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Die Wahrheit · 1924-07-04 · Heft 27 (4.7.1924) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 27 (4.7.1924)
Date
1924-07-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 27 DIE WAHRHEIT Seite 5 Es soll an dieser Stelle bekannt werden, daß dem wahrhaft jüdischen Geist Prunksucht widerstrebt. In den Sprüchen der Väter heißt es: „Viele Güter bringen viele Sorgen!" Diese Weisheit der Rabbinen hat Rückert in die „Weisheit der Brahmanen" umgebogen und zu den didaktischen Versen ausgesponnen: „Wozu ein größeres flaus? Es nützt nicht voll noch leer. Zu einem großen Haus gehört ein großes Heer. Zu einem großen Heer gehört <emreicher Sold, Zum reichen Sold gehört e=in eigener Schacht voll Gold, Zum Schachte Gold gehören, die ihn graben, D'rum will ich auf der Welt ein kleines Haus nur ./ haben. Das weite Haus wird eng; das enge Haus wird! weit, Wenn dort herrscht ein Gedräng und hier Zufriedlenhieit." Man wird nicht so weit gehen dürfen wie der Entbehrungsphilosoph Diogenes, der sogar seinen Trinkbecher wegwirft, als er bemerkt, daß ein Hund dien Ouelltrunk mit der Zunge schlürfte. Aber sein denkwürdiges. Wort an Alexander dien -Großen „Geh mir aus der Sonne!" sollte jeder beherzigen. Sonnte ins Leben, Sonne ins Gemüt schafft Menschenglück. Auch die späteren Philosophen waren Lobredner der Bedürfnislosigkeit, also weit 'davon entfernt, sie als Todsünde wider die Kultur zu betrachten. Spinoza bewies in seiner Ethik, daß der Erwerb von Gefd nach noch mehr gierig mache, dier Besitz an Ehren mit der Sorge verknüpft ist, daß sie nicht geschmälert werden, und Sinnenlust sich in dem Augenblick, da sie geboren wird, ihr Grab schaufelt. Schopenhauer schildert in Parerga und Paralipoinena das Leben als einen wirklichen Kreislauf über die glühenden Kohlen Langweile und Genuß. Goethe, wahrlich ein Lebenskünstler größten Formats, hat als Kulturnotwendigkeiten keime Seidenstrümpfe und ähnliche Alfanzereien hingestellt, er bezeichnet es als genügend, daß man täglich gute Musik höre, ein gutes Buch lese, ein schönes Bild sehe; wohlgemerkt lese und sehe, nicht aber notwendig besitze. Man begehrt ja auch nicht die Sterne, man freut sich ihrer Pracht, wie des machtvollen Eindruckes des Meeres oder einer Berglatwisühaft. Aus dem bisher Ausgeführten erhellt, daß die Menschheit nicht verurteilt wäre, in Waldeinsamkeit und Höhlen zurückzukehren, wenn Annerl und Mizzi auf Seidenstrümpfe und ähnliches verzichten. Die wahre Kultur liegt jenseits solcher Nichtigkeiten. Ebenso wenig liegt das wahre Heil in dem unablässigen Begehren nach Mehreinkomimen, um mehr ausgeben zu können. Die Schlange, die sich in den Schwanz beißt, ist nicht bloß eini Symbol der Ewigkeit, sondern <d e r sozialen Frage, wie: sie Wr—r und Genossen verstehen. D. Zionsdämmernng in Nordamerika. Ergänzend und zum richtigen Verständnis der Kontroverse zwischen Zangwill und Weizmann über die Frage, ob der Zionismus noch lebe oder nicht, über die wir in einer der letzten Nummern berichteten, lassen wir nachstehend einen hochinteressanten Aufsatz folgen: „The American Israelite", Cincinnati (Ohio), gibt in Nr. 27 und 28. vom 3. und 10. Januar 1924 im wörtlichen Abdruck die in Inhalt und Form bedeutsame Rede des D. D. Samuel Schulmann, Rabbiners des Temple Beth-El, New York-City, mit der Ueberschrift: „Israel Zangwill's message and american Judaism" wieder, der sich gegen ein Manifest wendet, das Israel Zangwill, der bekannte Zionist, aus Anlaß des amerikanischjüdischen Kongresses an die Juden Amerikas gerichtet hat. Schulmann spricht von dem „sogenannten" amerikanisch-jüdischen