Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1924-06-06 · Heft 23 (6.6.1924) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 23 (6.6.1924)
Date
1924-06-06
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3062972-3064071-3064093--12855-3080328
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite tO_ _ DIE WAHRHEIT _ Nr, 25 „deutschvöikischen'' Zigarettenfabrik: Deutsche Männer! Raucht nur Zigaretten mit Hakenkreuz. Nur dadurch haben Sie die Gewähr, daß Sie auch wirklich eine reelle Zigarette aus garantiert rein orientalischen Tabaken kaufen. Wiederverkäufer mit vaterländischer Gesinnung überall bei hohem Verdienst gesucht." Zigaretten mit vaterländischer Gesinnung aus echt arisch-orientalischem Tabak! Raucherherz, was begehrst du noch mehr?! - Bahr und die Hitlerei. Die Nummer des umiwteinischen „Neuen Wiener Journal" von Sonntag, den 20. April d. J. ist im wahrsten Sinne des Wortes eine feine Nummer. Man braucht nur die Titel, resp. Verfasser: der darin veröffentlichten Aufsätze anzugeben, um sich sofort ein Bild davon zu machen, wie ...unparteiisch" dieses Wiener Tagblatit ist. Derl Kuriosität halber seien - sie hier teilweise aufgezählt: ,.Kaiserin Zita", „Trotzky — tuberkulös", „Wann gab Ludendorff den Krieg verloren?". ,.Der Zusammenbruch 1918" von Karl Werk mann, „Aristokratenberufe von heute", „Spione,. Rebellen und Meuterer", „Die Kriegsgefahren in Europa" von TVL Auffenberg-Komarow. „Wie ich den Kaiser das letztemal sah". „Die Osterfahrt 'Kaiser Karls nach Ungarn" von Sektionschef Dr. S c h a g e r - E c k a r t s au. „Liebesgeschichte und Staatsaffäre" von Richard Smekal. „War dfie russische Literatur schuld (am Bolschewismus)?", ..Der Höfer-Bericht", „Als die Adria noch unser war" von Emil Seliger, „Erinnerungen eines preussischen Gardekavallerieoffiziers" usw. In diesen Rahmen fügt sich nun hübsch Herr Hermann Bahr ein, der in seinem „Tagebuch" folgende Auslassung notiert: „Mir altem Manne schien die Hitlerei von Anfang an erfolglos, aber wenn ich einen Sohn hätte und der wäre kein Hitlermann und der stünde nicht jetzt auch vor Gericht, ich kann mir nicht vorstellen, daß ich mich über ei;icn solchen loben s würdigen Jüngling besonders freuen würde. Und was wird denn auch, verurteilt man Hitler und seine Getreuen, das Ergebnis sein? Man schafft Märtyrer, schafft eine Legende, das Rechtsgefühl ist erschüttert. Rachbegier entzündet und der Augenblick versäumt, durch eine große Gebärde gegenseitigen Vergebens, Verzeihens, Vergessens daran zu mahnen, daß alle doch dasselbe wollen, und es im Grunde ziemlich gleichgültig ist, auf welchen Wegen sie zur Entscheidung eintreffen." Der „alte Mann" scheint alle Vorzüge des Alters zu besitzen, vor allem ist er sehr vergeßlich, erinnert er sich doch kaum mehr seines feurigen Protestes zugunsten des Münchener Gegenstückes Hitlers, des Kommunisten Toller, bei dem das Rechtsgefühl wohl in stärkerem Maße erschüttert wurde als bei Hitler und Konsorten. Dagegen hat er nicht an seine erste Liebe, den Antisemitismus, vergessen. Ob der frischigetjaekene Hakenkreuzler wenigstens aufhören würde, AlitarbeMer einer Zeitung zu sein, die in jüdischen Händen Irßgt? Wir glauben d«s nicht, denn die „verjudete" Zeitung wird ja auch kaum aufhören, ihn zu drucken, paßt er ihr ja vortrefflich in. ihren Kram. Schewuoth. O Fest, vom Frühlinigsduft umschwebt, Du nahst uns wundersam beglückend Mit dem Gesetz, das ewig lebt. In ferne Zeiten, auch entrückend Den Geist. Wo Jubel schaMi, AHSiberaM ein frohgeschäftig Regen. Das Ernteidänkf est feiernd, widerhallt Das heiiTge Land1 von Freudie. Glück und Segen. Jahrtausende versunken und verrauscht! Doch an dem Fest der reichen Frühlingsbllüte Dein VoJk — wie einst — der Gotteslehre lauscht Und unser Mund1 preist laut, Herr, Deine Güte. Beate Bauimgarten. \ Theater, Kunst u. Literatur Die Krise des Zionismus. Ueber diese Angelegenheit von mehr oder weniger Interesse für die gesamte Judenheit sprach am 28. Mai im vollkommen gefüllten großen Konzerthaussaale Wladwnir .1 a b o t i n s k y. ELn Wissender, Unbeirrbarer, der