1^ Zentrale: Detail verkauf: 'ß+ m^*9 1 1 LfltfAm Wien IL,Glockengasse24 Wien II., Taborsfra

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