Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 34 (22.8.1924)
- Date
- 1924-08-22
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 34 DIE WAHRHEIT Seite 9 deutschen Ruderer Schimpfreden gegen Juden, Sozialdemokraten usw., vom Stapel ließen. Gäste mit solchen Manieren wurden in allen Betrachtungen der Presse mit den schärfsten Ausdrücken abgelehnt. Vielleicht bezog sich die Bemerkung des Herrn Waak, daß die Ruderwandererfahrten nicht nur Vergnügungsfahrten seien, auf diese völkische Kundgebung. Ein Weltrabbinat. Abraham Kuk, Oberrabbiner in Palästina, trägt sich mit dem Gedanken, in Jerusalem ein Weltrabbinat erstehen zu lassen und hat diesen Plan der Union orthodoxer Rabbiner in Amerika auseinandergesetzt, wo er Verständnis und Zustimmung fand. Bei diesem Anlasse war Oberrabbiner Kuk bemüht, dort einen Miilionenfonds für jüdische Lehranstalten im Auslande aufzubringen. .Jüdische Siedlungen in Mexiko. Der neugewählte Präsident von Mexiko Calles äußerte einem Vertreter der J. T. A. seine Bereitwilligkeit, jüdischen Einwanderern aus dem industriellen und landwirtschaftlichen Berufe unbegrenzte Einwanderungsmöglichkeit und weitgehende Erleichterung zu bieten. Calles hat sein Herz für die Juden entdeckt, weil er sich von ihnen einen wirtschaftlichen Aufschwung erhofft. Amerikanische Richter zu Besuch in Europa. Die Richter Mack und Lehmann weilen gegenwärtig zu Besuch in England. Des letzteren Gattin ist eine Tochter des bekannten Philantropen Nathan Straus, nach dem ein Park in New-York benannt ist. Die Herausgeber der angesehensten Zeitungen Nevv- Yorks sind seine Freunde. Da sie, ähnlich wie Lessing in Mendelssohn, in diesem Idealmenschen das Judentum vertreten sehen, wehren sie mit ihrem ganzen Einfluß jeden antisemitischen Angriff ab und halten das Prinzip der Humanität hoch. Wenn Japan über amerikanische Unduldsamkeit klagt, so hat es dazu um so weniger ein Recht, als es im eigenen Lande den Angehörigen fremder Rassen, d. Ii. insbesondere den Juden, die Niederlassung verwehrt. Es war ein Irrtum . . . Wir brachten kürzlich unter dem Titel „Nationalistische Besinnung" eine Notiz, wonach es in letzter Zeit in den Hirnen der Hakenkreuzhäuptlinge zu tagen scheint und daß insbesondere Hitler in der Einsamkeit seiner Festungshaft zu einer Revision seiner Anschauungen über das Judentum gelangt sei. Der Brüxer „Tag" beeilt sich folgendes festzustellen: „Als der deutschösterreichische Pg. Kugler am 29. Heuerts nun Adolf Hitler in Landsberg besuchte, kam unter anderem auch die neueste Presselüge über die Aenderung der Stellungnahme Hitlers zum Judentum zur Sprache. Hitler erklärte: „Ja, ja, es ist ganz richtig, daß ich meine Ansicht über die Kampfesweise gegen das Judentum geändert habe. Ich habe erkannt, daß ich bisher viel zu milde war. Ich bin bei der Ausarbeitung meines Buches zur Erkenntnis gekommen, daß in Hinkunft die schärfsten Kampfmittel angewendet werden müssen, um uns erfolgreich durchzusetzen. Ich bin jetzt überzeugt, daß nicht nur für unser Volk, sondern für alle Völker dies eine Lebensfrage ist. Denn Juda ist Weltpest." Auch eine Kriegserinnerung. Zu den während der Kriegszeit im Verlage von Carl Heymann in Berlin erschienenen „Deutsche Reden in schwerer Zeit" zählt auch die von Professor D. Baumgarten gehaltene: „Der Krieg und die Bergpredigt." Seite 15 lesen wir: „Es ist doch wunderbar, alle, die in diesen bewegten Zeiten zu Gottes Haus und Gottes Wort gekommen sind, werden erfahren haben, wie stark sich die christlichen Erhebungen, die christlichen Predigten in diesen Zeiten von dem Namen Testament----zurückgewendet haben zu den Texten des Alten Testaments, in welchem Gott ein Gott des Volkes, der Nation und der Kämpfe des Volkes um sein Recht und seinen Bestand Gotteskämpfe waren. Es ist das ja soweit getrieben worden, daß da und dort die Gefahr nicht vermieden ward, an Stelle des auserwählten Volkes in den alten Texten ganz einfach das deutsche Volk zu setzen." — Daß die