Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1924-08-22 · Heft 34 (22.8.1924) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 34 (22.8.1924)
Date
1924-08-22
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3062972-3064071-3064104--13042-3080526
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Seite 10 DIE WAfSHEIt Nr. 34 abgesehen von dem bereits gemeldeten Ausschluß von über 3000 jüdischen Studenten von den Hochschulen, auch im Staatsdienste mit der Entfernung jüdischer Beamten begonnen. Am 1. August sollen bereits einige tausend jüdischer Beamten aus dem Staatsdienste entlassen worden sein. Der „Grobian" wehrt sich. Auf die Lektion, die wir ihm am 18. JuÜ erteilt hatten, retinert das Konkrrenzblatt des „Eisernen Besen", so gut dies bei seinen , geistigen Fähigkeiten möglich ist. Er bezweifelt unsere Wahrheitsliebe, weil wir im „giftgrünen Gewände" erscheinen. Nach diesem Pröbchen erübrigt sich, auf die weiteren Argumente des Kutschera- Knaben zu reagieren. Aber mit einem Vorschlage möchten wir gerne dienen. Der „Grobian" sollte sich im Nebentitel „Dummian" nennen. In Bulgarien gibt es keinen Antisemitismus. So wenigstens sagte es der Minister des Aeußeren, K a 1 s o f f, dem interviewenden Dr. Viktor Jacobsolm, Emissär des Keren Hajessod für Bulgarien: Die Juden nehmen regen Anteil an Handel und. Industrie des Landes, sie genießen die gleichen fechte mit allen Bulgaren und wegen ihres Patriotismus die allgemeine Achtung der Bevölkerung. Wenn unter den Opfern gewisser Exzesse sich auch Juden befanden, so dürfen diese Einzelfälle nicht der Regierung zur Last gelegt werden, die alle Maßnahmen getroffen hat, derlei Verbrechen einen Riegel vorzuschieben. Graf Robert Zedlitz-Trütschler gemaBregelt. Ein Mann aus altem preußischen Adel, ein ehemaliger angesehener Hofschranze um die Person Wilhelm II., wurde das Opfer monarchistischer Standeskollegen, weil er es gewagt, diesen einen getreuen Spiegel ihrer Fehler und Laster vor Augen zu halten. Graf Zedlitz-Trütschler schrieb bekanntlich das Weltsensation erregende Buch „Zwölf Jahre am deutschen Kaiserhofe", in dem er nicht nur die ganze jämmerliche Hohlheit und krankhafte Eitelkeit des allerhöchsten Kriegsherrn aufzeigte, sondern auch rücksichtslos die um Wilhelm II. liebedienenden byzantinischen ersterbenden Kreaturen schonungslos der allgemeinen Verachtung preisgab.. Ueber solche Missetat und Versündigung an dem heiligen Junkertum konnte der Nationalverband deutscher Offiziere, der sich schwer getroffen fühlte, nicht gleichgültig zur Tagesordnung schreiten und verfügte deshalb aus Standesrücksichten die Ausschließung des nach ihrer Ansicht traditionsvergessenen Grafen. Dieser Schritt eines dünkelhaften, moralisch angefaulten Klüngels wird den Grafen Zedlitz-Trütschler nicht besonders tief gekränkt haben, denn er mußte darauf gefaßt sein. Aber auch die preußische Wissenschaft, die „Preußischen Jahrbücher" gehen mit dem ehemaligen Hofmarschall Wilhelm II. wegen seiner „unpatriotischen" Haltung strenge ins Gericht, was allerdings nicht verhindern kann, daß die wahrhaften Deutschen das verschmähte Buch als dankbare Tat werten. Die preußische Militärkaste. Im Feuilleton der vorletzten Nummer wurde erzählt, daß Oesterreich einst dem Aufstieg braver Soldaten zum Offiziersrange grundsätzlich keine Hindernisse bereitete. Sehr im Gegensatz dazu steht der, trotz aller Erfahrungen nicht gebrochene Hochmut aufgeblasener Junker, die sich schon der Ernennung eines Juden zum Reserveoffizier in 'Friedenszeiten als einem schweren Affront widersetzten. Hierüber äußert sich der ehemalige Hofmarschall des letzten deutschen Kaisers Graf Zedlitz-Trütschler in seinem aufsehenerregenden Buche „Zwölf Jahre am deutschen Kaiserhofe" ebenso belehrend wie ergötzlich: „Neulich sprach Fürst Bülow mit meinem Vater über den jetzt in die diplomatische Karriere aufgenommenen Goldschmidt-Rothschild und sagte ungefähr folgendes: „Nun haben wir diesen netten und arbeitsamen Menschen in der diplomatischen Karriere. Ich habe ihn nach London geschickt, und er hat immer die besten Informationen, aber zum Reserveoffizier kann man ihn in Deutschland nicht machen." Der Fürst hat sehr recht mit diesem wirklich krassen Fall, aber wenn man unseren Militärchauvinisten mit dem Vorschlag kommt, dann geraten sie außer sich, daß ein Jude Reserveoffizier werden könnte. Dabei hat es in ernsten Zeiten in Preußen jüdische Offiziere gegeben, die vor dem Feinde mit Auszeichnung gefoch'ten haben. In dieser Beziehung regiert aber heute bei uns der reaktionärste Chauvinismus." Aber seit jenen „ernsten Zeiten", die seitdem noch ernster und schwerer geworden sind, haben die Preußen nichts gelernt und nichts vergessen. Ja, sie haben sich in ihre Vorurteile und Rassenleidenschaft noch tiefer verbissen, sind aber auch in ihrem Elend noch tiefer gesunken. | Theater, Kunst u. Literatur | Monatsschrift „Menorah". In der Redaktion der „Menorah" (Monatsschrift für die jüdische Familie) sind mit 1. Juli, wie wir bereits meldeten, die Herren Dr. Nathan Birnbaum und Dr. Robert Weiß eingetreten. Herr Dr. Birnbaum gehört bekanntlich zu den führenden Persönlichkeiten der A g u d a s Jisroel, Herr Dr. Weiß ist Mitglied des Misrauhi. 