Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 24 (13.6.1924)
- Date
- 1924-06-13
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 24 DIE WAHRHEIT Seite 9 Sommerfrischen mit zustimmendem Indianergeheul begrüßt, weil so wenigstens die deutschchristlichen Gefilde des „heiligen Landes" judenrern bleiben. Und nun begegnet man herzbrechenden Lamentationen der Tiroler Fremdenverkehrsvereine über die heurige Verödung dieses einst vielbesuchten Alpenlandes/ Die Deutschen aus dem Reich können wegen der 500 Goldmark, die sie zahlen müßten, nicht kommen und so weit man sieht, ist von Engländern oder Amerikanern keine Spur. Die guten Oesterreicher sind es ebenfalls müde, sich von den Wasteln schonungslos würzen zu lassen. Was soll das nun werden? Die ganze dortige Fremdenindustrie, Hotels und was drum und dran hängt, besorgt den Zusammenbruch. So wie in TiroJ ist es in Kärnten, Steiermark, Salzburg, Ober- und Niederösterreich. Diese Länder sind heuer judemrein, aber auch sonst fremdenrein. Sie können sichbei den deutschnationalen' Hetzern für solche Erfolge bedanken. Nichtsdestoweniger blödelt der Innsbrucker „Nationalsozialist" über die fortschreitende Verjudung dort. Gemeint ist die Konkurrenz jüdischer Geschäftsleute. Der Biedermann darf sich trösten, wenn die Fremdenscheu so weiter geht, blüht den jüdischen und christlichen Geschäftsleuten das gemeinsame Los der Pleite. Das •Maurertum ' deutscher HakenkreuzoHiziere. Der Nationalverband deutscher Offiziere hat beschlossen, alle Freimaurer aus Seinen Rieihen 'auszuschließen. Dieser Ble-, schluß hat die helle Entrüstung der altpreußischen Großlogen hervorgerufen. Mit Recht! Denn diese Herrschaften sind geradeso anüserniitisch^natiionalifstisch^militaristiisch eingestellt "wie der Nationalverband deutscher Offiziere setbst. Sie veröffentlichen eine wütende Erklärung, in der der wundervolle Satz vorkommt: „Wir verwerfen den Pazifismus in jeder Form und haben mit dem Internationalismus nicht das Geringste zu tun." So tief sind die Vertreter einer Organisation gesunken, die einst Brüderlichkeit und Humanität auf ihre Fahne geschrieben hatte! Der Gedanke ist nicht auszudenken, wie sich etwa der Ehrenmann Ludendorff als Meister vom Stuhle gehaben würde. Es heißt auch, daß der Schloßherr von Oels, der deutsche Exkronprinz, einer deutschen Loge angehört. Erkläret mir .... In einer großen Wiener Tageszeitung fanden wir kürzlich unter den volkswirtschaftlichen Mitteilungen einen Generalversammlungsbericht über die Wiener Schlosserwarenfabrik Otto Babsch & Josef Böhm A.-G., die, mit dem üblichen Erkenmmgskreuzel versehen, ihre Reklametendenz nicht verleugnen konnte. Darüber wäre weiter nichts zu bemerken, wohl aber gibt uns die Nebeneinanderstellung zweier Namen einiges zu denken. Als Präsident der genannten Firma wird Herr Karl Kaindl genannt, ein notorischer Antisemit, im Nebenberuf Obmann des deutschnationalen Verbandes. Dagegen befindet sich unter den VerwaltUngsräteu der Wiener Schlosser warenfabrik Dr. Leopold Plaschkes, hier nur bescheiden als Rechtsanwalt geführt, der bekanntlich weit davon entfernt ist, hakenkreuzlerisch eingestellt zu sein. Es ist auch kaum denkbar, daß oben charakterisierter Herr Karl Kaindl ausgerechnet Herrn Dr. Leopold Plaschkes mit der Rechts"anwaltschaft dieser Aktiengesellschaft betraut hat; aber auch wenn schon . . . . ist eine Erklärung sehr zu wünschen. Davidstern und Hakenkreuz. Ein Freund unseres Blattes schreibt, mit Bezug auf die Fernsprechernotiz H. S. in Nr. 21 der „Wahrheit": „Die Verwechslung von Sowjetstern und Mogen-Dowid bedarf noch einer weiteren Ausführung. Hier liegt mehr vor als Pentagramm und Hexagramm. Die zeichnerische Darstellung des Sterns als Fünfzack, wie allgemein üblich, ist wohl eine impressionistische, denn jeder nur einigermaßen Gebildete weiß, daß die Sterne als Himmelskörper keine Zacken haben, sondern rund sind. Das Pentagramm spielt in der Magie allerdings eine bedeutende Rolle. Eine ähnliche wurde dem Davidstern zugeschrieben, den allerdings der königliche Psalmist nicht als Hauswappen erfunden hat, son- . dern der von Salomon dem Weisen stammt. Und auch dieser hat wohl aus, altindischer Kosmogonie geschöpft, denn die ineinander verschlungenen zwei Dreiecke —- eines mit der Spitze nach unten, das andere mit der Spitze nachoben — galten als Symbole der im Universum wirkenden Urkräfte, Wasser und Feuer. Wem die größere