Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 36 (5.9.1924)
- Date
- 1924-09-05
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 36 DIE WAHRHEIT Seite $ ihnen gegenüber aber stand die große! Masse jener, die von der KreiuzzugSwellie -eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage erhofften. Allzurasch aber wurde die Bewegung eine ökonomische, und als solche traf sie vor aMerri die Juden, diein ifaren rheinischem Gemeinden durch fleißige Arbeit zu einem beträchtlichen Wohlstand gekommen waren. Ihnen hatte man auch allein den Beruf des Geldverleihens gegen Zinsen zugewiesen, den man den Christen verbot, welchen man aber doch brauchte, wieil man in beständiger Geldverlegenheit war, und aus dem man -den Juden in wundervoller Logik nun einen Vorwurf machte. Wäre die Kreuzzugsbewegung aus religiösem Haß allein zu erklären, aus dem Fanatismus irregeleiteter Massen, wir könnten sie selbstverständlich nicht billigen, aber wir würden doch noch eher für sie innerlich eine Entschuldigung finden, als so, wo wir an ihren Auswüchsen erkennen! müssen, daß ihr der Trieb zu müheloser Bereicherung zugrunde lag. Es ist ganz charakteristisch, daß man denen, die das Kreuz nahmen, die Bezahlung der Judenschulden erließ. Auf was für Elemente muß man da gerechnet haben und wie muß schon bald die Begeisterung nachgelassen haben, wenn! es derartiger Arareizmittel bedurfte. Aber es gab ja noch eine viel leichtere Möglichkeit zur Lösung der Judenfrage, dasselbe Mittel, das auch noch vor kurzem den Machthabern des Ostens als das geeignetste erschien: man erschlägt die Juden. Damit erfüllte man in diesem Augenblicke eine doppelte, ja eine dreifache Aufgabe: man züchtigte die verstockten Juden, die den wahren Glauben nicht annehmen wollten, man erfüllte seine Kreuzzugsversprechen leichter, als wenn man den gefährlichen Zug nach Asien machte, und man bereicherte sich gefahrlos an dem Gute der Ungläubigen und tat auch damit eine Gott wohlgefällige Tat. Keine Strafe, weder eine irdische, noch eine himmlische, konnte die Mörder treffen, denn man hatte ja den Ablaß in der Tasche, nicht nur für alle Taten, die man bereits getan hatte, sondern auch für alle die, diei man etwa noch zu begehen im Begriffe war. (Schluß folgt.) Vom Hakenkreuz. A. von Berg schreibt in "der „Jüdisch-liberalen Zeitung", Berlin: Als einen Witz der Archäologie bezeichnet es Dr. J. Hundhausen in einem Aufsatz der naturwissenschaftlichen Wochenschrift „Umschau", Heft 26, daß kürzlich die dänische Palästina - Expedition in den Räumen der Synagoge zu Kaper - naum einen Fries mit vier Hakenkreuzen fand. Nach dem Lukas - Evangelium wurde einst diese Synagoge vom Kommandanten einer römischen Hundertschaft, die dort in Garnison lag, der jüdischen Gemeinde in Kapernaum geschenkt. Es handelt sich um die Kapernaumer Synagoge, in der Jesus am Sabbath gelehrt haben soll. Nach Sven Hedin ist der Ort einer von den dreien, an denen der Nazarener erwiesenermaßen geweilt hat. — Ob wohl Dinter und Konsorten daraus den Schluß ziehen werden, die Erbauer der Sjmagoge seien Arier (Indo-Kelto-Slavo-Germanen sagt weitherzig bzw. schlau H. St. Chamberlain) gewesen? — Dr. Hundhausen nimmt übrigens das Hakenkreuz, das bei fast allen Völkern gefunden •wird und auf Urweltszeiten zurückgeht, wenn schon ein '„historischer Ursprung" angegeben werden soll, für das Sonnensymbol der amerikanischen Ur- und Kiüturvölker. Es ist im Südamerika heute noch den mexikanischen Petrolaurnwagen aufgemalt. Nicht nur die vielfachere Form dies Kreuzes, eben das Hakenkreuz, sondern sogar dias einfache Kreuzornament führe die Forscher merkwürdigerweise nach Mexiko (was uns angesichts neuerer Forschungen gamiebt so merkwürdig" vorzukommen braucht). In dortigen Museum finde man es auf einer Vase als „Ornament aus denkbar grauenhafter Herkunft", es erscheine dort nämlich zusammen mit Menschenschädeln in verzerrter Nachbildung, bestehend aus zwei üfoereLnanidergelegiren menschlichen Sahenkelknochen mit den beiderseitigen Ansetzen der Gelenkköpfe, in der Art des sogenannten Malteserkreuzes, die Menschenköpfe und -Knochen abgenagt: das Ornament der Menschenfresser! — So schrecklich wie ider Ursprung der Figur ist der des Namens „Kreuz", welches Wort erst im 8. bis 9. Janrhundert mit der ChristianLierung (was nach Chamberlaii'n.