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Die Wahrheit · 1924-08-29 · Heft 35 (29.8.1924) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 35 (29.8.1924)
Date
1924-08-29
Page
– (sequence 8)
Language
German
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nunmuniHummHiw Veröffentlichungen |b£&£ der „Union deutschösterreichischer Juden" Postsparkassen - Konto : Nr. 94Ö4 j Telephon Nr. 19-2-77 5 Hakenkreuzbluiueii in der deutschösterreichischen Republik. Während politische Körperschaften und' die meisten im öffentlichen Leiben wirkenden Persönlichkeiten sich der süßen Ferienruhe hingegeben haben, entwickeln unsere wackeren Hakenkreuzler mit unvermindertem Eifer ihre Tätigkeit, ohne daß ihr Treiben von irgendwelcher Seite gestört oder sonstwie hemmend beeinflußt würde. Es läßt sich eher feststellen, daß sie im Verhalten gewisser Stellen eine Aufmunterung erblicken können. Der Vorstand der „Union" hat bekanntlich vor kurzem (23. Juli 1924) ani das Bundeskanzleramt für Justiz eine Anzeige gegen die Judenhetzartikel '4es „Eisernen Besen" in Salzburg gerichtet und die strafgerichtlache Verfolgung dieses Blattes wegen des aufreizenden Inhaltes seiner Nummer 23 gefordert. Das Bundeskanzleramt für Justiz hat die Eingabe der „Union" an die Staatsanwaltschaft Salzburg geleitet — und diese beschied unter dem Datum des 16. August der „Union" folgendes: Staatsanwaltschaft Salzburg. St. 1813/24—3 An die Union deutschösterreichischer Juden in Wien IX., Berggasse 4. Ueber Ihre an das Bundeskanzleramt (Justiz) gerichtete Anzeige vom 23. Juli 1924, deren zwei Beilagen zurückfolgen, habe ich keinen Grund zu einer strafgerichtliehen Verfolgung wegen des Inhaltes der Nummer 23 der Zeitung „Der eiserne Besen" gefunden. Staatsanwaltschaft Salzburg. Der Hofrat und Ltde. Erste Staatsanwalt: Dr. G r e i n e r. An Lakonismus ist dieser Staatsanwaltschaftliche Bescheid nicht mehr zu übertreffen. Während österreichische Staatsanwälte in der Regel ihre Plaidoyers, mit denen sie die Verurteilung eines Angeklagten begehren, nicht genug ausführlich und wortreich halten können, befleißigt sich der Herr Hofrat Dr. Greiner gegenüber der „Union" einer gegenteiligen Methode. Die Antragstellerin mag sich dazu ihren Reim machen und sie tut es auch, sie findet es angesichts der letzten Vorfälle erklärlich, wenn in Oesterreich Gesetz und Recht in einer Weise gehandhabt werden, wie seinerzeit im Deutschen Reiche und wenn hier die gleichen Folgeerscheinungen zutage treten \vie dort. £ / * * > Willkür und Roheit bilden die Pole, um: die sich das öffentliche Leben solange drehen wird, bis der berufene Hüter d'es Gesetzes und Rechtes Wandel schaffen wird. Der Badener Antisemitenskandal, den wir in der vorigen Nummer der „Wahrheit" angenagelt haben, hat sozusagen Junge bekommen. Nicht nur, daß die beiden Veranstalter der Ausschreitungen im Kurpark nicht zur Verantwortung gezogen wurden, das Badener jüdische Kurpublikum erhielt als Genugtuung eine neue moralische Ohrfeige übers ganze Gesicht. Wenige Tage nach dem frechen Exzeß zeigten sämtliche Anschlagsäule der Stadt Plakate, die einen Auszug der jüdischen Kurgäste verlangten. Wenn dieser Anschiag 'auf die Juden, wie er von den Anschlagsäulen verübt wird, nicht das, was er beabsichtigt, erzielt, dann ist den Juden nicht zu helfen und! es darf sie nicht überraschen, falls man ihnen bald' noch eindringlicher an die dicke Haut geht. Der Fisch riecht immer vor allem beim Kopf und von einem Bürgermeister " Kollmann ist es eine Selbstverständlichkeit, daß er schamlose Herausforderungen der jüdischen Kurgäste duldet, vielleicht sogar billigt. Im glaubenstreuen „Landl" Tirol, in dem heiter krampfhafte Anstrengungen zur Hebung des Fremdenverkehrs gemacht wurden, ist die Hakewkreuzlerei ebenfalls am Werke,, solche Bemühungen zu vereiteln. Was bisher das erbärmlich schlechte Sommerwetter nicht in Grund und Boden verdorben, muß jener „Führer durch Nordtirol" vollienden, der auf eine Sehenswürdigkeit in Judenstein mit folgenden. Worten aufmerksam macht: „Im Walde, wo sich heute die Wallfahrtskirche Judenstein befindet, verübten durchziehende Juden im. Jahre 1462 an einem Knäblein dem Anderle von Rinn einen Ritualm or d." Baedekers Führer diurch Tirol begnügte sich, vom Judenstein bloß) die schöne Aussicht und Speckbachers Denktafel zu melden. Einem deiitscharischen -Verleger dünkt; der Hinweis auf ein angebliches Ritualmordgeschehnis. die größere Anziehungskraft. * * * Geradezu schändliche Zustände herrschen an der Grazer Technischen Hochschule, wo ein rücksichtsloser Professorenklüngel ein förmliches Kesseltreiben gegen ih)m rnißliiieibiigt^ Führer und Hörer unternommen hat. Die Namen Honold, Kohlrausch, Pastuwanschitz und Magg sollte1 sich der Herr Bundesminister für Unterricht behufs Amtshandlung notieren. Er würde Vorgänge begegnen, die selbst der berüchtigte Hochsehuäring Deutscher Art als niederträchtig und schmachvoll bezeichnen müßte. * ... * Dies alles wird in Oesterreich geduldet! Wie lange noch? d. Aus unseren Rechtsschutzu. Abwehrbüro. Ein vernünftiger Schritt. Viel zu wenig beachtet wurde eine vor kurzem erflosisene Entscheidung dies Wiener Magistrats. Die „Neue" Freie Presse" wußte diarüber folgendes zu berichten: „Der Wiener Magistrat als poliiticbe Landesbebördie hat aira den Vaterländischen Schutzbund einte Entscheildluinig; übenmittbellt, in 'der er dessen Eingabe um. Genehmigung einer Vereiinstracht milt der Begründung ablehnte:, diaß in Mir als Vereinsiabzeicben dile Anbringung dies! Hakenkreuzes auf Kappe und Armbinde in Aussicht genommen sei. Dieses Abzeichen habe, wie die höchst bedauerlichen Ereignisse dies letzten Jahres beweisen, wiederholten Anlaß zur Störung der öffentlichen Ruhe und Ordnung geigeben. Es seil Pflicht der Behördie, alle Vorsorgen zu treffen, daß in Zukunft dieratt/vge Vorkommnisse unter allen Umständen vermlieden werden. Aus diesem Grunde könne das Tragen einer Vereins tr acht, deren charakteristisches Kennzeichen das „Hakenkreuz" ist, nicht genehmigt werden."

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