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Die Wahrheit · 1924-08-15 · Heft 33 (15.8.1924) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 33 (15.8.1924)
Date
1924-08-15
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 12 DIE WAHRHEIT Nr. 35 Jüdische Gemeindevertretungen beim italienischen Unterrichtsminister. J. T. A. berichtet aus Rom: Der Präsident des jüdischen Gemeindeverbandes Italiens sowie der Oberrabbiner von Rom erschienen bei dem neuen italienischen Unterrichtsminister Casati und lenkten seine Aufmerksamkeit auf die abnormale Lage der jüdischen Schulkinder in Italien in Verbindung mit der Reform des Elementarschulwesens. Die Schule ist vollkommen von katholischem Geist durchdrungen und trägt den geistigen Bedürfnissen der jüdischen Bevölkerung nicht Rechnung. Der Minister versprach, diesem Problem sein Interesse zuzuwenden und insbesondere diejenigen Einwendungen, die sich auf die Prüfungen am Sabbat und an jüdischen Feiertagen beziehen, zu berücksichtigen. Rettung eines Hakenkreuzlers durch einen Juden. Wie der „Welt am Montag" aus Lauenburg (Pommern) geschrieben wird, hielt der bekannte Knüppel-Kunze in Lauenburg einen Vortrag, in dem er wie gewöhnlich auf die Juden .schimpfte und fuhr dann nach dem Badeort Leba, wo er beim Baden in eine tiefe Stelle geriet und zweifellos ertrunken wäre, wenn ihn nicht der Badearzt Dr. Posner aus dem Wasser gezogen hätte. Man stelle sich den Schrecken des berufsmäßigen Judenfressers vor, als er erfuhr, daß sein Lebensretter ein Jude ist! Aber schnell gewann er wieder seine Fassung und deutscharische Würde: er verschwand ohne fcin Wort des Dankes. Wenn Knüppel-Kunze das hätte, was man Charakter nennt, hätte er sich wieder ins Wasser stürzen und ertrinken müssen, um nicht als ein vom Juden Dr. Posner Geretteter weiterzuleben. Spendenausweis der Agudas Jisroel-Jugendgruope, Wien II., Obere Donaustraße 69. M. J. Heller 30.000, W. Heim 10.000, W. Fuchs 10.000, G. Anninger & Co. 15.000, Ph. Stern ,10.000, M. Hacker 10.000, Anonym 10.000, Norb. Freuder 10.000, Hans Anspach 20.000. Siegf. Bettelheim 10.000, Arnold Anhalzer 20.000, W. Land 50.000, Direktor W. Kux 50.000, Ad. Fürst 50.000, S. Bybring 20.000, Jos. B. Böhm 20.000, Jul. Herzog 20.000, M. Krakauer 10.000, Dr. Ad. Kapralik 50.000, Sieg Albers 50.000, E. Abraham 5000, Dr. S. Löffler 15.000, Brüder Dohan 100.000, D. Kaufer 20.000, Mährischl & Klauber 10.000, Is. Altkorn 50.000, A. Grünhut 10.000, L. Engel 10.000, D. Ludwig 10.000, Leop. Kaiser 10.000, J. Belf 30.000, H. Mayer sen. 100.000. Oesterr. Hypothekenbank 20.000. Brd. Klinger 2.000, Heller & Klein 20.000, Ad. Böhm & Co. 25.000, Leop. Haas 100.000, Jordan Hönich 10.000, Sig. Schlesinger & Co. 30.000, Ant. Hoffmann 5.000, S. Beer 10.000 Kronen. Mohammedaner in Palästina. Ein ganzer Beduinenstamm in der Nähe von Safed hielt sich für Nachkommen einer jüdischen Familie, die einst zum Islam bekehrt worden sei. Der Stamm wandte sich an die Regierung von Pallästina mit der Erklärung, zum Judentum zurückkehren zu wollen. Silberne Hochzeit. Samstag, den 9. August (Schabbos Chasson), beging der allseits beliebte Oberkantor der jüdischen Kultusgemeinde in Linz sein 25jähriges Hochzeitsjubiläum in sehr solenner Weise. Als Rewie zur Thora gerufen', widmete ihm Herr Sekretär und Religionslehrer Piskaty einen vom Herrn Rabbiner Dr. Kur sein im klassischen Hebräisch verfaßten äußerst stimmungsvollen Mischeberach, in dem er sowohl für den genannten Oberkantor, als auch für dessen Gattin Marie Gottes reichsten Segen erflehte. Außerdem ließen ihm sämtliche an diesem Tage zur Thora gerufenen Gemeindemitglieder Segenssprüche in alt herkömmlicher Weise machen. Besonders ergreifend wirkte bei diesem zu einem wahren Festgottesdienst sich gestaltende Sabbatgottesdienst der Hafthoravortfag des ehr-, würdigen greisen Altrabbiners Moritz Fried mann. Mit einer vom Jubilar selbst komponierten und großartig vorgetragenen Keduscha fand die einfache, aber würdige Feier ihren Abschluß. Herrn