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Die Wahrheit · 1924-06-27 · Heft 26 (27.6.1924) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 26 (27.6.1924)
Date
1924-06-27
Page
– (sequence 10)
Language
German
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SeäeS DIE WAHRHEIT Nr. ^6 und die „Hakoah" über das Bedauerliche ihres Vorgebens aufklären werden." — Wir bewundern den Optimismus der Berliner Herren, wenn sie glauben, daß die Wiener zionistische Leitung sich mit der Sache befassen wird. Sitzt doch der Präsident der „Hakoah", Dr. Körner, im Landeskomitee und der Vizepräsident dieses Landeskomitees, Herr Dr. L ö w e n h e r z, bezeichnete zuverlässiger Mitteilung nach die „Hakoah" als den einzigen Erfolg der. zionistischen Arbeit in Wien, wo es keine Chaluz- und keine Jugendbewegung gebe. Was die Wiener zionistische Leitung für die letztere getan, verriet er nicht. Die Berliner Heiren werden wohl etwas verwundert sein über diese Ansicht eines in zionistisch-verantwortlicher Stellung stehenden Mannes. Sie haben unter ungeheuren Opfern Lehrfarmen und Lehrwerkstätten aufrechterhalten und neugegründet, um für Palästina das bestausgebildete Menschenmaterial stellen zu können. Hier in Wien verfallen die jüdischen Schlosserwerkstätten in der Apostelgasse und das Chaluzheim im Kahlenbergerdorf, einst der Stolz der Wiener Zionisten (selbstverständlich neben der „Hakoah"), wird verkauft. Statt dessen wird als Erfolg der „Palästinaarbeit" die Hakaohreise nach Palästina hingestellt. Es wird endlich Zeit, daß mit diesem Bluff der „Hakoah in Palästina" endgültig aufgeräumt wird. Hazair. Winke mit dem Zaunpfahl. Frankreichs neuer Präsident und seine neue Regierung haben unverkennbar die Absicht, eine goldene Verständigungsbrücke nach Deutschland zu schlagen, aber ebenso unverkennbar ist dort die Absicht, das Werk zu hintertreiben. Die Völkischen haben sich auf das Programm festgelegt: Keine Erfüllungspolitik, kein Schuldbekenntnis. Es müßte nach ihrem wahnwitzigen Begehren der Versailler Vertrag gänzlich zerrissen werden, über Kriegsschuld und Kriegsschulden ein dicker Strich gezogen, Elsaß-Lothringen und die sonstigen vom Reich abgetrennten Gebiete rückerstattet und vielleicht auch Wilhelm II. als deutscher Kaiser auf weißem Rosse durchs Brandenburger Tor zurückgebracht werden. So ungefähr wird es in hunder* deutschen Blättern, in. hundert nationalen Versammlungen gefordert. Es geschieht alles, um die empfindlichen Franzosen herauszufordern und zu beunruhigen. Eine Schlageter-Gedenkfeier folgt der anderen, in München wurde ein provozierendes Mahndenkmal eingeweiht. Der vorzüglich organisierte Kundschafterdienst Frankreichs hat es herausbekommen, daß über dem ganzen Lande angebliche Turnvereine bestehen, die militärisch ausgebildet und bewaffnet werden; daß Unzählige Waffen- und Munitionslager verheimlicht werden. Es soll vermutlich, wenn man des russischen Bündnisses sicher ist, losgeschlagen werden. Darüber ist sich die Entente klar und deshalb ihre Wachsamkeit reger denn je. Aus solchen Zuständen ist die Botschaft verständlich, die Kamsraerpräsidient Paimleve gleich nach Amtsantritt der Berliner Regierung übermitteln ließ: „Mit allen Kriegsteilnehmern und allen Verstümmelten, mit allen, die den Krieg mitgemacht haben und die traurigen Spuren hiervon noch bewahren, haben wir Vertrauen in. die Zukunft des Völkerbundes, nicht in die Bismarcksche Formet, an der wir so oft Kritik geübt haben. Wir wollen die Macht in den Dienst des Rechtes stellen. Es handelt sich nicht darum, die gerechten Forderungen Frankreichs Illusionen oder Utopien zu opfern, es gibt keine Gerechtigkeit ohne Reparation der Ungerechtigkeit, und die Republik, die nach einem halben Jahrhundert vollkommen wiederhergestellt wurde, wird nicht verblendet und schwach sein. Wir verkennen nicht, daß revanchedurstige Mächte unser altes Europa beunruhigen. Wenn sich jenseits unserer Grenzen imperialistische Parteien bilden sollten, die unser menschliches Streben als eine Wirkung ihrer Drohungen auslegen sollten, so wäre das ein bedauerlicher Irrtum, dem sieselbst und die Nation, die sie getäuscht hätten, zum Opfer fallen würden." Deutschland mag nun wählen Leben oder Tod; möge es verhüten, daß der Zaunpfahl, mit dem vorläufig nur gewinkt wird; äni Ende nicht wieder zuschlägt. Oer Nationalsozialismus eine Niete. Die „Nationalsozialistische Freiheitspartei" hat im deutschen Reichstage eine Reihe von Anträgen eingebracht, darunter einen Antrag, die „Angehörigen der jüdischen Rasse" unter Fremdenrecht zu stellen. Dieser Antrag kennzeichnet so recht den Geist und die Gesinnung der Angehörigen der Fraktion. Wirkliche Sachkundige auf dem Gebiete der Rassentheorien leugnen den Begriff der Rasse überhaupt, die