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Die Wahrheit · 1924-07-18 · Heft 29 (18.7.1924) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 29 (18.7.1924)
Date
1924-07-18
Page
– (sequence 12)
Language
German
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amerikanisch-jüdischen Oekonoms, hinwies, der auf dem jüdischen Friedhof foi Rom beigesetzt ist und dessen Bemühungen die Grimdunig des internationalen Instituts für Landwirtschaft zu danken ist. Diese kurzen Nachrichten aus der Fülle ähnlicher Ereignisse ' herausgegriffen, be^ weisen, daß das nationalistische Regime Mussolinis keinen Antisemitismus kenint, wie überhaupt dieses Regime internationaler gerichtet ist, als so manches anderer Länder, in denen der Nationalismus nicht die regierende Oberhand hat, z. B. dlas Deutschlands. Es ist dcchi ianmedün in diesem Sinne auffaälemd/idiaß in letzter Zeit beinahe alle internationalen Kongresse in Italien stattfanden, so der Söziologenkonigreß, auf dem, wie bekannt, mit besonderem Nachdruck betont wurde, daß die Einführung dies Numerus clausus ah den! Universitäten, ganz gleich von welcher Autorität er ausseht und in welcher Form er durchgeführt wird, ein Attentat auf -das primärste und unverletzlichste Recht jeidfes Menschen darstellt, auf das Recht nämlich, den Geist zu'kultivieren und am Fortschritt -der ganzen Menschheit mitzuwirken, indem er an der Arbeit der modernen Kultur teilnimmt Das Land ohne Juden. Man mag auf- Bettauer schimpfen soviel jnan wiJl, man mag seine Bücher verdammen, eines darunter hat unbestritten ins Schwarze getroffen, nämlich „Die Stadt ohne Juden". In diesem Buche wind, wie gewaß allen -bekannt, denn es ist eines der meistgelesenen der Jetztzeit," in nicht ganz origineller, diafür umso witziger Weise ausgeführt wie Wien verdorfen würde, wenn es seine lieben-Juden nicht hätte. Und was hier en miniature an die Wand gemalt wird, hat sich tatsächlich in Spanien vollzogen. In diesem Lande ohne Juden ist es den heutigen Machthabern sehr viel daran gieiegeii, die vertriebenen Glaubensgenossen wieder r.iereinzubekommen, ein Versuch, der vorderhand wohl schwer zustande kommt Immerhin aber wird er mit allen erdenklichen Mitteln unternommen. General Primo de Rivera war einer der ersten, der dem Völkerbund das Anerbieten stellte, die geplante iüdösche Universität in Madrid im schönsten Viertel der Stadt zu errichten, weil der General überzeugt ist, daß mit den jüdischen Studenten das beste Element nach Spanien käme, was dem Lande von großem Nutzen wäre. „Die rote Gasse." Den Besuchern des Wiener. Raimund- Th©c-ters ist dieses Stück von der Winterspielzeit her bekannt, es stammt aus der Feder Franz Theodor Czokors und verschwand nach einigen Aufführungen aus dem Spielplan döeses Theaters. Daß es sich nicht länger im Repertoire halten konnte, daran trägt vor allem die Wiener Kritik Schuld, die dieses Stück in mehr^oder minder liebenswürdige^ Weise verriß. Bei all dieser Schonungslosigkeit aber hat sich die spezifisch wienerische vornehme Note doch geltend gemacht, es fiel keinem der Kritiker ein, bei seir-er Meinungsäußerung irgendwie persönlich zu werden. Diese Art von Flegelhaftigkeit blieb einem Grazer deutschnationaien Kritiker, oder vielmehr Kritikaster vorbehalten. Ihm war es nicht genügend, daß das Stück trotz seiner Annahme im Grazer Landestheater auf höheren Befehl nicht aufgeführt werden konnte, angeblich, weil durch seine Aufführung die Subventionen des Landes für das Theater gefährdet wären; der gute Mann tat noch ein Uebriges und beflegelte den Autor des Dramas in gehässigster Weise. Und wie bringt dies ein dieuitschnatiional 'Eingestellter am besten zustande, er ging einfach her und machte aus Czokor einen bolschewistischen Juden aus Ungarn. In jeder neueren, mit Ausnahme einer von Adolf Bartels henausgegebenen Literaturgeschichte hätte der Mann, der Czokor so gut kennen will, finden können, daß dieser Christ ist und aus Wien stammt. In Berlin sagt man in einem solchen Falle: „Männeken, wie stehst du nun da?" . Die.