Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 24 (13.6.1924)
- Date
- 1924-06-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr, 24 DIE WAHRHEIT Seite c> berg, nur wünscht er nicht mit diesen edlen Gestalten in einem Atemzuge genannt zu werden. Aber er teilt mit ihnen dieselbe Verständnislösigkeit für alles, was mit der Religionsgeschichte Israels zusammenhängt; er spricht auch — wie alle Judenfeinde — von dem in ihr zum Ausdruck kommenden „Hang zur Veräußerlichung der Religion und der Sittlichkeit und zur Nationalisierung der religiösen Ideen". Wie oft schon widerlegt und zum tausendsterimal wird der Irrtum aufgetischt. Der Herr Verfasser nennt die „Geheimnisse der Weisen von Zion" berüchtigt — aber trotzdem ist ihm das Rätsel der Entstehung dieses Buches noch ungelöst. Daß der Herr Geheimrat Dinters Roman „Die Sünde wider das Blut" geschmack- und geistlos nennt, wollen wir nur beiläufig erwähnen. Wenn ein Professor Seeberg den Kampf gegen das Judentum proklamiert und nicht gegen einzelne Juden, so darf er sich nicht wundern, daß in einer Besprechung seines Buches (im „Türmer" Aprilheft 1924) Prof. Dr. Conrad Bornhak den Satz auf ihn anwendet: Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht naß; die einzelnen Juden dürften nicht unberührt bleiben, das heißt er sei nicht dafür, alle Juden totzuschlagen — das hebt er zartsinnig ausdrücklich hervor. Wir dürfen also drei Etappen unterscheiden, Seeberg, Bornhak und Kunze. Ehe die Führer des deutschen Volkes nicht zur Einsicht und Selbstbesinnung kommen, ist ein Aufstieg undenkbar. Caveant consulesü Hinter den Kulissen. Norman Hapgoodis EntMlkiwgen über Henry Fords Judenspionage. Von Ludwig Ungar. Der hervorragende amerikanische Journalist Hapgood. ein Nicfotjaiide, hat schon 1922 in „Heart's International Ma- Detailsj keine Aufdringlichkeit in den Farben, aber doch erkennbar, wie kostbar alles ausgestattet ist, dlite Kupferarbeiten, die kunstvollen Beleuchtungskörper, anstatt Malereien gemeißelte Formen, alles echt, Stein und! Bronze, der Raum hoch ulrod weit und doch übersichtilich; die Heilige Lade ein Bau für sich, der Almamor in der Mitte, nach allen Seiften hin das Ganze beherrschend, dies alles ist eine Individualität in der Geschichte der Synagoigenbaiuten der neuesten. Zeit. ' ' Auch 'da befinden sich die Ja'hrzeitliühter auf der einen Seite und die Awelimlichter auf der anderen vorne nächst dler heM-igen Lade; eine Einrichtung, diie ich vor Jahren in der Badener Synagoge eingeführt hatte und die ich in den mir bekannten Synagogen des einstigen Oesterreich-Ungarn vermisse. In vielen 'derselben finden sich diese Lichter an der Rückwand, an letzter Stelle angebracht, was gar nicht pietätvoll stimmt. Obwohl in der Sephirazeit, wurde der Abendgottesdienst sehr früh — um 7 Uhr — abgehalten; diejenigen, die „Maariv bisimano" beten und zur nichtigen Zeit zählen wollen, suchen eben die Minjamin auf. Selbst zu diese«! Abendwochengebete erscheint im dieser hochorthodöxen Gemeinde der Vorbeter und sogar der Rabbiner mit den Barett und Mantel, was* sich in Deutschland selbst in den frömmsten Gemeinden allgemein eimigefimrt hat. Die deutschen orthodoxen Gemeinden zeigen nämlich, wie man Form und Inhalt nach innen und außen hin än. schönsten Einklang bringen kann und es dürfte auch dies iriit dazu beigetragen haben, daß die deutsene Orthodoxie gegen diie Reform auf allen Linien gesiegt hat Hochinteressant war es mir, zu bemerken, daß nach dem Olenugebet in Frankfurt kein „Kadisch" jossaun" gesagt wird; es ist dies, wie man mir sagte, nur noch in einer änderen deutschen Gemeinde der Fall, nämlich in Mainz; es ist also nicht ausschließlich ein „Minhag Frankfurt". Die Ursache hierfür konnte man mir nicht erklären. Beim Morgengebet wird das „Kadisch jossaun" nach dem auf das „Olenu" folgenden „Mismor" gesagt. gazine" unter dem Titel „The inside story of Ford's Jew mania" eine Artikelserie veröffentlicht, in der er unter Beibringung dokumentarischer Belege die Hauptquellen von Fords Abneigung gegen den „internationalen