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Die Wahrheit · 1924-09-05 · Heft 36 (5.9.1924) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 36 (5.9.1924)
Date
1924-09-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 2 DIE WAHRHEIT Nr. 36 tische Geschlossenheit nur ein frommer Wunsch; in Wirklichkeit 'erwachsen der zionistischen' Leitung aus der Ungunst klimatischer und physikalischer Verhältnisse kaum größere Schwierigkeiten als aus dem Widerstreit zwischen giaubenstreuen und ireligiös „modern" gerichteten, zwischen kapitalistisch eingestellten Juden des Westens und kommunistisch gesinnten russischen Einwanderern. Es kann nicht unsere Aufgabe sein, im einzelnen •das Verhältnis der Julden aller Länder zum Regierungsystem und den politischen Parteien ihrer Vaterländer zu verfolgen; kehren war vielmehr zu dem Ausgangspunkt unserer Betrachtungen zurück, zu den demokratischen Parteien Oesterreichs. Wie viel hat sich da seit den Tagen Omers geändert. Qibt es heute überhaupt noch demokratische Parteien, oder auch nur eine demokratische Partei Oesterreichs? Man wird einwenden, daß deren Existenz heute nicht mehr notwendig ist, denn bei uns haben die letzten Wahlen — doch wenigstens dem Anscheine nach — bewiesen, daß trotz der Vielheit und Vielgestaltigke'it der Parteien, die dieser Wahlkampf in beschämender und für jeden wahren Freund des Vaterlandes betrübender Deutlichkieit zeigte, diese zahllosen Gruppen und Grüppchen zuletzt doch neben den große Haüptrichtungen verschwinden, neben Sozialdemokraten und Christlichsozialen. Es ist aber nun kein Zufall, daß die Juden mit dieser Zweiteilung nicht ihr Auslangen finden, von der einen Partei trennt Sie in den meisten Fällen ihre wirtschaftliche Einstellung, von der anderen — wie ja natürlich — der konfessionelle Unterschied. Sie waren daher früher überwiegend bei den demokratischen Mittelparteien zu finden und würden es meiner Ansicht wieder sein, wenn diese wahrhafte Mittelpartei da wäre. •Die demokratische GriiindeirMeilung der Juden erklärte sich auch aus der Stellung der Juden als eilrter Minderheit inmitten einer zahlenmäßig weit überlegenen Bevölkerung. Eine Volksminderheit kann nicht an die Gewalt glauben, sie kann ihre Hoffnung immer nur auf das Recht und die friedliche! Verständigung setzen. Die Waffe schützt nur den Stärkeren, der Schwache sucht sein Recht durch Verhandeln, in Parlamenten. Wo nach Recht verfahren wird, da kann auch der physisch Schwache hoffen, durch geistige Vorzüge sich zur Geltung zu bringen, durch sittliche Werte sich Sympathien) der maßgebenden Stellen zu gewinnen, während jede Gewaltherrschaft für geistilge und sittliche Werte stets nur Verachtung hegt. Deshalb müßten wir als Juden von einer solchen idealen demokratischen Partei fordern, daß sie sich unbedingt auf den Boden der Republik stellt, die schließlich auch denjenigen, die ihr mit mancherlei Vorbehalten oder sogar feindselig gegenüberstanden, am 10. Jahrestag des Kriegsausbruches gezeigt hat, welche starke Anhängerschaft sie sich in den unsagbar schweren Jahren mühsamer Selbstbehauptung erworben hat. Die Partei müßte aber auch eine wahrhaft österreichische sein. Denn wir lieben dieses Land, das für die meisten von uns auch das Land! unserer Väter und Vorwäter ist, in dem wir leiben und schaffen, für das wir gekämpft und geblutet halben. Und wir wissen, daß wir -in diesem Land nur dann sicher und frei wohnen können, wenn in ihm Recht und Ordnung herrscht, wenn es sich wirtschaftl'ich und sittlich wieder kräftigen kann. i Das sind die Forderungen, die zu erfüllen wären, wenn nicht weiterhin die bedauerliche Abwanderung von Juden in politische Laiger, denen sie eigentlich fernstehen, anhalten soll. O. H.. Feuilleton hü Hakenkreuz und andere Abzeichen . . . Eine lustige Geschichte aus einer deutsch-völkischen Gemeinde. Von Josef Grob. „Schön wäre die Welt,"' sagte zu mir unlängst ein Bekannter während eines Sonntagsausfluges in der überfüllten Straßenbahn, „wenn nur keine Menschen da wären." So etwas ähnlicheskönnte man über das Hakenkreuz sägen, das gewiß ein Symbol in sich birgt, dessen Popularität 'bereits Weltruf erlangte. Ob dieses Abzeichen zum Nutzen oder zum Schaden der Welt erfunden wurde, mag dahingestellt bleiben. Tatsache ist, daß es trotz der verschwindend kleinen Zahl seiner Anbeter schon sehr viel von sich reden machte und nicht nur! zum Schrecken derjenigen geworden, die es bisnun verabsäumt haben, des Hakenkreuz ihrer Anhängerschaft zu versichern, sondern auch bewirkte, daß tote Gegner die Macht dieses, mit allen möglichen und unmöglichen Mitteln nach Ruhm heischenden Abzeichens, bereits vielfach zu spüren bekamen, indem sie von deutsch-völkischer Seite, wenn auch nicht in sehr humaner, so doch konsequenter Weise von der Existenz desselben in Kenntnis gesetzt wurden. Das Hakenkreuz hätte demzufolge den größten Anspruch auf Popularität und Weltruf, wenn — ja wenn keine anderen Abzeichen da wären . . . Die Kriegs- und noch vielmehr die Nachkriegszeit hatte jedoch so viele und mannigfache Krawatten- und Knopflochabzeichen gezeitigt, die nicht nur ein'ander den Höchstrang streitig machen, sondern unter gewissen Umständen, wie man aus den nachstehenden Ereignissen ersehen kann, sich gegenseitig zum Verhängnis werden können. Fährt da jünst ein deutscher Jude aus Weisen^ fels mit der Bahn; zugleich mit ihm steigt ein beskannter Hakenkreuzführer, ebenfalls aus derselben Stadt, ein und gegenüber dem jüdischen Fahrgast Platz nehmend, macht er sich immer an seiner Krawatte zu schaffen, in der ein blitzblankes Hakenkreuz steckte, bindet sie auf, dann wieder zu, demonstriert mit dem völkischen Abzeichen dem Juden, daß er kein belangloses Vis-ä-vis habfc. Der Juda merkt wohl die Absicht, macht aber so, als wenn ihn die ganze Sache gar nicht interessiere und! schenkt seinem Gegenüber nicht die geringste Aufmerksamkeit, wiewohl jener, um den Juden zu provozieren, nun ununterbrochen mit dem

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