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Die Wahrheit · 1924-07-04 · Heft 27 (4.7.1924) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 27 (4.7.1924)
Date
1924-07-04
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 10 DIE WAHRHEIT Nr. 27 ebenso umsichtig sind, daß sie das Spielen mit dem Feuer, als solches wird aufreizendes Zurschautragen judenfeindlicher Embleme gewertet, hintanhalten wollen. Wenn dies den armen Hakenkreuzlern im Bedrückerstaat des Deutschtums nicht paßt, dann mögen sie von dort auswandern und zu ihren Brüdern nach der Ostmark übersiedeln. Hier werden sie nicht nur das Hakenkreuz unbehelligt tragen können, sondern selbst wegen grober Ausschreitungen und Verbrechen, die sie unter diesem Zeichen verüben, keine Gefahr laufen. Es sind eben Unterschiede zwischen Regierung und Regierung. Die Affäre Stricker-Bettauer. Zum zweiten Male innerhalb kurzer Zeit hatte am > 28. v. M. Landesgerichtsrat Dr. Arie, Strafbezirksgericht 1, in der Ehrenbeleidigungsklage Stricker kontra Bettauer zu verhandeln, und zwar diesmal wegen der bei der ersten Verhandlung zu Protokoll gegebenen Erklärung Bettauers, daß er den Vorwurf, daß Stricker gegenüber Bösel unschön, häßlich und unfair gehandelt habe, aufrechterhalte und bereit sei, hierfür den Wahrheitsbeweis anzutreten. Auf die Frage des Richters, was ihn veranlaßt habe, diese über den Rahmen des damals inkriminierten Sachverhaltes hinausgehende Erklärung zu mächen, erwiderte Bettauer, daß er dies getan habe, weil er vermeiden wollte, daß ihn, wenn er bezüglich der ersten Klage aus formalen Gründen freigesprochen würde, was auch der Fall gewesen sei, von der Gegenseite der Vorwurf des Auskneifens gemacht werde. Er habe auch mit seiner Erklärung den ihm vorgesetzten Kollegen und Freund Max Schreier, der in der ..Morgenzeitung" als feiger Verleumder hingestellt wurde, schützen wollen. Der Verteidiger des Angeklagten, Dr. Fritz Sclinepp, bot dann den Wahrheitsbeweis, bzw. den Beweis des guten Glaubens an. Seine Rede enthielt unter anderem auch die Darstellung einer Angelegenheit der „Wiener Morgenzeitung" mit der „S t a f a'\ von der die Zeitung durch einen ihrer Inseratenagenten ein größeres Inserat erlangen wollte und als der Direktor der „Stafa" das Inserat nicht aufgeben wollte, da;in am 20. April dieses Jahres in der „Morgenzeitung" in erpresserischer .. Absicht ein heftiger Angriffsartikel gegen die „S t a f a" erschienen sei, von dem Stricker als Herausgeber der Zeitung Kenntnis haben mußte. Bettauer erklärte wohl, daß Stricker seiner Ansicht nach mit diesem Artikel nichts zu tun hatte, daß aber aus ihm der Geist der „Morgenzeitung" gesprochen habe. Bezüglich des inkriminierten Vorwurfes betreffend ein nicht einwandfreies Vorgehen Strickers gegenüber dem Präsidenten Bösel, erklärte Dr. Schnepp, daß dasselbe alle Merkmale der Erpressung nach § 98 Strafgesetz enthalte. Der Klagevertreter Dr. Leopold Plaschkes führte aus, daß Bettauer, um straflos zu bleiben, den Wahrheitsbeweis erbringen müsse. Was Dr. Schnepp vorgebracht habe, beruhe, soweit es sich auf die Erpressungsbeschuldigung gegenüber Bösel bezog, auf eine grundfalsche Darstellung und entspreche überhaupt nicht der Wahrheit. Im übrigen seien Erzählungen enthalten, wie in der Angelegenheit ..Stafa", mit der Stricker nichts zu tun habe, die das Klagefaktum nicht tangieren. Dr. Plaschkes stellt nun unter Beweis, daß Strickers Vorgehen in der Angelegenheit Bösel ein einwandfreies war, verwahrt sich auch gegen die wider die „Morgenzeitung" gerichteten Angriffe und beantragte Vorladung einer Reihe von Zeugen. Der Richter beschloß d i e bezüglich der „Stafa"- Angelegenheit gestellten B eweisa n träge abzulehnen, da es nicht angehe, Zeugen für Behauptungen zu führen, die mit dem Prozeß nichts zu tun haben, dagegen allen Beweisanträgen, die sich auf die Affäre Stricker-Bosel beziehen, stattzugeben. Da aber nur die von der geklagten Seite geführten Zeugen zugegen waren, erklärte es der Richter für notwendig, die Einvernahme sämtlicher Zeugen, auch der klägerischen, in einem Zuge fortzuführen. Er schlug die Fortsetzung der Verhandlung für den 4. Juli vor, wogegen sich der Vertreter des Angeklagten wandte und eine Vertagung auf den September beantragte. Stricker sprach sich gegen diesen Antrag aus. Es sei seine Ehre und das Ansehen der zionistischen Organisation engagiert, weshalb ein weiteres Hinausschieben der Angelegenheit unmöglich zugelassen werden könne. Die Berichterstattung über den ersten Verhandlungstag in der Wiener Presse sei derart beschaffen gewesen, daß sich die Gerüchtemacherei