Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 35 (29.8.1924)
- Date
- 1924-08-29
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 35 DIE WAHRHEIT Seit e 7 Wahrheiten vom Tage Hakenkreuz und Judengeld. Schon seit längerer Zeit herrscht zwischen dem Wiener Automobilklub und dem Oesterreichischen Alpenverein ein Streit, der jetzt -seine vorläufige Lösung gefunden hat. Die Vorgeschichte dieses Konfliktes ist folgende: Die Großglccknerstra-ße* die schon vor dem Krieg gebaut, aber während der Kriegszelt sehr stark beschädigt wurde, bedurfte einer gründlichen Reparatur und eines Ausbaues. Eigentümerin dieser Straße ist der Oesterreichische Alpenverein und insbesondere die Klagenfurter Gruppe, die 'sich erst kürzlich in Rosenheim bei der Ausschließung der Sektion Donauland rühmlichst hervorgetan hat. Der Wiener Automobilklub, der zu -SO Prozent aus Juden besteht, hatte aus sportlichen Gründen ein Interesse daran, daß diese Straße wieder hergestellt werde. Seinerzeit hatte auch die ehemalige Sportkommission des Automobilklubs der Sektion Klagenfurt zugesagt, einen Kostenbeitrag von 50 Millionen Kronen zu leisten. Als aber im Automobilklub die hakenkreuzlerische Tendenz des Oesterreichischeu Alpenvereins bekannt wurde, der auf den zum Großteil mit jüdischem Geld erbauten Schutzhütten Tafeln mit der Aufschrift, daß nur Arier dort Unterkunft finden könnten, anbringen ließ, nahm die Generalversammlung gegen diese Zuwendung in heftiger Weise Stellung. Die Regelung der ganzen Angelegenheit wurde dem Vorstand überlassen. Als nun der Bau der Großglocknerstraße fertiggestellt war, scheuten sich die treudeutschen Judenfresser aus Klagenfurt keineswegs, an den Wiener Automobilklub heranzutreten, um die versprochenen 50 Millionen zu verlangen, obwohl ihnen die abweisende Haltung der Generalversammlung nicht unbekannt war. Der Vorstand des Automobilklubs lehnte aber jede persönliche Fühlungnahme mit den Hakenkreuzlcrn ab und überwies das Geld, um die eigene Sportkommission nicht zu desavouieren, an die Kärntner Landesregierung zu deren Verfügung. Was mit dem Gelde geschehen ist, ist noch nicht bekannt. Man dürfte aber nicht fehl gehen, wenn man annimmt, daß es bereits in die Kassen der Klagenfurter Sektion des Oesterreichischen Alpenvereines geflossen ist, weil in der Landesregierung ein Oberbaurat ein gewichtiges Wort zu sprechen hat, der auch im Vorstand der Klagenfurter Sektion sitzt. Die Herren Hakenkreuzler, die den Juden immer vorwerfen, daß sie die Natur verseuchen, halten sich, wenn es um Geld geht, noch immer nach dem alten Grundsatz, daß jüdisches Geld immer seinen Wert hat. Sie schnorren mit unentwegter Treue und stecken, wenn es sein muß, auch die Belange in die Tasche. Kein Faschingsulk. Die besten Witze machen nicht die Menschen, sondern der neckische Zufall. Unter der Ueberschrift „Der einzige Jude im bayrischen Landtag ist Mitglied der Völkischen Fraktion!" schreibt das Organ der bayrischen Abteilung des Deutschen Völkerbundes: „Das klingt wie ein Faschingsulk und doch stimmt es. Freilich handelt es sich nicht um einen Religionsjuden, sondern bloß um einen „Rassejuden", aber nach völkischer Theorie kommt es ja eben auf die Rasse und nicht auf das Glaubensbekenntnis an. Dies ist der neugewählte Abgeordnete Graf Fischler v. Treuberg. Am jüdischen Blute der Famiiie Fischler ist kein Zweifel, darf wenigstens für die Völkischen selber keiner^ sein, denn ihre jüdische Rassezugehörigkeit wird bezeugt durch den von judengegnerischer Seite herausgegebenen „S e m i - G o t h a", der den bekannten Gothaischen Adelskalender eben nach der Seite hin ergänzen soll, daß die jüdische Abkunft oder Verwandtschaft dieser oder jener Adelsfamilie registriert wird." Ein feiner Vogel. Der angebliche Student Flesch, der anläßlich der Ermordung Rathenaus Herrn Helfferich im Reichstage einen Blumenstrauß mit schwarz-weiß-roter Schleife überreicht hatte, ist vom Amtsgericht Charlottenburg wegen Diebstahl und Betrug zu einer Gefängnisstrafe von fünf Monaten verurteilt worden. Er war während der Beisetzungsfeierlichkeiten für einen jüdischen Kaufmann in dessen Wohnung erschienen, gab sich dort als Neffen des Verstorbenen aus, eignete sich in der Wohnung verschiedene Wertgegenstände und Kleidungsstücke an und entlockte dem Diener dessen gesamte Barschaft in der Höhe von 93 Mark. Antisemitische Witze. Die „Schlesische Zeitung" druckt in ihrem Abendblatt vom 18. d. M. einen Bericht der sozialdemokratischen „Glocke" über die Verfassungsfeier des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold in der Hasenheide (Berlin) ab, in dem gerügt wird, daß