Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 30 (25.7.1924)
- Date
- 1924-07-25
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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die Wahrheit Seite 9 Deutsche, die diesem Ehrennamen stets Schaden zu bereiten pflegten. In diesem Sinne ist das, was Gumbel dem schaudernden Leser vor ,d5e Augen führt, „ein deutsches Dokument," jedoch nicht aus der kaiserlichen, sondern aus der Zeit des Rassen- und Klassenhasses. Ein Wort des FeldmarschaUs v.. Mackensen. Wie imi den Frejifoefttskrteig'en und wahrend des Deutsch-Französischen Kreges haben die deutschen Heerführer auch während des Weltkrieges den ihnen unterstellten Soldaten jüdischen Glaubens hohes Lob gezollt. Aber auch ihre Beurteilung der Juden als Menschen und als Staatsbürger ist — von Ludendorff, 4er auf (die „Weisen von Zion" schwört, abgesehen — überaus günstig. Einer treffenden Aeußerung des Generalobersten v. K1 u c k, der die „christlichen Juden", d. h. sich ihres Glaubens schämenden, mit einem Uehertriitt ohne jegliche Ueberzeugung kokettierenden Juden entschieden ablehnt, sei hier ein Wort des Feldmarschalls v. Mackensen zur Seite gestellt, das den Vorzug unzweifelhafter Wahrheit hat, denni der große Heerführer hat — auf Anfrage — die Riehtlflgkeit seiner Ae-uBerums' bestätigen lassen. Es war im Jahre 1917 während des Feldzuges in "Rumänien. Eine Ruhepause gestattete dem Marschall, eine Inspektionsreise zu unternehmen Aber, ach, der Sowderzug erleidet eine „Panne" und muß auf freiem Felde stundenläng legen bleiben. Die Zeit darf aber nicht ungenützt verstreichen, und so -nimeKt der Marschall die Besichtigung des in der Nähe liegenden Feldüazeriettls vor. Was er sieht und hört, findet seinen Beifall, und so befindet sich der Marschall in guter Stimmung. Die Schweistem fühlen sich durch die ehrenvollen Worte sehr geschmeichelt und wagen es, Seine Exzellenz sogar zur Besichtigung der von ihnen angelegten Schildkröte nizucht eitnzulaldea Mackensen eirfiiiilt diesen Wunsch gern. Unter dien Schwestern fällt ihm ein Fräulein mit ausgeprägt jüdischem Typus auf. Exzellenz spricht mit der jüdischen Schwester nicht minder freundlich wie mit den anderen. Als ihm aber beim Verlassen des Lazaretts die Oberin das Geleit gibt, fragt Mackensen: „Sie haben hier wohl auch eine jüdische Krankenschwester?" „Jawohl, Euer Exzellenz." „Wie macht sie sich, Frau Oberin?" „Recht gut, Exzellenz." „Glaub's schon. Was die Juden anfassen, machen sie alles gut!" Horthy als Schutzengel. In Steinamanger erscheint das ungarische Tagblatt „Vasvarmegye", das von dem magyarischen Rassenschützler mit dem urgermanischen Namen, dem Abgeordneten L i n g a u e r, herausgegeben wird. Lingauer verhöhnt in diesem Blatte tagtäglich die Ohnmacht der ungarischen Regierung, indem er auf die Macht der eigenen Partei hinweist. Im Leitartikel einer der jüngsten Nummern dieses antisemitischen Schmutzblattes tut dies Lingauer, indem er eine Parallele zwischen zwei Begebenheiten, die sich jüngst in Steinamanger zugetragen haben, zieht. Lingauer erzählt: Am Peter- und Paulstag hat in Steinamanger ein ehemaliger Offizier, derzeit beim Militär angestellter Zivilzeichner, namens K e n e s s e y, ein junger Mensch, aus sehr guter Familie, ein junges Mädchen auf offener Straße geohrfeigt, weil er es für eine Jüdin hielt (u n d auch, weil er betrunken war), so daß infolge des Skandals die Polizei intervenieren mußte. Obgleich das Publikum empört Genugtuung für die Insultierte forderte, verweigerte die Polizei den Journalisten jede Auskunft über die Strafe, die Kenessey zuteil wurde. Demgegenüber, fährt Lingauer in seinem Aufsatz fort, hat es sich zugetragen, daß, als zur Zeit der. Gemeinderatswahlen acht Mitglieder der sozialdemokratischen Partei im Kaffeehause mit roten Nelken im Knopfloch erschienen, die Polizei alle acht in Verwahrungshaft nahm, mit Hausdurchsuchungen! gegen sie vorging, sie unter Polizeiaufsicht stellte, und eine langmächtige Untersuchung einleitete, als deren Ergebnis die gewählten fünf sozialdemokratischen Gemeinderäte aus dem Rathaus gewiesen wurden. Dieser Kenessey, schließt Lingauer seinen Artikel, ist wahrhaftig ein Jüngling, den sein Schutzengel besonders beschirmt. Dieser Schutzengel — dies sei zur