Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 24 (13.6.1924)
- Date
- 1924-06-13
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 DIE WAHRHEIT Nr, 24 Antisemitismus in Rußland. Die Straßbiuger Zeitschrift „La Tribüne juife" veröffentlichte vor kurzem eine Zuschrift aus Moskau an die jüdische Zeitschrift „Unser Gedanke'" in WUna, worin es heißt: „Der Antifseraitistnus wächst unaufhörlich bei uns. Er entwickelt sich-unter den Massen, den Bauern, Arbeitern und Soldaten. Die Massen leiden und1 ihr unbewußtes Sehnen hat nur ein Ziel: Kampf «gegen dlas Judentum! Sie machen keinen Unterschied mehr zwischen Juden und Kommunisten. Auf der Straße, in der Eisenbahn, selbst in öffentlichen Gebäuden, überall spricht man gegen die Juden. Die geb;idleten Kreise haben nicht weniger zu leiden als die unteren Schichten. Auch unter den Sowjet-Gewaltigen selbst, unter Literaten und Künstlern blüht der Antisemitismus wie nie zuvor. In einem Cafe hatten der bekannte Dichter Esse&Lne und der Literat Pilniak einen antisemitischen Streit hervorgerufen und wurden verhaftet. Nach zwei Tagen ließ man sie aber wieder frei. Rohling und Dinter. Die Wahrheitsliebe des Dr. "Artur Dinter ist schon genügend gekennzeichnet, aber es muß immer wieder hervorgehoben werden, daß Lüge Lüge bleibt, wenn säe auch wiederholt aufgetischt wird Dr. Dinter hat in seinen „Lichtstrahlen aus dem Talmud", offenen Briefen an Herrn Landesrabbiiner Dr. Wilsen usw. die Behauptung' ausgesprochen: „Rohling ist niemals als „Fälscher entlarvt" worden. Weder i n einem Gerichtsverfahren, noch außerhalb eines solchen." Der Tatbestand ist folgendermaßen: Dr. J. Bloch s. A. hatte den Professor Rohling in Prag -einen «Lügner" und „Fälscher" genannt; dieser erhob beim Wiener Landesgericht die Ehrenbeleidigunigsklage. Sachverständige auf dem Gebiete der hebräischen und rabbinischen Literatur wurden vernommen, die Schlußverhandlung wurde festgesetzt — d a trat Herr Rohling von der Anklage zurück. Das Gericht sprach den Angeklagten frei und verurteilte den Kläger Professor Dr. Rohling zur Tragung s ä m 11 i c h e r Kosten. Es lohnt sich, Rohling und Dinter miteinander zu vergleichen. Dr. M. Sp. (Mgdbg.) Wie die Jugend verdorben wird. Der „Wiener Morgenzeitung" schreibt zu dem Morde der Brüder Peler und Franz Harter in Salzburg an dem Schuhmacher Alois Schulz und seiner Frau Marie (der eine Mörder ist 21 Jahre, der andere noch nicht 18 Jahre alt) ein Leser in Salzburg folgendes: „Die Stadt des .Eisernen Besens', der völkischen Hurrah- und Stoßtrupp-Politik, wird heute von einem grauenhaften Mord in Atem gehalten. Ein lSiähriger Jüngling, Mitglied des katho7 lischen Jünglingsvereines, hat gemeinsam mit seinem Bruder Meister und Frau überfallen und gemordet. ,Kantig und-handlich' wurde die Hacke, das Mordwerkzeug, vorbereitet und mit ,zwei scharfen Hieben' wurde gemordet. Das waren die eigenen Worte der Mörder beim Verhör. Liestsich das nicht geradezu wie etwa ein Artikel des .Eisernen Besens'? Hört man da nicht die scharfen Kommandotöne heraus? — Kantig und handlich! — Wie erfrischend das klingt. Man sieht sie förmlich, die beiden Jungen, stramm in Windjacken, Ueberschwung und Sturmhelm, geziert mit Hakenkreuz, erfüllt von dem eingedrillten Gedanken, mit Taten ihr Heldentum beweisen. Sollten solche Jungen ifliren Tatendrang unbefriedigt lassen? Ist es wirklich nur das Kino, das im engen Hürn den Gedanken zum Mond erweckt? Unsere Seelen sollen saniert werden und •ringsherum wird Haß gesät, werden junge Hirne mit Phrasen vollgestopft, denen Mordigedanken entsprießen. ,Er war bloß ein halbes Jahr im Jünglingsveredn umd konnte in dSeser kurzen Zeit das Unkraut der Vergangenheit noch nicht ausgerottet werden.' Das schreibt ein Salzburger Blatt. Wann begann bei dem siebzehnjährigen Jüngling dlas Unkraut zu gedeihen? ,Er war der Sohn eines Bergmannes', (Schreibt dasselbe Blatt. Dürfen nur Beamtensöhne, wie Novosad. morden?" Es ist kaum zu zweifeln, woher diese beiden jungen den Mordgedanken hatten. Sie sind irregeleitete Opfer des herrschenden Zeitgeistes, -des chauvenistischen Hasses, der, von oben geduldet und verhätschelt, in Oesterreich und besonders in der österreichischen Provinz, die Jugend betäubt und ins Verderben führt.