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Die Wahrheit · 1924-09-05 · Heft 36 (5.9.1924) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 36 (5.9.1924)
Date
1924-09-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Verön^ntlichliirig^ der ■ Pnstsoarkassen - Kor „Union deutschösterreichischer Juden" Postsparkassen - Konto Nr. 9464 Telephon Nr. 19-2-77 Die Aufgaben des Jüdischen Weltverbandes für soziale Hilfe.*) 1. Die rationelle Organisierung der jüdischen Hilfstätigkeit ist ein! wichtiges soziales Problem, das leider bisher nicht in Angriff genommen wurde. In den meisten Ländern besteht keime einheitliche Organisation der jüdischen Hilfstätigkeit. Oft wird dtie gleiche Arbeit von verschiedenen Organisationen in derselben Stadt oder in demselben Lande getan. Da das jüdische Hilfswerk eine wichtige soziale Funktion im jüdischen Leben, in dem es oft tiäe. Hilfe des Staates oder der Gemeinde zu ersetzen hat, bedeutet, sollte es auf einem rationellen System begründet und, trotz seiner Sonderung in die verschiedenen Zweige der Hilfstätigkeit, soweit als möglich, mindest innerhalb eines jeden Landes vereinigt und zentralisiert sein. 2. Die Notwendigkeit eines solchen rationellen Systems der Hilfstätigkeit begreiflich zu machen, diese Tätigkeit in den Fällen, in welchen sich ihre verschiedenen Erscheinungsformen in den verschiedenen Ländern kreuzen, zu vereinigen, wobei einem jeden Lande und einer jeden interritorialen Organisation, die ein spezielles Gebiet der Hilfstätigkeit umfaßt, vollständige Autonomie belassen würde, all dies ist eine der Aufgaben des Jüdischen WeJtverband'es für soziale Hilfe. 3. In gleicher Weise wie die soziale Hilfe der Nichtjuiden, müßte die jüdische soziale Hilfe auf festen Grundlagen beruhen, die durch wissenschaftliche Erforschung des jüdischen Lebens in den verschiedenen Ländern geschaffen wurden, wobei d'iese Erforschung speziell von dem Standpunkte der Probleme der sozialen Hilfe unternommen werden müßten. Dies ist die zweite Aufgabe des Jüdischen Weltverbandes für soziale Hilfe. 4. In den meisten Fällen ist gegenwärtig die jüdische Hilfstätigkeit mit lokalen Interessen und Bedürfnissen verknüpft. Das Hilfswerk der jüdischen Gemeinden und Organisationen müßte dagegen, vereinigt und verbunden, in jedem Lande und ebenso im Weltverbande zu einem bedeutenden Faktor des jüdischen Gemeinschaftslebens werden. 5. In Fällen, in denen es sich um die Erfüllung gewisser öffentlicher Aufgaben handelt die die Kräfte einer Gemeinde oder Organisation übersteigen, ist es häufig unmöglich, die Mittel zur Erreichung dieser Zwecke durch gelegentliche und provisorische Sammlungen zu beschaffen. Bloß' große Ideen und schwere Katastrophen sind imstande, die breiten Volksmassen zu ergreifen und zu bedeutenden materiellen Opfern zu bestimmen. Jedoch ist selbst diese Wirkung nicht immer von Dauer. Für allgemein öffentliche Zwecke müßte ein permanentes Volksbuidget geschaffen werden, zu dem regelmäßige, wenn auch geringe Beiträge, die auf die Einnahmen der Gemeinden und lokalen Organisationen eingehoben wurden, geleistet würden. Das schließt natürlich die Möglichkeit nicht aus, in außerordentlichen Fällen zu besonderen Sammlungen Zuflucht zu nehmen. 