Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 25 (20.6.1924)
- Date
- 1924-06-20
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 DIE WAHRHEIT Nr. 25 gründlichen Studien und Vertrautheit zeigt. Von besonderem Interesse sind die Kapitel „Von antisemitischen Parnaß" und „Urteile über den Antisemitismus", aus denen wir gelegentlich einige Proben bringen werden. d. Auserwählte Völker. Das alt jüdische Ideal im Gegensatz zum germanischen. Von J. Zangwill. Mit Geleitwort von FeliK Perl es, Berlin, Verlag Siegfried Cronbach. Wenn wir den Namen des trefflichen Gelehrten Dr. Felix Perles begegnen, dann Können wir sicher sein, daß uns Ausgezeichnetes geboten wird. Wir können nicht dankbar genug sein, daß seine Mutter — Frau Rosalie Perles — es war, die das Werk des christlichen Theologen R. Travers Herford „Das pharisäische Judentum" aus dem Englischen ins Deutsche übertragen und Felix Perles es mit einer instruktiven Einleitung versehen hat. Wir freuen uns auch des vorliegenden Schriftcliens, das einen Vortrag von Zangwill bildet, der von F. Ouadfasel und Gurt Stettin ins Deutsche übersetzt worden ist. Das Sch.rift.chen ist eingehendster Beachtung wert und .verdient die weiteste Verbreitung. Wir wollen nicht auf denv4nhalt eingehen und sprechen mit den Worten der Pcssach-riagada: Ze ulmad! Sp. M. Gebhard Ausleger, Charlie Chaplin. Die kleine, im Pionier-Verlag, Mamburg, erschienene Broschüre, die ein treffliches Lichtbild des Meisters beigefügt ist, lehrt uns den Filmkönig als Mensch und Künstler werten. Was Ausleger im allgemeinen zu sagen weiß, läßt auf einen Klugen und Kundigen schließen, der interessante Ausblicke in die Filmzukunft eröffnet. Chaplin selbst aber wird in einer Aureole gezeigt, die bisher unerreicht blieb. d. Alfons Goldschmidt: Argentinien. Ernst Rowohlt Verlag. Berlin 1923. Der durch sein Buch „Moskau 1920" weitbekannte Nationalökonom und Schriftsteller hatte im vergangenen Jahre Gelegenheit, in Argentinien Vorlesungen zu halten. Ueber seine Eindrücke berichtet er-in dem vorliegenden Buche. Das. was er in ihm über Juden und Judentum sagt, ist so bemerkenswert, daß wir es hierher setzen wollen: „Stark sind auch die Russen, die ins Land strömen. Es sind meistens Juden, und es gibt drüben ein jüdisches Volk. Ostiuden mit einer ungeheuren Anpassungsgier und doch Juden bleibend! Sie haben Musterkolonien gebildet. Mittelbauernkolonien, sie haben mit dem Boden gerungen und doch nicht mit ihm gehandelt. Vielleicht 300.000 sind sie an der Zahl in Argentinien, nicht laut, sondern emsig, nicht trippelnd, sondern schreitend. Weichjunge Macht ist der Jude. Lest die Geschichte seines Volkes, wie sie immer wieder gemetzelt wurden von der Ueberzahl, immer wieder umheuchelt, gebraucht und weggeworfen, erhöht und verbrannt, es ist ein Wunder. Immer Tropfen nur in der Masse und die Masse immer wieder feige gegen sie. In allen Ländern vor Inquisition bebend, aber niemals vernichtet. Es ist, als ob die Peitschungen sie nur lebendiger machten. Man kategorisiert sie. schachtelt sie ein, rationiert ihnen Pariaberufe zu und sagt dann, in ihnen sei keine Produktivität und nichts Organisierendes. Aber etwas Freiheit und Produktion breche durch, dann organisieren sie Landkolonien, Fabriken, ganze Volkswirtschaften, Armeen. Sie orginisieren Palästina, sie organisieren sich hinein in den Marsch der Geduckten, sie sind viel größer und ewiger als alle Schläge und Schlagwörter gegen sie. Ich glaube, hätte man sie an die Brust gezogen, angeglichen, ihre Kraft wäre gelähmter als heute. Kein Blut strebt so hinein in die Gemeinschaft und keines wurde je so abgedrängt von der Gemeinschaft. Sie wollen gar nicht ihre Abgeschlossenheit, aber sie bleiben Volk, weil man Grenzen gegen sie zieht. Sie sind nicht kastig, ihre Kirchlichkeit ist viej weniger hierarchisch als die der Christen..... Ich kenne ihre Ungeschliffenbeit, ihre Verschrobenheiten, die schlechten *Stoffe in ihrem Blut. — Ich meine nicht die Ueber - klugen, die Sophisten um jeden Preis, die feigen Selbstbcschauer. die faulen Anschmierer, sondern jene abstrakte Unterkraft, die wahrer Menschenadel ist. — Weil sie aus Gruben steigen, lieben sie das Licht mehr als die anderen. Es gab schon Weltorganisationen gegen sie. Bannflüche. Enteignungen, Weltschändungen. Bestienhaftigkeiten aller Arten. Aber kein Hakenkreuz kann sie verscheuchen, denn sie tragen das Kreuz, das ist der Haken." Man kann wohl sagen, daß nur selten in so ausgezeichneter Weise das Wesen der jüdischen Geschichte