Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 24 (13.6.1924)
- Date
- 1924-06-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 4 DIE WAHRHEIT Nr. 24 für seine judenfeindlichen Einflüsterungen empfänglich zu machen. II. Ein sonst wirklich gutherziger und verständiger Mann, der New - Yorker Advokat C. C. Daniels, ein Bruder von Wilsons Marineminister Josephus D., ließ sich durch gewisse Einflüsse auf die schiefe Bahn des Rassenvorurteiles bringen und' den Kopf so sehr verdrehen, daß er an die Spitze von Fords New - Yorker Detektivagentur für antisemitische Spionage trat, „die ebenso idiotisch wie gefährlich arbeitet". Diesen Spionen „war keine noch so unsinnige Geschichte zu dumm". Sie hefteten sich an die Fersen aller bekanniten Peinlichkeiten, tdfte Judest waren oder von ihnen für Juden gehalten wurden. Auch befaßten sie sich mit den Behörden, an deren Spitzen Juden standen, -wie das Schifffahrtsamt und die Kriegsfinanzkorporation, oder" in denen Juden eine angesehene Rollen spielten, wie der Oberste Gerichtshof, dem der berühmte Brandeis angehört, den sie verdächtigten, in seinem Bureau eine eigene Telephonleitung zu haben, die ihn angeblich direkt" mit dem Bureau des Präsidenten Wilson verbinden sollte, obgleich dieser schwerkrank war und Brandeis tatsächlich nicht" einmal ein gewöhnliches Telephon hatte! Sie konnten sich die Judenfreundlichkeit Wilsons und seines Vertrauten, des Obersten House, nicht anders erklären, als durch eine solche geheime Beeinflussung!! Unser Gewährsmann schildert die wochenlange, urkomische Bespitzelung Brandeis' eingehend und druckt erstaunliche Detektivberichte darüber an Daniels ab, für deren Wiedergabe unser Raum zu beschränkt ist. _ Aber auch bekannte Nichtjuden wurden „bearbeitet". Alle liberalen Männer der Oeffentiichkeüfc ©alten diesen Geheimagenten Fords als „jüdische Fronten", ganz besonders Oberst House und Herbert Hoover. Das „System" — es erinnert an den zaristischen Albdruck — airbeSitet so geheim, daß die Mitwirkenden nur unter Ziffern und Buckstaben bekannt sind. Hapgood gibt eine lange Liste von Namen mit ihren Zahlen. So z. B. wird Fords Hauptsekretär Liebold als „121 X" bezeichnet, Natalie de Bodory — Tochter eines russischen Generals, Sekretärin eines Hauptspions Fords — mit „29 H". „In den Kreisen dieser Detektivs wurden amerikanische Pogroms angekündigt", schreibt Hapgood. „In Fords Umgebung machten sich allmählich die . gleichen Anzeichen geltend wie einst in Rußland zur Zeit der Schwarzen Hundertschaften. Einige gewesene Mitglieder der letzteren, die nach der Revolution nach Amerika ausgewandert waren, drängten sich Ford auL denn sie hatten Bedarf für sein Gold und wollten zugleich ihrem alten Antisemitismus die Zügel schießen lassen." -. In den Geheimberichten wird Ford mit der Chiffre „Carr" (car Wagen) bezeichnet. Der Sitz der Agentur befindet sich Broad-street 20, New-York. ^'ord scheint' das geschichtliche Gesetz nicht zu kennen, daß, wer irgend eine Rasse oder Religion zu verfolgen beginnt, damit zugleich einen Kreuzzug gegen das Freiheitsprinzip anfängt." Daher kommt es, daß die Pseudodetektivs C. C. Daniels' sich nicht nur mit den russischen Monarchisten verbündeten, sondern bald auch mit den großen chauvinistischen Nationalistenvereinen, mit Ausnahme des Ku Klux Klan. Daß diese Ausnahme gemacht wurde, rührt wahrscheinlich daher, daß der genannte übergeschnappte Geheimbund nicht nur gegen samtliche Ausländer wütet, sondern speziell auch Ford gegenüber feindselig auftritt, 'der zwar ein „echter" Amerikaner ist, aber die Sünde begangen hat, einem römisch-katholischen Bischof ein Auto zu schenken. (Der K. K. K. verfolgt nämlich alle Katholiken ebenso giftig, \vie„alle Juden und Ausländer.) In Verbindung mit der „Gesellschaft für die Verteidigung der Vereinigten Staaten" und dem „Nationalen Bürgerbund" nahmen Fords Spitzel das fortschrittliche „Bureau für die bürgerlichen Freiheiten" aufs Korn, weil dieses, der allgemeinen Duldsamkeit huldigend, die Tätigkeit der reaktionären Kreise und Verbände geißelte und weil dem Vorstand neben zahlreichen hervorragenden Christen (Oswald Garison