Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 28 (11.7.1924)
- Date
- 1924-07-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 28 ________ . _ _ _ _ * DIE WA^ffllf . Seite 3 Juden als Morder. In Berlin hat die Verhandlung gegen den Platzmeister Samuel L ö w i n s o n n. der beschuldigt war, die Frau seines Arbeitgebers, mit einer Axt totgeschlagen zu haben und deshalb zum Tode verurteilt worden ist, gegen welches Urteil übrigens nach letzten Meldungen Revision beim Reichsgericht in Leipzig eingereicht wurde, deshalb ganz besondere Beachtung gefunden, weil der Täter ein J u d e war. Er stammte aus Galizien, dort war sein Vater in einer kleiner Stadt Standesbeamter. Anschließend an den Bericht über die verruchte Tat Löwinsohns schreibt ein Anonymus in einer der letzten Nummern der „Berliner Jüdischliberalen Zeitung'" folgende Studie über „Juden als Mörder": Bei uns in Deutschland gehört es zu dien Seltenheiten, daß Juden wegen Verbrechens gegen das Leben in der Anklagebank stehen. Während der 10 Jahre von 1892—1901 haben nach der Reichskriminalstatistik überhaupt keine Verurteilungen von Juden wegen Mord und Kindesmord stattgefunden. Im Jahresdurchschnitt von 1S99—1902 kam auf die Verurteilung eines Juden die von 461 Christen wegen der Verbrechen des Mordes, Totschlags, Kindesmordes, der Aussetzung und der Tötung auf Verlangen. Die Kriminalstatistik spricht also bei diesen Delikten in höchstem Maße zugunsten der Juden. Die Gründe sind bisher von der Wissenschaft noch nicht in befriedigender Weise dargelegt worden. Die besondere Achtung der Juden vor der Heiligkeit des menschlichen Lebens und der Familie spielen zweifellos hier eine Rolle. Aber eine ausreichende Erklärung bilden sie nicht, denn in andern Ländern, z. B. in Rußland, ist die Kriminalität der Juden in dieser Hinsicht bedeutend höher. Nicht ins Gewicht fallen auch seit den letzten Jahrzehnten die Ritualmordprozesse, die zumeist mit einem Freispruch geendet haben. Es wird an den Fall Beilis erinnert. In Deutschland haben jsich die Staatsanwaltschaften und Gerichte schon seit langem der Ansicht der Gelehrten angeschlossen, daß es keinen Ritualmord gibt. Weder im Talmud, „Die handeln doch nicht mehr zusammen," antwortete Johann. „So, das ist mir aber ganz neu, die waren doch viele Jahre in Kompagnie, kamen immer besser miteinander aus, wie zwei leibliche Brüder." „Weißt, Tubijas, das werd' ich dir erzählen. Der Isak ist doch seit dem Tode des alten Perez der Parnes (Vorsteher). Du weißt ja, der Parnes ist halt der Parnes. Der Nathan hat immer auf dieses Amt gelurt (gelauert), er hat mir oft gesagt, ich bin der chauschew (angesehenste) in Kahl, zahle die größte Maß, weißt, Maß (Steuer) das ist nichts zum Trinken, sondern zum Berappen, und mir ist das Amt sicher. Nun ist aber die Sache ganz anders gekommen. Der Isak ist ja der unbesoldete Vorsänger, du weißt ja, er singt in der Synachoch (Synagoge) vor und die anderen singen nach. Der Nathan sagt wohl, er, dler Isak, meint er, hätte eine Stimme wie ein Kamarienvögerl, aber er ist bei allen beliebt, gerne gesehen. Die Maderchen (Mädchen) singen beim Geschirrwaschen sete „lliecho dodiu-Gs:tanzl, — ich weiß nicht, was das für Lied ist — und sie haben ihn zum Gemeindeältesten gewählt. Nun weißt du ja, Tubijas. wie das bei euch in der Synachoch ist, der Parnes ist halt der Parnes. Der Isak — das hat mir wieder der Nathan erzählt — hat| sich immer genommen jezoe wachnoseh (hauzoch wehaschosso, Aus- und Einheben der Thora), ich weiß nicht, was das. für Fressen ist, aber „jezofe wachnoseh" das ist das Beste und Feinste, wo man hat, bei eich Juden ist das got, sehr got (gut), das hat