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Die Wahrheit · 1924-06-20 · Heft 25 (20.6.1924) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 25 (20.6.1924)
Date
1924-06-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 25 DIE WAHRHEIT Seite 5 wohnen und Dankbarkeit für jeden Sonnenblick des Glückes, des Glückes vor allem, das aus den Augen eines Menschen strahlt, den unsere Tat entlastet hat von Herzeleid. Das ist der jüdische Optimismus, den auch Nietzsche teilt, wenn er von Israels segensreicher Sendung an das Abendland erhofft: „Dann wird jener siebente Tag wieder da sein, an dem der. alte Judengott sich seiner selbst, seiner Schöpfung und seines Volkes freuen darf, und wir alle, alle wollen uns mit ihm freuen." Die jüdische Universität in bau zig. Das PrGjekt einer jüdischen Universität in Danzig hat in den letzten Wochen die Oeffentlichkeit bewegt und auch bei uns wurde in einem Artikel darauf hingewiesen, daß durch diesen Schritt die Juden' höchst wahrscheinlich endgültig zur nationalen Minorität gestempelt würden, was nur den Antisemiten recht sein könnte. So hat auch ein Danziger völkisches Blatt festgestellt, es sei ganz in der Ordnung, daß die Juden an jüdischen Universitäten studierten und die deutschen Hochschulen den Deutschstämmigen überließen. In diese mehr oder minder erbauliche Pressediskussion trat die Stellungnahme des Senats, die in Form eines Antwortschreibens an den Völkerbundkommissär gehalten war und als besonders charakteristisch hier im Wortlaut wiedergegeben sei: „Die Freie Stadt Danzig besitzt in der von ihr unterhaltenen Technischen Hochschule eine Universität, die nur zum kleinen Teil von Danziger Staatsangehörigen besucht wird und an der zum größeren Teil Angehörige anderer Staaten ein gern gewährtes Gastrecht (!) genießen. Durch die Gründung einer zweiten Universität in unmittelbarer Nähe Danzigs würde unsere Hochschule geschädigt werden können. Unter den Studierenden unserer Technischen Hochschule befinden sich auch Studierende mosaischen Glaubens, und zwar zu einem Prozentsatz, der nicht bloß vom Senat sondern auch von den Studierenden nichtisraelitischer Herkunft als hoch angesehen wird. Wenn jüdische Staatsangehörige der Republik Polen oder anderer Oststaaten der Meinung sind, m daß an den Universitäten in Polen und in anderen Oststaaten den Studienbeflissenen mosaischen Glaubens bisher nicht das ihnen erforderlich erscheinende Entgegenkommen bei der Aufnahme entgegengebracht worden sei, so wird es ihre Sache sein, in diesen Staaten für eine Aenderung dieser Praxis zu wirken. Die Freie Stadt Danzig aber muß es im Interesse der Homogenität ihrer Einwohnerschaft und aus Gründen der Sicherheit und der Gesundheit ablehnen, daß auf dem Boden ihres kleinen Staatswesens eine zweite Universität begründet wird, die lediglich für Angehörige einer Religion bestimmt ist." Der Senat hat am Schlüsse seines Schreibens den Hohen Kommissär gebeten, im Interesse Danzigs schon jetzt bei dem Auftauchen des Projektes dahin wirken zu wollen, daß es nicht weiter verfolgt wird, da die Bevölkerung der Freien Stadt ein solches Experiment ablehnen und mit ai 1 en Mitteln bekämpfen (!) würde. Der Senat glaubt, dem Beschlüsse des; Völkerbund-Ausschusses für geistige Zusammenarbeit keine größere Bedeutung beimessen zu müssen, und wird auch weiterhin den oben gekennzeichneten Standpunkt gegenüber einer jüdischen Universität einnehmen. Es ist zweifellos, daß der durchaus rechtsorientierte Senat im wesentlichen von antisemitischen Erwägungen sich hat bestimmen lassen, wie ja auch an der dortigen Technischen Hochschule eine durchaus judenfeindliche Richtung am Ruder ist. Und somit dürfte das Projekt trotz Bauplatz und Bauplan für Danzig erledigt sein. Denn es ist kaum anzunehmen, daß der Völkerbund gegen den Willen der Danziger Regierung die Errichtung der Universität zulassen wird. Dazu kommt ein Weiteres: Selbst wenn der Danziger Senat weniger antisemitisch wäre, hätte kaum der Bescheid, höchstens die Begründung anders gelautet. Ein Staat von der Kleinheit Danzigs, der wirtschaftlich schwer genug um seine Existenz ringt, der nicht weiß, wie er die Studenten der Technischen Hochschule unterbringen soll (eben erst erging ein erneuter Hilferuf der wohnungslosen Studenten), ein solcher Staat wird es. a priori immer ablehnen, neben seine Hochschule, eine zweite, in größtem Ausmaß geplante setzen zu lassen, in großen Mengen Zuzug von wirtschaftlich unselbständigen Existenzen zu erhalten, die wenig Steuern einbringen, aber Wohnungen brauchen. Gewiß, eine Uniyersität bringt starke geistige Befruchtung, aber welches Interesse kann der Danziger Senat daran haben, daß ein jüdisches geistiges Zentrum in Danzig an sich schon einigermaßen geladen ist? Mit anderen Worten: es ist nicht recht einzusehen, wie man den Danziger Senat für die jüdische Universität zu gewinnen hoffte, und darauf kam es in allererster Reihe an. Zusammenfassend muß gesagt werden, daß hier wieder einmal vorzeitig Lärm geschlagen worden ist, anstatt abzuwarten, bis die Sache spruchreif war und dadurch einem an sich wertvollen Unternehmen nur geschadet worden ist. .Bei nüchterner Erwägung und Kenntnis der Danziger politischen Verhältnisse mußte sich der tatsächliche Verlauf der Angelegenheit voraussehen lassen. Rath. „Geliebte Tochter, meinen Herzen wert — Dir ward der Gatte, mir dar Sohn entrissen. Alt bin ich, von dies Kummers Nacht beschwert, Du aber sollst des Daseins. Lust nicht missen. Ich kehr zurück in meiner Väter Land, Du zu den Deinen ziehe heim in Friedien. Noch einmal will ich drücken Deine Hand, Umarmen, küssen Dich, dann sei geschieden.'' Doch Ruth, die treue Moabitin, spricht: „Was Du besaßest, hast Du Gott gegeben. Einsam bist Du; gewähr' die heilige Pflicht, Laß fortab teilen mich mit Dir Dein Leben. Laß Deines Gottes, Deines Volk's mich sein. Nichts Trennendes soll unsere Liebe stören. Ein Ort umschließe einst unser Gebein, Im Tode selbst will ich zu Dir gehörend 0 Ruth, die so mit starker Zuversicht Ins fremde Land der Mutter Schritte leitet, Du Weib voll Treue, einfach, fromm unid schlicht, Des Himmels Glanz ist über Dich gebreitet. Beate Baumgarten.

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