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Die Wahrheit · 1924-08-29 · Heft 35 (29.8.1924) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 35 (29.8.1924)
Date
1924-08-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 4 DIE WAHRHEIT Nr. 35 punkt der allgemeinen Weltinteressen ein vortrefflicher Ratgeber gewesen' (ebendas). Wie ein Renan nach weiteren zwei Jahrtausenden über „den Zionismus von heute", den Spengler dem Zionismus zur Zeit des „Cyms" gleichstellt, urteilen werde — wer vermöchte es zu sagen?! Wir und mit uns der überwiegende; Teil Unseres Volkes hegen aber die feste Hoffnung, daß Jerusalem, die alte Zentrale, die zur Zeit des ersten Tempels Mittelpunkt des in allen Ländern zerstreuten jüdischen Volkes gewesen, dereinst -ein Mittelpunkt der Menschheit sein werde. Mag ^aiuch dies „eine bis zum Wahnsinn gesteigerte Hoffnung" sein — sie wird, wie zur Zeit Esras, in Erfüllung gehen. Dr. S. Funk. Die Forderung nach dem Numerus clausus. Von H. B. Sie schrien sie hinaus in die Welt in dem Momente, als sie schmerzlich .erkennen mußten, daß die verhaßte Konkurrenz da war; nicht damals, als die Hochschulen den Juden geöffnet wurden;, sondern erst dann, als der jüdische Nachwuchs! da war. Damals hetzten unfähige Aerzte und Anwälte ihre Söhne auf den Hochschulen zum Kampf gegen ihre Konkurrenten, die zukünftigen Konkurrenten ihrer Söhne auf; so entstand der moderne Hochschulantisemitismus. Nicht der intelligente Teil der arischen Hochschuljugend war es; dieser wußte vielmehr, daß die verblendeten und verhetzten Kommilitonen nur ein Werkzeug der Gewinnsucht und des hämischen Neides unfähiger Berufskollegen waren. Die wirklich Intelligenten brauchten eine Konkurrenz nicht zu fürchten, weder auf der Hochschule noch im Leben; dagegen der bornierte, verbissene, aus kleinlichen Verhältnissen hervorgekommene Teil, der auf nichts anderes stolz sein konnte aäs auf seine Nation, der sich ständig sagen mußte: „Wir könnten die besten Hörer der Universität sein, wenn nicht — so viele Gescheitere da wären." Man muß es den antisemitischen Studenten zugute halten, daß dieser Gedanke wirklich wehe tut und da der Antisemitismus, der ja nur eine Essenz des nacktesten! Egoismus ist, eine ungeheure Brutalität voraussetzt, kann man die Forderung nach dem Numerus clausus subjektiv begreifen. Denn wie soll der ignorante, um nicht einen entsprechenderen Ausdruck zu gebrauchen, weltfremde Kneipkumpan, dessen „Wissenschaft" in nationalsozialistischen Vorträgen besteht, seiner neidischen Wut Luft schaffen, wenn er sieht, daß jüdische Studenten trotz der Voreingenommenheit der Professoren die Prüfungen mit Erfolg alblegen, während er, trotz der Begünstigung durch akademische Lehrer, nicht vorwärts kommen kann? Denn nur um das Vorwärtskommen handelt es sich, um jene These: „Freie Bahn dem Tüchtigen!", die die Deutschvölkischen in ihrem Antisemitismus ertränkt haben. Denn die Herren der völkischen Korporationen werden doch nicht leugnen, daß sie jüdische Gesellschaft auf den Hochschulen meiden könnten, wenn es sich nur um persönliche Antipathien handelte. Sie aber schämen sich nicht, als Angehörige eines Staates, der seine wirtschaftliche Existenz jüdischem und ausländischem Geld mitverdänkt, in der auch von jüdischem Geld erhaltenen Hochschule, deren akademischen WohMätigkeitseinrichtungen, die ihr Geld aus dler gleichen Quelle beziehen, ihre Anhänger vor Hunger und Not schützen, gegen die die rüdeste Hetze zu veranstalten, denen sie als gute Deutsche und gute Oester reicher zu größtem Danke verpflichtet wären. Die Argumente der Kriegszeit sind vorbei; nirgends mehr herrscht heute Platzmangel und die Ausländer bringen dem.' Staat direkt (hohe Kollegiengelder und Taxen) und indirekt (Kosten des Aufenthalts in Wien, Einkäufe) reichen Gewinn. Statt also Juden und Ausländern, wie es der sonst von den Völkischen so angebete Mussolini getan hat, Tür und Tor zu öffnen, verläßt sie ihr Patriotismus und sie geben den Vorteil des Staates preis, weil sie den Vorteil für die eigene Tasche: erhoffen. Von den moralischen Schäden, den dieses Vorgehen unserem Vaterlande bringt, das sich dadurch auf eine Stufe mit dem kulturlosen Pollen und Ungarn stellt, will ich hier gar nicht reden. Das sonst so gern gebrauchte Schlagwort der „Bodenstämdiigkeit" und „Werktätigkeit" (ist null und nichtig, wenn es sich für diel Deutschvölkischen um einen herumstrolchenden Gesinnungsfreund! aus dem Reiche handelt, der seine Hochschulzeit mit Agitation verbringt, während der in Wien geborene jüdische Hörer sein Studium mit Erfoig (das heißt werktätig) fortsetzt. Als das sonst von den Völkischen so sehr verachtete Polen an seinen Hochschulen den Numerus clausus1 einführte, da schufen die antisemitischen Akademiker das geistreiche Argument, man könne die ausgewanderten Hochschüler nicht zulassen, weil man nicht verlangen könne, daß wir sie besser behandeln als das Land, dessen) Bürger sie sind. Es wäre zweifellos besser und gerechter gewesen, die Reichsdeutschen, die das Gastrecht durch völkische Hetze gegen sozialistische und jüdische Inländer mißbrauchen, abzuweisen, da diese in nächster Nachbarschaft Oesterreichs igenug Hochschulen besitzen, wo sie unternommen müssen, „Nicht bestellt!" oder „Annahme verweigert!" In einem amerikanischen Blatte war folgendes zu lesen: „Ein Mann mag eine Warze im Genick als Kragenknopf benützen — sich hinten auf die Puffer der Ersenbahn aufsetzen, um Geld zu sparen — seine Uhr nachts stehen lassen, um sie nicht abzunützen — das i ohne Punkt und das t ohne Strich lassen, um Tinta zu sparen — das Muttergrab bebauen) des Kornes halber, und kann trotz alledem noch ein Gentleman bleiben im Vergleich zu dem, der eine Zeitung zwei, drei Monate und oft noch länger regelmäßig annimmt, und wenn es zur Zahlung kommt, sie einfach mit dem Bemerken zurücksendet: „Annahme verweigert" oder „Nicht bestellt!" ^■■■BBBnHnBHBnnaHaBr

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