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Die Wahrheit · 1924-06-13 · Heft 24 (13.6.1924) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 24 (13.6.1924)
Date
1924-06-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 8 DIE WAHRHEIT Nr. U fahren wir aus einem Bericht der „New-Yorker Staatszeitung" über ein privates Festessen, das man dem Ehepaar in New- York gab. Da heißt es: „Herr und Frau J. F. Schnellkopf . kamen eigens aus Buffalo nach hier, um dem Dinner beizu- .wohnen. Auch Dr. Otto König und Frau, Frau T. Israel, Frau Wm. Knauth, Herr Emil Thiele, Herr August Walther, Dr. W. Hirsch und Dr. E. Horwitz waren unter den Gästen. Dr. Horwitz hielt eine Rede über Richard Wagner und Herr Dr. Hirsch verstand es meisterhaft, in seiner Ansprache von Richard Wagner auf den Sohn Siegfried überzugehen." 0 weh! Israel, Hirsch, Horwitz!! — Her Ludendorff- Lindström wird sich am Ende überlegen müssen, noch einmal die Gastfreundschaft und Geldsendungen von völkischen Freunden anzunehmen, die in solcher Gesellschaft das Hakenkreuz verraten! Bruderzwist im Hause Hakenkreuz. Unsere in Nr. 22 gebrachte Notiz vom Eingehen des „Völkischen Beobachters" beruht nur insofern auf Richtigkeit, als die deutschvölkische „Großdeutsche Zeitung", die Nachfolgerin des „V. B.", auf einige Zeit nicht erscheinen soll. Wie wir aus München erfahren, sind dadurch Schwierigkeiten entstanden, daß der frühere nationalsozialistische „Völkische Beobachter", der nach dem Hitler-Putsch von der bayerischen Regierung verwunderlicherweise verboten wurde, wieder erscheinen will, nachdem den Münchener Nationalsozialisten die kapitalistische Tendenz der „Großdeutschen Zeitung" nicht mehr paßte. Schaut, schaut, sollte die mühsam gekittete Einheitsfront des Hakenkreuzes so kurze Zeit nach der Wahl schon in Brüche gehen? Die Pflicht des Chorherrn. Eine gewerbegerichtliche Entscheidung von prinzipieller Bedeutung verdient zur Kenntnis der Öffentlichkeit gebracht zu werden.. Der Tempelyerein Beth Israel in der Leopoldsgasse fand sich veranlaßt, auf Grund mehrfacher Beschwerden aus dem Kreise seiner Mitglieder einen Chorherrn wegen nicht religiösen Verhaltens zu entlassen. Dieser betrat hiergegen den Klageweg beim Wiener Gewerbegericht. In der durchgeführten Verhandlung gab der als Sachverständige berufene Rabbiner der Schiffschul I. Fürst sein Gutachten dahin ab, daß eine orthodoxer Tempelverein, als welcher Beth Israel zu betrachten sei, das Recht habe, von den Angestellten, zu denen auch die Chorherren zählen, einen Lebenswandel zu fordern, der' den strenggläubigen Satzungen entspräche. Andernfalls wäre ein Anstoß und Aergernis gegeben, das eine Entlassung des Zuwiderhandelnden rechtfertige. Der . Richter teilte den Standpunkt des Sachverständigen und wies die Klage kostenpflichtig ab. Mit Rücksicht auf die Vermögenslage des Klägers verzichteten alle Anspruchsberechtigten auf ihre Ansprüche. Getaufte Juden als Leichenschänder. Obwohl man sich von Juden, die ihrer angestammten Religion untreu geworden sind, jeder Niedertracht versehen muß, übersteigt eine aus Budapest kommende Meldung alles bisher von solchen Leuten Gehörte. In der letzten Zeit sind nämlich bei der jüdischen Gemeinde eine Anzahl Gesuche von Personen, die aus der jüdischen Gemeinde ausgetreten sind, eingelaufen, in welchen gefordert wird, daß die auf dem jüdischen Friedhof beerdigten Ueberreste ihrer Eltern dort ausgegraben, damit sie auf dem christlichen Friedhof beigesetzt werden. Ein solches Gesuch wurde dieser Tage auch an die Chewra Kadischa in Budapest gemacht. Der Gemeindevorstand verwarf das Gesuch. Darauf wandten sich die Ansuchenden an den Senat der Budapester Stadtverwaltung, der die Chewra Kadischa anwies, alle diejenigen Leichen, die von den Erben angefordert werden, auszufolgen. De Chewra Kadischa .hat nunmehr beschlossen, keine Person, die getaufte Hinterlas - sene zurückläßt, zur Beerdigung anzunehmen, es sei denn, daß diese ein Schriftstück unterzeichnen, in dem sie erklären, daß der Leichnam auf dem jüdischen Friedhof beigesetzt werden soll. Die Budapester Stadtverwaltung hat sich durch ihre Verfügung dieser Neuchristen würdig gezeigt. Ein Parteigenosse gegen Dinter. Im „Michel" bespricht der Historiker Prof. Dr. Heinrich Wolf Dinters Buch „Das Evangelium" mit sehr einschränkendem Lob. Ich muß offen gestehen, daß meine Freude an Dinters Buch durch seine gehässigen