6. Bloß auf diese Weise konnte die Krise überwunden werden, welche das ganze, zugunsten der Hunderttausende Opfer der Kriege, Pogrome, der Hungersnot und der Epidemien im .diesen letzten Jahren unternommene Hilfswerk zu vernichten droht; auf diese Weise allein könnten Fonds zum Wiederaufbau der Ruinen, die d'iese unheilvolle Epoche uns hinterlassen hat, geschaffen werden. Es ist in der Tat unmöglich, sich bei diesem ungeheuren, kaum begonnenen Werke auf zufällige Geschenke zu verlassen, während die jüdischen Massen weiterhin unter den Zerstörungen leiden, welche vielleicht nicht so sehr im Augenblick die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, wie es die Pogrome getan haben, jedoch nicht weniger bedeutend sind. Gewiß werden die leitenden Persönlichkeiten der Gemeinden und Organisationen diesen allgemeinen Aufgaben mehr Verständnis entgegenbringen als die breite Oeffentliohkeit selbst, d/ie stets geneigt ist, die Probleme von allgemeinem Interesse gegenüber den lokalen Bedürfnissen in den Hintergrund treten zu lassen. 7. Die Spuren der letzten Katastrophen in Osteuropa sind noch längst nicht verwischt und neue Katastrophen können jederzeit, sogar in i Mitteleuropa, hereinbrechen. Die anderen Völker haben sehr wohl verstanden, daß der katastrophale Charakter der gegenwärtigen Epoche (Krieg, Epidemien, usw.) gewisserimiaßen permanent geworden ist. Aus diesem Grunde hat der Völkerbundrat vor kurzem das Projekt des italienischen Senators M. C i r a o 1 o angenommen, das* dahin lautet, einen Fonds zur gegenseitigen Versicherung der Völker zu schaffen, der zur Leistung schneller Hilfe für jedes von einer Katastrophe betroffene Volk bestimmt wäre. Wir Juden hätten noch viel mehr Ursache, einen solchen Versieheriingisfonds zu schaffen, um den jüdiischen Unglücksfällen in den verschiedenen Ländern) zu begegnen. Es steht fest, daß wir nicht nur ebensosehr unter den Katastrophen leiden, die die Völker, unter denen wir leben, treffen, sondern dazu noch von Ve r f o 1 g u n g e n und anderen speziellen Unglücksfällen betroffen werden. Es ergibt sieh daraus, daß die Wahrscheinlichkeit einer Katastrophe weit größer ist für die jüdischen Gemeinschaften, von denen keine mit Sicherheit behaupten kann, das Unglück wird mir erspart bleiben, als für irgend ein anderes Volk. , 8. Die Verwaltung der Fonds, sowohl der für die dauernde Hilfe normaler Zeiten bestimmten Fonds, als auch des „Rettungsfonds", welcher für den Fall eines allgemeinen Unglücks bestimmt ist, soll dem Jüdischen Weltverbande für soziale Hilfe anvertraut werden. i 9. Dieser Verband setzt sich aus den jüdischen Gemeinden und Verbänden, wo solche bestehen, aus den wichtigsten Wohltätigkeitsorganiisationen und Hilfsiinstitutionen, sowila aus den Genossenschaften und ihren Vereinigungen zusammen. Die Exekutivorgane dieses Verbandes! werden auf den ordentlichen Kongressen gewählt. 10. Der Jüdische Weltverband für soziale Hilfe soll als humanitäre Organisation mit den internationalen humanitären Organisationen, wie z. B. mit dem internationalen Roten Kreuz, in ständigem Kontakt stehen. Allmählich wird der Jüdische Weltverband für soziale Hilfe „de facto" als Institution anerkannt werden, die für das Judentum die analoge Rolle hat, die in den einzelnen Staaten die Organa sattonen des Roten Kreuzes einnehmen. Diese im Laufe der Zusammenarbeit mit den internationalen Organiisatiionen erlangte Anerkennung „de facto", kann, namentlich in Fällen allgemein jüdischer Katastrophen, von großer Bedeutung sein. 11. Die jüdische Welthilfskonferenz, welche in einer Periode von Katastrophen und unter deren Eindruck geschaffen wurde, hat bisher den Charakter einer provisorischen Organisation beribehalten; sie soll sich nun erwieiltem; ihre Tätigkeit vertiefen und sich in den Jüdischen Weltverb and für soziale Hilfe umwandeln. *) Siehe die Notiz „Die zweite jüdische Welthilfskonierenz". Der Judenhaß wächst! Nur fester Zusammenschluß und Opferwilligkeit m gemeinsamer Abwehr können dagegen helfen! Tretet der „Union deutsch-österreichischer Juden", Eurer bewährten Schutzorganisation, bei! . . Stärket unseren Preßfonds! , ■ AtaiMie-rt unser Organ „Die Wahrheit"! Tue Jeder seine Pflicht!

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