zusammengefaßt worden ist wie in den vorstehenden Zeilen. Dr. Willy C o h n, Breslau. Von Woche zu Woche Zur zweiten jüdischen Weltkilfskonfnrenz. Auf Einladung des Präsidenten der Wiener israelitischen Kultusgemeinde, Professor Dr. P i c k, fand am 1. Juli im Sitzungssaal der Kultusgemeinde eine Besprechung der Vertreter der Kultusgemeinde und der großen jüdischen Fürsorgeanstalten statt, bei welcher das Mitglied des Zentralrates der Jüdischen Welthilfskonferenz, Herr Dr. Marcus Krämer aus Czernowitz, die nächsten Ziele der Welthilfskonferenz entwickelte, die in der Schaffung eines jüdischen Weltverbandes für soziale Hilfe gipfeln. Der Referent teilte mit, daß die Welthilfskonferenz, welcher Organisationen aus 60 Ländern angeschlossen seien, bisher für dringende Hilfe mehr als 20 Millionen Franken ausgegeben hat. Auf das Aktienkapital der Vereinigten jüdischen Volksbank sind bereits 50.000 Pfund gezeichnet, und es sei von großer Wichtigkeit, daß sich die Judenschaft intensiv an der Aktienzeichnung beteiligt. Nach dem Referat wurde eine Resolution einstimmig angenommen, laut welcher der Bericht des Vertreters der Exekutive der Jüdischen Welthilfskouferenz zur Kenntnis genommen und die Einberufung der zweiten Welthilfskonferenz im August 1924 zwecks Schaffung eines Jüdischen Weltverbandes für soziale Hilfe begrüßt wird. Der Bund jüdischer Frauen Deutschösterreichs, dessen Heim aus Mangel an genügenden Mitteln leider noch nicht eröffnet werden könnte, übernimmt deshalb jetzt tuberkulös gefährdete Kinder, die in einer Liegestätte Heilung finden sollen und kommt für Unterkunft und Verpflegskosten auf. Nur schriftliche Ansuchen sind zu richten in den Briefkasten, Wien I., Seitenstättengasse 2. Gründung einer Chewra Kadische für den 19. Bezirk. Ueber Anregung des Herrn Jonas E h r e n f e 1 d wurde am 1. d. M. unter großer Beteiligung der Mitglieder des israelitischen Tempelvereines in Döbling eine Chewra Kadischa gegründet. Herr Ehrenfeld, als ältestes Mitglied der Versammlung, eröffnete die Vollversammlung und begrüßt die Erschienenen, insbesondere Sr. Ehrwürden Herrn Rabb. Dr. Frankfurter, das Präsidium des Tempelvereines, Herrn Kommerzialrat Philipp K o h n und Herrn Gustav Oester* reicher, den Vertreter der Kultusgemeinde, Herrn Glücksthal, und das jüngste Ehrenmitglied des Tempelvereines, Herrn Moritz AI ü 11 e r. Sodann unterzog er die Bedeutung der Worte Chewra Kadischa einer kurzen Betrachtung. Herr Dr. Frankfurter begrüßt die Chewra Kadischa als eminent humanitäre Vereinigung in beredten Worten, ebenso der Präsident Herr Komerzialrat Philipp K o h n, der verspricht, daß der Tempelverein die Chewra nach Möglichkeit unterstützen wird. Delegierter Herr Glücksthal überbringt die Glückwünsche der Kultusgemeinde und wünscht ein Blühen und Gedeihen des Vereines. Herr Isidor Schneider, Mitglied des Gründungskomitees, dankt Herrn Ehrenfeld und allen Mitgliedern des Komitees für die zum Inslebentrelen der Chewra geleisteten Dienste und erörtert den Zweck und das Ziel der Chewra, wie dies in dem von der Landesbehörde genehmigten Statut festgelegt worden ist. Schließlich spricht Herr Moritz Müller über die Aufgaben, die der Verein zu erfüllen haben wird. Sämtliche Ansprachen wurden mit Beifall aufgenommen und die Gründung einstimmig beschlossen. Von der Verlesung des ganzen Statuts wurde abgesehen und zur Wahl der Vereinsleitung geschritten. Gewählt wurde die von dem Gründungskomitee aufgestellte Wahlliste, und zwar die Herren: Altbach Salomon, Blum Hermann, Brüll Josef, Dr. Eduard Deutsch, Ehrenfeld Jonas, Frankurter Salomon, Grünwald Jakob, Klein Leopold, Liebreich Ionatz, Löwenbein Isidor, Parnes ' Sigmund, Paschkus Bernhard, Rotberg Leopold, Schneider Isidor, Schwarz Albert, Tausky Ludwig, Weigl Jakob, Weihs Artur. Bei der am 5. d. M. stattgehabten Konstituierung des Vorstandes wurden gewählt die Herren: Sigmund Parnes zum Obmann, Isidor Schneider und Hermann Blum zu Obmannstellvertretern, Dr. Eduard Deutsch zum Schriftführer, Ignatz Liebreich zum Schriftführerstellvertreter, Josef Brüll zum Kassier. Itn^ Bezirke befinden sich zwei Kränkenhäuser, ein Knaben- und "zwei Mädchenwaisenhäuser, ein jüdisches Blindeninstitut. Diese Anstalten bieten 6r5&fes fiager in leinst. Födisen, Etoles u. Capes Reiche Auswahl neuester Pelzmodelie In sämtl. Pelzarten - Pariser u. Wiener Geschmack vereint - erzeugt nur in eigenen Werkstätten, unter pers. Leitung des bestrenommierten Inhabers der Firma rrt II Pratßr8tr-9-11 Ig, II. Gr.Mobrßflg.2-G