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Die Wahrheit · 1924-06-20 · Heft 25 (20.6.1924) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 25 (20.6.1924)
Date
1924-06-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 25 DI£ WAHRHEIT Seite 3 kolaus II. sie gelesen hat. „Uebrigens waren in Rußland schon vor der Revolution (1905) Fälschungen an der Tagesordnung, und zwar nicht nur antisemitische". Hapgood deckt den Urquell der „Protokolle" auf. Der ursprüngliche Fälscher verließ sich nicht auf seine eigene Erfindungsgabe, sondern verarbeitete fremdes Material: vor allem schrieb er vieles wörtlich ab aus dem verschollenen Buche „Ein Gespräch in der Unterwelt zwischen Macchiavelli und Montesquieu" (Brüssel 1865). Dr. Houghton bemühte sich sehr um'die Verbreitung der Brasolschcn Uebersetzung der Protokolle und veröffentlichte später selber eine neue Ausgabe in glänzender Aufmachung, aus der Fords Wochenblatt fleißig zitierte. Plötzlich erschien auf der Bildfläche der vorhin erwähnte Rodionoff, der in der glücklichen Lage war. auf Bestellung jede Anzahl von „Protokollen" beliebiger Art zu liefern. Dieser Mensch wurde von den Fordleuten sehr ernst genommen. Er gab sich als Mitbesitzer der angeblich hebräischen Originale aus und als alleinigen Eigentümer von dreizehn weiteren Protokollen! Hunter Creech (123 X) schrieb an Cameron, den Redakteur des Fordschen „Indepcndcnt" (E. G. Pipps Nachfolger), daß es „sehr nützlich wäre, die hebräischen Originale photographieren zu lassen". Die Angelegenheit wurde dem Doktor Houghton — der nebenbei auch C. C. Daniels Hausarzt war •— übergeben, der sich nachmals für die Echtheit der vierundzwänzig, plus dreizehn hebräischen Protokolle (die er allerdings nicht gesehen hatte und auch nicht hätte lesen können) und für die „Aufrichtigkeit und Verläßlichkeit" Rodionoffs aussprach. Doch war er (Houghton) aus begreiflichen Gründen dagegen, daß R. mit Ford zusammenkomme. Houghtons Geheimbericht wurde an 124 X überwiesen, an Charles Smith, der R. sofort kommen und sich von ihm eine ganz erstaunliche Räubersgeschichte erzählen ließ, welche Hapgood mitteilt, für die uns jedoch hier der Raum fehlt. Schließlich erklärte R., daß er gegen entsprechende Bezahlung bereit sei, Photographien der Originalprotokolle herbeizuschaffen, die angeblich bei einer antisemitischen russischen Geheimgesellschaft in Charbin deponiert seien! Smith — obgleich früher in hervorragender Staatsstellung tätig und sehr erfahren — ließ sich von dem Schwindler einseifen und berichtete an Daniels: „Ich bin geneigt, dem R. Glauben zu schenken". Das Geld, das dieser erhielt, genügte ihm nicht, er wollte mehr haben. Durch Frl. de Bogorv fädelte er eine Intrige ein und schützte Abreise nach Japan vor. wohin man ihm monatlich 1500 Dollar schicken sollte usw. Schließlich kam, soweit Hapgood unterrichtet ist, das „Geschäft" nicht zustande. Sprüche verwendet." Schließlich entließ er uns mit der Zusicherung, daß jener Priester, der uns zur Audienz geführt, stellvertretend zur Weihe der Religionsschule n kommen wird. Wir begaben uns nochmals zu dem freundlichen Domherrn, unseren innigsten Dank für seine Bemühung zu erstatten. Nachdem wir unsere Einladung beim Statthalter gemacht, ging es zum Bürgermeister, wo wir angemeldet waren. Wir wurden bestens und wohlwollend empfangen, der Bürgermeister stellte ähnliche Fragen wie der Bischof, wollte auch wissen, aus welchen Gegenden die einzelnen Gemeindernitgliefteir vorherrschend wären. Die Mehrzahl war aus Böhmen, Budweis, Rosenberg, Kaladei, Tabor, viele waren aus Ungarn, Eisenstadt, Papa, Lackenbach; einige aus Mähren, Linz hatte jahrhundertelang keine jüdischen Insassen, war im Jahre 1872 noch eine junge Gemeinde ohne Tempel und ohne Seelsorger. In Eintracht lebt diese Gemeinde, unbehelligt von Andersgläubigen. Der Herr Bürgermeister drückte seine Freude aus über den Entschluß, einen würdigen schönen Tempel zu bauen, wünschte der