verstärkte, und er müsse deshalb auf der Durchführung des Wahrheitsbeweises in der kürzesten Frist bestehen. In Berücksichtigung dieser Ausführungen beraumte der Richter die Fortführung der Verhandlung auf den 4. Juli * an. ^^*mmm^***'**^*^*^^**'*******^^^^**™^**nmmmmmmmnmmmmmammmmmmiMmummmmmmmmi Theater, Kunst u. Literatur Eine neue Herzl-Biogräphie. Am 22. Juli (20. Tamus) wird in Palästina der 20. Todestag Dr. Theodor H er zl feierlich begangen werden. Aus diesem Anlaß hat der Jüdische Nationalfonds den hebräischen Schriftsteller Rabbi Benjamin beauftragt, eine Biographie Herzls für die jüdische Jugend zu schreiben. Das Buch wird zuerst in hebräischer Sprache erscheinen, dann in andere Sprachen übersetzt werden. Eine Gesellschaft der Freunde des jüdischen Büches. Unter dem Namen „Soncino-Gesellschaft der Freunde des jüdischen Buches" ist in Berlin eine neue bibliophile Gesellschaft begründet worden, welche sich nach dem Namen der klassischen hebr. Druckerfamilie des 15. Jahrhunderts nennt und sich die Aufgabe gesetzt hat, das schöne jüdische Buch nach den Gesetzen der unlösbaren Gebundenheit von Buchinhalt und Buchform zu schaffen. Die Gesellschaft gibt „Beiträge zur Kunde der jüdischen Buches" als Vierteljahresschrift unter der Redaktion von Arnold Zweig heraus, deren bibliographische Beilage Professor A. Freimann, Frankfurt a. M., leiten wird. Ferner beabsichtigt die Gesellschaft die Herausgabe, seltener Texte und wertvoller Drucke von Werken jüdischen Inhalts und jüdischen Geistes in den Sprachen aller Zeiten und Kulturen. Dem Ehrenausschuß der Soncino-Gesellschaft gehören an: Rabbiner Dr. L. Baeck, Vorsitzender des deutschen Rabbiner-Verbandes, Professor Dr. Aron Freimann, Rabbiner Dr. Maier Hildesheimer, Legatiönsrat Professor Dr. Moritz Sobernheim, Hermann Struck, Professor Dr. Gott. Weil, Direktor der Orient-Abtlg. der Staatsbibliothek. Vorstandsmitglieder sind die Herren Jos. Altmann, Willy David, Dr. Sammy Gronemann, Professor Dr. Heinrich Locwe, Moses Marx. Moritz Simon, Felix Struck und Dr. Siegfried Wols (Jüdische Gemeinde Berlin). Junge Menschen. Diese treffliche Monatsschrift für Politik, Kunst, Literatur und Leben aus dem Geiste der jungen Generation war einige Zeit unter dem Zwange der deutschen Valutaschwierigkeiten am Erscheinen verhindert. Nach Ueberwindung dieser Schwierigkeiten sind die „Jungen Menschen*' wieder rüstig am Werk ihrer schönen Kulturarbeit. Es liegen drei Hefte der neuen Folge vor, die erkennen lassen, daß ein trefflicher Stab erstklassiger Meister des Wortes und Stiftes diesem Unternehmen zur Seite stehen. Es sind dies junge Menschen jenes anderen Deutschland, die im Dienste der Aufklärung, des Friedensgedankens und der Verständigung unter allen, die guten Willens sind, stehen. Diese Monatshefte werden ihren Weg machen und es soll uns freuen, wenn unsere Empfehlung dazu beiträgt. d. Arbeitsgemeinschaft frei schaffender Künstler. Am 26. Juni fand die Gründung der Vereinigung „Prometheus, Arbeitsgemeinschaft frei schaffender Künstler" statt, welche die Aufgabe erfüllen will, bisher unveröffentlichten Werken von unbekannten Autoren den Weg in die Oeffentlichkeit zu bahnen. Die Arbeitsgemeinschaft soll nicht nur Schriftsteller, sondern auch Komponisten, Bildhauer, Maler usw. umfassen und bietet allen aufstrebenden Künstlern die Möglichkeit, in gemeinsamer Arbeit mit ihren Kollegen zum Ziele zu gelangen. Zum Obmann der Arbeitsgemeinschaft wurde der Gründer und Anreger, Herr Ludwig K o r n m ü 11 e r, Wien XVIII., Sternwartestraße 12, gewählt, an den auch alle Zuschriften, Anfragen, Beitrittsanmeldungen usw. zu richten sind. John Lewis, The old Testament in the 20. Centary, London, Allen Unwin, 40 Museum Street, 1924. Lewis Schriften sind als Handbücher für den Unterricht der Adoleszenten gedacht. Das vorliegende Buch auf dem Standpunkt freiester Bibelkritiker, gibt übersichtlich eine Einführung in alle Fragen der alttestamentlichen Religionsgeschichte nach den neuesten wissenschaftlichen. Ergebnissen. Der Text wird durch Diagramme wirksam veranschaulicht. . Guy de Maupassant: Mondschein. Novellen. München, Kurt Wolf f-V erlag. Von demselben Verfasser und in demselben Verlag: Unser Herz. Roman. Guy de Maupassant (gestorben 1893) gilt als Meister der Erzählungskunst.. Wer die moderne französische Belletristik von der besten Seite kennen lehnen will, greife zu diesen Werken. Es ist das Verdienst dieses rührigen Verlages, uns mit den bedeutsamen Erzeugnissen der französischen Romanliteratur in guten Uebersetzungen vertraut zu machen. Sp. M.

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