Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 35 (29.8.1924)
- Date
- 1924-08-29
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 DIE WAHRHEIT Nr. 35 etwa als Judenfeind gezeigt. Er hat im Gegenteil oft bewiesen, daß er jüdische Hilfe und Mitarbeit zu schätzen wußte und sich häufig uni gern jüdischer Hilfe bedient, er hat jüdische Künstler herangezogen, sich mit ihnen stundenlang angeregt unterhalten und sich von ihnen Werke widmen lassen. Er ist auch gegen antisemitische Ausschreitungen mehr als einmal eingeschritten und hatte damals volles Verständnis dafür, daß durch den Eindruck im neutralen Auslande nicht nur, sondern auch von anderen Gesichtspunkten betrachtet, ein antisemitisches Gebahren das" deutsche Interesse auf das empfindlichste schädigen würde. In Kowno war sogar durch Dr. Ros enack die Ludendorff-Küche eröffnet, in der die ganze Okkupationszeit hindurch täglich viele hundert Portionen an betrachtet, ein antisemitisches Gebaren das das Protektorat bereitwillig übernommen und bei der Eröffnungsfeier war von allen deutschen Rednern betont worden, daß der Name dieser Küche ein Wahrzeichen des dauernden und tiefgehenden Interesses und Wohlwollens sein .solle, das der Protektor für die jüdische Bevölkerung besäße. Von hoher Bewunderung jüdischer Art erfüllt und voll Dankbarkeit für das, was die jüdische Kultur der Welt gegeben habe, — so etwa ließ sich Ludendorff durch seinen Vertreter vernehmen, — sei er freudig bewegt, daß so ein Symbol seiner und des Deutschen Reiches d a uernder Sympathie für die Juden errichtet sei" — Heute ist für Ludendorff das Judentum das Prinzip des Bösen in der Welt und in der Weltgeschichte, und er beruft sich dabei auf das bekannte Fordsche Buch „Der internationale Jude". Es ist kennzeichnend für ihn, daß er bisher nicht die geringste Notiz davon genommen hat. daß dieses Pamphlet, das sein neuestes Evangelium darstellt, ganz aus den Schwitidelberichten der ..Geheimnisse der Weisen von Zion" geschöpft ist und daß es von deutschfeindlichen Antisemiten zusammengestöppelt worden ist, die auch an der Fälschung der ..Geheimnisse" beteiligt gewesen sind. Die Taufe Haus Herzls. A. .1. P. B. meldet: „Die Taufe Hans, Herzls, die man anfangs bloß für einen tragischen Akt eines abnormalen Menschen hielt, zieht immer größere Weiterungen nach sich. Kreise, die der Familie Herzl nahe steh an, behaupten, daß Hans Herzl ganz normal ist. Die christlichen Missionäre, die die Taufe durchgeführt haben, betonen, daß durch die Taufe die jüdische Nationalität Hans Herzis nicht berührt wurde, vielmehr beabsichtigen sie die Taufe Herzls zu einer judenchristlichen Propaganda zu benützen, da man nach der Ansicht dieser Missionäre dem christlichen Glauben angehören und dabei jüdischer Nationalität sein kann." Wie Herzl selbst sich die Zukunft seines einzigen Sohnes gedacht hatte, geht aus der folgenden Eintragung in seinem Tagebuch vom 10. Juni 1897 hervor: „10. Juni, 7. Geburtstag meines Hans. Hier schließe ich dieses vierte Buch meiner Geschichte des Judenstaates. Ich will jetzt die Bücher an einem sicheren Orte hinterlegen. Der Zeitpunkt ist ohnehin ein Abschnitt, viel geht nicht mehr in das Buch hinein, und ich mache ein Datum aus dem Geburtstag meines guten Hans, der mir gesund und glücklich, ein starker Mann und Fortsetzer meines Werkes werden möge." Die „Ostüüdische Zeitung" verboten. Die rumänische Regierung hat das Erscheinen der von Dr. Mayer Ebner in Czernowitz herausgegebenen „Ostjüdischen Zeitung" verboten. Das Verbot erfolgte im Zusammenhang mit einer gegen den Redakteur Dr. Mayer Ebner wegen angeblicher Angriffe gegen die Staatsgewalt erhobenen Anklage. Die „Ostjüdische Zeitung" hat der Regierung vorgeworfen, sie unternehme keine Schritte, um antijüdische Exzesse zu verhüten. Die Verhandlung gegen Dr. Ebner soll vor einem Kriegsgericht stattfinden, da die Bukowina zu den unter dem Belagerungszustand gestellten Territorien