___. ^^■■■■■■■■■■■■■■BBSHHHHBHnHBBSBflBHk.' Werbet Abonnenten für „Die Wahrheit"! Theater, Kunst u. Literatur| S. Blach, Kindertage, Halberstadt, H. Meyer's Verlag. Das anspruchslose Heftchen enthält Erinnerungen aus einsm jüdischen Lehrerhaus und bietet nicht nur eine anregende Lektüre für jeden gemütvollen Leser; es weckt auch teure Erinnerungen an unsere Kindheit und bietet für die Kenntnis 'des jüdischen Lebens vergangener Zeiten im ^westlichen Mitteldeutschland einen willkommenen Baustein. B. Aronson. Mark Chagall. Razum-Verlag, Berlin, C. A. Schwetschke & Sohn. Den meisten dürfte Chagall nur als einer jener Karikaturisten bekannt sein, die, wie der Ellässer Alphonse Levy und die Polin Szalit, das jüdische Volksleben mit durchleuchtender Wärme in komischen Typen festhalten. Aus dein vorliegenden, reich illustrierten Buche ersieht man, wie richtig Ch. sich einmal selbst charakterisiert hat: „Wenn ich nicht Jude wäre (welchen Gehalt lege ich in dieses Wort!): so würde ich entweder überhaupt nicht Maler sein, oder jch wäre ein ganz anderer!" Man hat ihn mit Mendale verglichen, er selbst hat in seinen Illustrationen zu Scholem Alejchem seine Geistesverwandtschaft mit diesem bekannt. Uns erinnert er in vielem auffallend an Perez. Er röntgenisiert seine Figuren mit einer Phantastik, die trotz aller Burleske tiefstes, liebevolles Erfassen seines Gegenstandes verrät. Das russische Judentum offenbart hier wieder einmal, wie in Antokojeski. und Livitan, in einer großen künstlerischen Kapazität die Unerschöpflichkeit seiner urwüchsigen Volkskraft. R. Ahr. Jeremias, Allgem. ' Religionsgeschichte, 2. Aufl. R. Piper & Co., München 1924. Der Verfasser hat gut daran getan, Judentum und Christentum auszuschalten. Nicht nur darum, weil sie, wie er selbst es begründet, zahlreiche Sonr derdarstellungen erfahren haben, sondern weil^duTch die Ueberfülle der Hypothesen über diese beiden Religionsgebiete der objektive Gewinn aus dem ganzen Werk erheblich geschmälert worden wäre. Sagt doch der Verfasser selbst: „Für den christlichen Religionsforscher ist der Ausgang vom christlich - religiösen Standpunkt aus gegeben." Die Absolutheit des Christentums findet er theoretisch durch die ausgleichende Religionsgeschichte bestätigt. Umso, anerken*- nenswerter ist die Sachlichkeit, mit der er seinen Stoff bearbeitet hat, der, besonders wo nur aus spärlichen literarischen Fragmenten geschöpft werden kann, dem Einfühlen große Schwierigkeiten entgegensetzt Auch vöii Juden ist wiederholt die Rede, was bei einer Neuauflage im Index berücksichtigt werden sollte. Sovon der jüdischen Einwanderung in Aegypten 60, in Indien 136 und China 171, von jüdischer Propaganda in Arabien 94, jüdischen Elementen im Islam 103 ff. Gegenüber der immer sicherer auftretenden; Geschichtslüge, die Juden - seien nie, auch nicht im AltertuiK, Ackerbauer gewesen, sei an die bekannte Tatsache erinnert, die S. 104 angeführt wird: „Um den ganz in jüdischen Händen liegenden Ackerbau vor der Vernichtung zu schützen, überließ Muhammed* den Juden die eingezogenen Güter zur Pacht." Auch biblische Gegenstände werdlen gestreift (42, 48, 112 der hetitische „Herr von Himmel und, Erde"). Daß moderne europäische Auswirkungen orientalischer' Religionen, wie die Anthroposophie und andere berücksichtigt sind, zeigt, wie der Verfasser bemüht war, in begrenztem Rahmen womöglich Vollendetes zu bieten. Sein Buch, durch gute Bildbeigaben illustriert, eignet sich zur Verbreitung auch in Laienkreisen. R. Dr. Fritz Kahn, ,fDas Leben des Menschen". Franck- Verlag, Stuttgart, Band 1 und 2. Fritz Katm,' den wir bereits als geistvollen, federgewandten Kritiker der Rassentheoretiker in seinem Buch „Die Juden als Rasse und Kulturvolk" kennen gelernt haben, tritt hier mit einem Monumentalwerk in die Oeffentlichkeit; er schenkt seinem Zeitalter, das auch schon den Beinamen „das biologische" führt, sein Märchenbuch, sein „Tausend und eine. Nacht'f, nur daß diese Märchen einer realistischen Zeit Wirklichkeit sind. Was die gesamte Naturwissenschaft in. emsiger Forscherarbeit bis heute über den Menschen entdeckt hat, soll hier zusammengetragen werden Größtes Kager In leinst. Eödisen, Efoles n. Capes Reiche Auswahl neuester Pclzmodelle in sämtl. Pelzarien ~ Pariser u.Wiener Geschmack vereint - erzeugt nur in eigenen Werkstätten, unter pers. Leitung des bestrenommierten Inhabers der Firma Praterstr. S*tt .Mofireng.2-G