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Die Wahrheit · 1924-08-15 · Heft 33 (15.8.1924) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 33 (15.8.1924)
Date
1924-08-15
Page
– (sequence 10)
Language
German
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SefiscS DIE WIAHRMT Nr . 33 Judische Weltherrschaft — Phantasiegebilde oder Wirklichkeit? Natürlich Phantasiegebilde, d. h. mit einem ehrlichen deutschen Worte — Hirngespinst. Der ungenannt gebliebene Verfasser der kleinen aber höchst bedeutsamen, kürzlich im Philo-Verlag erschienenen Schrift, ist unverkennbar ein Mann von Geist, Wissen und logischer Schlagkraft. Stein um Stein trägt er von dem Schwindelgebäude ab, das antisemitische Bosheit und Dummheit aufgeführt. Wie groß die Verbreitung dieser Broschüre ist, beweist der Umstand, daß ihre yierte Auflage bereits das 75. Tausend erreicht hat. Judenfreund und -feind wird sie nicht ohne Interesse und Nutzen lesen. Namentlich letztere werden ihre Wahnvorstellungen, als ob das Judentum eine Weltmacht und Weltgefahr bedeute, fahren lassen. Das von dem Verfasser aufgebotene Material widerlegt glänzend, daß Juden, wenn sie die Macht in Händen hätten, wie Trotzki oder Kurt Eisner, judenfreundlich vorgingen, ebenso wenig konnten die jüdischen Finanzmächte Vorteil gewannen, wenn sie den Weltkrieg entflammt hätten. Wie in einem Brennspiegel konzentriert er seine Ausführungen in dem folgenden Urteil: „Wir haben offen zu dem Leser dieser Zeilen gesprochen, nur Tatsächliches zu ihm reden lassen, nur versucht, ihm, der sonst im Kampf der politischen Meinungen stets ein gefärbtes, ein tendenziöses Bild des Juden und von jüdischer Denkungsart erhält, zu zeigen — soweit das in knappen Umrissen möglich war — was es mit „den Juden" auf sich hat Diese Zeilen sollten und wollten nicht sein eine Verteidigung und Schönfärberei aller jüdischen Menschen, nicht etwa derer, die irgendwo wirtschaftlich, finanziell, politisch im Vordergründe stehen und hier oder dort, angeblich oder wirklich, schädlichen Einfluß ausüben. Es wäre unsinnig, zu leugnen, daß es schlechte und unheilvoll wirkende Juden gibt. Denn ebensowenig wie das deutsche, französische und englische Volk besteht auch das jüdische nur aus Engeln und Unfehlbaren. Woran uns aber lag, das war, dem Leser die Urteilsbildung darüber zu ermöglichen, ob Juden, wenn sie irgendwo in der Welt menschlich schädlich wirken, das auf Grund gerade speziell jüdischer Denkart und gar wissentlich und im Geheimauftrage eines großen jüdischen Interesseverbandes tun. Denn darauf ging ja letzten Endes die antisemitische Anschuldigung hinaus, die den Anlaß zur Entstehung dieser Zeilen gab. Wer aber vorurteilsfrei und unvoreingenommen die von uns vorgebrachten Gründe gegen die Argumente der antisemitischen Propaganda abgewogen hat, wer sich im weiteren Verfolg des Nachdenkens gar die Mühe nimmt, an die Quellen des Judentums, an das jüdische Schrifttum, an die Resultate der Geistesarbeit .von achtzig jüdischen Generationen heranzugehen, dem kann das Endurteil nicht allzu schwer fallen. Er wird erkennen, daß, wenn irgendwo der Jude Ziele und Pläne .verfolgt, die der friedlichen kulturellen Aufwärtsentwicklung der Menschheit zuwiderlaufen, die seinem engeren oder weiteren nichtjüdischen Kreise schaden, er dies nicht tut, weil er Jude ist, sondern trotzdem er Jude ist. Denn Jude sein heißt letzten Endes, sich nicht fühlen als Glied einer Gemeinschaft, die für sich auf Kosten der Menschheit die Herrschaft erstrebt oder auch nur Bereicherung und Wohlstand. Sondern Jude sein heißt vor allem, sich durch das praktische Leben des offenbarten und gelehrten Gottesgesetzes zum harmonischen Menschen und zur höchsten Stufe des Verantwortungsbewußtseins zu entwickeln. Der wirkliche Jude fühlt sich verantwortlich vor Gott, vor den Menschen jeder Art und jedes Glaubens, vor den Ahnen und vor den noch ungeborenen Generationen. Deshalb wird das Merkmal der Jüdischkeit eines Juden nicht nur darin zu suchen sein, ob er dem Blute nach der jüdischen Gemeinschaft entsprossen ist, sondern ob er in seinen menschlichen Handlungen sich noch irgendwie von jüdischen Gedankengängen beeinflussen läßt oder nicht. Ein aber noch in jüdischen Anschauungen lebender und nach ihnen handelnder Jude ist und muß naturnotwendig sein ein wertvoller Mensch und ein nützliches Glied der menschlichen Gemeinschaft überhaupt. Denn das Judentum erzieht seine Söhne nicht nur zum Verantwortlichkeitsgefühl, sondern auch zur menschlichen Solidarität mit allem, was menschliches Antlitz trägt. Deshalb die Erkenntnis: Es gibt keinen jüdischen Plan zur Erringung der Weltherrschaft. Es gibt und gab keine jüdische Gruppe, Gemeinschaft oder Organisation, die derartigen Plänen bewußt oder unbewußt Vorschub leistet. Es gibt keine von Juden für Juden geschriebene Protokolle oder Instruktionen, in denen Anweisungen zur praktischen Erreichung des Zieles der Weltherrschaft erteilt werden.