mi/t eigenen Augen gemachte Wahrnehmungen, mit eigenem Verstand daraus gezogene Folgerungen der großen Oeffentlichkeit bekannt gibt. Jabotinsky sprach der Mehrheit 'des letzten Zionistenkongresses nicht zu Gefallen. Er tat dies auch nicht einem Teil des massenhaft zu seinem Vortrag erschienenen Publikums im Konzerthaus, das aber: förmlich unter dem Bann dieser starken eigenartigen, persönlich sympathischen Persönlichkeit stand. Der ehemalige Militär verleugnet sich nicht in seinem Auftreten, das bei aller Selbst- — bewußtheit viel aufrichtige Schlichtheit zeigt. Zu Beginn seiner fast zweistündigen Rede beschränkte er sich auf statistische Daten. Man erfuhr, daß die Einwanderung nach Palästina seit 1922 stetig abgenommen. Im. verkehrten Verhältnisse hierzu standen die stets wachsenden Summen, die von den Juden der alten und der neuen Welt für den Keren Hajessod gespendet wurden. Man hätte damit umsomehr das Auskommen finden können, als die Lebensführung in Palästina sich stetig verbilligt habe und die Preise ebenso sinken! so daß ein Pfund1 heute etwa 30 Prozent mehr Kaufkraft als vor zwei Jahren habe. Redner erklärte loyal, daß er dem zionistischen Exekutionskomiitee keimen Fehler in der Verwaltung vorwerfen könne. Das Uebel liege auf einer anderen Seite, hauptsächlich bei der obersten Verwaltung des Landes. Der von der Mandatarmacht England bestellte Oberkommissär Samuel habe die von der Judenheit in ihn,gesetzten Hoffnungen nicht gerechtfertigt. Samuel ist kein starker Mann für die Juden. Die Absichten, mit denen er sein Amt angetreten, waren ehrlich, aber die Regierung hatte ihm in der Person des Herrn R i c h m o n d einen Kontrollor an die Seite gesetzt, der gar kein Hehl aus seinem Antisemitismus mache. Nicht Altrußland, nicht Altrumänien war so antisemitisch, wie es h e u t e Palast i n a ist. In der Weise, wie Jabotinsky vor dem gespannt lauschenden Zuhörern die „himmelschreienden Illustrationsfakta" aufzeigte, ließ er sich von dem Gegenstande hinreißen und sein heftiges Temperament äußerte sich im starken Tonfall und in markanten Ciesten. Wenn man Jabotinsky glauben will, und es ist kein Anlaß zum Gegenteil, ist Samuel derart eine Puppe in den Händen Richmonds, daß keine Staatsaktion, keine wirtschaftliche Verfügung getroffen wird, wenn sie die Empfindlichkeit jier Araber verletzen könnte. Ein krasses Beispiel: Als heuer zu Ostern in Jerusalem eine Ausstellung gemacht wurde, die Sir Samuel eröffnen sollte, erkundigte sich dieser vertraulich, ob auch Araber ausgestellt haben, und als dies verneint wurde, lehnte es der erste Mann in Palästina ab, die Ausstellung auch nur offiziell zu besuchen. Als Jabotinsky erzählte, daß Richmond in Erkenntnis seiner unliebsamen Rolle dem Vorgesetzten Samuel die Demission gab, lehnte dieser .ab und bat ihn, noch ein Jahr zu bleiben, da ging eine mächtige Sensation - durch die Zuhörerschaft. Daß unter solchen Zuständen die palästinensische Krise nicht überwunden werden könne, sei einleuchtend und müsse auf eine Remedur von allen jüdischen Parteien hingearbeitet werden. Ist es doch bereits so weit gekommen, daß im Einwanderungskomitee unter fünf Arabern nur ein Jude sitzen darf. Jabotinsky erwartet eine Lösung des Palästinaproblems von dem konzentrischen Wirken der Liga a k t i v i s t i s c h e r Z i 'o n i s t e n im Rahmen dier zionistischen Organisation, deren Bildung sich bereits vollzogen habe. Dem fesselnden Vortrage folgte stürmischer Beifall, in dem die schwachen Versuche der Opposition nicht zur Geltung kamen. — In einem früheren Vortrag „Islam, Europa und Juden" hatte Jabotinsky die Schwierigkeiten der Kolonisierung im allgemeinen und die Palästinas im besonderen von politischen und ethischen Gesichtspunkten aus nachgewiesen und die Lösung der schwierigen Frage nur durch strikte Durchführung der Balfourschen Erklärung bezeichnet. Gröfites Gager in feinst.?^TeZT^ZeS^,n^ DnhhJUC Dinorchorif II rM- 'M EüAsen, Etoles n. Capes ZSiSw^S^SSS&^lSXSi I KItllillö ripClOIIEIS, II. tr.Molir.iii.2-e *

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.