„vefiudeten Hohenzolleni" Theodor Fr'itsch beschäftigt sich in der letzten1 Nummer seiner Zeitschrift ,.Hammer" mit der Genealogie der Hohenzollern und führt aus: „Einige Jahre vor dem Kriege sah ich durch Zufall im Schloß Schleißheim bei München den zweitjüngsten Sohn Wilhelm II. Ich wandte mich sofort an meinen Begleiter und raunte ihm ins Ohr: „Ich kann mir nicht helfen, er sieht aus wie ein „Judenjunge"!" Ich habe erst nach dem Kriege von den Wirkungen des Koburger Blutes auf die Hohenzollern erfahren, und verstand nun erst den, Sinn von Bismarcks Worten in bezug auf die Kaiserin Auguste Viktoria: „Diese englische Stute hat uns die ganze Rasse verdorben!" Die jüdischen Züge der alten Kaiserin Viktoria und ihres Sohnes, Eduard des Siebenten, sind mir immer schon aufgefallen, und seither verstehe ich die Bevorzugung von Juden im Verkehr von seiten der Großmutter, des Onkels und des Neffen". Theater, Kunst u. Literatur Amerikanisch-Jüdisches Kunsttheater. Das unter Führung Morris Schwarz stehende amerikanisch-jüdische Kunsttheater hat sich in den wenigen Tagen seiner Wirksamkeit am- Carltheater in Wiener jüdischen, wie auch,-und dies ist besonders bemerkenswert, nichtjüdischen Kreisen eine gleiche Sympathie erworben, wie es den Exl-Leuten, die uns nun - schon seit Jahr und Tag im Sommer mit ihren Darbietungen erfreuen^ gelungen ist. Sie erinnern überhaupt-in ihrer Art an diese vorbildliche Truppe, was in Kritiken wiederholt betont wurde. Aus der Reihe der von ihnen gebrachten Stücke greifen wir die Komödie von Scholem Ale [ehern: „Schwer zu sein ein Jud" heraus, vor allem deshalb, weil sie den Wienern bereits von der Aufführung der Wiinaer T r u p p e bekannt ist und zu Vergleichen Anlaß gibt, die unbedingt zugunsten der New-Yorker ausfallen. Denn während die Wiinaer, die überhaupt schwerblütigere Menschen sind, den richtigen Ton der Komödie nicht ganz trafen, gelang dies den New- Yorkern restlos. Insbesondere sind da Morris S c Irw a r z und Anna Appel hervorzuheben, die letztere namentlich schuf eine Gestalt, die auf dem jüdischen Theater schwer überboten werden kann. Auch Schwarz tat das Seinige zu dem großen Erfolge, ebenso Eduard G o 1 d f a d e n, der den- Christen darstellte, der es am eigenen Leibe zu spüren bekommt, wie es „schwer zu sein ein Jude" ist. Die übrigen Darsteller, die sich vortrefflich ins Ensemble fügten, waren gleich gut wie immer, insbesondere Mark Schweid in einer Episode. H. Friedrich Gottlieb Klopstock. Wenn wir .das herrliche Wort unserer Alten beherzigen: Die Frommen aller Völker haben Anteil am ewigen Leben, so müssen wir auch dieses "Dichters zu seinem 200. Geburtstag dankbar gedenken. Gehörte er doch zu den wenigen edelgesinnten Männern christlicher Konfession, die den Kampf gegen Unduldsamkeit, Religionshaß und Geistesdruck auf ihre Fahne geschrieben haben. Als der deutsche Kaiser Josef II. 1781 das Toleranzedikt erließ, das die Emanzipation der Juden in Oesterreich einleitete, widmete Klopstock dem Kaiser eine Ode „An den Kaiser" (Klopstock, Oden und Epigramme, Verlag Reklam, Leipzig, S. 184). Sie beginnt mit den Worten: „Den Priester rufst du wieder zur Jüngerschaft des großen Stifters, machest zum Untertan den hochbeladenen Landmann, machst den Juden zum Menschen." Und weiter: „Wen faßt des Mitleids Schauer nicht, wenn er sieht, wie unser Pöbel Kanaans Volk entmenscht! Und tut ihr's nicht, weil unsere Fürsten sie in eiserne Fesseln schmieden? Du lösest ihnen, Retter, die rostige, engangelegte Fessel vom wunden Arm; sie fühlen's, glauben's kaum. So lange hat's um die Elenden hergeklirret." Das Andenken dieses gerecht und human denkenden Dichters bleibe für alle Zeit gesegnet. Dr. M. Spanier (Magdeburg). J. Ziegter. Die sittliche Welt des Judentums; 1. Teil: Die sittliche Welt der heiligen Schriften, Leipzig 1824, M. W. Kaufmann. — Die Großloge des. Ordens B'ne B'rith für den tschecho-slowakischen Staat darf man zur Herausgabe dieses Werkes, dem weitere derselben Zielsetzung folgen sollen, von ganzem Herzen beglückwünschen. Diesem Werke Zieglers muß, bevor, es im einzelnen unter die" Lupe der Kritik genommen wird, schon seiner Anlage nach die Anerkennung gezollt werden: es ist eine Notwendigkeit. Und daß es sich nicht begnügt, die religiös-ethischen Grundlehren unserer Bibel, übersichtlich geordnet, in deutscher Uebersetzung zu bieten, sondern die Originaltexte hinzusetzt, erhöht nicht allein den praktischen Wert des Buches, indem es auch Lesern, die des Deutschen nicht kundig sind, gute Dienste leistet. Gerade diese Originaltexte schieben jeder Mißdeutung der deutschen Sätze einen Riegel vor. Was der große Maimonides in seinem „Mischne Tora" für das Talmudische Judentum geleistet hat, indem er dem an Systematik gewöhnten Geist entgegen kam,- das Gleiche wird hier für das biblische Schrifttum erstrebt. Ganz besonders schätzbar sind aber die grundlegenden Ausführungen, mit denen Ziegler die Texte einleitet. Wir erkennen darin den Niederschlag jahrzehntelanger, eindringender theologischer, zumeist apologetischer Arbeit, Selbst dort, wo orthodoxe Leser dem Verfasser nicht unbedingt folgen werden, wird man von J dem ehrlichen Ringen um die Wahrheit und dem begeisterten Bemühen, die* Gegenstände dem modern geschulten Leser. geistig näherzubringen, sich ergriffen fühlen. Wir dürfen Ziegler für diese Gabe dankbar sein. R.

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