Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 27 (4.7.1924)
- Date
- 1924-07-04
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 27 DIE WAHRHEIT Seite 7 B o c h e r s. A.) über, die erwähnten „Gedanken" berichtete und mit großer Begeisterung den Deduktionen gefolgt wurde — so ähnlich kann es auch, wie gesagt, in anderen Logen geschehn. Wo ein Wille, da ist auch ein Weg. Sehr dankenswert ist das im ersten Bande der Einleitung vorausgehende „Qesamt-Inhaltsverzeichnis der drei Bände nach zeitlicher Folge." Wir" wollen auch noch zuletzt dem verehrlichen Verlag für die schöne Ausstattung unseren Dank zollen. Zunahme der Beschneidung bei JSichtjuden. Die Tatsache, daß die Gebildetem Europas, hauptsächlich in England, dann aber auch in Deutschland dazu übergegangen sind, die neugeborenen Knaben aus hygienischen Gründen beschneiden zu lassen, über die in diesen Blättern wiederholt die Rede war, hat die Berliner Zeitung „Montag- Morgen" veranlaßt, sich in dieser Angelegenheit an eine medizinische und an eine religiöse Kapazität zu wenden. Sanitätsrat Dr. Leibholz äußerte sich folgendermaßen: „Die örtliche Anordnung der Beschneidung in der Bibel an einer Stelle, wo sehr viele andere hygienische Vorschriften gegeben werden, läßt den Schluß zu, daß auch die Beschneidung zu diesen hygienischen Maßregeln ursprünglich gehört hat. Die Ausführung der Beschneidung ist selbstverständlich von Anfang an nicht in Händen von Aerzten gewesen und wird auch heute nur zu einem kleinen Teil von Aerzten ausgeführt. In Berlin hat sich seit etwa 20 Jahren unter dem wohlhabenden Teil der jüdischen Bevölkerung der Brauch eingebürgert, die Beschneidung von Aerzten ausführen zu lassen. Wie jede Verletzung der körperlichen Intaktheit, kann auch einmal die Operation der Beschneidung einen unerwünschten Ausgang nehmen. Ein solches Ereignis ist aber im Grunde sehr selten. Ich wenigstens habe bei den 3000 Beschneidungen, die ich selbst ausgeführt habe, einen solchen nie erlebt. Die Gefahren, die bei einer Beschneidung auftreten können, sind Blutung und Infektion. Der Blutung muß der Arzt, der die Operation ausführt, gewachsen sein. Und die Infektion läßt sich bei unserer heutigen aseptischen Behandlung der Wunde mit Sicherheit vermeiden. Außer den von mir ausgeführten Beschneidungen bei Neugeborenen, deren Eltern Juden waren, habe ich aus körperlichen Gründen viele hunderte von gleichartigen Operationen an Neugeborenen anderer Konfessionen ausführen müssen. Hier waren angeborene Verengungen, daraus entstehende Entzündungen und Funktionsstörungen und in weiterer Folge Wasser-, Nabel- und Leistenbrüche der Grund für die Vornahme der Operation. In einer Anzahl von Fällen hat die bei einer Verengung notwendige ständige Anwendung der Bauchpresse bei jeder Harnentleerung außer diesen Folgen auch Krämpfe bei den Knäbchen verursacht. Alle diese Krankheitserscheinungen wurden durch die einfache Operation beseitigt. Schon hierin sehe ich einen hygienischen Nutzen. Aber auch im späteren Leben wird eine Anzahl von Erkrankungen der entsprechenden Körperteile durch die Ausführung der Operation unmöglich gemacht." Rabbiner Dr. Baeck gab folgende Auskunft: „Es ist bei Volks- und Stammesbräuchen schwer, ihren ursprünglichen Grund anzugeben. Im Verlaufe der Geschichte findet oft eine,Substitution der Gründe statt, das heißt der alte Brauch gewinnt eine neue Bedeutung und substituiert sich dann auch einen neuen Grund. Auch die religiöse Symbolik spricht hier mit. In der Beschneidung hat bereits Herodot Medizinisch-Sanitäres gesehen, doch es ist damit nicht gesagt, daß dies auch ihre ursprüngliche Bedeutung gewesen ist. Aber umgekehrt braucht die ursprüngliche Bedeutung nicht die geschichtliche im Sinne des geschichtlich Wirksamen und Lebendigen zu sein. Die Form schafft sich den neuen Inhalt. Daß im Judentum hygienische Motive von größter Bedeutung waren, zeigt schon das zweite Gebiet der Speisensatzungen und der Reinheitsvorschriften, und auch so manches in den Sabbatgeboten. Von medizinischer Seite ist oft darauf hingewiesen worden, welchen Wert in volkshygienischer und eugenischer Beziehung alle diese Satzungen haben. Wie sie denn auch wesentlich dazu beitrugen, die jüdische Gemeinschaft, die unter den schwierigsten Verhältnissen so oft und so lange leben mußte, auch körperlich lebensstark zu erhalten. Die Sorge um die Gesundheit ist dem Judentum auch eine religiöse Pflicht. Wie viel in dieser Hinsicht die Beschneidung bedeutet haben des öfteren die Aerzte dargetan." Ein pazifistischer Prophet. In der heutigen Zeit des Völkerhasses und der gewaltsamen Niederdrückung jeder Friedenssehnsucht reizt es den wahren Pazifisten um so mehr, in klassischen Schriften nach Friedensbekenntnissen zu schürfen. Auch das biblische Schrifttum ist reich an solchen Ergüssen; so findet . sich bei Micha, Kapitel IV, folgende Prophezeiung: In den letzten Tagen wird der Berg Mit dem Tempel des Herrn fest stehen, Höher als alle Berge, Und über alle Hügel erhaben. Die Völker werden zu ihm strömen Und viele Nationen werden sich aufmachen und sprechen: „Kommit, laßt uns hinauf zum Berge des Herrn ziehen Und zum Tempel dies Gottes Jakobs, Daß er uns lehre sekie Wege Und wir auf seinen Pfaden wandeln.'* Denn von Zion wird die Lehre ausgehen Und des Herrn Wort von Jerusalem. Er wird zwischen vielen Völkern richten Und vielen Nationen in fernen Landen Recht sprechen, Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen Und ihre Spieße zu Sicheln schmieden. Es wird kein Volk mehr gegen das andere ein Schwert erheben Und den Krieg nicht mehr erlernen. Ein jeder wird unter seinem Weinsrock Und Feigenbaum sitzen ohne Scheu.