-Dinter Judaisierung zu heißen hat) in Deutschland aufkam. Es stammt vom lateinischen crucem, mit Geniuswechsel von crux geronnenes Bkit. „Kreuz" ist 'demnach ursprünglich nioht die Figur, sondern das Blut am (gleichviel, wie geformten) Marterbolz; der Name überträgt sich dann auf das Holz und in späterer Entwicklung erst auf ein bestimmt geformtes Holz. „Blutholz" oder Marter pfähl ist danach die Urbedeutung von „Kreuz", das sich dann im sieinen verschiedienen Formen unabhängig vom Marterholz ausgestalten konnte. Ich möchte bei dieser Galegenheiit darauf hinweisen, daß sich neben dem eingeführten „Kreuz" als Bild •und Wort in deutschen Mundarten auch noch das erhalten zu haben scheint, worauf „Kreuz" zurückgeht. In süddeutschen Länidenni (wie Hessen, Pfalz, Baden) packt man einen „an der Krutz", d. i. an der Kehle, „die Krutz abschneiden" ist eine ort zu hörende Drohung. Der Bauer „krotzt" oder „krutzt" die Rüben, d. h. er schneidet den BJätterbüsohel ab, der dann, wie auch z. B. Kartoffelkraut „Krotzig" heißt. Diese mundartlichen Sprachreste! scheinen Ln fernste Vergangenheit zu weisen, indem hier noch überhaupt keim Holz im Spiel, sondern „Krutz" einfach d>:e Stelle am zu tötenden Körper selbst ist, wo dias Blutgerinnsel zu kleben pflegt. Für unmenschliche Handlungen gibt es im Lateinischen das Wort cruriel, im Französischen cruel und im Deutschen — „Greuel". Nach Dr. Hundhausen ist das indische „svastiika" dasselbe wite das chinesische „Uan", beides sind Namen für das Hakenkreuz, dias als eine der sterilsten, bzw. primitivsten Formen aller Welt angehört, und zwar, außer der Brechung seiner Arme in japanischen Ornamenten, überall unverändert. Demgegenüber bedeutet es natürlich nichts, wenn es „schon" auf den Denkmälern Buddhas und sogar in seiinen Haarlocken gefunden wird. Wie alle anderen Kreuze konnte auch das Hakenkreuz große Kulturdienste leisten, bfs es in unserer Zeit als sportliches Spielzeug gedankenloser Jungen in den Straßenkot gezogen wurde, aus dem es sich aber, auch wieder erheben wird. Croc bedeutelt im Französischem Haken, Crock heißt italienisch der (gekrümmte) Bischofsstab, also fließen Kreuz und Hakenkreuz sogar derart ineinander, daß „Haken" schon ein einfaches „Kreuz" ist. so besteht jedes Kreuz aus einer kleineren oder größeren Anzahl von Haken, z. B. + aus vier (die Hälfte von + aus zwei), ein Hakenkreuz aus acht Haken. In das Kreuz-Ornament konnte bei den verschiedenen Völkern symbolisch alles Mögliche und Unmögliche hineingedacht werden, von den Epigonen wird gewöhnlich mehrt das Unmögliche als das Mögliche herausgelesen. Bei den Aegyptern soll das geometrische Kreuz als Zeichen dies ewigen Lebens gegolten haben, wieso, das kann nicht erklärt werdeih Das Hakenkreuz zieht eine gelwisse Sorte zeitgenössischer J ünglinge vielleicht, ihnen selbst natürlich wie so vieles andere ainbewußt, deshalb so stark au, weil es ein „Feuerrad" gemahnt, das eine „völkische" Inquisition so hübsch maschinell verwenden könnte, während für besondere „Handarbeit" etwa ein 'gewöhnliches, zusammengedrücktes X, wie es an Bauernhäusern die Mauern hält, etwa als „Judenzange" gute Dienste täte. Nach AM wandt vollzieht sich zwar „germanisches" Denken in „Spiralform", weil das schwungvoller ist als dreieckiges oder überhaupt eckiges und ^unendlicher" als kreisförmiges Denken, aber kluge Leute wissen auch in der „Symbolik" das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden, die Hauptsache ist, daß man symbolisch überhaupt ist; wenn alles übrige versagt, kann ein Jüngling, dessen spiralförmige Seele in der langschädligen Kopfellipse oder im kugeligen Bauch, je nachdem, wo sie ihren Sitz haben mag, keinen Raum mehr hat, immer wieder zum einfachen Halbkreuz zurückkehren, indem er sich, wozu allerdings eine kreisförmig« Schleife aus Hanf gehört, am Fensterkreuz aufhängt.