gehört. Ein rumänischer Jude Ritter der Ehrenlegion. Der gefeierte Pariser Schauspieler Max ist Jude und staimimit ans. Rumänien. Selbst die .natiicnariiistischen Blätter bezeichnen ihn a3s Champion der französischen Bühne und sei-ne Dekoirierimg^ mit dem Kreuz cter Ehrenlegion als wohlverdient. Theater, Kunst u. Literatur Goethe und die Juden. Aus Anlaß des auf den 28. August 1924 fallenden 175. Geburtstags Goethes macht Rabbiner Dr. Beermann, Heilbronn, im Hamburger „Isr. Familienblatt" auf einige Aussprüche Goethes mit Bezug auf die Juden aufmerksam. Laut dem Goethebuch Dr. W. Bodes sagte Goethe wörtlich in einem vertraulichen Gespräch: „Was sich in meiner früheren Jugend als Abscheu gegen die Juden in mir regte, war mehr Scheu vor dem Rätselhaften, vor dem Unschönen. Meine Verachtung, die sich wohl zu regen pflegte, war mehr der Reflex der mich umgebenden christlichen Männer und Frauen. Erst später, als ich viele geistbegabte, feinfühlige Männer dieses Stammes kennen lernte, gesellte sich Achtung zu der Bewunderung, die ich für das bibelschöpferische Volk hege und für den Dichter, der das Hohe Lied gesungen." Im zweiten Kapitel des 2. Buches der „Wanderjahre" sagte Goethe über das jüdische Volk: „An Selbständigkeit, Festigkeit, Tapferkeit und wenn alles das nicht mehr gilt, an Zähigkeit sucht es seinesgleichen. Es ist das beharrlichste Volk der Erde; es ist, es war und es wird sein, um den Namen eines Gottes durch alle Zeiten zu verherrlichen." Preisaufgaben der Berliner Universität für jüdische Themen. Die Berliner Universität stellt für das Jahr 1924 bis 1925 eine Anzahl neuer Preisaufgaben aus allen Wissenschaften, darunter die folgenden: Die theologische Fakultät wiederholt für den Staatspreis (dessen Höhe übrigens vom Kultusministerium diesmal verdoppelt wurde) das für 1924 gestellte Thema: „Die Vorstellungen und Erzählungen vom "unerkannten Messias (Erlöser, Gott) im Judentum, Urchristentum und in der Gnosis sind zu sammeln, in ihrer Eigenart darzustellen und auf Ursprung und Geschichte hin zu "untersuchen." Ferner als neues Thema: „Die vorpaulinische jüdische Mystik (Philo,. Septuaginta) und ihr Verhältnis zur antiken Mystik mit besonderer Untersuchung der etwaigen Beziehungen zu Poseidonios."______^ Jubiläumsfestschrift der „Jüdischen Volksstimme", Brünn. Anläßlich des 25jährigen Bestandes der „Jüdischen Volksstimme", Brünn, erscheint in vornehmer Ausstattung illustriert, eine Jubiläumsfestschrift der „Jüdische Volksstimme". Es ergeht au sämtliche Personen, die während der 25 Jahre mitgearbeitet haben, die höfliche Aufforderung der Redaktion, ihre Namen und genauen Adressen ehestens mitzuteilen. Redaktion und Verlag „Jüdische Volksstimme", Brünn, Adlergasse 9. A. Schulz. Von Sions Liedern. Matthias Grüuewald- Verlag, Mainz 1923. Mit kirchlicher Druckerlaubnis. Die hier dargebotenen Proben altjüdischer Poesie sind gut gewählt und geschmackvoll übersetzt. Die Augestaltung zeigt eine Gediegenheit, durch die man bei deutschen Büchern nicht verwöhnt ist. R. J. Gumbel: Vier Jahre politischer Mord. Malik-Verlag, Berlin. 5. Auflage. Die schwerste Anklageschrift gegen das heutige Deutschland! Ein mit viel Fleiß abgefaßtes Werk, das mit unheimlicher Genauigkeit die Sünden der deutschen Justiz aufzählt: alle jene vielhundert Verbrechen, die in den letzten Jahren in Deutschland begangen würden, werden auf Grund meist amtlicher Erhebungen analysiert und die Statistik sagt uns mit unwiderlegbarer Klarheit, daß Deutschlands Richter die Mörder von rechts — frei laufen lassen... Es blutet uns das Herz, wenn wir unsere.jüdische Toten in dieser Statistik finden, die vielen im Dienste des deutschen Volks gestandenen Männern, deren Mörder — als Helden gefeiert werden... Jeder, der sich um Politik bekümmert, sollte dies Buch lesen. R. n. IROTGA55E-1 IAC. MAYER Kleider-, Pe|zeu. Gummimäntel-Fabrik Zentrale: Detailverkauf: Wien II.* Glockengasse 24 Wien II., Taborstraße ±&