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Die Wahrheit · 1924-08-08 · Heft 32 (8.8.1924) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 32 (8.8.1924)
Date
1924-08-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seite 3 Nr. 32 zwei Judenleichen ihr Recht zuteil werden zu lassen,? Ich hoffe, daß meine aus der tiefsten Seele meines jüdischen Gefühls entspringenden Worte nicht imgehört verhallen und sich bald rechtschaffene Juden zusammentun werden, um diese fragische Angelegenheit nach jüdischem Recht und jüdischem Brauch zu ordnen. Gleichzeitig glaube icli auch den Hinterbliebenen der beiden jüdischen Kriegsgefangenen einen Dienst erwiesen zu haben, indem sie auf diesem Wege vielleicht den letzten Gruß empfangen werden von ihren lieben Toten aus Gastein. Am 9. Av. Sie schrien zu Gott in tiefster Not, Da der Tempel ward vom Feuer umloht Und heißer als der Fesseln Mal Wild schmerzte im Herzen die Schmach und Qual. Das Heiligtum geschändet, verbrannt Und die Sieger tragend in frevler Hand Das goldene Weihegeräte des Herrn. Jerusalem, nun ist gesunken dein Stern! Wie haben wir deine Schönheit geliebt. Die jetzt in tausend Winde zerstiebt! Bei dir unser Sehnen Ruhe fand, Nun zieh'n wir gefangen in fremdes Land. Die Stimmen verhallen, die Nacht deckt mild Des Grauens und der Verwüstung Bild. Aus des Tempels Trümmern nur Flammen noch loh'n Und beleuchten die sterbende Stadt Zion. Beate Baumgarten. war seinerzeit Kornpagniekamerad des Infanteristen Schweitzer im bosnischen Feldzug gewesen. Als letzterer General geworden war und in der goldstrotzenden Uniform, den Hut mit hellgrünen Straußfedern auf dem Kopfe, vor dem Dienstmann stand, fiel diesem vor Verblüffung die Kappe aus der Hand. .General Schweitzer bückte sich sogleich, hob die Kappe auf, überreichte sie dem alten Juden und unterhielt sich mit ihm leutselig vor Hunderten von Augenzeugen. Der höchste noch lebende österreichisch-ungarische Militär jüdischer Abstammung ist der 1851 geborene Generaloberst Samuel Freiherr v. Hazai. Er hieß ursprünglich Kohn und lernte das Uhrmachergewerbe, ließ aber in der Jugend seinen Namen magyarisieren und wurde Soldat. Er bewährte sich in den verschiedenartigsten militärischen Stellungen, so insbesondere durch Jahre als Kommandant der Budapester Ludovika-Honvedakademie, und wurde im Jahre 1910 in der ungarischen Regierung Khuen-Hedervary Honvedminister. Noch im selben Jahre ward Hazai außertourlich Feldmarschallleutnant und Geheimer Rat und wurde im Februar 1911 in Losoncz zum Reichstagsabgeordneten gewählt. Im Parlament war sein Auftreten ein überaus sympathisches. Er trug immer den ehrlichen Soldaten zur Schau und rühmte sich, da er seine Offizi'eislaufbahn in der bescheidensten Weise begonnen hatte, sogar dessen, daß er in seiner Jugend die Kasernendielen hatte scheuern müssen. Leider hatte dieser hohe Militär nicht die Prizipientreue seiner jüdischen "Kameraden, denn er ließ sich später taufen. Auch während der Wehrgesetzstürme haben die heftigsten Gegensätze zwischen Regierungspartei und Opposition seinen Posten als Honvedminister niemals zu erschüttern vermocht. Anläßlich des Zustandekommens des so viel umstrittene?i Wehrgesetzes im September 1912 wurde Hazai in den Freiherrnstand erhoben. Zu Beginn des Weltkrieges zum General befördert, wurde er im Februar 1915 Oberstinhaber des Infanterieregiments Nr. 46 und erhielt 1916 zu seinen vielen Auszeichnungen auch das Großkreuz des Leopold-Ordens. Im Februar 1917 trat Hazai von seinem Ministerposten zurück, um als Generaloberst die Leitung des gesamten Ersatzwesens für die Armee im Felde Der soziale Charakter des Judentums.