Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 23 (6.6.1924)
- Date
- 1924-06-06
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 25 DIE WAHRHEIT Seite 9 Wahrheiten vom Tage Die Lehren eines Attentats. Kein Wort ist scharf genug, dem Abscheu und der Entrüstung Ausdruck zu geben, die alle Kreise, nicht nur unseres Staats, über den Anschlag auf das Leben des Bundeskanzlers Dr. Seipel erfaßt hat. Es ändert grundsätzlich wenig daran, daß die ruchlose Tat ein mit sich und der Welt zerfallener Entgleister verübt hat, dessen Beweggründe in dem Augenblicke, da wir diese Zeilen schreiben, noch nicht klargelegt sind. Festgestellt aber muß werden, daß eine Desperadopolitik" allüberall an der Tagesordnung ist und gerade die besten Männer an führender Stelle zum Opfer wählt. Es ist unbestritten die niederträchtigste Methode, die parteitaktische Fehler eines Menschen widerlegen zu wollen, indem man ihn selbst aus der Welt schafft. Ein solches System hat sich leider durch allzu lange Duldung in der einst lammfrommen österreichischen Politik eingerichtet. Manches daran mag auch die Verwilderung der Rechts- und Moralbegriffe verschuldet haben. Mehr als auf irgend einem Gebiete läßt sich hier sagen, daß es der Fluch der bösen Tat ist fortzeugend Böses zu gebären. Aber mit leeren Inkriminationen und Klagen läßt sich dieses Böse nicht aus der Welt schaffen. Es bedarf vielmehr rasch und-gründlich zu fassender Entschlüsse, energischer Maßregeln, wie sie die verzweifelten Verhältnisse als ein Gebot der Stunde heischen. Um es kurz und bündig zu sagen — es muß ein Gesetz zum Schutze der Republik geschaffen werden, wie es nach den politischen Attentaten in Deutschland und der Tschechoslowakei entstanden und in der letzteren auch schonungslos gehandhabt wird. Das Leben der Staatsbürger, ob sie an führender Stelle oder nur gewöhnliche Menschen sind, darf nicht weiter den erstschlechten Mordbuben preisgegeben oder gar mit 100.000 Kronen gesichert werden. Das ist die ein dringliche Lehre aus dem Attentat auf Dr. Seipel. Ein jüdischer Progromschreier. Wie denn könnte man den Juden Pollak nennen, den Inhaber eines Plakatierungsinstitutes in Wien, der seine Ankündigungstafeln — für gutes Geld natürlich, nicht „bloß" aus Idealismus — den Hakenkreuzlerorganisationen Hitlers zur Verfügung stellen wollte, damit sie ihre Aufrufe zu Judenmord, zu Raub und Boykott, ihre Verleumdungen und Besudelungen'jüdischer Ehre hier in Wien und im übrigen Oesterreich, in den Nachbarstaaten und selbst in den Ostländern affichieren könnten; so Millionen Menschenleben mit dem Gift des gemeinsten Antisemitismus infiltrierend und Haß und Feindschaft in dieser ohnedies haßsüchtigen, gottlosen Welt mehrend. Kann irgend jemand diesen Pollak übertreffen an Unverschämtheit? Er gehörte aus dem Judentum ausgestoßen (wenn er nicht schon selbst ausgetreten ist) und von allen ehrlichen Menschen — nicht nur von Juden — bespien. Er sei an den Pranger gestellt als ein Unikum in an dieser Verderbtheit wahrlich übersäten Welt. Dieser Pollak hat die Milliarde Kronen, die ihm der Hitler-Vertrag einbringen sollte, nicht verdient; im Gegenteil, er hat eine schöne, in die Millionen gehende Summe an dem „Geschäft" verloren. Wie das kam? Nun — Herr Pollak wurde von einem Schwindler, der ihm den Vertrag Hitlers überbrachte, um den Betrag geprellt. Der Betrüger heißt Herzog und ist Arier. So haben sich denn zwei würdige Gesellen gefunden. Es ließe sich darüber streiten, wer von den Beiden „schöner" gehandelt hat .... Herzog hat bisnun — er ist noch sehr jung — allen Parteien von der