der Nathan gesagt, der muß es ja wissen, und das hat sich der Isak genummen. Dem Mennoch im Sohar, noch im Seier Haikutim ist je ein Wort darüber gefunden worden. Die besten Kenner des Judentums haben dies stets betont. So neben anderen der Kardinal- Fürstbischof Dr. Kopp und die Professoren Dr. N ö 1 d e c k e, Strack, de Lagarde und Delitzsch. Während der Nachkriegsjahre haben in Berlin noch zwei Totschlagsprozesse gegen Juden stattgefunden. In beiden waren die Angeklagten Ausländer. Der Kaufmann Lipmann Pomoczny war wegen Totschlags an seiner Geliebten, der Schauspielerin Erna Klemm, angeklagt und wurde zu einer hohen Zuchthausstrafe verurteilt. Er stammte aus der Gegend von Odessa. Im Jahre 1923 fand die Verhandlung wegen der Ermordung und Beraubung des Amerikaners Nowack statt, bei der auch Betäubungsmittel verwandt wurden. Der Rabbinersohn Norman Yellinaus Newcastle in England war als Mittäter angeklagt, wurde aber schließlich — offenbar mangels Beweises — von den Geschworenen freigesprochen. Ein starker Verdacht blieb gegen ihn immerhin bestehen. In all diesen Fällen befanden sich die Angeklagten seit noch nicht langer Zeit in Deutschland und waren völlig entwurzelte Existenzen. Der letzte Grund für die geringe Kriminalität von deutschen Juden bei den zur Rede stehenden Delikten dürfte doch wohl darin liegen, daß die Mehrzahl derselben in geordneten sozialen Verhältnissen lebt und einen verhältnismäßig hohen Bildungsgrad besitzt. Das Vorhandensein dieser beiden Faktoren hat sich stets als stärkstes Hemmnis gegen verbrecherisches Tun bewiesen. Wilhelm II. und Theodor Herzl. Von Dr. Willy Cohn. In welchem Maße die Herzischen Tagebuchbände eine Fundgrube für den Historiker bilden, kann an dieser Stelle in vollem Umfang nicht auseinandergesetzt werden. Nur soviel sei gesagt, daß der Begründer der politischen Zionismus es verstanden hat, die leitenden Männer seiner Epoche für die neue Bewegung zu interessieren; bei der Machtstellung die in den Neunzigerjahren des abgelaufenen Jahrhunderts Wilhelm II. in Europa einnahm, mußte es für Herzl von Bedelche hat er gegeben jagbohe (hagboho, Aufheben der Thora) das ist wohl nicht so gut wie jezoe wachnoseh, aber och keine schlechten Bissen, weißt, für an „Jud", und das hat er demMendeichen gegeben. Dein David hat er das Maftir oren (beten) lassen, weißt, oren, wie das bei eich in der Synachoch gemacht wird, er schreit halt hübsch und viele gehen dann heraus, du weißt ja, das Maftir oren ist auch got, es ist nicht das Feinste, aber doch got und das gibt er dem David, weißt, dem David. Dem Nathan aber gibt er Gelile (das Rollen der Torah), weißt, das ist garnaut (gar nichts) und das gibt er dem Nathan. Der Nathan ist aber doch auch kein Guter, der hat sich in der Synachoch angemault, so daß es der Isak gehört hat. Der Isak ist aber der Parnes, geht auf ihn zu und sagt ihm: „Nathan, halt den Rand, schäm dich und vergesse nicht, daß du in der Synagoge bist!'' Der Nathan antwortete ihm: „Du hast mir nichts zu befehlen!" Darauf sagt Isak: „Ich bin Parnes und du bist gestraft mit drei Pond (Pfund) Wachs/' Weißt der Parnes hat das Recht, nur am Schabes straft er mit Wachs, weil er von Märkelchen (Verkli. v. Mark) nicht reden will. Der Nathan sieht ihn an, es kitscholt (kitzelt) ihn, weißt, der Nathan hat selber Parnes sein wollen und jetzt straft ihn der Isak ab. „Ich bin mit drei Pfund Wachs gestraft, es ist gut, aber du bist gestraft mit 250 Pfund Ochsenfleisch" (so schwer ist Isak an Körpergewicht). Isak wurde blutrot, gab keine Antwort, denn der Nathan hatte die Lacher auf seiner Seite. Seit dieser Zeit sind der Isak und der Nathan einander spinnefeind.