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Die Wahrheit · 1924-07-25 · Heft 30 (25.7.1924) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 30 (25.7.1924)
Date
1924-07-25
Page
– (sequence 10)
Language
German
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&^»esat&m^^ämi£ä^i^sB^iSS^^SS^ Seite 8 Die WAHRHEIT Nr. 50 | Wahrheiten vom Tage Erbauliches von der Wiener Universität Nach dem Tode Schattenfrohs sollte seine Lehrkanzel (Hygiene) neu besetzt werden. Fast hätte Professor Dörr sie bekommen — aber in der entscheidenden Sitzung des Kollegiums machte ein Herr darauf aufmerksam, daß eine Großmutter Dörrs Jüdin gewesen sei. Das gab den Ausschlag und der weit minder begabte Qrasberger, dem eine solche jüdische Großmutter nicht nachgewiesen werden konnte, wurde Ordinarius für arische Hygiene. Ein anderer Fall: Der scheidende Professor für Pharmakologie, Hans Horst Meyer, schlug äls Nachfolger seinen Schüler Pick vor. Entsetzen, Aber Meyer drohte, er werde Lärm schlagen, wenn man den sehr tüchtigen Mann übergehe. Man hat es vorderhand noch nicht gewagt... Hakenkreuzzug gegen Max Liebermann. Die haikenkreuzterisc'he Berliner „Deutsche Zeitung" veröffentlicht unter der Ueberschnft „Der Akademie-Skandal. — Zur jüdischen Entwicklung der Akademie der Künste" ein längeres Feuilleton ihres Mitarbeiters Alfred Mühr. das mehrfache Anwürfe gegen den Präsidenten -der Akademie -der Künste, Prof. Max Lieb ermann, enthält. In dem Artikel wind ausgeführt: „Die zum sechsten Male erfolgte Wiederwahl des jüdischen Staatsbürgers Max Lieb.er mann zum Präsidenten der Berliner Akademie der Künste gilbt Anlaß zu notwendigen Auseinandersetzungen mit diesem seilt Jahren zersplitterten und unfertigen Organismus. .. Die Ausstellungen bringen regelmäßig nur Arbeiten aus ein und derselben (meist jüdischen) Clique einzelner Routiniers und Kraftjongleurs---- Man lehnt jeden jungen deutschen Zustrom ab. Man will dort unter sich bleiben. Darüber geht dSle Entwicklung deutscher Kunst vor die Humide! Die Berliner Akademie der Künste ist unter Führung Max Liiebermanus zum Sammelpunkt, jüdischer Künstler geworden, deren Ziel ■dahin geht, das Berliner, beziehungsweise deutsche Kunstleben völlig zu unterdrücken. Lieb ermann ist Jude. Für s ein Akademiiepräsidiüm besteht der klaffende rassische Widerspruch zwischen Germanen und Juden. Die Kunst zeigt den stärksten Ausdruck der Rasse. Ate Leiter der Akademie der Künste müssen wir Liebermann instinktiv ablehnen. Ein Jude kann niemals die Ziele germanischer Kunst vertreten. ... Es muß einer siebenten WaM vorgebeugt^ werden! Sie ist bei dem mangelnden völkischen Ueberblick deutscher Kreise möglich____ Wir müssen deutsche Kunst aufzüchten* diie den jüdischen Modernen mit den reinen Waffen der Bodenstänidigkeilt und dem Heiimatsrecht entgegentritt. Diese junge völkische Kunst muß in der Akademie eiin Heim finden, Freunde und Berater----Liebermanu behält als Jude vorwiegend die Ziele seiner Rasse im Auge und die widersprechen unsenem Volkstum. Dshalb ist sein Präsidium eine völkische "Schande" Horfhys Mittelschulpolitik. Das Gesetz über den Numerus clausus hatte bekanntlich eine MinisteriaJverorduung zur Folge, wonach die Schüler bei der Aufnahme in eine Mittelschule wie auch beim Aufsteigen in die fünfte Klasse einer Mittelschuile einer strengen Prüfung zum Zwecke einer rigorosen Auslese zu unterziehen seien. Diese Verordnung wunde von den Schulleitungen /immer iso aufgefaßt, daß die jüdischen Schüler vom Mittel- und Hochschulstudium möglichst ferngehalten werden sollen. In diesem Jahre haiben die Lehrkörper mehrerer Mittelschuilen eine" förmliche Verheerung unter den Aufnalimebewerbern angerichtet, und eine ganze Reine von Schülern, die alle Klassen als Vorzugsischüler absolviert 'hatten, bei, der Aufnahmsprüfung geworfen. Die Betroffenen sind fast durchwegs Juden oder Kinder politisch verdächtiger Personen. Der Magistrat der Stadt Budapest hat, wie bekannt wird, die Priifungskomiinissäre der städtischen Mittelschulen in eimem vertraulichen Rundschreiben aufgefordert, in diesem Jahre mit besonderer Strenge vorzugehen, und eventuell auch solche Schüler abzulehnen, d5e Vorzugs Zeugnisse aufweisen Der Magistrat begründet dies nachträglich mit der Notwendigkeit, die Parallelklassen in den Mittelschulen abzubauen, was sich nur auf die gesduld'erte Weise erreichen läßt Abg. F a b i a n hat in einer der letzten Sitzungen der Nationalversammlung •iin dfeser Angdegen'heit eine Interpellation an den Unttlerrächtsmindster gerichtet, .und dabei diie Boslheiit geschildert, mit welcher die Professoren durch unmögliche Fragestellungen die besten Schüler zu FaMe zu bringen bestrebt waren. Dabei ergab es sich, daß däe Schüler