Villard, Jane Addams, Helene Keller, Jeanette Rankin und viele andere) auch drei Juden angehörten . . . „Es ist nicht" wahrscheinlich, daß Ford "persönlich die Absicht hatte, seinen antisemitischen Feldzug in eine allgemeine! Bekämpfung der fortschrittlichen Gesinnung ausarten zu lassen; moralisch aber trifft ihn der berechtigte Vorwurf, daß er bösartige Kräfte in Bewegung gesetzt hat, welche den bereits vorhandenen ähnlichen Kräften den Rücken stärkten." Zu Fords Mitgliedern auf der schiefen Ebene! wahnwitziger Hetze gegen die Juden, den Freisinn und das Gewerksvereinswesen zählt - ein gewisser Leslie Frey- Schischmareff, der in Seranton, dem Herzen der gewaltigen pennsylvanischen .Kohlenregion, das auf die unzufriedenen Elemente der Bergarbeiterschaft berechnete! Wochenblatt „The Gehtile Tribune'U(= „Tribüne der Nichtjuden") herausgibt, in welchem er einerseits neben vielen anderen bekannten fortschrittlichen Persönlichkeiten einige derjenigen . angreift, die in den Gehelmberichten (sie sind jedoch eben nicht ganz geheim geblieben!) der Fordschen Schnüffler eine große Rolle spielen, anderseits den Detroiter Milliardär und seinen „Feldzug" fast in jeder Nummer lobpreist! Der wackere L. F.-Sch. fordert die Arbeiter auf, nicht den Straßeneckenrednern zuzuhören, da diese „fast durchwegs Juden" seien, die „die Absicht haben, den Umsturz der Vereinigten Staaten herbeizuführen". Die. Kohlenstreiks seien „von Juden zu jüdischen Zwecken in Szene gesetzt und finanziert". IV. Auch in der Bundeshauptstadt Washington unterhält Ford ein Detektivzentrum, nicht nur in New-York. Es steht unter der Leitung des dortigen Advokaten Hunter Creech (123 X) und des Berufsdeitektivs Charles Smith (124 X). Dieser war früher im Dienste der Bundesregierung zusammen mit C. C. Daniels als Paradedetektiv in der Indianerabteilung des Bundesministeriums der Innern tätig. Sie inszenierten die bereits geschilderte Beschnüffelung des Oberrichters Brandeis wegen einer vermeintlichen privaten Telephonleitung ins Weiße Haus. Diese Herren brachten es unter anderen „Erfolgen" auch zuwege, sich „von einem gewissen sanftmütigen kleinen Herrn in Brooklin" die Auskunft aufschwatzen zu lassen, der Schwiegersohn des Obersten House, des Exfreundes Wilsons, Gordon Auchincloss, sei ein „Jude!!!" Diese Mär wurde ohne Nachprüfung geglaubt, als feste Brücke zu Wilsons Judenfreundlichkeit betreten und führte zu der lustigen Blamage in Sachen des Brandeisschen Privat-Telephondrahtes! (Schluß folgt.) Vom judischen Humor.. Die nachstehenden Anekdoten sind dem soeben im Kommissionsverlag bei Rudolf Lechner 6c S o h n, Wien, 1. Bez., erschienenen, bei uns. bereits besprochenen Büchlein von Hermann BI u m e n t h a 1 „Die besten jüdischen Anekdoten." (Perlen des Humors) entnommen, das, mit efiiniör Umschiagzeichnung von Urael B Birnbaum geschmückt, eine Anzahl trefflicher, treffsicherer jüdischer Anekdoten und., Spässe enitibält. Valuten. Ein Kaufmann, der keinen guten. Ruf liat, kommt zum Bankter Ludlmerer in Lemberg und .will Valuten kaufen. „Können Sie mir 500 Schweizer Franken geben?" fnaigt er. „Ich hab' nicht," erwidert der Bankier. „Dann geben Sie mir, bitte, 100 Dollar," sagt der Kaufmann. „Ich hab' nacht," wiederholt der Bankier. „Sie haben nicht," sagte der Kaiufon&nm nachdenklich. „Daran bitte ach tun 30 englische Pfund." „Ich hab' nicht" „Sie haben keine Franken, Sie haben keine Dofer und auch keine Pfund," ruft dier Kaufmann verwundert. „Was denn haben Sie?" „I c h h a bl M o i r e" (Angst), meint der Bankier gellassen. Der Lohn. Ein Soifer (Thoraschreiber), der sechs kleine Kinder zu erhalten hat, erledigt für den Rabbi die schriftlichen Arbeiten, ohne das vereinbarte Honorar zu. erhalten. Er klagt einem Chassid siei'n Leid. „Umsonst kannst du für den Rabbi n&cbt arbeiten," meint dieser „Wenn er dich nicht bezahlt, so schreib für ihn nicht mtehr." „Was isti mir diamit gedient," meint der Soifer nachdenklich. „Wennich nicht schreiben werde, wird er denn dann bezahlen?" Die Teilung. Zwei Bettler, ein blinder und ein sehender, werden von einem Obsthändler mit einem Topf Kirschen beschenkt. - Sie