äußersten Linken bis zur Rechten angehört. Auch alle möglichen Berufe hatte dieser talentierte Jüngling schon „ausgefüllt"; u. a. war er Redakteur der „Reichspost'' — wie er selbst behauptete — und, zum Schluß Hitleragitator. Zweifellos stand er mit Führern der Nationalsozialisten in Verbindung. Auch wenn diese ihn jetzt verleugnen. Hitler erklärte nämlich, daß die Unterschrift auf dem Pollak-Verlag gefälscht sei. Er habe sie nicht gegeben. Er wisse gar nichts von einem derartigen „Geschäftsabschluß". So mußte denn Herzog, des Betruges angeklagt, in den Kerker (nicht zum ersten Male). Doch: von einem Punkte der Anklage wurde er freigesprochen: der Richter gab der Vermutung Ausdruck, daß die von Hitler verleugnete Unterschrift docluecht sei (was auch der Angeklagte behauptete)! So hat der Richter denn — Hitler auch verurteilt. Er bezweifelte die Glaubwürdigkeit seiner Aussage — doch der Teutscheste der Teutschen schweigt. Recht hat er; wenn man Butter am Kopfe hat, geht man nicht in die Sonne. Es wird halt doch etwas wahr daran sein an der Behauptung des anderen Verurteilten. Vielleicht, wenn die Hakenkreuzlereien in den letzten Monaten nicht immer wieder schief ge- ErmüJsin^ «^IkBe iifM iiillilli iirifiiriwwpfi^^ gangen wären — vielleicht, daß Herzog dann nicht in den Kerker geschickt worden wäre. Man hätte ihn dann nicht verleugnen müssen. Denn dann wäre ja Geld in den Hitlerkassen gewesen. So aber? „Wir sind stier. Wir haben nichts übrig für Propaganda!" . . . „Nichts gewisses, weiß man nicht." Aber der Verlauf dieses von vielen Gesichtspunkten aus interessantenjüdisch-antisemitischen Progromisten-Prozesses läßt mit großer Wahrscheinlichkeit vermuten, daß unsere im obigen skizzierte Vermutung richtig ist. R—n. Auch eine jüdische Gemeinheit? Im „Drachen", der lustigen sächsischen Wochenschrift, die früher Hans Reimann redigierte und die jetzt von Hans Bauer geleitet wird, stand das folgende Geschichtchen: „Bei den strengen Juden ist es üblich, daß am Pessachvorabend alle herumliegenden Brotkrümel gesammfeit und verbrannt werden, damit das hohe Fest keine Spuren gesäuerten Brotes vorfinde. Auch ein in der Hallischen Straße 130 wohnender Israelit hatte diesen frommen Brauch geübt, hatte aber so spät begonnen, daß der Sonnenuntergang, das Merkmal des Anbruches des Pessachs. ihn überraschte, als er die Krumen wohl gesammelt, aber noch nicht dem Feuertode überantwortet hatte. Da er am Pessach auch mit Feuer nichts zu tun haben durfte, übergab er die Streichholzschachtel mit den Brotresten der Portiersfrau seines Hauses und bat sie, die Verbrennung vorzunehmen. Aber die Portiersfrau mißtraute. Ihr ahnte Schauerliches. Sie lief zur Nachbarsfrau und erzählte von dem seltsamen Auftrage. Und die Nachbarsfrau hatte schon davon gehört, daß die Juden Christenkinder schlachten, und bestärkte das Mißtrauen. Da verständigten die beiden die Polizei und die Polizei ließ die Streichholzschachtel abholen. Auf der Wachstube ging man daraufhin unter Anwendung und Beachtung ausgedehnter Sicherungsmaßnahmen unter Benutzung von Pinzetten und Nadeln an die vorsichtige Oeffnung der Schachtel. Die Herren von der Polizei fanden Brotkrumen in ihr. für jeden wahrhaft Deutschen erhebt sich aus dieser buchstäblich wahren Geschichte, die am Freitag, den 25. April dieses Jahres in Leipzig geschehen ist, die berechtigte Frage, welche besondere jüdische Gemeinheit wohl dahinterstecken mag, daß die Schachtel weder Dynamit noch Leichenteile enthielt." Etwas für das arische Raucherherz. Das nationale Prager „Deutsche Tageblatt" enthält folgende Anzeige einer