Macht zukomme, darüber findet sich ebenfalls im Faust II ein unentschiedener Streit zwischen Heraklet und Thaies. „Wanft kam durch Wasserkraft ein solcher Berg zustande?" „Im Feuchten nur ist Lebendes vorhanden." Salomon, dafür war er Ja der Weise, brachte die Koalition zwischen Feuer und Wasser fertig und soll mit diesem „Siegel Salomons" die bösen Geister (Schedim) gebändigt haben. — Bei diesem Anlasse möchte ich auch einiges über Ursprung und Erfindung des Hakenkreuzes sagen, das von Deutschvölkischen als heiliges Wahrzeichen des Germanentums auf ihre Fahnen und Zeitungen gesetzt wird. In den Monaten der deutschen Wahlbewegung haben die verschiedenen hakenkreuzlerischen Parteien einander nachgewiesen, daß alle ihre Führer jüdischer Abstammung sind. Aber der Nachweis der Verjudung bleibt bei den hakenkreuzlerischen Personen nicht stehen, er ist nun auf das Hakenkreuz selbst ausgedehnt worden. Auch dieses „arische" Symbol ist wie seine Träger — jüdischer Herkunft. Wie nämlich der ..Vossischen Zeitung",aus Haifa in Palästina gemeldet wird, hat die vom Direktor Sommerfeld geführte dänische Palästinaexpedition in den Trümmern von Kapernaum unter Zionssterneu ein Hakenkreuz gefunden. Und zwar schmücken die Hakenkreuze just den Fries einer — Synagoge aus der Zeit Christi. Die mißliche Entdeckung hat immerhin den einen Vorteil, daß die verjudeten Hakenkreuzler das verjudete Hakenkreuz nunmehr ohne Bedenken tragen können. Es hatte übrigens der Ausgrabungen in Kapernaum gar nicht bedurft, um das Hakenkreuz als völkische Schwindelerfindung erkennen zulassen. Eine Anfrage bei den Höchster Farbwerken hätte genügt, zu erfahren, daß diese Firma bei dem Weltversand ihrer Artikel nach Indien mit dem Hakenkreuz-Warenzeichen versehen habe, weil diese Zeichnung dort als glückbringend beliebt und bekannt ist. Dasselbe geschäftliche Motiv, das die Höchster Farbwerke bei der Wahl des Hakenkreuzes geleitet hat, war, wenn auch uneingestanden. bei den Völkischen bestimmend." Ein wenig bekanntes Gedicht Heinrich Heines. Aus dem Kreise unserer Leser erhalten wir folgende Zuschrift: Zu den berühmtesten Gedichten Heinrich Heines gehört wohl die „Wallfahrt nach Kevlaar". In Wien wird dieses Gedicht in jedem Jahre ein- oder mehreremal von den bedeutendsten Künstlern öffentlich vorgetragen. Die Stimmung, die das ganze Gedicht beherrscht, bringt in unübertrefflicher Weise die Inbrunst des katholischen Glaubens zum Ausdruck. Heinrich Heine hat aber auch ein Gedicht geschrieben, in dem er dem Judentum oder genauer gesagt dem guten jüdischen Herzen ein unsterbliches Denkmal gesetzt hat. Dieses Gedicht ist seinem Oheim Salomon Heine, der voll tiefem Mitgefühl mit dem Lose seiner Glaubensgenossen ein jüdisches Krankenhaus in Hamburg erbaut hatte, gewidmet. Ein Abdruck dieses viel zu wenig bekannten Gedichtes dürfte manchem Leser dieses Blattes willkommen sein. Ist es doch gerade dieses Mitgefühl für viele unschuldig Leidende, das manchen Juden mit dem Judentum verbindet! Dr. E. W. Dieses Gedicht lautet: Das neue Israelitische Hospital zu Hamburg. Ein Hospital für arme, kranke Juden, Für Menschenkinder, welche dreifach elend. Behaftet mit den bösen drei Gebresten, Mit Armut, Körperschmerz und Judentume! Das schlimmste von den dreien ist das letzte. Das tausendjährige Familienübel, Die aus dem Niltal mitgeschleppte Plage. Der altägyptisch ungesunde Glauben. Unheilbar tiefes Leid! Dagegen helfen Nicht Dampfbad, Douche, nicht die Apparate Der Chirurgie, noch all die Arzneien, Die dieses Hans den siechen Gästen bietet. Wird einst die Zeit, die ew'ge Göttin, tilgen Das dunkle Weh, das sich vererbt vom Vater Herunter auf den Sohn, — wird einst-der Enkel Genesen und vernünftig sein und glücklich? Ich weiß es nicht! Doch mittlerweile wollen Wir preisen jenes Herz, das klug und liebreich Zu lindern suchte, was der Linderung fähig. Zeitlichen Balsam träufelnd in die Wunden. Der treue Mann! Er baute hier ein Obdach Für Leiden, welche heilbar durch die Künste Des Arztes — oder auch des Todes! — sorgte Für Polster, Labetrank, Wartung und Pflege. Ein Mann der Tat, tat er, was eben tunlich! Für gute Werke gab er hin den Taglohn Am Abend seines Lebens, menschenfreundlich, Dufch Wohltun sich erholend von der Arbeit. Er gab mit reicher Hand — doch reich're Spende Entrollte manchmal seinem Aug" dfte Träne. Die kostbar schöne Träne, die er weinte Ob der unheilbar großen Brüderkrankheit.