Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 33 (15.8.1924)
- Date
- 1924-08-15
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 33 DIE WAHRHEIT Seite 9 Theater, Kunst u. Literatur Alexander Eliasberg gestorben. Wie aus Berlin berichtet wird, ist dort vor kurzem der Schriftsteller Alexander Eliasberg gestorben. Eliasberg, ein russischer Jude, kam in jungen Jahren nach. Deutschland, wo er sich durch seine zahlreichen Uebersetzungen russischer Literatur, vornehmlich der klassischen Autoren, bekannt machte. Später dehnte er seine umfangreiche Uebersetzertätigkeit auch auf das Gebiet der jüdischen Literatur aus; seine Uebertragungen der Werke von Perez, Scholem Alejchem, Mendele Möcher Sforim haben insbesondere in den ersten Jahren des Krieges, da in Deutschland großes Interesse für das „neuentdeckte" Ostjudentum bestand, die jüdische Ltieratur in Deutschland bekanntmachen geholfen. J. H. Weiß: „Zur Geschichte der jüdischen Tradition". „Dor dor w* dorschaw". Neuauflage, Verlag von Platt und M i n k u s, Berlin 1924. — „Der Mangel jeglicher Schulung und Disziplin", sagt Güdemann in seinem großen, kulturhistorischen Werke, „hat die merkwürdige Erscheinung hervorgerufen, daß der eine oder andere Gelehrte dadurch zu um so größerer Selbstzucht angehalten wurde und sozusagen aus sich selber Norm und Regel wissenschaftlicher Konzeption und Darstellung entdeckte." Zu diesen zählte auch der Gelehrte J. H. Weiss, den sein engerer Landsmann Adolf Je II inek, der Begründer des Bet Hamidrasch, zum Lektor an diese Anstalt berufen hat und dessen Lebenswerk in zweiter Auflage vorliegt. ' Die ersten zwei Bände eigentlich schon in dritter Auflage, denn diese sind bereits im Jahre 1893, also vor 31 Jahren, im Verlage von Jakob Günzburg in zweiter Auflage erschienen. In Wilna gedruckt und schön ausgestattet, enthielt diese Ausgabe nebst einem Namen- und Sachregister eine besondere! Einleitung, in welcher der Verfasser seiner Freude über den Erfolg seines Werkes in schönen Worten Ausdruck verlieh. „Zur Zeit, als ich mein Werk veröffentlichte," schrieb er in derselben, „dachte ich nicht daran, daß meine Arbeit eine zweite Auflage erleben werde. Wie hätte ich auch eine solche Hoffnung hegen sollen?! Kenne ich doch allzu gut das Los der hebräisch geschriebenen Werke und weiß, daß nur ein kleiner Teil abgesetzt wird, die meisten aber auf Dachböden ihre ewige Ruhe finden. Fürwahr, was ich nicht zu hoffen wagte, traf ein. Seit Jahr und Tag baten Verlagsbuchhändler um die Erlaubnis, die ersten zwei Teile meines Werkes, die vergriffen sind, neu drucken zu dürfen. Ich hatte aber noch an der Vollendung meines Werkes zu arbeiten, Korrekturen vorzunehmen und ein Register anzulegen. Nun aber, nachdem ich mein Werk mit Gottes Hilfe vollendet habe und Herr J. Günzburg aus Rußland bat, die zwei ersten Bände drucken zu dürfen, da sagte ich mir: Ich will die Wahrheit nicht' denen vorenthalten, die Anspruch darauf haben und gab meine Einwilligung." Dies schrieb der verewigte Verfasser in seinem 78. Lebensjahre, vor 21 Jahren. Es blieb bei dem Druck der ersten zwei Bände. Nun liegen alle fünf Bände in zweiter Auflage vor. Wie hätte sich der Tote gefreut, wenn er dies erlebt hätte! Mit Recht sagen unsere Weisen: „Es stirbt kein Mensch, dem auch nur die Hälfte seiner Wünsche erfüllt worden wäre." Das große Werk war der erste Versuch, die Entwicklung der jüdischen Tradition im Laufe der Jahrtausende darzustellen; eine Riesenarbeit, und es gehörte Mut dazu, eine solche allein, ohne Mithilfe von Fachgenossen, zu unternehmen. Rappoport, Zunz, Frankel und Grätz haben mehr Gewicht auf die Geschichte der Tradenten als auf die der Tradition gelegt J. H. Weiss wollte aber eine Geschichte der Tradition schreiben. Er mußte darum tiefer in den überlieferten Lehrstoff eindringen, das ganze ungeheure Material