Kongreß, weil diese Versammlung nicht das Recht habe zu einer Vertretung des panamerikanischen Judentums, denn sie repräsentiert nicht die überwiegende Majorität der Juden in Amerika. Das habe ja Zangwill in seiner Adresse selbst zugestanden, wenn er sagt, daß das jüdische Problem nicht vom Standpunkt einer „Parteiorganisation" betrachtet werden kann. Und darum habe die Ansprache großes Mißvergnügen hervorgerufen bei Zionisten wie Nichtzionisten. Letztere — und das sind die Massen amerikanischer Juden — wären niemals für Rassen- und Nationaljudentum. Und sie erklären mit Dr. Schulmann: Wir Juden wollen keine Nation sein; wir suchen als das Volk Israel keine Heimat; wir wollen anerkannt sein als eine große historische, religiöse Gemeinschaft mit dem Recht, überall in der Welt zu Haus zu sein, vorausgesetzt, daß wir, wie es tatsächlich der Fall, bereit sind, dem Lande, in dem wir leben, Treue aus vollstem Herzen zu bieten. Wir Juden sind nicht unter die Nationen zu rechnen, weil unsere Bestimmung ist, für etwas einzustehen, was nationale Grenzen überschreitet. Unsere Mission ist: den universalen Gott zu bezeugen, dessen Dienst gegeben ist in Gerechtigkeit und Gnade. Wir, die Nichtzionisten, fühlen, daß wir mit vollem Recht bedingungslos dem Zionismus entgegengetreten sind als einer neuen Philosophie jüdischen Lebens. Wir halten daran fest, daß Israel heute eine jüdische Gemeinschaft ist und sonst nichts. Und wir befinden uns mit unserer Meinung im Einverständnis mit Zangwill, der im Bekenntnis der Niederlage des Zionismus und in Verwerfung des Ausdruckes „Diaspora-Nationalismus" nur, wenn auch von seinem Gesichtswinkel, unsere Behauptungen bestätigt. Aber auch die Zionisten konnten nicht von den aus reinster Wahrheit und Offenherzigkeit fließenden Angaben Zangwills erbaut sein, die statistisch feststehen. Er beklagt, daß die Phrasenmacher über den Verbleib der Ausgaben für Palästina keine genauen Angaben machen, daß die Bevölkerung in Palästina nur zu einem Neuntel aus Juden besteht, die nur vier Prozent des Bodens besitzen und in großer Unsicherheit ihr Dasein fristen. Das Geld wird nicht produktiv angelegt, sondern nur charitativ verwendet. Und Schulmann fügt hinzu: Zangwills Adresse ist nur ein Pflaster auf das Debakel des Zionismus. Das ist kein Zionismus: nur der könnte Zionist sein, der in Palästina lebt. Unsere Verwerfung des Zionismus beruht auf der einfachen Tatsache, daß vom jüdischen Volk als Volk, aus einer Einheit (onity) zur Einigkeit (unity) gestaltet durch seine Religion, nicht gesagt werden kann, es habe in Palästina oder sonstwo ein Heimatland, wie das einer Nation. Wir verwerfen diese Behauptung aus religiösen und praktischen Gründen. Aus religiösen Gründen erklären wir: Das Volk Israel ist größer als Palästina, es tritt heute ein für eine universale Religion, welche den universalen Gott bekennt. Die religiöse Judenheit überschreitet ebenso wie das Christentum die Grenzen der Nationalität; sie erstreckt sich über die ganze Welt ohne Rücksicht auf Volk und Rasse, deren Reinheit ja gar nicht mehr nachgewiesen werden kann, und Farbe. Denn es gibt auch schwarze Juden. Und es ist unsere Bestimmung, überall den Gott der Wahrheit, der Gerechtigkeit und Liebe zu bekennen, inmitten aller Völker, und ihm zu dienen. Größtes Kager in feinst. Efidisen, Etoles u. Capes Reiche Auswahl neuester Pelzmodelle in sämtl. Pelzarten ~ Pariser u. Wiener Geschmack vereint - erzeugt nur in eigenen Werkstätten, unter pars. Leitung des bestrenommierten Inhabers der Firma Pratanir. 9-11 .Mokrfiig.o'-ß

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