- Es gibt keine Gefahr, die vom Judentum oder von den mit ihm noch verbundenen Juden den anderen Völkern oder der Menschheit kqmmen könnte. Es kann wohl wie von anderen Menschen der verschiedensten Art Schlechtes und Zersetzendes von einzelnen Juden kommen* aber dann sind es gerade die, die sich — entweder unter dem furchtbaren moralischen und sozialen Druck der nichtjüdischen Außenwelt, oder aus eigener innerer Opposition — vom Judentum losgesagt haben und bewußt anderen Zielen und Zwecken dienen wollen. Darum fort mit dem törichten Gerede, das nur dazu dienen soll, unkritischen Köpfen einen Ersatz für das abgebrauchte Ritualmord-Märchen und für die Legende von der Hostienschändung zu geben, fort mit dem Geschwätz, das nur verhindern soll, die Schuldigen an politischen und wirtschaftlichen Mißständen in den eigenen Reihen zu suchen und das den Zorn leicht aufrezbarer Massen auf andere ablenken will, fort mit der tief innerlich unwahren Phrase von der jüdischen Weltherrschaft!" Heinrich Dolle weiß etwas. Im Südthüring. ..Leuchtturm" vom 9. Juli stand folgende schnurrige Sache: Ueber Oswald Spengler ist in völkischen Zeitungen in letzter Zeit viel geschrieben worden. Nur Ablehnendes. Ich will dem nicht ohne weiteres widersprechen, aber Uebertreibungen, die allen schädlich sind, hiermit verhüten. Oswald Spengelr klagte mir, daß die Völkischen ihn als einen Judenfreund ansähen. Hunderte Briefe seien an seinen Verleger gekommen mit Fragen, ob er, Spengler, ein Jud oder Judenstämmling sei, und wie so etwas zu begründen wäre. Ich antwortete ihm: „Sie haben sich in Ihrem großen Werke: Untergang des Abendlandes nicht klar genug ausgesprochen. Zu viel Intellekt. — Beweis? — Auf der letzten Seite sagen Sie etwa (in Lateinisch), wir sollen das Schicksal meistern, oder aber, das Schicksal meistere uns. Da haben Sie nicht gesagt, wer und was unser Schicksal ist. Das Schicksal, — die Sal (Seele), die uns geschicket i s t (von Gott), dasistderJude! (Hört! Hört!) Der Gegenpol des Deutschen. Das Negativ zum Positiv. Die Finsternis zum Licht. Das Siechende zum Siegenden. Das Säuchende zum Zeugenden. (Hört! Hört!) Der Locki zum Beidur. Der Judas zum Christus. Den Juden besiegt der Deutsche, den Juden in sich, wie um sich, oder: Der Untergang des Abendlandes wird Wahrheit. Das hätten Sie klar sagen müssen. Weil das die Schicksalsaufgabe der Deutschen im Einzel-Ich wie im Voll-Ich (Volk) ist, wird hierum künftig alles Geschehen kreisen.-- Spengler wurde nachdenklich und sagte mir dann noch gar manches. Er sprach ohne Unterbrechung noch fast drei Stunden. Was er sagte, berechtigt mich, zu bitten, nicht zu übertreiben." Drei Stunden ununterbrochenen Sprechens mit Heinrich Dolle ist reichlich zuviel. Es hätte genügt, wenn Spengler bloß das eine Wort — Schaute — gesagt hätte. Denn trotz dem Dreistundengerede wissen die „Leuchtturm"-Leser immer noch nicht, ob Oswald Spengler Jude oder Judenstämmling ist und darauf käme es doch hauptsächlich an. Beleidigung eines jüdischen Richters. Kürzlich fand in Dessau ein Prozeß gegen eine Reihe von Mitgliedern der Dessauer Ortsgruppe des antijüdischen Frontbundes „Stahlh e 1 m", in erster Linie gegen den Gerichtsassessor Dr. H a a s e aus Dessau, wegen Beleidigung des Gerichtsassessors Dr. Mendershausen statt. Dr. Mendershausen hatte als Ermittlungsrichter, der Staatsanwaltschaft Magdeburg die Angeklagten wegen eines geringfügigen Vergehens zu vernehmen. Dr. Haase hatte nun eine Eingabe verfertigt, in der Dr. Mendershausen als Richter abgelehnt wird. Dabei behauptete er, Dr. Mendershausen habe sich beim Heere unerlaubt von der Truppe entfernt und sei deshalb bestraft worden. Ferner erklärte er, daß jeder jüdischeRichter abgelehnt würde. „Wir Frontsoldaten", hieß es, „haben draußen im Feuer so gut wie nieeinen Judengesehe n." In der Verhandlung stellte das Gericht fest, daß Dr. M e ndershausen sich sofort bei Ausbruch des Krieges als Kriegsfreiwilliger gemeldet und bis zum Kriegsende seine Pflicht als Soldat in vollstem Maße erfüllt hat. Er ist Vizewachtmeister und Offiziersaspirant geworden und besitzt das Eiserne Kreuz. Nach längerer Verhandlung verurteilte das Gericht Haase wegen übler Nachrede zu einer Geldstrafe von 1000 Gold mark, im Nichteinbringungsfalle zu 20 Tagen Gefängnis. Der Staatsanwalt hatte einen Monat Gefängnis beantragt. Die übrigen Angeklagten wurden freigesprochen, da ihnen nicht nachgewiesen war, daß sie sich den Inhalt der Eingabe Haases zu eigen machen wollten. Gegen das Urteil wurde von der Staatsanwaltschaft und dem Angeklagten Haase Berufung eingelegt,

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