richtige Antworten gaben und eigentlich die Professoren hätten durchfallen müssen- Bezeichnenderweise war der Unterrichtsminister bei der Begründung der Interpellation der Sitzung ferngeblieben. Dieser Skandal wird noch ein ihteresantes Nachspiel haben, denn die Lehrer jener Schulen, deren Vorzugsschüler von den) Prüfungskommfesären gestürzt wurden, find entschlossen, gegen* sich die Disziplinaruntersuchung zu fordern'. Sie stehen auf dem Standpunkt, daß entweder sie steh eines Mißgriffes schuldig gemacht haben, indem sie unfähige Schüler als vorzüglich qualifizierten, oder aber hätten die P-rüfungskomimiissäre die Pflicht der Unparteilichkeit verletzt. Unblutiger Antisemitismus in Bayern. Der Verfassungsausschuß des Bayerischen Ländtags beriet einen Antrag der Deutschvölkischen, der nichts weniger als eine gänzliche Entrechtung der jüdischen Staatsbürger bezweckt. Gefordert wurde: Ausschluß der Juden aus den öffentlichen Aemtern. Im einzelnen fordert der Antrag: Angehörige der jüdischen Rasse dürfen Namensänderungen nicht mehr gestattet sein. Es ist festzustellen, wieviel Juden im Staatsdienste beschäftigt sind, deren Judentum in den Beamtenlisten insbesondere zu vermerken ist. Die Zahl der jüdischen Studenten ist zu kontingentieren. Ausländische Juden sind an Hochschulen nicht mehr zuzulassen, ebenso sind jüdische Hochschullehrer nicht mehr zu dulden. Juden dürfen im Staatsdienst nicht mehr angestellt werden. Der Erwerb von Grund und Boden ist gegen Rassenfremde sicherzustellen. Die seit 1914 eingewanderten Juden sind auszuweisen und ihr Vermögen zu beschlagnahmen, soweit es ihren Besitz seit der Einwanderung überschreitet. Der deutschnationale Fraktionsführer Dr. Hilpert erklärte die grundsätzliche Zustimmung seiner Partei zu dem deutschvölkischen Vorstoß, verlangte aber genaue Definition des Begriffes jüdische Rasse. Der Fraktionsvorsitzende der bayrischen Volkspartei, Dr. W o h 1 g e m u t h, machte darauf aufmerksam, daß der völkische Antrag eine Aenderung der Reichsverfassung bedinge und deshalb den Reichstag anginge. Die Beschlußfassung wurde darauf auf die nächste* Sitzung verschoben. Wenn die geeinigten Hakenkreuzler der Meinung sind, sie könnten einen unblutigen: Antisemitismus in Bayern zur Tat werden lassen, sindsie in argem Irrtum. Noch immer bricht Landrecht nicht Reichsrecht und die Völkischen haben schon einmal unangenehm erfahren, wie schwer es ist, einen Ausflug ins fmstere Mittelalter zu versuchen. Ja, wenn es ihnen gelungen wäre, im November die Berliner Regierung aus dem Sattel zu werfen! So aber besteht die Reichsverfassung und die von Ludendorff Kommandierten werden daran glauben müssen. Man wird aber jetzt verstehen, daß und warum sich Hitler von seinen Getreuen losgesagt hat. Selbst ihm graust bereits vor diesem hirnlosen Gewaltmenschen. Ein ahnungsloser Engel. „Aus den Aufstellungen dies Schriftstellers Gumbels, der links eingestellt ist, geht hervor, daß in D e u t s c h 1 a n d seit dem 9. November 1918 nicht weniger als 376 politische Morde verübt wurden. Diie meisten der Anschläge fällen freilich iln die Zeit der bayerischen Räteregieruug und in die Monate jener Unruhen, die der Münchener Sowjetrepublik folgten. Eine große Anzahl politischer Attentate spielte sich im Monat des Kapp-PutSGhes ab. Die meisten Anschläge hatten auch gerichtliches Nachspiel. Eine Summierung der Urteile, die von deutschen Richtern in der Angelegenheit politischer Mordanschläge gefällt wurden, ergilbt das nachfolgende abschreckende Bild:, 238 Jahre Zuchthaus, 10 Erschießiiugen, 4 lebenslängliche Züchthausstrafen." Diese Notiz, die jeder, der das in Rede stehende Buch von Gumbel „Vier Jahre politischer Mord" kennt, unterschreiben wird, ein Buch, das den Leser mit Abscheu vor denjenigen erfüllen wird, die diese 376 politische Morde verübt haben, und dies sind zu 90 Prozent völkisch Eingestellte, findet sich — man höre und staune — in einem Südthüringer nationalsozialistischem Blatte, da» fest und treu bereits auf dem. Titel die hakenkrjeuzlerische Gesinnung durch denen Sinnibild zur Schau trägt. Mag es Materialmangel gewesen sein, der den Provinzredakteur veranlaßt hat, der Notiz Raum zu geben, die seinen Leuten nur ins Gesicht schlägt, wie immer dies geschah, sie spotten ihrer selbst und wissen nicht wie. Noch größer wird der Spott, wenn man den Titel liest, den die Notiz trägt; er lautet: „Ein deutsches Dokument der kaiserlichen Zeit" Man möchte beiniahe sagen, daß in dSleser kaiserlichen Zeit politische Morde zu den Unmöglichkeiten gehörten, daß damals nie Deutsche solche Schandtaten verübt hätten und daß däes der heutigen1 Zeit vorbehalten blieb, jedoch nur durch

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