Oberkantor Bernhard Löwensohn, der sich in seinen Berufskreisen den Ruf eines glänzenden Chassans erworben hat, begleiten die Glückwünsche seiner Gemeinde. Todesfälle. Freitag, den 6. d. M. wurde der nach langer Krankheit im 69. Lebensjahre verstorbene Herr Jakob Witt zu ewigen Ruhe bestattet. An der Bahre standen schmerzgebeugt die Witwe Frau Sofie Witt, geb. S c h a f f e r, die Kinder Serene O b 1 a 11, Hermine A1 b e r s, Sandor Witt, Olga G o 1 d f e 1 d, die Schwiegerkinder Oskar O b 1 a 11, Kassier des „Vereines der Freunde des großen Leopoldstädter Tempels", Arthur A1 b e r s, Vorstand des Gemeindetempels in Fünfhaus, Elsa Witt, geb. Kohn, Willy Goldfeld, sowie eine große Anzahl von Verwandten. Die ungewöhnlich starke Teilnahme der Trauergäste, die dem Verewigten die letzte Ehre erwiesen, gaben überzeugenden Beweis für die allgemeinen Sympathien, deren sich der Verstorbene in weitesten Kreisen erfreute. Jakob Witt gehörte zu den populären Erscheinungen des Bezirkes Leopoldstadt, bekannt unter dem Namen Onkel. Witt, nicht nur wegen seines hohen Alters, sondern auch wegen seines herzensguten Wesens. Bis in die spätesten Jahre seines Lebens an ehrliche Arbeit hingegeben, war er ein Typus des wahrhaft liebenswürdigen anspruchslosen Menschen, den niemand vergessen könnte, der seine trefflichen Eigenschaften durch persönlichen Verkehr kennen und schätzen lernte. Die Chewra Kadischa war durch Herrn Bethausvorsteher S. Ernst, der Verein „Montefiore" durch Ehrenpräsidenten Paul Schwarzstein, Bezirksrat E. Hoffmann und Kaiman vertreten. Den Trauergästen sah man den aufrichtigen Schmerz an, dem auch Herr Rabb. Dr.*Taglicht in beredten Worten Ausdruck verlieh. Er hob die Verdienste des Verewigten hervor, rühmte seine Selbstlosigkeit und Opferwilligkeit, die er als Mensch, als Jude und vor allem als Familienvater bekundete. Selbstlos für seine eigene Per-, son, lebte er für seine Familie, arbeitete rastlos bis zum letzten Atemzug. Nachdem Kantor L. Funke die zeremonialen Gesänge vorgetragen hatte, nahm die schwergeprüfte Familie schmerzgebeugt Abschied von ihrem Liebsten, worauf der Sarg zur ewigen Ruhe ins Grab gesenkt wurde. — Montag, den 11. August wurden auf dem Zentralfriedhofe (III. Tor) die sterblichen Ueberreste des Kaufmannes und hebräischen Schriftstellers David Meyer Andermann aus Brody beigesetzt. Nebst der Familie hatte sich eine überaus große Trauergemeinde von Freunden eingefunden, um dem überaus verdienstvollen Manne das letzte Geleite zu geben. Ein grundgütiger, unablässig hilfsbereiter Menschenfreund und ein wahrhaft idealer Jude ist mit Dr. M. Arderraann von hinnen gegangen. Der Verstorbene hat ein Leben rastloser und mühevoller Arbeit geführt, alles auf sich selbst gestellt und aus sich selbst heraus geschaffen; er war ein tiefer Denker und eine ausgeprägte Persönlichkeit von unbeugsamen Willen und daher zuweilen von seiner Umwelt nicht voll verstanden. Rabbiner Dr. S. Funk hielt dem Verblichenen einen tief ergreifenden Nachruf, erster Kantor A. Stift rezitierte die Trauergesänge. Kundmachung. Die gefertige Vereinsleitung gibt hiermit bekannt, daß anläßlich der Jährung des Todestages unserer Vereinspatronin der G. sei. Frau Berta Rachel W e i n i n g e r am 10. Elul, d. i. 9. September, a. c, die Kinder der Verewigten wie alljährlich eine arme jüdische Braut ausheiraten. Peten-tinnen, die am genannten Tage heiraten wollen, mögen ihre Gesuche beim Vereine bis am 25. August a. c. einbringen. Bevorzugt werden verarmte Verwandte, Doppelwaisen, Halbwaisen, sowie Töchter jüdischer Kleingewerbetreibender. „"Ohel Rachel", Verein zur unentgeltlichen Ausspeisung jüdischer Notleidender, Wien, IL, Kleine Pfarrgasse Nr. 8. Seidenbaus KUHSTflDT S Wien I., Fleisdtmarkl Mr. 2« Spezialfalls aller Qualitäten Seidenstoffe für Kleider und Futter. Herrliche Brokate, Crepe de Chine, Crepe Maroquin* etc., zu staunend billigen Preisen - Telephon Nr. 79.201 und 79.202 ——- |

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