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Die Wahrheit · 1924-08-29 · Heft 35 (29.8.1924) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 35 (29.8.1924)
Date
1924-08-29
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr, 35 DIE WAHRHEIT Seite 9 seimem Nietzsche, „was fällt, das soll man stoßen," und so gibt man :etaer lallenden Partei gerne einen Stoß, der ein Gnadenstoß sein dürfte. Und überdies stammt .es nicht, daß in der Politik sich nitemand mit Sterbenden beschäftigt. Doch wohl. Man. tut es der Erbschaft wegen. Auch hier stoßt deshalb der lachende Erbe dun Hmtergriundie, wenn es auch bei der Uebernahme cum beneficio invdntari zwischen den Deutsohnatiorualem nicht ohne den üblichen widen Streitigkeiten veriaaifeai dürfte. Liebesabenteuer eines deutschvölkischen Abgeordneten. .In Thüringen wird das mißlungene galante Abenteuer des .weimarischen völkischen Landtagsabge.ord- 'neten Karl Spi 11 er, der zur Zeit der Landtagssitzungen sich dem Amorkult hingab, viel belächelt. Die für die völkische Ideale recht tragikomisch anmutende Affäre ist natürlich von der Presse begierig aufgegriffen worden und vom schönen Thüringen auch nach Bayern hinübergeflattert. Einem .Münchener Blatt entnehmen wir nun die nachstehende amüsante Notiz: Der genannte Abgeordnete, der „in christlicher Ehe getrauter Germane" ist, hatte anläßlich eines Einkaufes in einem Papierwarengeschäft Augen auf die jüdische Verkäuferin geworfen und suchte auf alle mögliche Weise eine Anknüpfung mit ihr herbeizuführen. Da ihm dies auf mündlichem Wege mißlang, ließ er ihr eines Tages einen Brief zukommen, der folgenden Inhalt hat: 1. Ein Kuvert mit der Aufschrift: „Herrn Karl Spiller, Hirschberg a. S., zurzeit Landtag Weimar"; 2. einen kleinen leeren Briefbogen; 3. zwei ungebrauchte Briefverschlüsse m i t weißem Hakenkreuz auf lila Grund; 4. folgende Ansichtskarte: „Sehr geehrtes Fräulein! Bitte Sie gütigst um Verzeihung, sollten diese Zeilen Ihrem Wunsch und Ihrer Auffassung nicht entsprechen oder lästig sein. Mein Wunsch, eine kleine Unterhaltung nebst Aussprache herbeizuführen, gibt Anlaß zu diesen Zeilen. Ich kaufte heute in Ihrem Geschäfte Postkarten. Fand dabei aber keine Gelegenheit, einige Worte: mit Ihnen zu sprechen. Ich bitte Sie 'recht herzlich, um 8 Uhr an umseitig bezeichneten Ort zu sein. Daselbst ist ein Durchgang. In großer Verehrung usw." Das Rendezvous sollte am Fuße des Schloßturmes von Weimar, gemäß einem auf der Ansichtskarte verzeichneten Kreuzes (nicht Hakenkreuz!) stattfinden. Die Dame erschien auch pünktlich zum Stelldichein — allerdings in Begleitung eines männlichen Verwandten. Als der Judenfresser Spiller dessen ansichtig wurde, hatte „er nichts Völkischeres zu tun, als seine Hakenkreuzbeine unter dem Arm zu nehmen und rasch völkische Wege zu eiten". Das Blatt 'zitiert noch eine Stelle aus Artur Dinters berüchtigtem antisemitischen Machwerk: „Die Sünde wider den Geist", wo es heißt: „Ein unkeusches Mädchen ist schlimmer als eine Verbrecherin". Und weiter: „Von einem'Neger oder Juden kann man deutsche Zucht und Sitte nicht erwarten". Was wird nun Herr Dinter zu seinem deutschvölkischen Gesinnungskumpanen sagen? (Auch du, mein Sohn Brutus? . . .) Ein christlicher Gottesdienst in einer jüdischen Synagoge? Die " evangelischen Geistlichen der vor kurzen durch eine Sturm- und Wasserkatastrophe z-erstörten Stadt Lorraine (Ohio) wandten sich an die Verwaltung der jüdischen Synagoge in dieser Stadt, die als das einzige Gotteshaus von der Katastrophe verschont geblieben ist, mit der Bitte, ihnen zu gestatten, in der Synagoge 'evangelische Gottesdienste solange abzuhalten, bis die Kirchen wieder erbaut sein werden. Diese Bitte hat die Judenschaft Lorraines in eine schwere Verlegenheit versetzt. Ein Komitee von Juden aus Lorraine mit dem Stadtrabbiner Israel Miller an der Spitze traf in Cleveland ein, um mit dem Rabbinerkollegium darüber zu beraten, ob man die jüdische Synagoge für christliche Gottesdienste zur Verfügung stellen soll oder nicht. Die Rückkehr zum Judentum. In einem Interview mit dem New Yorker I. T. A.