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Die Wahrheit · 1924-07-25 · Heft 30 (25.7.1924) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 30 (25.7.1924)
Date
1924-07-25
Page
– (sequence 13)
Language
German
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NrJ50 DK-WAHRHEIT Seite 11 Theater, Kunst ti. Literatur Rolandbühne. Vor kurzem wurde in diesem Theater Diagnose 16", das Drama der Entgleisten, von Feüx Fischer, zum 25. Male aufgeführt und es ist zu erwarten utwf zu erhoffen, daß sich dieses Tendenzstück zur Tagesfrage der „Kokain- und Morphiumsucht" noch längere Zeit auf dem Spielplan hält, \yas es wirklich verdient. Das Drama entwickelt nach einem wunderbaren Auftakt im Hörsaal der psychiatrischen Versuchsanstalt der Nervenklinik, wo den Studierenden ein kokain- und ■ morphiumvergifteter Patient vorgeführt wird, in 16 kinomäßigen Bildern den Leidensweg dieses-Unglücklichen. Es wird gezeigt, wie der Patient, der Redakteur war (hier plaudert Felix Fischer, ein bedeutender Wiener Journalist, in treffender Weise aus der Schule der Publizistik), durch den Genuß der Narkotika von Stufe zu Stufe sinkt, tun schließlich nach einem Mordversuch an seiner Gattin in der Nervenklinik zu landen, wo er durch die Mithilfe seiner Frau geheilt werden soll. Daß die letzten Bilder an einer übertriebenen Kraßheit leiden, so die Vision an einem gewissen Ort, oder die Szene, wo der Kranke in brutaler Weise Geld von seiner Frau, die für ihn ein Dirnenleben führt, zu erpressen sucht, sei dem Autor deshalb verziehen, weii er dadurch die notwendige Wirkung des Tendenzstückes nur erhöhen wollte. Diese Wirkung wurde noch durch die großartige Schauspielkunst des Hauptdarstellers Karl Miksch verstärkt, der in ähnlichen Rollen schon bewundert, diesmal eine Glanzleistung bot, die in ihrer Art kaum übertroffen werden kann. Miksch verstand es, das Publikum schon durch seine Maske so zu packen, daß wohl mancher Schwachnervige mit einem gruseligen Gefühl nach Hause gegangen sein mag. Daß neben ihm die übrige Darstellung verschwand, ist um so verständlicher, da dieselbe Leistungen an den Tag. respektive an'den Abend legte, die unter dem Niveau einer Provinzbühne war. Insbesondere das schwache Geschlecht gab diesbezüglich seiner Charakterisierung recht. O. H. Ezechiel, übersetzt und erklärt von D. Joh. Hermann, 1924, Verlag A. Deichert, Leipzig. Dieses Buch, ein Teil des von Sellin herausgegebenen Korranientars zum A. T., ist e>n Meisterwerk besonnener Kritik. Eine fast unübersehbare Literatur über diesen an schwierigen Problemen überreichen Ggenstand wird mit einem im besten Sinne konservativen Takt durchmustert und verwertet. Kombroationen, wie die von Chajes (S. 193), werden abgelehnt, weil die Ueberlieierun'^ aufzugeben kein zwingender Grund vorliegt Religionsgesohkihtäch wird manches Neue geboten, so (S 81) der Vergleich von Ez. 12, 18 mit dem Merseburger Zauberspruch. Wenn der Verfasser mit den „feurigen Steinen" Ezechiel 28 (S. 183) nichts anzufangen weiß, so bietet jetzt Grunwald im „Jahrbuch für jüd'. Volkskunde 1923". S. 192, eine einleuchtende Erklärung. Die feurigen „Steine", der „Edelstein", den Melkart, als „Kerub", bewacht (vengl. Argus), der Weltenbaum, der Levjathan und andere mythologische Reminiszenzen bei Ezechiel werden in dem genannten Jahrbuch behandelt (S. 183, 205, 384, fg. 407, 409, 459). Wias uns an dem Buche besonders angenehm berührt, ist die vorurteilsfreie Benützung der jüdischen Autoren, die mamche Fachgenossen des Verfassers nicht zum Vorteil der Sache vermissen lassea Das Buch bietet nicht allein Vofrtrefftichels, es regt auch zur Vertfeftmg in einzelne, noch ungelöste, einschlägige Fragen an. Goldmann. Josei Lipp!. Der Islam, 1924, Verlag Joser Kösel. Kempten, Die Vorlesungen, die! der Verfasser hier dem Drucke übergibt, bieten ein bei aller Kürze so anschauliches Bild der Entstehung und Verbreitung der Lehre und Quellen dies Islam, wie wir es zum zweiten- Male in solcher Zusammenfassung nicht besitzen. Naturgemäß werden auch an vielen Stellen die historischen Zusammerthänge des Islammit dem jüdischen Kulturkreise berührt Wer sich mit jüdischer Religionsphilosophie beschäftigt, wird in diesem Büchlein manchen wertvollen Aufschluß finden; aber auch' geschicMspMosophisehe Werke, wie das Spenglers, setzen Kenntoisse voraus, die hüet vermittelt werden. S. Rothschild. EmaimpartioBsib^ttf^ der jüdischen GroftgemeiMderi des Großherzogstüm Hessen wt vorigen Jahrhundert, Verlag- Julius Masameanter, Worms. Der als Ge^hiohtsschreabee seiner Vatersttadt längst bestens" 'bekannte, jetzt hochbetagte Verfasser bietet <vsa& hier aus