25jährige Jubiläumsfestschrift der „Jüd. Volksstimme", Brünn. Anläßlich des 25jährigen Bestandes der „Jüd. Volksstimme", Brünn, erscheint in vornehmer Ausstattung, illustriert, eine Jubiläumsfestschrift der „Jüd. Volksstimme". Es ergeht an sämtliche Personen, die während der 25 Jahre mitgearbeitet haben, die höfl. Aufforderung, der Redaktion ihre Namen und Adressen ehestens mitzuteilen. Die AH-Einheit. Grundlinien der Welt-und Lebensanschauung im Geiste Goethes und Spinozas. Von Dr. M. Krüllenberg. Verlag Strecker & Schröder in Stuttgart. Schon der Titel zaubert uns das ganze Gedankengebäude dieses interessanten und geistreichen Werkchens vor die Seele. Jedoch sind diese Epitheta völlig überflüssig, wenn wir den. Namen des tiefen Denkers nennen, dem die Deduktionen entstammen. Max Kronenberg zählt zu denjenigen Persönlichkeiten, die ihrer seelischen Verfassung und schriftstellerischen Begabung nach in der Lage sind, am Aufstieg des deutschen Volkes mitzuarbeiten, wenn die beherzigenswerten Ideen Widerhall in den weitesten Gesellschaftsschichten finden würden. Und es ist eine Freude, daß der rührige Verlag sich dieser Aufgabe in jeder Beziehung bewußt ist. (Diesem Ziele dienen auch andere Schriften des Verlages, so auch die demnächst erscheinenden Werke desselben .Verfassers „Goethe und Spinoza" und ...Schiller und Kan t".) Wenn der Verfasser im Vorwort der vorliegenden Schrift bescheidentlich dem Wunsche Ausdruck leiht, daß sie dazu anregen möge, das größte geistige Erbe unserer Vergangenheit mit der lebenatmenden Gegenwart zu verknüpfen, so möchten wir mit aller Bestimmtheit behaupten, daß dies bei ernstem Streben und vorurteilsfreier Gesinnung der Fall sein wird und sein muß. In der Einleitung wird das Wesen der All-Einheit gekennzeichnet und auf Goethes Gedicht „Die Geheimnisse" hingewiesen: „Denn alle Kraft dringt vorwärts in die Weite, zu leben und zu wirken hier und dort; dagegen engt und hemmt von jeder Seite der Stern der Welt und reißt uns mit sich fort." Das Werkchen zerfällt dann weiter in.drei Teile: 1. die All-Einheit im Objektiven (Betrachtung und Erkenntnis, Anschauung und Kunst, Tat und Arbeit), 2. die All-Einheit im Subjektiven (die Liebe — individuelle Liebe, soziale Hingabe — Volk und Vaterland, Menschheit und Menschenliebe), 3. die absolute All-Einheit. „Entschlafen sind nun wilde Triebe mit ihrem ungestümen Tun. Es reget sich die Menschenliebe, die Liebe Gottes regt sich nun." Am Schluß befinden sich Anmerkungen, die zahlreiche Belege zu dem Gesagten bieten. Dr. M. Spanier (Magdeburg). Jüdische Zeitungen in Polen. Im „Biuletn Informacyjny" (Informationsbulletin), das vom polnischen Innenministerium herausgegeben wird, findet sich eine sehr interessante Statistik über die Anzahl fremdsprachiger Zeitungen in Polen. Jüdische Zeitungen bestehen nach dieser Statistik insgesamt 53, nämlich 11 Tageszeitungen, 26 Wochenschriften, 3 Halbmonatsschriften, 13 Monatsschriften und eine andere periodische Zeitschrift. W a r s c h a u besitzt 23 jüdische Redaktionen. Lodz 7, Wilna 5, Krakau 2, Lemberg 3, Czenstochau 3. Der Rest entfällt auf Lowicz, Lublin, Rowno, Bialystok, Siedice usw. Hebräische Zeitungen erscheinen gegenwärtig im ganzen fünf. Am größten ist die- Zahl der unparteiischen jüdischen Organe, nämlich 12. Dann folgen die zionistischen Blätter mit 9, Volksblätter mit 5; der Rest entfällt auf verschiedene andere Gruppen. Außerdem existieren in Polen jüdische Zeitungen, die in polnischer Sprache gedruckt werden, so vor allem der in Warschau erscheinende „Nasz Przeglad", die Lemberger „Chwila", der Krakauer „Nowy Dziennik" usw. Die U k r a in e r verfügen über 12 politische Verlagsgeschäfte, und zwar über 2 Tagesblätter, 8 Wochenblätter, eine Halbmonatsschrift und den „Nowy Czas", der zweimal wöchentlich erscheint. Die Litauer besitzen nicht eine einzige Tageszeitung, die in ihrer Sprache erscheint. Ihre ganze politische Presse —• und nur von. dieser ist die Rede — setzt sich aus einem Wochenblatt, einer Halbmonatsschrift und dem „Lituvas Ritay", der dreimal wöchentlich erscheint, zusammen. Die Weißrussen geben den „Holos Bialorusa" zweimal in der Woche heraus und die Halbmonatsschrift „Krzynica". Da-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.