-Vertreter äußerte sich der Oberrabiner von Palästina Kook mit Bezug auf den Wunsch des Beduinenstammes AI Shma 1 ni, zum jüdischen Glauben überzutreten, dahin, daß dieser Schritt des Beduinenstammes eine delikate politische Frage aufwirft. Wenn nicht genügende historische Beweise zur Feststellung der jüdischen Abstammung dieses Nomadenstammes vorhanden sind, so ist die Aufnahme desselben in die jüdische Gemeinschaft Palästinas angesichts der tief verwurzelten Glaubens- und Lebensarten der Beduinen kaum zu empfehlen. Anders verhält es sich mit den Marannen, die zweifellos jüdischen Ursprungs sind. Aber auch hier sind Hindernisse vom Standpunkt des jüdischen Gesetzes zu überwinden. Das jüdische Gesetz duldet, namentlich in Fragen der Heirat und der Ehescheidung, keinerlei Abweichung von der Vorschrift. Jede Pflicht Versäumnis in der Beobachtung der Heirats- und Ehescheidungsgesetze bedeutet eine schwerwiegende Uebertretung des traditionellen Judentums. In einigen Fällen bestehen Zweifel, ob sie zu der jüdischen religiösen Gemeinschaft gehören. Es ist möglich, daß diese Marannen, so sehr sie an der Ueberlieferung ihrer Väter hängen, für die jüdische Lehre keine tiefere Ueberzeugung mitbringen. Bekanntlich hat das Bureau des Hauptrabbinats in Palästina beschlossen, vor der Rückkehr des Oberrabbiners Kook nach Palästina keinerlei Entscheidung in der Angelegenheit der Gesuche der Beduinen und der Marannen zu treffen. Auch die jüdischen Organisationen in Palästina werden in dieser Angelegenheit um ihre Meinung befragt werden. Der selige und der unselige Ludendorif. Wir haben schon wiederholt darauf hingewiesen, daß General Ludendorff, der sich in seinen Kriegserinnerungen und in seiner Beteiligung an der deutschvölkisch-antisemitischen Hetzpropaganda die erbärmlichsten Verleumdungen und. Schmähungen gegen die deutschen Juden geleistet hat und noch leistet, während des Krieges einen ganz anderen Staudpunkt gegenüber der Judenfrage eingenommen hat. Das zeigt vor allem der Aufruf „Zu die J idden in Paulen", den er gemeinsam mit der österreichischen Heeresleitung im Herbst 1914 erlassen hat und in dem es heißt: „Wie Freind kummen mir zu eich... Die gleiche Recht far Jidden soll werin (werden) gebaut auf feste Fundamenten." Jetzt erfahren wir aus einem Buche „H a w d o 1 o h und Zapfenstreich, Erinnerungen an die ostjüdische Etappc 1916—1918", das der Berliner Rechtsanwalt Sammy Gronemann im Jüdischen Verlag in Berlin veröffentlicht hat, weiteres über die Spmpathien, die Herr Ludendorff während des Krieges, namentlich den Ostjuden gegenüber, an den Tag gelegt hat. Herr Gronemann schreibt in seinem interessanten Buche, das einen sehr wertvollen Beitrag zu der Geschichte des Krieges im Osten darstellt, u. a.: „Insbesondere hat der selige Ludendorff — bitte, das ist kein Druckfehler: — der selige, nicht der unsejige; ich spreche von dem Ludendorff, wie er damals war, als er in jeder Beziehung auf der Höhe war — sich durchaus nicht Neujahrsgratulattonen _ der „Wahrheit" Mit Rücksicht darauf, daß die in der „Wahrheit" erscheinenden Neujahrsgratulationen bei unseren Lesern derart Anklang gefunden, daß diese Tabellen in ständiger Zunahme begriffen waren, ist ein gleiches auch heuer um so mehr zu erwarten, als bei den teueren Herstellungskosten spezieller Gratulationen und den damit verbundenen Versandspesen sich gegenüber den Publikationen in unserer Zeitung ein Ersparnis erübrigt, abgesehen von der weit größeren Verbreitung, die eine solche Gratulation in unserem Blatte zur Folge hat. Da nun im vorigen Jahre infolge verspäteten Einlangens viele Aufträge leider keinen Raum mehr finden konnten, erlauben wir uns die höfl. Bitte, uns die geschätzten Aufträge schon jetzt zu erteilen. Anläßlich des Roschhaschona-Feates entbieten hiermit ihren Verwandten ir.d Freunden die herzlichsten Glückwünsche Muster Zahntechniker Euclwig Ftecli«r und Frau II., Novaragasse 21

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