Weisen aus dem Bayern- Obotritenlande aber massen sich an, ein Urteil darüber abzugeben, wer urgermanisches Blut in seinen Adern hat und wer nicht. Das ist kein Wunder, wenn man sich vergegenwärtigt, daß die Leute zwei so hervorragende „wissenschaftliche": Kapazitäten wie Herrn Th. Fritsch und Herrn Gottfried Feder in der Mitte haben. Dieser Feder war von Hitler beim Putsch im Münchener Bürgerbräu zum Finanzminister ernannt wordenund ist deswegen vom Münchener Volksgericht wegen Amtsanmaßung zu 50 Mark Geldstrafe verurteilt worden. Als „Finanzminister" hat er die Banken und Bankguthaben für verstaatlicht erklärt, es ist aber überaus bezeichnend, daß er vorher sein eigenes Bankdepot abgehoben und in Sicherheit gebracht hatte. Als solche „volkswirtschaftliche „Autorität" der Ludendorff-Hitler-Leute hat er auf der Grundlage der Schwindelberichte der „Geheimnisse der Weisen von Zion" fußend ein konfuses .Werk „Der deutsche Staat auf nationaler und sozialer Grundlage" zusammengestoppelt, das als die Bibel der Hitler-Leute angesehen wird. Sogar Professor v. Freytag-Löringhofen, der als Mitglied der deutschnationalen Partei in den Reichstag gewählt worden ist, hat das Buch, wie unseren Lesern bekannt, sehr ungünstig besprochen. Daraufhin greift ihn Herr Feder auf das schärfste an, indem er u. a. schreibt: „Herr Professor Loringhofen sieht sich bemüssigt, das Buch „Der deutsche Staat auf nationaler und sozialer Grundlage" anzugreifen und zu begeifern in der ganz charakteristischen Weise des schnoddrigen hochmütigen Zünftlers. Freytag- Loringhofen hat eine große Wut auf mich, als den Verfasser dieses Werkes, weil ich dem Herrn Professor in Schwerin in einer großen deutschnationalen Wählerversammlung eine gewaltige Niederlage beigebracht habe ....... Nein, Herr Professor, mit professoraler Hochnäsigkeit werden Sie weder mein Buch abtun, das demnächst in dritter Auflage im 20. bis 25. Tausend erscheint, noch werden Sie mit Ihrem Herunterreißen den neuen Staat aufbauen." Frankreichs neue Männer „verludet". Die Bednar alldeutische „Deutsche Zeitung" bringt 'eine .»Drahitimetöuäig aus Riga", in der gesagt wird, daß der neue französische Ministerpräsident Herriot die ganze Hoffnung Moskaus ist. Es heißt dann weiter: „Seit seinem Rußland 1922 abgestatteten Besuch rechnen die Moskauer jüdischen" Machthaber den Rassegenossen Herriot zu ihren teuersten und besten Bundesgenossen. Sie sind jetzt fest davon überzeugt, daß Herriot alle noch vorhandenen Unstimmigkeiten und Zwistigkeiten zwischen Frankreich und Rußland in kürzester Zeit beheben wird, da er eine lebhafte Zuneigung zur Moskauer Räterepublik empfände. Infolgedessen ist auch geplant, falls es gelingen sollte, die Londoner Anleihe durchzusetzen, die Berliner Handelsvertretung endgültig nach Paris zu verlegen. Späterhin wird auch der bisherige diplomatische Vertreter Moskaus in Berlin, Krestinski, dorthin übersiedeln. Krestinskis politische Aufgabe in Paris wird hauptsächlich darin bestehen» den Boden für eine Ueberführung des Zentrums der Dritten Internationale nach Paris vorzubereiten, da die in Rußland selbst zu erwartende Entwicklung der Dinge ernste Sorge für Leib und Leben der Kommunisten einflößt. Frankreich ist also in den Zukunftsplänen der Moskauer Juden eine hervorragende Stelle zugedacht, und Herriot soll ihnen als Schrittmacher dienen." — Zu diesen epochalen Enthüllungen des völkischen Blattes dürfte dasselbe durch das Verhältnis Herriots, der natürlich kein Jude ist, zum Geiste des Judentums verleitet worden sein. Er, der ehemalige Philologe, lenkte als junger Gelehrter die Aufmerksamkeit der Fachwelt auf sich durch Schriften' über Philo und über die Schule Alexandriens; er hat sich mit dein jüdischen Geistesleben des Altertums tief und gründlich befaßt Und auch der neue Kammerpräsident Paul Päinleve, der Mathematiker, hat mit liebender Seele die Erscheinung des Judentums in der Welt umfaßt Als Ferdinand Corcos, der Pariser Advokat, .vor einem Jahre sein Werk „Israel auf biblischer Erde" erscheinen ließ, gab ihm Painleve eine wunderbare Vorrede auf den Weg. „Das Schicksal der Juden ist ein Skandal in der Geschichte. Wie der Hellenismus, so ist auch das Judentum eine der tiefen Quellen unserer westlichen Zivilisation: £s hat ihr seine Bibel gegeben^ seinen Gott, seinen unersättlichen Durst nach Gerecht ig-' k eit und die Lyrik seiner alten Propheten!, diesen gegen die Gottheit ausgestoßenen Schrei. Daß ein solches Volk durch aflhtzhn Jahrhunderte nrassakriert, mißhandelt und ta der Welt versprengt worden ist wie eine gemeine Herde; daß man ans ihm nach Jaures den „großen Beraubten der Welt" gemacht hat, verdammt zu einem Exil ohne Ende, und daß man ihm

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