Gemeinde Glück und Ausdauer, sicherte seinen und den Besuch einiger Magistratsherren und auch den Besuch des Landesschulrates Dr. N acke zu. Nun war unsere Mission erfüllt und hatten wir jetzt unsere-Vorbereitungen zu treffen. Es gab sehr viel zu tun. Ein herrlicher Maitag war der 20. Mai; v. Einer derjenigen Spione Fords, die während des Weltkrieges in Staatsdiensten gestanden hatten, mißbrauchte sein Amt unter anderem dazu, ein gewisses amtliches Schriftstück, das gegen den bekannten triedensfreundlichen Senator La Follette gerichtet war. photographieren zu lassen. Diesen Geheimbericht schroteten nachmals Fords Detektive gegen La F. aus, weil dieser den antisemitischen Feldzug des Detroiter Großindustriellen öffentlich mißbilligte. Der amerikanische Kriegsveteran Nathan Fried, ein Jude, richtete an Ford einen Brief, in welchem es hieß: „Lassen Sie sich sagen, daß der Jude in diesem Lande niemandem im Wege ist, es sei denn den Feiglingen und Verrätern." Das Schreiben ging „zur Behandlung" an C. C. Daniels, der seinen Freund Paul Tuthill (55 D) mit dem Bespitzeln des Veteranenbundes beauftragte, dem Fried angehörte. Tuthill ließ sich durch Fälschung der Unterschrift Frieds zu einer Versammlung des Bundes „einladen" und trat diesem auch als Mitglied bei, um besser spionieren zu können. Was wir aus Hapgoods Artikelfolge ausgezogen haben, ist nur ein kleiner Teil, aber es wird zur Charakterisierung des hinter den Kulissen arbeitenden Fordschen Schnüffelsvstem wohl vollauf hinreichen .... („Wahrheit", Prag.) Nathan Birnbaum. Ein Nachwort zu seinem 60. Geburtstag. Von Salo P e r I s t e i u, Baden bei Wien. In den Jahren seit dem Beginn des großen Mordens und der Zertrümmerung der Welt ist es um N. Birnbaum so 'still geworden, daß sein Ruf verhallte. Still in dem Augenblick, in welchem sein ungestümer Drang nach Wahrheit ihre Spuren aufspürte und auch fand. Fand und in emsiger Forschertätigkeit in sich aufsaugte. Und so zum reinen Gefäß der Lehre wurde. Im Zenith des Lebens fand sein irrender Geist das, was seine Seele seit jungen Jahren, seit die Vernunft ihre Herrschaft auf ihn ausdehnte, suchte, den jüdischen Urquell. Und mit der ganzen Leidenschaftlichkeit seines Wesens trank er gierig vom reinen Quell. Saugte sich voll, um die reinen Wasser, einem Schwamm gleich, weiter mitzuteilen. Die verdorrten Aeste zu tränken. Die Erscheinung, wie wir sie in Birnbaum verkörpert finden, ist dem Juden nicht neu. Es genügt auf ein biblisches Vorbild hinzuweisen, auf Jethro, dem Schwiegervater Moses, von dem es heißt, daß er allen Götzen der Sitzungssaal war schönstens geschmückt, die Ordner hatten alles bestens vorbereitet, es erschienen von den nahen Gemeinden Deputationen, auch von Wien. Der erste von den geladenen hohen Gästen war der Statthalter Conrad v. E i b e s r e 1 d mit einigenStatthaltereiräten.dann kamen Magistratsräte und Herr Doktor N a c k e, es füllte sich der Saal: Der Kantor rezitierte mit klangvoller Stimme das Matowu und einen Psalm. Hierauf sang der Verein „Frohsinn" mit den Schulkindern das Lied „Die Schule ist dem Garten gleich"'. Nach Beendigung des Liedes begab sich der Weiheredner Herr Dr. Ehrenteil auf ein Podium und hielt eine herrliche formvollendete Festrede. Der Statthalter gratulierte im Namen dies Landes Oberösterreich und im Namen der Behörden des Landes der Kultusgemeinde, wünschte ihr das beste Gedeihen und verlangte 50 Exemplare des Liedes zur Verteilung an Landesschulen. Hierauf sprach Dr. Ehrenteil den Segensspruch: „Gelobt seist du, Gott, unser Herr, Herr der Weit, der uns hat am Leben erhalten, daf.5 wir erlebt und erreicht haben diese Zeit". Mit diesem Segensspmche "wurde dem Weihefest die schönste Krone aufgesetzt. Die Vorsehung halte schützend und schirmend ihre Hand über die noch junge Gemeinde Linz, lasse ihre Jugend heranwachsen zur Ehre und zum Stolze des echten und rechten Judentums.

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