Juden" nachweist. Ein großer Teil seiner Darlegungen — die unwidersprochen blieben, weil sie authentisch sind — ist so verblüffend und für die kindliche Leichtgläubigkeit des Auto- und Reklamekönigs so bezeichnend, daß niemand, der den zeitgenössischen und namentlich den in den Vereinigten Staaten sich geltend machenden Antisemitismus, erforschen und bekämpfen möchte, an diesen Enthüllungen achtlos vorbeigehen darf. Da sie jedoch in Europa unbekannt geblieben, will ich aus ihrer Fülle einiges Interessante ausziehen, das, nebenbei bemerkt, Ford auch als den Kindskopf erweisen wird, der er, wie Hapgood mit Recht betont, außerhalb seiner Geschäfte ist — ein Umstand, der die vielen tatsächlichen Irrtümer und Unwahrheiten erklärlich macht, die er sich einreden ließ und die seine zwei Bände „Der internationale Jude" so arg entstellen. I. Mau erinnert sich zweifellos noch des schändlichen Beilissprozesses. (Beiliss lebt seither als Buchdrucker in New-York.) Nun den«, einer der schlimmsten russischen Macher in dieser Affäre, das russische Ex-Ochranamitglied Boris Brasoi, der sich längst als ein Vertreter der zaristischen Richtung in den Vereinigten Staaten niedergelassen hat und dort für die Rückkehr der Romanoffs wirkt, ist eine der Hauptstützen der indenfeindlichen Bewegung „drüben", vor allem einer der wichtigsten Kronzeugen Fords. Dieser „hat keine Ahnung davon, zu welchen Zielen er von Kräften mißbraucht wird, die aus ihm einen Affen machen und sich seines Reichtums zu selbstsüchtigen Zwecken bedienen. Seine Absichten sind gewiß gute, aber Könige sind schon oft durch Schmeichler zur Eitelkeit und Grausamkeit getrieben worden." Hapgood gibt einen faksimilierten, eigenhändigen russischen Brief vom 1. Juni 1#21 wieder, in welchem Brasoi behauptete, er habe „innerhalb der letzten zwölf Monate zwei Bücher geschrieben, die den Juden größeren Schaden zugefügt haben als zehn Pogroms hätten tun können". Dieses Schreiben war an den ebenfalls monarchistischen, jetzt in Chicago ansässigen russischen General Spiridovitsch gerichtet, der es verstanden hat, sieb bei Ford einzuschleichen und ihn Beim Besuche der Synagoge wird Stock oder Schirm in der anschließenden Garderobe abgelegt es ist selbstverständlich, daß am Schabbos oder Feiertag diese Utensilien überhaupt nicht mitgenommen werden. Wie schrecklich sieht es diesbezüglich bei uns in Oesterreich aus. Es wäre sehr zum Vorteil, wenn so manche Gemeinde- oder Tempelvorstände sich die deutschen orthodoxen Synagogen ansehen würden, ihre Bet- und Syuagogenordnungen praktisch studieren möchten und aus eigener Anschauung so manches für die eigene Gemeinde lernen würden; denn »hören ist nicht dasselbe wie sehen", wie es im Talmud heißt. Da ich nun schon in Frankfurt war. drängte es mich, auch das alte Frankfurt, wenn auch nur im Fluge zu sehen; dafc ist nämlich die Altstadt. Die Altstadt unterscheidet sich gewaltig von dem modernen Teil. Ich sah das alte Rathaus, den Römer, wo die deutschen Kaiser gekrönt worden sind, das große Rondeau von uralten Patrizierhäusern, den großen Platz vor dem Römer mit dem Brunnen, aus dem am Krönungstage Wein statt Wasser floß, und, wo für das Volk ganze Ochsen gebraten wurden. Aber auch den Platz, wo Fettmilch für seinen Aufstand gegen die Judenstadt hingerichtet wurde. Die Paulskirche, wo im Jahre 1848 der berühmte deutsche Reichstag versammelt war. Wie lange her scheint uns dies heute zu sein! Man sieht die alten Ghettostraßen, das alte Rpthschildhaus; auf dem Wege längs des Main, mit dem Ausblick auf Sachsenhausen, die Rothschild-Bibliothek. Und dann rings herum wieder die Rückfahrt in das neue Frankfurt mit den neuen Patrizierhäusern. Die Rundfahrt ist die Sache wert, wenn auch nur alles flüchtig gesehen werden kann: im Bilde bleibt doch noch etwas haften; man kann es begreifen, wenn der Frankfurter stolz auf sein Frankfurt ist, so daß ein Frankfurter berühmter Dialektdichter, der in der Altstadt sein Standbild hat, nämlich Stolze, ein Gedicht mit den Worten schließt: „Wie kann ein Mensch nicht von Frankfurt sein."