bei der Feier von der Kapelle der Fridericus-Rex-Marsch gespielt worden ist. Sie knüpft daran die Bemerkung, daß die „Glocke" vollkommen recht hat, und schlägt vor, „bei solchen Gelegenheiten in Zukunft das Kol nidrei zu spielen". — Ein Kommentar hierzu erübrigt sich. Der Pogromist schnorrt um Judengeld. Der bekannte Pogromführer in der Ukraine Machno, der gegenwärtig in D a n z i g weilt und nach Paris abzureisen gedenkt, ersuchte das dortige jüdische Zentralhilfskomitee um eine größere Unterstützung, damit er seine Reise nach Paris fortzusetzen in der Lage sei. Das Präsidium des Zentralhilfskomitees hat begreiflicherweise das Ersuchen des Pogrombanditen mit Verachtung abgelehnt. ____ Das Horthy-Land als Verbrecherasyl. Früher galt dies nur für die ein beimische Patriotenliga der „Erwachenden Ungann", 'die jeden Mord, Raub,, Ueberfall auf Juden und Sozialdemokraiten ungesühnt begehen durften, denn es gab eine Rückendeckung an dien mächtigsten Ententevertretern. Als 'der Greuel gar zu arg zum Himmel stank, besonders aber als Ungarn auf der Suche nach Auslandsk redeten war, versuchte die Regierung beschwichtigend auf die weite Oefieutlichkeiit zu wirken. Später, als der Liebe Mühe vergebens war, entledigten sich dije Herrschaften des Feigenblattes und zeigten aller Welt ihre unerhörtie Kultuirschande. Sie blieb jedoch noch iinmeri eiune interne Angelegenheit. Al!gem.ich spanneu sich Beziehungen zwischen dien heimatlichen und den deutschen Erwachenden. Es gab einen förmlichen Kurierdienst zwischen Budapest und München. Kurrendierte Putschisten aus der Ludendorff-Oiide genossen bei den Horthysten gastliche Aufnahme und sicheren Schutz. Der Reichsverweser konnte sich auf seine Leute verfassen und diese auf iiiia Das ging so gemütlich bis zu dem Systemwechsel in Deutschland. Als es offenkundig wurde, daß die flüchtigen Mörder Erzbergers im aHuse des ruchlosen Gömbös Aufnahme gefunden, wurde von Berlin deren Auslieferung begehrt. Gömbös leugnete, wie denn nicht? und Horthy deckte ihn, wie denn nicht? Aber der Präsident Ebert ließ nicht locker und entsandte Kriminalbeamte zur AgnoszOerung der gesuchten Mörder, die sich, in Ihrem warmen Nest sicher fühlten. Gegenüber dem Umstünde, daß ihre Identität fraglas festgestellt wurde, griff die ungarische Regierung zu dem letzten strargerichitlichen Mittel einer amtlich befristeten Feststellung, die — so wie die ungarischen Rechtspflegen gebaut sind — sicher nicht erfolgen wird. In seiner erhabenen Einsamkeit kann es Horthy sogar aui einen diplomatischen Konflikt mit dem Deutschen Reich ankommen lassen. Zu verlieren hat der Mann ja nichts. Radio-Gottesdienste. Der Kontinent, der es besser hat, als 'unser in Vorurteile verstricktes, altersmüdes Euiropa, Amerika, praktiziert bereits seit längerer Zeit Radio-Gottesdienste. Die Synagogen veröffentlichen in den jüdischen Zeitungen ihr Wccheiiprogramini. So läßt zum Beispiel die „United Symago'ge" von der Station W. E. A. F. a.n dem und dem Tage zwischen 7 und 7K> Uhr abends hören: Eine Predigt des Rabbiners Blechmann und vom Kantor Seidmann: „Haschkivenu", „Mögen Ovaus" usw. Es ist nun die Frage, in welcher Form dieser „Gottesdienst" erbaulicher ausfällt, ob per Radio oder — per Grammophon. Ein Bileam im „Hammer". So wie es demi alttestamenitarischen BJIeaim erging, der von König Barak aufgeboten wurde, dem Volke der Juden zu fluchen und entgegen diesem Befehl segnen mußte, hat Herr Ludwig Neuner, der pflichtgemäß als Mitarbeiter ides „Hammer" an den Juden kein guites Haar lassen sollte, ihnen Löbliches nachgesagt. Von dien biologischen Vorteilen des jüdischen. Volkes erzählt er: Die natürlichste Erklärung der dauerhaften Geschlossenheit des jüdischen Volkstums ist offenbar darin zu finden, daß diese Nation eine •uralte völkische Religion besiltzt, mit allerhand für den Lebenskampf praktischen Anweisungen, die uns zwar teilweise mißfallen, diie aber für die Juden selbst doch von großem Nutzen waren und sind. Abgesehen von vielen R e i n- 1 i c h k e i t s- und Speise-Vorschriften, von sozialen Lehren und mannigfaltigen Klugheit s r e g e 1 n, die in der Bibel zu finden sied, ist das Wichtigste: der gemeinsame Glaube, daß die Juden von Gott selbst und' im Bunde mit ihm als sein auserwähltes Volk durch alle Länder urnid Zeiten geführt werden. Dadurch sind! für das Judentum biologische Verteile von unschätzbarem Wert entstanden. Das Alte Testament enthält nämlich für die Juden eine Fülle von praktischer, hygienischer, völkischer und 'sozialer Lebensweisheit. Gerade diese, also 'das biologisch Wertvollste, wird für die Christen außer Kraft gesetzt.