gründlich durcharbeiten. Wenn irgend einer, wäre wohl Weiss der richtige Mann für diese Arbeit gewesen. Aus Mähren stammend, dem Lande, das unserem Volke Halachisten geschenkt, wie die Landesrabbiner Krochmal und Benedikt; in welchem Werke entstanden, wie der Schach und Machzis haschekel, Forscher das Licht der Welt erblickt, wie Kaufmann und Steinschneider, gehörte auch Weiss zu den großen Talmudisten, die tiefes talmudisches Wissen mit den Methoden der westeuropäischen Wissenschaft vereinigen. Aber die Arbeit, die er unternommen, war einerseits doch zu groß für einen einzelnen Forscher: anderseits stand er zu sehr unter dem Einflüsse von Grätz und Krochmal. Er hätte in vielen Dingen anders geurteilt, wenn Halewis Dörot ha-rischonim ihm vorgelegen wäre. Er wäre oft zu anderen Ergebnissen gelangt; hätte wohl auch Halewi oft widerlegt. Das an Beispielen nachzuweisen, ist hier nicht der Ort. Es wäre darum eine Neubearbeitung des großen Werkes von fachkundiger Seite, wie es z. B. mit Grätz — unter steter Berücksichtigung der Gegner geschehen — zu begrüßen. Im Kriege sind auch die Stimmen der Lehrhäuser verstummt. Auch für die Lehre und Wissenschaft scheint nun ein neuer Frühling anzubrechen. Die Neuauflage großer Werke sind seine Boten. Jedenfalls hat der Verlag mit der Neuauflage des großen Werkes sich um die jüdische Wissenschaft ein großes Verdienst erworben. Vielleicht wird die schön ausgestattete Ausgabe das Interesse für die Wissenschaft wieder wecken und zu weiteren Forschungen auf dem Gebiete der jüdischen Tradition anregen, womit das schöne Ziel erreicht wäre, das der Autor sich gesetzt. Dr. F. Lujo Brentano: „Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte. Gesammelte Reden und Aufsätze. Verlag F. Mein e r, Leipzig. Die Reden und Aufsätze, zu verschiedenen Zeiten entstanden, haben alle ein Gemeinsames: das Streben nach einer mit den Tatsachen des Lebens übereinstimmenden Lehre vom Wirtschaftsleben. Daß dieser hervorragende Nationalökonom zu diesen Lebensfragen Bedeutsames zu sagen hat, weiß man, ehe man sein Buch aufschlägt: daß er aber so viel zu bieten weiß — das setzt uns immer wieder in Erstaunen. Uns interessiert ganz besonders das Kapitel über ..Judentum und Kapitalismus" (S. 426-490). Bei dieser Gelegenheit greift der Autor Sombart wegen seines Buches „Die Juden und das Wirtschaftsleben" heftig an. (..Dieses Buch ist eines der betrüblichsten Erscheinungen auf dem Gebiete der deutschen Wissenschaft."); ja der ganze Aufsatz ist eigentlich dem Kampf gegen Sombart gewidmet. Wenn Brentano auch diesem entgegentritt, so anerkennt er doch die Werte des Judentums, aber eben anders als Sombart. Zweifellos ist Brentanos Einstellung zum Problem gründlicher und „wissenschaftlicher". Wir behalten uns vor, gelegentlich einige Stellen aus diesem Werke zusammenzufassen und in unserem Blatte zu veröffentlichen. —f—n Werbet Abonnenten für „Die Hahrneft"! Neujahrsgratulationen der a^«< „Wahrheit Mit Rücksicht darauf, daß die in der „Wahrheit" erscheinenden Neujahrsgratulationen bei unseren Lesern derart Anklang gefunden, daß diese Tabellen in ständiger Zunahme begriffen waren, ist ein gleiches auch heuer um so mehr zu erwarten, als bei den. teueren Herstellungskosten spezieller Gratulationen und den damit verbundenen Versandspesen sich gegenüber den Publikationen in unserer Zeitung ein Ersparnis erübrigt, abgesehen von der weit größeren Verbreitung, die eine solche Gratulation in unserem Blatte zur Folge hat. Da nun im vorigen Jahre infolge verspäteten Einlangens viele Aufträge leider keinen Raum mehr finden konnten, erlauben wir uns die höfl. Bitte, uns die geschätzten Aufträge schon jetzt zu erteilen. Anläßlich des Roschhaschono-Feates entbieten hiermit ihren Verwandten und Freunden die herzlichsten GIDckwünsohe Muster: Zahntechniker und Frau II., Novaragasae 21