Bergpredigt aus Texten des Alten Testaments zusammengesetzt ist, wird verschwiegen. Die Parallelstellen werden ja in Luthers Uebersetzung des Neuen Testaments angegeben. Siehe Ev. Matthäi, Kapitel 5. Sp. — M. Nichts als abscheulicher Antichrist war da! Heute wollen wir einmal unseren Lesern das Urteil eines gut christlichen Mannes über die „Reichspost" zitieren, keines geringeren als F. W. Foersters, der in seinem Buche „Jugendseele, Jugendbewegung, Jugendziel" folgendes schreibt: „Während des Krieges, sowie schon vorher und nachher war es mein größtes Aergernis und Staunen, in den Leitartikeln mancher christlichsozialen Tageszeitungen die v o 11kommene Abwesenheit eines christlichen Gewissens feststellen zu müssen. Gegen die inner- und außenpolitischen Feinde wurden all'3 bösen Inst'inkte losgelassen. Ich will gar nicht von christlicher Liebe reden, nein, es fehlte die elementarste politische Kultur, nein, die eigene Sache mußte um jeden Preis verteidigt werden. Dabei gab es keine Objektivität gegenüber den Gegnern, keine Treue gegenüber dem wirklichen Sachverhalt, kein christliches Verantwortungsgefühl für den Volksfrieden; kein Edelsinn des Urteils, nein, nichts als abscheulicher Antichrist war da, und gar kein Bewußtsein davon, wozu das christliche Bekenntnis die Feder eines christlichen Redakteurs verpflichtet. Hat man zum Beispiel in der Wiener „R e i c ii s p o s t" je ein Wort demütiger Selbsterkenntnis und Selbstanklage gelesen, daß die leitenden Klassen der Donaumonarchie durch ihre unselige Politik selber den Zusammenbruch verschuldet haben? Nein, Juden, Freimaurer, Tschechen und Sozialisten tragen die alleinige Schuld. Waren dann aber HetzendorE und Berchtold auch JuJen? Kam in jeuer Presse je ein Sündengefühl gegenüber dem Volke zum Ausdruck, dessen Treue so schrecklich durch ein mive ra n t w o r 11 i c h e s Sich gehenlassen mißbraucht worden ist? Nein, nur nicht den anderen recht geben, das war der maßgebende Gesichtspunkt! Auch iu Bezug auf die gestürzte Monarchie empfinde man ganz u n c h r i s t! i c h. Als ob die Vorsehung hier nicht etwas gestraft hätte, was sie lange genug mit Langmut hatte gehen lassen! Das Volk hat die Monarchie gehen lassen, nicht aus besonderer Erbitterung gegen den bisherigen Träger der Krone, sondern weil es dunkel und wild empfand, daß sich das oberste Führertum nicht bewährt, nicht die nötige Charakterstärke gezeigt habe, um den Völkermord zu verhindern, und ihm rechtzeitig ein Ende zu machen. Die Monarchie ist in neuester Zeit zu sehr ein Rückhalt v on Clique nlierrschaft gewesen, und zwar von m a c h 11 ii s t e r u e n militärischen Cliquen: dies ist es. wogegen sich das verwerfende Urteil des Volkes gerichtet hat, aber leider auf Seiten der Gestürzten nicht die leiseste christliche Selbsterkenntnis vorhanden!" Und so kann Foerster von der „Reichspost" sagen, „daß in diesem Blatte Christus täglich gekreuzigt wird"... Der Kuiturpogrom der Sowjetregiening. Die Sowjetregierung in Rußland und in der Ukraine hat in letzter Zeit, ujahrsgratulationen der „Wolirlieitf Mit Rücksicht darauf, dal? die in der „Wahrheil" erscheinenden Neujahrsgratulationen bei unseren Lesern derart Anklang gefunden, daß diese Tabellen in ständiger Zunahme begriffen waren, ist ein gleiches auch heuer um so mehr zu erwarten, als bei den teueren Herstellungskosten spezieller Gralulationen und den damit verbundenen Versandspesen sich gegenüber den Publikationen in unserer Zeitung ein Ersparnis erübrigt, abgesehen von der weit größeren Verbreitung, die eine solche Gratulalion in unserem Blatte zur Folge hat. Da nun im vorigen Jahre infolge verspäteten Einlangens viele Aufträge leider keinen Raum mehr finden konnten, erlauben wir uns die höfl. Bitte, uns die geschätzten Aufträge schon jetzt zu erteilen. Anläßlich des Roschhaschono-Festes entbieten hiermit ihren Verwandten u id Freunden die herzlichsten Gluckwünsche k Muster: Zahntechniker ludivi^l Msdier und Frau II., Novaragasse 21