Ausdrücke über Paulus sehr gedrückt ist. Da lesen wir „Der J|ude (und Rabbinerschüler Paulus"; „Der Jude Paulus, verstand seine antichristliche Lehre unter dem erlogenen Protektorate des Heilands auszubreiten"; „Der Säulenheilige beider christlicher Kirchen, der Jude Paulus"; „Irrlehre des Paulus'; „Der erste Professor der Theologie war der Jude Paulus"; Ider '„jüdisch-paulinische Dogmenkram*'. Das herrliche 13. Kapitel des ersten Korintherbriefes wird dem Paulus einfach abgesprochen. Und zum Schluß: „Die Kirchengeschichte erzählt uns von immer wachsender Entfernung von Jesus. Mein dringender Wunsch ist, daß durch Dinters Buch viele Deutschgesinnte zu Jesus geführt werden. Leider fürchte ich, daß dieser Erfolg durch manche „Erläuterungen Dinters stark beeinträchtigt wird." Unberechtigte Aufregung. In Adolf Barteis Deutschem Schrifttum gibt ein H. S. Z. (der Verantwortliche dieses Blattes Hans Servus Ziegler?) folgende Notiz von sich: „Das Schamloseste alles Schamlosen ist Tatsache geworden: die jüdischen Witzblätter Deutschlands sind dazu übergegangen, die Gestalt des Heilands — durch das Zerrbild und entsprechende textliche Erläuterungen zu verhöhnen. Der Simplizissimus, die gemeinste Publikation des gesamten deutschen Büchermarktes, bringt die Gestalt Christi im Rahmen eines Bildes, das Theodor Fritsch und das Hakenkreuz verspotten soll (29. Jahrg. Nr. 3 vom 14. April) und, wie auf eine Verabredung oder alljüdische Parole hin das Dreckblatt „Lachen links" (Jahrg. 1, Nr. 15) eine sechsfache Karikatur unter dem Titel „Osterbetrachtung' und dem Untertitel „Wenn Christus heute wiederkehrte---." Wo bleibt ein Schutzgesetz zum Schutz der deutschen Christen!!" — Ja doch! Wo bleibt ein Schutzgesetz zum Schutz der deutschen Christen gegen deutsche Christen von der Art der Dinter Fritsch und gewisser Pastoren, die oft ihren Heilajid gröblicher lästern, als es irgend ein Witzblatt je getan. Zur Belehrung „Michels". Es dauert gewöhnlich einige Wochen oder gar Monate, bis der gute „Michel" sich entschließt, eine oder die andere Notiz unseres Blattes zu glossieren. Diese Verspätung mag darin ihre Ursache haben, weil sich in deutscharischen Schriftleitungen der Denkprozeß, wenn von solchem überhaupt gesprochen werden kann, nur schwer und langsam vollzieht. So kommt nun Herrn Kippers Blatt erst jetzt auf jenen Artikel zurück, den wir anläßlich des Vukabrankovich-Prozesses und seiner Ausschrotung durch die Sensationspresse geschrieben. Jener Artikel war hauptsächlich gegen die gewisse Bettauer-Moral gerichtet, die hei allen anständigen Leuten, ohne Unterschied der Konfession, öffentliches Aergernis erregte und noch erregt. „Michel" glaubte aus der Sache in seiner Weise Kapital schlagen zu sollen und tat dies jüngst mit der Notiz „Ein Jude gegen den anderen". Seine schlecht gespielte Ueberraschung ist kaum am Platze. Er muß vielmehr darüber belehrt werden, daß zwischen - einem wirklich jüdischen Blatte und einem hakenkreuzlerischen der wesentliche Unterschied besteht, daß ersteres die Schädiger im eigenen Lager schonungslos zur Verantwortung zieht, während anderseits die arische Flagge jede Schurkerei deckt und entschuldigt. Diese Belehrung gilt nicht nur dem „Michel", sondern allen ähnlich gearteten Blättern. Wer ist der Hundsfott? Niemand kann gezwungen werden, von einem Toten Gutes zu sagen. Aber es gibt ein ungeschriebenes Gesetz der Anstandslehre, das die Beschimpfung eines Verstorbenen bedingungslos verbietet. Es scheint, daß diese als selbstverständlich geltende Forderung bei einem völkischen Gassenbuben in Männerart nicht gelte, sonst würde der „Nationalsozialist" nicht seinen Geifer auf das Grab Walter R a t h e n a u s speien und ihn als Hundsfott bezeichnen, der sein Schicksal reichlich verdient hat. Nicht genug daran, gefällt sich der Edeling mit dem Hakenkreuz in der Bemerkung, „es ist nun zu hoffen, daß auch seinen Helfern und Helfershelfern das gebührende Schicksal zuteil werde." Sonach wird man die Frage, die diesen Zeilen vorgesetzt ist, „Wer ist der Hundsfott?" gerechtfertigt finden. Die biederen Tiroler. Erst vor etlichen Wochen hat ein Innsbrucker Hakenkreuzblatt unsere . Warnung vor dem Besuch der fast durchwegs antisemitischen österreichischen JAC. MAYER Kleider-, Pelzeu. Gummimäntel-Fabrik Zentrale: Detailverkauf: Wien IL, Glockengasse 24 Wien II., Taborslraße 44

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