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Die Wahrheit · 1924-08-29 · Heft 35 (29.8.1924) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 35 (29.8.1924)
Date
1924-08-29
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 8 DIE WAHRHEIT Nr. 35 Jüdisches vom Esperanto-Kongreß. Der Erfinder dies Esperanto. Dr. Zamenhof, war bekanntlich lüde. Unter der im Konzerthaus ausgestellt gewesenen Esperanto-Literatur waren auch mehrere Uebertragungen aus der jüdischen Literatur m Esperanto zu finden. Laut Mitteten« mancher Kongreßdelegierter existieren in .einigen Ländern antisemitische Esperanto-Vereine, die im dieser Kunstsprache antijüdische Schriften herausgaben. Der alpinistische Judenhaß. „Oesterreich—Deutschland", das Zentraiorgan des Oesterreich—Deutschen Volksbundes in Berlin, der sich die Förderung des Großdeutischen Gedankens in den beiden Ländern zur Aulgabe mach* und zu .diesem Zwecke auch einem Vizekanzler Dr. Frank das Wort gibt, scthreSbt zur Frage -der Sektion „Donauliaud": „Der Alpenverein ist seit Jahrzehnten einer der wertvollsten Verbände, — vielleicht die wertvollste gemeinsame Organisation der Deutschen zweier Reiche. Weit über die Kreiise der Touristik hinaus muß der Alpenverein vom gesamten deutschen Volk als .ein Unterpfand der Einheit geschätzt und gehütet werden. In seinen eigenen Reihen aber droht ihm seilt einigen Jahren das Zerwürfnis; seit in den österreichisch en Sektionen der Kampf um, den sogenannten „Arierparagraphen" begonnen hat. Antisemitische Vorkommnisse in der alten Wiener Sektion „Austria" führten zum Ausscheiden jüdischer Mitglieder aus dieser Ortsgruppe und zur Gründung einer Sektion „Domauiland", die sich zu den paritätischen Grundsätzen des ASpenvereins bekannte. Jede Organisation, die, gleich unserem Oesterreichisch-Deutschen Volkstond» das einigende großdleiutsche Prinzip hoch über alle trennenden Stneitfragen stellt, und deshalb sinngemäß die Deutschen ohne Unterschied der Staatszugeliörijgkei.t, der politischen Partei und des Glaubensbekenntnisses in sich aufnimmt, muß es beklagen, wenn der in der größeren Sache bewährte Getneinschaftswille durch den Eifer parteimäßfijger Politik geschwächt, abgelenkt, zersplittert wird.' DJa nun aber einmal in .eiinier Anzahl von österreichischen Sektionen des Alpenvereins der völkische Antisemitismus so sehr die Geilster zu beherrschen scheint, daß die Gesamtorganisa.täon schließlich vor der Gefahr einer dauernden Erschütterung ihrer Einheit und; etwa sogar des Verlustes österreichischer Gruppen stand, war es begreiflich, daß die vom Antisemitismus nicht berührte große Mehrzahl der reichsdeutschen Sektionen und die Hauptleitung des! Alpenvereins nach einem Kompromiß strebten. Auch, wir, die wir unserem großdeutscheii Volksbumd kennende Parteäfragen unbedingt fernhalten, könnten uns der Notwendigkeit, den inneren Frieden des Alpenvereins durch einen Ausgleich herzustellen, nicht verschließen, wenn nur das Kompromiß jedem Teflle in einem abgegrenzten Bezirk die freien Rechte wahren würde. Eben weil wir eine Form der Einheit .der Reich »deutschen und der Oesterreicher für das oberste Gebot halten, schiene es uns gerechtfertigt, den leidigen antisemitischen Haiden dadurch auszuschalten, daß es künftig den einzelnen Sektionen, beziehungsweise deren Mehrheiten, vorbehalten bliebe, ihre Mitgliedschaft nach eigenen Ortsgruppen-Satzungen zu qualifizieren. Ob jedoch der Ausweg, den man jetzt zu Rosenheim gefunden zu haben meinte. Recht und Frieden bedeutet, wird erst die weitere Entwicklung des Alpenvereins zeigen müssen. Neun österreichische Sektionen hatten die Ausschließung der paritätischen Sektion „Donauland" beantragt. Auf der Hauptversammlung wurde dieser Antrag vom Sprecher der Sektion Klagenfurt u. a. mit der Erklärung untenstützt, daß eine Reihe von österreichischen Sektionen den Alpenverein verlassen würden, falls ihrer Forderung nicht sollte Rechnung getragen werden. Diese Drohung vor allem halten wir für eärue bedauerliche Entgleisung; denn wie immer die Hauptversammlung sich zu der Streitfrage würde gestellt haben^ am wenigsten den österreichischen Ortsgruppen geziemte es, ihre Zugehörigkeit zu der unersetzlich wertvollen über staatlichen Organisation in Frage zu stellen. Man lieferte mit jener Drohung geradezu ein Schulbeispiel — ohne, wie wir annehmen, die Tragweite des Verstoßes zu überlegen! — für die nur bei! Deutschen mögliche Gefährdung des großen Ganzen durch fanatischen Sonderwillen. Es ist, trotz des Anhangs abschwächender und die antisemitische Propaganda eindämmender Beschlüsse, zu bezweifeln1, daß das in der „Donauland"-Frage den antisemitischen österreichischen Sektionen bewiesene Entgegenkommen dem Alpenverein den dringend zu wünschenden Burgfrieden verschaffen werde. Und das s c h e e 1 s ü c h t ig e Ausland freut sich an den Deutschen!" Pack