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Die Wahrheit · 1924-07-18 · Heft 29 (18.7.1924) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 29 (18.7.1924)
Date
1924-07-18
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 29 DIE WAHRHEIT Seite 9 Thomas, die Frage gestellt, ob er irgendwelche Informationen über den Mord an dem bekannten Antizionisten Dr. de Haan zu erteilen in der Lage wäre; ob er wußte, daß de Haan im •Begriffe war, nacli London zu reisen, um dem Kolorialamt die Einwände. der orthodoxen antizionistischen / Juden gegen jene Verordnungen darzubringen, die geeignet wären, diese Juden unter eine zionistische Herrschaft zu stellen; endlich, ob er unverzüglich die nötiigen Schritte zur Ergreifung des Mörders einleiten wolle. Eine Antwort auf diese Anfrage wurde in einer der darauffolgenden Sitzungen erteilt; sie lautet: „Bedauerlicherweise ist Dr. de Haan in der Nacht de~s 30. Juni in dem jüdischen Viertel von Jerusalem erschossen worden. Es werden energische polizeiliche Nachforschungen angestellt. Ich bin jedoch noch nicht in der Lage, irgerid etwas über die Resultate zu berichten. Was den z\veiten Teil der Frage anbetrifft, so beabsichtigte nach meinen Informationen Dr. de Haan nicht, nach London zu reisen." Grob und Lügenhaft. In Salzburg, der schönen Bischorsfcaidr, die an antisemitischen Wischen ohnehin reich gesegnet ist, macht sich in letzter Zeit ein Blätteben gleicher Kaule ur breit, das unbedingt dazu berufen ist, dem „Eisernen Besen'* scharfe Konkurrenz zu machen. Schorn der Titel, der „Grobian", spricht dafür und wenn man sich gar das Titelbild näher ansieht, das einen blondgelockten Jüngling mit etiinem Besen in dier Hand aufzeigt, der steh -der löblichen Arbeit usniterzieht, unmögliche Tiergestaltfcen fortzuräumen, wird man infolge dieser' beiden Besen' leicht eine Verwechslung der beiden Blätter verschuldlen. Noch größer aber wird dffleses Schuld- 'konto, wenn man sich die Mühe nimmt, beideBlätter auf ihren Inhalt zu prüfen. * Da wird man erkennen, daß in ihnen ein gleicher Geist, oder besser gesagt ein gleicher Ungeist, die Feder führt und die Wahl, welches der beiden Blätter das blödere ist, fällt einem wahrlich schwer. "Etwas haben? sie sicher gemein, das ist d&e Lügenhaftigkeit, die aus jedler ZeHe sprdiclit. So ist eis eine unverschämte Gemeinheit, wenn im der letzten Nummer des „Grobian" ein Adam Huber eine Zusammenstellung von Wiener Blättern publiziert, die er als „Judenblätter, dSe leider von der Unzurechnungsfähigkeitvieler Arier leben", bezeichnet. Der Mann, von dem nur verwunderlich ist, daß er bei seiner Abneigung gegen das Judentum den ersten Namen des Alten Testaments zum Vornamen hat, machte sieh seine Aufgabe wahrlich leicht. Mit Ausnahme der großdeutschen, nationalsozialistischen und christlichsozialen Blätter, welch letztere übrigens auch einen Hieb wegen! ihres zu geringen Antisemitismus wegbekommen, hat er sämtliche in Wien erscheinen- . den Tageszeitungen anscheinend aus einem alten „Lehmann" angeführt und über ihre Tendenz Charakterisierungen hinzugefügt, die von Beschimpfungen ödester Natur nur so strotzen. Daß ihn hei seiner Aufzählung eine Zeitung unterlaufen ist, die überhaupt nicht mehr erscheint, *imag dahingestellt sein. Daß er Zeitungen namhaft macht, wie die „Oesterreichische Völkszeitumg", dile „Kroncn-Zeiiitung". das „Extrablatt", düie abgesehen von ihrem für die großen Masse geschriebenen Inhalt, kaum irgend eine Tendenz besitzen, mag ihm auch verziehen siein; was aber dann noch übrig bleibt, vom der „Neuen Freien Presse" biß zur „Arbeiter-Zeitung", das als „Judenblätter" an- ■ zusprechen ist eine Verdrehung, die nicht zum erstenmal auftaucht und die nicht energisch genug bekämpft wenden kann. Diese Blätter sind nicht Judenblätter, auch wenn es der Herr Adam Huber sagt, an wirklichen Judenblättern besitzt Wien, die angeblich soverjudete Stadt, viel wehiger als jede andere Großstadt, selbst des antisemitischen Deutschlands. Diese ehrlichen Judenblätter nennt natürlich Herr Huber nicht und sie können ihm nur dankbar dafür sein, denn eine Re- klarne im „Grobian" ist noch ärger als diie ärgste Beschimpfung in diesem Blatt. Jüdische und germanische Räuber. Immer wieder, wenn von antisemitischer Seite Vorwürfe gegen die Juden wegen der ihnen zur Last gelegten zahlreichen AbscheuMchkeiten erhoben werden, ist es gut, mit gleicher Münze den Herrschaften heimzuzahlen, was sie uns aufhalsen möchten. Damit ist* noch lange nicht gesagt, daß das von ihnen Behauptete auch auf Richtigkeit beruht, im Gegenteil, bei 99 Prozent dieser Beschuldigungen kann man ruhig die Verleumdung nachweisen. Aber immerhin ist es zweckmäßig, die Antisemiten mit der gleichen Waffe zu treffen, ein System, das bei den vorbildlich wirkenden reichsdeutschen Abwehrvereinien großartig ausgebildet ist. So gehört z. B. zu einem der beliebtesten Beweise für die „Untreue" und „Umiehrlichkieiit" der Semiten auch der, daß die Juden beim Auszuge aus Aegypten ihnen anvertraute Schätze mitgenommen hätten. In der germanischen Walther-Sage, zuletzt ausführlich dargestellt im Gedichte Ekkeharts werden wir an den Hof des Hunnenkönigs Etzel geführt, wo dier junge Edeling Hagen, ferner die Kinder germanischer Könige Hildegund und Walther als Geisel erzogen und liebevoll behandelt werden. Der germanischen Jungfrau Hildegund wird sogar die Aufsicht über die königliche Sehatzkammer übertragen. Bei ihrer Flucht aber nehmen WaJther und Hildegund den der letzteren anvertrauten Schatz mit. Wollte man nun in der Sprache der, Völkischen reden und ihrer Beweisführung folgen, so müßte man also sprechen: „Untreue und Unehrlichkeit sind die charakteristischen Merkmale germanischer Heldenjungfrauen und Held'enjünglinge. ein Erbübel, das in ihrer Rasse begründet äst und für das man Belege bereits im germanischen Heldenliede findet. Politische Pietät. Was doch die Hakenikreuzler alles von den Juden lernen! Bekanntlich ist bei diesen die Pietät am besten ausgebildet und wie eine solche in familiären, so existiert auch eine Pietät in politischer Hinsicht. Die Juden nun waren beinahe die ersten, die diese Pietät pflegten, dl h. hei ihnen hat es sich zuerst gefunden, daß über politische Bewegungen archivarische Feststellungen gemacht wurden. Das gefällt nun den Hakenkreuzlern und nachdem man immer auch vom Feind lernen kann, so machen sie es einfach nach. Die nationalsozialistische Partei in dier Tschecbo-Slowakei bittet in ihrem Blatte alle Freunde und Parteigenossen, ihr Dokumente, Briefe, alte Schriften, die aiuf die völkische Arbeiterbewegung sert ihrer Gründung Bezug haben, zukommen zu lassen. Wir verzeichnen diese Bitte nicht aus dem Grunde, daß einer unserer Leser den Bittstellern aus der Patsche hilft und ihnen Material, das er besitzt, eventuell zur Verfügung stellt, schließlich wäre auch das sehr hübsch und es käme nur auf einen Versuch an, ob dfe Herrschaften auch von Juden dias nehmen, was sie brauchen. Aber wenn diese Bitte jehon gar so dringend ist, so können sich doch die Leute gut damit helfen, daß sie in gegnerischen Zeitungen seit dem Bestehen der Bewegung nachlesen, was dfiese Zeitungen über die Bewegung gesagt und gedacht haben. Da wird sich manche zutreffende Charakterisierung finden, die besser ist als die „sehr erwünschten Lichtbilder von Einzelpersonen oder Parteigruppen^" Die befangene deutsche Justiz. In Berlin hat sich dieser Tage ein Fall ereignet, der ein Blitzlicht auf diie Parteilichkeit der deutschen Richter wirft. Nicht auf alle dieser Rechtspreeber, die heute in Deutschland! in einer ebenso unsicheren wirtschaftlichen Lage wie bei uns, nein auch dort gibt es. Gott sei Dank Ausnahmen. Eine solche rühmliche Ausnahme stellt der Amtsrichter Friedländer dar. dier bei einer Gerichtsverhandlung dem berüchtigten Abgeordneten Henning, einem der Gründer der .»Völkischen! Freiheitspairtei". das provokatorische Tragen des Hakenkreuzes verbot. Henning wußte sich aber zu helfen, er erklärte einen Richter, der sich das Hakenkreuz an der geweihten Stätte der Justiz verbietet, kategorisch für befangen. Und in der Berufungsinstanz bewies das Gericht, daß tatsächlich die ganze deutsche Justiz befangen ist, es gab der Berufung statt. Ur.d dieselbe deutsche Justiz hatte einst einen so guten Ruf! Aus dem Lande des Faszismus. Die deutschen Hakenkreuzler haben wiederholt erklärt, diaß sie in Bezug auf ihre Methode bei den ehemaligen Gegnern im Weltkriege, den verruchten Katzeimachern, in die Schule gegangen sind. Soweit dies die Methoden des politischen Mordes anbelangt, kann man ruhig behaupten, daß sie gute Schüler gewesen sind. Trotz der Ermordung Matteottis und der dadurch heraufbeschworenen Krise muß es aber gesagt werden, daß die deutschen Nationalsozialisten ihre italienischen. Brüder bei weitem übertreffen und es wird sich kaum je in ihren Reihen ein Mann finden, der so energisch wie Mussolini dem blutigen Treiben einiger weniger seiner Leute entgegentreten v ilrde. Von Mussolini nimmt aber diese beherzte Tat, die die Ursache dafür war, daß er im Sattel bleiben konnte, nicht wunder. Eine ähnliche Haltung hat er gegenüber dem Antisemitismus eingenommen und die deutschen H&kenk reuzier können ihn diesbezüglich absolut nicht für sich als Vorbild in Anspruch nehmen, im Gegenteil, er ist dieser Irrlehre unserer Zeit wiederholt entgegengetreten. So ist es auch erklärlich, daß in seiner faszüstischen Partei im römischen Parlament Juden als Abgeordnete auftreten, ebenso wie sie sich aut der anderen Seite bei den sozialistischen Parteien finden. Bei der 7. Versammlung, des internationalen Instituts für Landwirtschaft itKRom hielt Mussolini eine Ansprache, in der er insbesondere auf das Wirken David Lubins, des bekannten -T-n ift«n "

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