dem Worms er Gerneindearchlv wiederum w«rtvole> Beiträge. Sie sehMern die Schmach des Eides more judasco und manche:: anderen Rest des Mittelalters, sowie den mannhaftere und erfoferefchen Kampf der Juden Hessens gegen diese Barbarei. Freilich zeigt die Gegenwart, wie der alten Hydra immer wieder neue Köpfe wachsen. G. B. Alexander, Spinoza (Geschichte der Philosophie und Einzeldarstellungen) 1923, Verlag Ernst Reinhardt, München, 3 Mark. Von allen bisher bekannten Darstellungen der Lehre Spinozas ist die vorliegende die fesselndste. Sie verrät in jeder Zeile Begeisterung für Spinoza als Menschen wie als Denker. Gegen Splitterkritik an seinem Charakter wie seines Systems betont der Verfasser die Erhabenheit des Lebensbildes wie d»r Geisteskraft Spinozas Denken hat Grenzen. Aber innerhalb dieser Grenzen, deren er selbst sich nicht bewußt wird, errichtet er konsequent seinen riesenhaften Gedankenbau. Als Bezeichnung dafür empfiehlt der Verfasser: Philosoph der Einheit. In der Tat ist Spinozas Lehre eine grandiose Aus^ führung unseres Sch'ma Jisroel! Deshalb hat er am die Stelle des Begriffes der Kausalität den der logischen Folge gesetzt, der allein die Durchführung des Einhettsgedankenis ermöglicht. An zwei Ausgangspunkten setzt diese Arbeit ein: bei Gotti auf der einen, vom Einzelding aufwärts auf der anderen Seiten Aus dem Begriff der Seele, wie Spinoza ihn faßt, gelangt er zur Wertbestünung der Affekte, zur Etlhüc, zur Erfassung der Individualität, zur Sbatuierung der Unsterblichkeit, Hier fällt die sonst festgehaltene Parallelität zwischen Denken und Ausdehnung weg. Der Geist siegt über die Materie. Außerhalb des Systems steht der Begriff der Zeit. Wie entstehen däe wirklichen Einzeldinge? Dieses Problem hat Spinoza nie erwogen, also auch nicht beantworten können. Hier, wo wir aus der stiillea Werkstatt der Theorie in das grelle Licht des wirkliche» Tages treten, versagt aller Scharfsinn. Hier setzt der Giaiubö ein. Aber das, was wir wissen können, hat keiner so systematisch zur Einheit verschmolzen, wie der große Ketzer voti Amsterdam. R. „Vertauschte Kopie." Eine biologische Spielerei, die in einem ieuilletonistisch gehaltenen. im Anzengruber- Verlag, Wien, verlegten Schriftchen Walter Finklers erschienen ist. Der Experimentator hat männlichen und weiblichen Wasserkäfern die Köpfe abgeschnitten und dann vertauscht aufgesetzt, was unendliche Geduld und Sorgfalt erforderte. Es ist mehr ergötzlich als belehrend zu lesen, wie die vertauschten Kopftiere dann ein entsprechend geändertes erotisches Verhalten zur Schau trugen, wodurch bestätigt wird, daß solches vom Site des Zentralnervensystems ausgeht Nachdem der Kopfwechset aber nur an Kaltblütlern ausführbar ist, haben derartige Versuche eben nur spielerische Bedeutung und mehr hat wohl auch Walter Finkler nicht im Sinne gekabt. Könige der Inflation. Gemeint sind jene neuen Reichen, die aus der Kriegs- und Nachkriegskonjunktur unermeßliche Vermögen geschöpft Paul Ufermann schildert in seinem vom Sozialwissenschaftlichen Verlag, Berlin, herausgegebenen Büchlein die bekanntesten dieser Könige, von denen manche bereits depossediert sind oder sich bereits auf dem Wege dahin befinden. Den Reigen eröffnet Hugo Stinnes, dann folgen Otto Wolff, Alfred Ganz, Friedrich Minoux, Rudolf Karstadt Jakob Michael, Camülo Castiglioni, Siegmund Bösel, Richard Kohn, Hugo Herzfeld und einige kleinere Emporkömmlinge. Bei den meisten der Genannten ist charakteristisch, daß sie ganz jung den Aufstieg genommen und in wenigen Jahren zur Höhe gelangten. Ufermann widmet jedem dieser „Könige" eine interessante Charakteristik, die sein Büchlein sehr lesenswert macht. Dr. Paul Honigsheha. Revolutionierung deutscher Volksbildung. Mit diesem Heftchen der „Jungen Republik" . im Fackelreiterverlag begrüßen wir eine interessante Arbeit, die neben manchem Utopistischen wertvolle Richtlinien für neue Wege und Ziele hinsteSt. - Verfasser sucht das zukünftige Heil in einer Wandlung der jetzigen bourgeoisen Kultur in eine proletarische auf dem Wege zweckfreier Menschengestaltung durch dementsprechend eingestellte Volkshochschulen. Gewiß ist dieses Jahrhundert solchen Idealen noch nicht reif. Immerhin lernen wir hier Dr. Honigsneim als warmherzigen, Großes anstrebenden Menschen kennen. Seine Anschauungen über modernes. Kinowesen, Musik und Theater sind bei allem Hochflug der Gedanken zutreffend; und geistvoll. Ebenso beachtenswert die Stelle, die von der Religion handelt Schon längst hat sicher manch ein Leser den Ausruf unterdrücken müssen: Wo bleibt den» bei alledem die Re^

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