schlägt sich. Der ttiatnonaisozMstiische Parteitag in Salzburg, der beinahe in der ganzen Presse mit leicht erklärlichem Stillschweigen übergangen wurde, hat, außer in den Hakenkreuzwischen, nur noch bei der großdeutschen Journaille Resonnanz gefunden. So hat sich im Innsbrucker „Alpenland" in einer der letzten Nummern eine großdeutsche. Parteigröße über die Tagung ausgelassen, doch schon die Ueberschrift „Auch .ein Reichsparteitag" beweist, daß dieser dabei nicht allzu gut wegkommt. Vor alMem konstatiert der Arti'kelschreiber die zu große, aber dafür auch zu hohle „Aufmachung", welche es mit sich brachte, daß 'die Nationalsozialisten derzeit unter finanziellen Schwierigkeiten leiden. Darüber freut sich das großdeutsche Her« brüderlich, denn Schadenfreude ist bekanntlich die reinste Freude. Den Großdeutschen kann eine solche finanzielle Gefahr! nile idrohen, sie sind, wie im allem Dingen, auch hier Realpolitiker. Auch in bezug auf die Juidenfrage, zu deren Lösung sie den „realpolitschen Antisimitismus" predigen, der am Schlüsse des Artikels als die Taktik der .grofideutseben Partei angepriesen wind. Nämlich: Allmähliches Eindringen in die jüdischen: Unternehmungeiii und praktische Mitarbeit daran, um — den jüdischen Einfluß zu brechen,. Das scheinen die neuesten taktischen Erkenntnisse der Großdeutschen in der Judenfrage zu sein, die auch den Nationalsozialisten zur Darnachachtung empfohlen werden, die bis jetzt zu radikal vorgingen. So kommt man nicht weiter, vom Feinde lernen ist die neue Parole der Großdeutschen. Antisemitismus gegen Kunst. Zu der von uns gebrachten Notiz „Hakenkreuzsturm gegen Max Lieber man n", in der davon die Rede war, daß anläßlich der Wieder wähl des berühmten Professors zum Präsidenten der Berliner Akademie der Künste die dortige „Deutsche Zeitung" mehrfache, natürlich iunbegründeite Anwürfe -geigen Liebermauin erhob, schreibt Walter Fund er in der Zeitschrift des „Reiclisbanner Schwarz-Rot-Gold": „Die Beleidigung eines der größten der zur Zeit lebenden Maler wirkt wohl auf die souveräne Erhabenheit Lieber m a n n s am wenigsten. Wir müssen deshalb den an Antisemitisniius leidenden Herrschaften schon empfehlen, sich einmal bei Gerhart Hauptmann, "Richard Dehmel und anderen über Kunst zu unterrichten, damit diesen Völkischem einmal klar wird, daß — um mit L o mbroso zu reden — die Antilsemiitns eine besonders b ö sarti ge Form der Geisteskrankheit ist, di?e unter Umständen erst nach Jahren geheilt werden kann. Wenn 'man sioh nun erst die „klassische Frage" Adolf Hitlers: „Intelligenz, Akademiker, Arbeiter, Jude, Republikaner, Freimaurer, Künstler odler sonstwie vorbestraft?" vorlegt, dann allerdings merkt man in der Tat, daß wir es bei den von der Antisemitis Befallenen n i c h t mehr mit normalen Menschen, sondern mit gemeingefährlichen Psychopathen zu tun haben. Deshalb kann wicht verlangt werden, daß die Völkischen der verschiedenen Richtungen den b a h n brechen d e n künstlerischen Transform ismus eines Liebermann auch nur annähernd begreifen. Und diesem künstlerisoh positiven Transformismus konnten nur .in der Republik die Schleusen so geöffnet wenden, wie es um derf Kunst selbst willen erforderlich ist." Völkische Zerfallserscheinungen. Der „Reichswart" gibt sich den Anschein, als würden ihn die Zeichen der Zeit, die auf einen starken Niedergang seiner Partei deuten, lustig stimmen. Wer aber zwischen den Zeilen und den Worten seines ersten Artikels in Nr. 33 zu lesen versteht, bemerkt, daß der gezwungene Humor einem Galgenhumor verzweifelt ähnlich sieht und daß dem Herrn Grafen Rewentlow eher zum Weinen als zum Lachen ist, wenn er die Vorwürfe ironisiert, die den Völkischen von der politischen Konkurrenz gemacht werden. Die gegnerischen Pressestimmen tut er vornehm, wie ein richtiger Graf, mit der Bezeichnung „Begleitmusik" ab. Er weist den Gedanken weit vom sich, als könnte es am Ende eine Todesmusik sein. Der Innenminister Severins, der sich über Zersetzuingserscheinungen innerhalb der Völkischen ausgesprochen, , ist Herrn Rewentlow ein bedauernswerter Kindskopf, daß. die Landwirte es satt haben, idie völkische Bewegung noch weiter mit Geld zu unterstützen, kann ihn auch wenig alteriefen. Die Streitereien der Führer untereinander werden quasi im übertragenen Wirkungskreise erwähnt, aber wohlweislich nicht glossiert Graf Rewentlow huldigt dem ' alten Aberglauben, daß Totgesagte gewöhnlich noch lange leben: So auch die völkische Partei Daran knüpft er die Betrachtung, daß man sich in .der Politik mit sterbenden Menschen, oder Bewegungen wenig beschäftigt. Daraus soll gefolgert werden, daß diese Partei,-mit der sich jetzt so viele befassen, gar nicht daran denkt, das Zeitliche zu segen. Diese Auffassung kann nicht unwidersprochen bleiben. Erstens weiß Graf Rewentlow aus

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