*) Von Dr. Leo B a e c k. Das Judentum besitzt von der Zeit seiner Propheten her den Gedanken der Verpflichtung g^gen den Mitmenschen und der Verantwortung für ihn; vom Judentum ist dieser sittlich-soziale Gedanke der Welt gegeben worden. Er hat hier den dynastischen Charakter, d. h. er wirkt als eine Forderung, die an den Menschen gerichtet ist und in der, von Geschlecht zu Geschlecht mehr, die Gesinnung gestaltet wird. Ehren ähnlichen Gedanken hatte auch die griechische Philosophie, aber ihm war der statische Charakter eigen, das heißt er gründete sich auf die vorn vollkommenen Gesetz, das den vollkommenen Staat schafft, welcher die Menschen erzieht imd verbindet. Der Anfang des Sozialen ist im Judentum dia Anerkennung des Menschen durch den Menschen. Das Memschenrecht ist hier vor allem das Recht des Mitmenschen, dias Leben, auf das er neben uns Anspruch hat. „Dein Bruder soll mit dir leben." Schon dieses Wort „dein Bruder" enthält hier alles; es ist der Keim, aus dem alles weitere erwächst. Der Mensch und der Mitmensch gehören hier zueinander. Der Andere ist derselbe wie ich, er ist in allem Wesentlichen und Eigentlichen mir gleich, er ist ein Wesen von meinem Wesen, die Würde, die *) Aus: ..Di; Lehren des Judentums" III. Band. (Herausgegeben vom Verband der Deutsehen Juden, Verlag C. A. Schwetschke & Sohn. Berlin.) zu übernehmen. Sein Sohn. Baron Bela, ist Honvedhusarenotfizier und wurde im Weltkrieg zweimal verwundet. Als die Kommunisten in Budapest zur Herrschaft gelangten, wurde Generaloberst Baron Hazai im April 1919 verhaftet und lebt nunmehr ständig in Wien. Ein anderer jüdischer Offizier von Bedeutung ist der 1863 in der ungarischen Stadt Lugos geborene Joseph Breit. Er war im Jahre 1910 Oberst im Generalstabskorps, wurde Kommandant des ungarischen Landwehrstabsoffizierkurses, und im August 1914 Generalmajor. Erfolgreich führte er die ungarische 104. Landsturminfanteriebrigade, dann im Kriege gegen Italien eine üebirgsbrigade und 1917 eine ungarische Honvedinfanteriedivision auf der Hochebene von Doberdo. Er kämpfte mit solcher Auszeichnung, daß ihm der Kaiser den Adelstand mit dem Prädikat „von Doberdo" verlieh. Vordem war er auch schriftstellerisch tätig gewesen und hatte 1912 das vielbemerkte Werk ..Der russisch-japanische Krieg" herausgegeben. Von Offizieren jüdischer Religion, die unter der Regierung des Kaiser Franz Josef einen hohen militärischen Rang erreichten, war auch Alexander Eiß bemerkenswert. Er wurde als Oberstleutnant im Jahre 1889 in den Aktivstand der k. k. Landwehr übersetzt und befehligte das mährische Landwehrinfanterieregiment Nr. 4. fm November 1890 wurde Eiß Oberst, ging nach Erreichung seiner vollen Dienstzeit in Pension und betätigte sich als Sekretär der israelitischen Union in Wien. Dann der Oberst Husserl, zu Anfang des Jahrhunderts. Kommandant des 8. Infanterieregiments in Olmütz. Als Husserl sich bei einer Manöverbesprechung erlaubt hatte, die Leistungen des Erzherzogs Otto vor den versammelten Offizieren allzu freimütig zu kritisieren, wurde ihm nahegelegt, in Pension zu gehen. Im Weltkrieg ist er trotz schweren Asthmas freiwillig wieder eingerückt. Endlich der Oberst Alfred Neumann, der nach seiner Versetzung in den Ruhestand durch viele Jahre in der Redaktion des „Wiener 'Fremdenblatt** tätig war und als Leiter des militärischen Beiblattes „Die Vedette*' unermüdlich die Interessen der Armee und des Offizierkorps vertrat. Er starb unmittelbar ^vor Ausbruch des Weltkrieges, aufrichtig betrauert auch von allen christlichen Kameraden.

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