Aufklärung bemerkt — ist kein geringerer als das Staatsoberhaupt von Ungarn, der Reichs Verweser Nikolaus v. Horthy. Ein gufal&^geordneter. Aus/ Warsbhau schreibt mau der „Wr.1 Morgerizeitung": Die stattliche Zahl der Sejmdeputierten wurde jüngst um einen vermehrt, der seinen Sitz im Sejm allerding;?i nicht 'der' Gunst der Wähler, sondern — seirter'Öftsürikehfttois verdankte. Ein Jude vom Lahde suchte im Sejm den Abgeordneten Wislicki vom jüdischen Klub; er wurde ins Wartezimmer geführt und harrte „seines" Deputierten. Als aber längere Zeit verstrich und Wislicki nicht kam, machte sich der Besucher selbst auf die Suche; er kam in die Couloirs, in die Klubzimmer, aber von „seinem" Deputierten keine Spur. So geriet er in den Sitzungssaal des Sejm; wohl war der Gesuchte auch dort nicht zu finden, aber ein anderes Bild fesselte den Eintretenden: die Gesetzgeber an der Arbeit! So nahm er denn behaglich auf einem leeren Sitze Platz. Es wurde gerade abgestimmt und da der Vetter vom Lande die anderen gelegentlich die Hände heben sah, hob er auch von Zeit zu Zeit die Hand. Mit der Abstimmungsvnaschinerie nicht vertraut, gab er seine wertvolle Stimme bald der Linken, bald der Rechten. Diese an keinerlei Klubmeinung gebundene Unbekümmertheit wurde nun doch bemerkt und man konstatierte, daß es ein fremdes Gesicht sei. das die „Freiheit der Abstimmung" für sich in Anspruch nahm. Bald löste sich das Rätsel und unter schallendem Gelächter des ganzen Hauses fand die Abgeordnetentätigkeit des selbsternannten Deputierten ein Ende. Rabbinersfrauen dürfen nicht nach Amerika. Das amerikanische Einwanderungsgesetz hat keine Gültigkeit auf einige im Gesetze ausdrücklich angeführte Berufe, in erster Linie auf die Geistlichkeit aller Konfessionen, die frei, unbeschränkt und ohne Rücksicht auf die Immigrationsquote in die Vereinigten Staaten einwandern kann. Mit dem Dampfer „Berengaria" kamen nun in Newyork 18 Rabbiner mit ihren Frauen an; diesmal hat die amerikanische Behörde nur die Rabbiner eingelassen, nicht aber auch ihre Frauen, welche nach Ellis Island befördert wurden und wieder zurück müssen. Diese überraschende Maßregel geschah auf Grund der neuesten Entscheidung des Obersten Föderalgerichtshofüs in Washington, welche nur jenen Personen die freie Einwanderung zubilligt, welche in dem Immiigraitionsgesetze ausdrücklich genannt sind. Und wie der Gerichtshof nieint, sind d5e Ehefrauen in dem Gesetze nicht erwähnt. Da die Entscheidung die rückwirkende Wirkung hat. werden damit zirka 20.000 FamJlienmitglieder betroffen, welche alle ausgewiesen 'Verden. Das Csongrader Attentat. Das Strafgericht in Budapest verhandelte dieser Tage gegen Stephan Keö-Kucsera und Genossen. Zur letzten Verhandlung war auch der Mitangeklagte Josef Kovacs erschienen, welcher seinerzeit im Vereinslokal der „Erwachenden Ungarn" zwei Handgranaten zu dem Zwecke übernommen hatte um sie in die Wohnungen zweier dortiger Juden zu schleudern. Der Gerichtshof sorach Keö- Kucsera. Gvalav und Kovacs des Vergehens der Verabredung zur Veriibung von Mordtaten schuldig und verurteilte Keö- Kucsera zu vier Monaten, Gyala^ zu drei Monaten und Kovacs 7ti zwei .Monaten Gefängnis. Geza Adorjan wurde freigesprochen. Justiz in Horthy-Ungarn! Schandwerke. Die Troppauer „Neue Zeit" hat das von uns in Nr. 155 veröffentlichte Gedicht „Der Völkische" von Josef Maria Frank ihren Lesern als „Schandwerk aus der jüdischen Wahrheit" vorgesetzt. Wie würde aber dieses Blatt, das wohl selbst als Schandblatt angesprochen werden kann, folgendes Gedicht bezeichnen, das, mit „Judenjagd" überschrieben, vor den deutschen Reichstagswahlen in Schwerin verbreitet worden ist: Am Pfaffenteich am Arsenal. da wohnt ein großes Schwein, schon lange am Laternenpfahl müßt' er gehangen sein. Nicht lange mehr der Lange läuft in Mecklenburg-Schwerin, er wird im Pfaffen t. eich ersäuft in Mecklenburg-Schwerin. Und wenn, ob Jude, ob getauft der letzte Demokrat, im Pfaffenteich ist ersäuft, dann Deutschland Ruhe hat. Schlagt erst die Demokraten tot in Mecklenburg-Schwerin, dann weht die Flagge Schwarz -weiß-rot in Mecklenburg-Schwerin. Das ist etwas fürs völkische Herz, das läßt sich hören, nicht aber etwa das folgende Gedichtchen, das wir aus der Feder Hans Herbecks im „Hamburger Anzeiger" finden: